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Nürnberg: Wie der mutmaßliche Todesschütze gefasst wurde


Hotelzimmer gestürmt
Nürnberg: Wie Fahnder den mutmaßlichen Todesschützen aufspürten

Von dpa, t-online, krei

Aktualisiert am 30.01.2023Lesedauer: 3 Min.
Schüsse in Nürnberger SüdstadtVergrößern des BildesDer Tatort in der Südstadt (Archivbild): Kehrt in Nürnberg nach der Festnahme des per Haftbefehl gesuchten Täters nun Ruhe ein? (Quelle: Daniel Karmann/dpa/Archivbild/dpa)
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Der in Italien festgenommene mutmaßliche Todesschütze von Nürnberg soll nach Deutschland ausgeliefert werden. Ein Auslieferungsersuchen sei gestellt worden, teilt die Staatsanwaltschaft mit.

Monatelang wurde nach dem mutmaßlichen Todesschützen von Nürnberg gefahndet. Am Samstagabend kam nun die Entwarnung: Mert A. ist in einem Hotel in Italien festgenommen worden. Er soll nun nach Deutschland ausgeliefert werden. Ein entsprechendes Auslieferungsersuchen sei gestellt worden, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth, Antje Gabriels-Gorsolke, am Montag.

Mert A. wird verdächtigt, im Oktober in der Nürnberger Südstadt vor einem Café auf zwei Männer geschossen zu haben. Einer von ihnen starb, der andere wurde schwer verletzt. Den Ermittlungen zufolge planten der mutmaßliche Täter und die Opfer möglicherweise gemeinsame Geschäfte, wie der Leiter der zuständigen Sonderkommission "Graben" der Nürnberger Kriminalpolizei, Alexander Berthold, sagte. Was zum Bruch zwischen ihnen geführt habe, werde noch ermittelt.

Verdächtiger mit "breitem Netzwerk" in Europa

Berthold zeichnete bei der Pressekonferenz den Fall nach. Den Ermittlungen der Sonderkommission zufolge stammt A. aus der Türkei, gab sich aber im April 2022 als ukrainischer Flüchtling aus und kam so nach Deutschland. An seiner deutschen Meldeadresse habe er nie gelebt. Seine Anträge auf eine Aufenthaltserlaubnis seien ausgerechnet am Tattag, dem 24. Oktober, abgelehnt worden - das habe er aber damals nicht gewusst, weil ihm die Ablehnung noch nicht zugestellt worden sei.

In Deutschland habe A. sich ein "breites Netzwerk" aufgebaut und auch in anderen europäischen Ländern Freunde gehabt. Offenbar plante er, mit Tabak- und Shishaprodukten zu handeln. Am 24. Oktober aber soll er auf die beiden Männer geschossen haben.

Auf der Flucht von Nürnberg nach Frankfurt

Nach den Schüssen sei es zu einem Gerangel mit mehreren Passanten gekommen, wobei dem Tatverdächtigen die Pistole entrissen worden sei, sagte der Polizeipräsident für Mittelfranken, Adolf Blöchl. Er sprach von einer "brutalen" Tat, die in Nürnberg und vor allem bei der türkischen Community große Betroffenheit ausgelöst habe. Schon nach drei Tagen sei die Sonderkommission mit zwischenzeitlich mehr als 50 Beamten gegründet worden.

Der mutmaßliche Täter sei nach den Schüssen geflohen, erklärte Leiter Berthold. Er habe sich die Nacht über in Nürnberg versteckt und sei dann nach Frankfurt am Main gefahren. Bei einer Großrazzia Mitte Dezember sei er aber nicht gefunden worden, danach habe sich seine Spur verloren.

Hotelzimmer gestürmt, während er schlief

Die Fahnder in Italien fanden nun heraus, dass er schon seit dem 28. Dezember unter falscher Identität ein Zimmer in dem Hotel in Rimini gebucht hatte. Ob er tatsächlich seitdem dort lebte, wurde noch nicht geklärt. Als die italienische Polizei das Zimmer stürmte, habe A. geschlafen. Er habe keine Gegenwehr geleistet. In dem Zimmer seien eine unregistrierte Pistole und Munition gefunden worden, außerdem ein gefälschter griechischer Personalausweis.

Die Polizei hatte in Deutschland und Europa nach A. gefahndet und dabei auch die Öffentlichkeit einbezogen. In sozialen Netzwerken, auf Infoscreens an Bahnhöfen und auf der Homepage von Interpol sei er zu sehen gewesen, sagte Berthold. Außerdem war der Fall am 18. Januar Thema in der Fernsehsendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst".

Oberstaatsanwältin Gabriels Gorsolke sagte, dass der Haftbefehl momentan auf Totschlag laute. Ob es letztlich zu einer Anklage wegen Mordes komme, hänge von den Ermittlungen ab. Zunächst war noch unklar, wann und wie es mit dem Auslieferungsverfahren weitergeht.

Frust und Verunsicherung in Nürnberg

Wie geht es dem Vater des Getöteten mit der Nachricht, dass der Tatverdächtige endlich gefasst wurde? Sie lindere seinen großen Schmerz ein bisschen. Halil Ö. hoffe auf die gerechte Strafe für Mert A., der mutmaßlich auf seinen Sohn schoss und ihn so aus dem Leben riss.

Das erzählt Bülent Bayraktar, der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in der Metropolregion Nürnberg (TGMN) ist und nach eigener Aussage in engem Kontakt mit Halil Ö. steht – dem Vater des 30-Jährigen, der noch in der Tatnacht den Schussverletzungen erlag. Ein weiteres Opfer kam mit schweren Verletzungen davon. Seit den Schüssen auf offener Straße war der Verdächtige mit türkischer Staatsangehörigkeit auf der Flucht.

Dass der Täter nicht zeitnah festgenommen wurde, darüber sei der Frust in der Familie von Ö. groß gewesen, erklärt Bayraktar auf Nachfrage von t-online. Dass sich Mert A. ins Ausland abgesetzt habe, überrasche Halil Ö. nicht. Ihn hätten Informationen erreicht, dass sich der Gesuchte im europäischen Ausland befinde, erklärt er über Bayraktar.

Auch türkische Unternehmer zeigten sich nach dessen Informationen über die Festnahme erfreut. "Nach den Hinweisen auf mögliche illegale Geldgeschäfte des mutmaßlichen Täters war eine gewisse Verunsicherung spürbar", erklärt Bayraktar, der in der Community gut vernetzt ist – und die Polizeiarbeit teils kritisch begleitet hat.

Verwendete Quellen
  • Anfrage bei Bülent Bayraktar
  • facebook.de: Halil Ö. (29.1.23)
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
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