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Franz Beckenbauer im Schattendasein: Was macht die Fußballlegende eigentlich?


Das Schattendasein der Lichtgestalt

Von Julian Buhl

Aktualisiert am 06.09.2022Lesedauer: 5 Min.
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Franz Beckenbauer: Der 76-Jährige überraschte zuletzt mit einem Stadionbesuch beim Heimspiel von 1899 Hoffenheim gegen Augsburg.
Franz Beckenbauer (l.): Der 76-Jährige überraschte zuletzt mit einem Stadionbesuch beim Heimspiel von 1899 Hoffenheim gegen Augsburg. (Quelle: Tom Weller)
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Franz Beckenbauer hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Die einstige Lichtgestalt des Fußballs lebt ein Schattendasein. t-online war auf Spurensuche.

Franz Beckenbauer ist noch immer für eine Überraschung gut. Die Zuschauer staunten jedenfalls nicht schlecht, als sie den 76-Jährigen zuletzt auf der Stadiontribüne erblickten. Ja, da schau her! Beckenbauer weilte nicht etwa in der Münchner Arena – wo er zuletzt im März 2021 bei der Partie gegen Stuttgart zu Gast war – beim Topspiel des FC Bayern gegen Borussia Mönchengladbach (1:1).

Stattdessen schaute er lieber beim Heimspiel von 1899 Hoffenheim gegen den FC Augsburg (1:0) vorbei. Beckenbauer, der als Freund und Vertrauter von Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp gilt, verfolgte die Partie in einer VIP-Loge und präsentierte sich dort mit Sonnenbrille und weißem Bart.

Von der Lichtgestalt ins Schattendasein

Er wirkte auffällig schlank und hager, wie schon bei seinen vergangenen öffentlichen Auftritten, die mittlerweile sehr selten geworden sind. Längst vorbei die Zeiten, in denen der "Kaiser" noch als Organisationschef der Heim-Weltmeisterschaft 2006 mit dem Helikopter durchs gesamte Fußballreich wirbelte und nicht selten am selben Tag gleich in mehreren Stadien gesichtet wurde.

Die dunklen Schatten, die sich über dem vermeintlichen Sommermärchen ausgebreitet haben, haben bekanntlich auch seine Strahlkraft erfasst. Die einstige Lichtgestalt des deutschen Fußballs führt mittlerweile ein Schattendasein. Er lebt nicht mehr in Kitzbühel, sondern zurückgezogen in Salzburg. Kommentare des früher noch omnipräsenten Cheferklärers der Fußballnation sind nun eine Rarität.

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Das Feuer der Begeisterung für seinen FC Bayern, den er als Spieler, Trainer und Präsident wie kein anderer geprägt hat, lodert aber noch immer in ihm. So war es auch kein Zufall, dass sich der Ehrenpräsident des Klubs ausgerechnet durch den furiosen Saisonstart der Münchner doch mal wieder aus seiner Abgeschiedenheit locken ließ.

Als die "Bild" ihn unmittelbar nach dem 6:1 der Bayern in Frankfurt mit einem Anruf überraschte, sagte er: "So eine Lust, so eine Leistung habe ich lange nicht gesehen. Die Erfolge mit Lewandowski sind die Vergangenheit, diese Mannschaft ist die Zukunft." Für einen kurzen Moment war da mal wieder der alte Beckenbauer zu erahnen, dessen Wort in Fußballdeutschland noch vor nicht allzu langer Zeit das höchstmögliche Gewicht hatte.

Beckenbauer trifft die Frauen-Nationalmannschaft

Sobald er doch mal wieder irgendwo erscheint, steht er immer noch unweigerlich im Mittelpunkt. Das war auch wieder zu beobachten, als er Anfang Juni mehr oder weniger zufällig in Herzogenaurach im EM-Vorbereitungscamp der deutschen Frauen-Nationalmannschaft auftauchte.

Beckenbauer versprühte dabei seinen altbekannten Charme und ließ sich mit Hut, Sonnenbrille und rosa Polohemd für ein gemeinsames Foto mit Nationalspielerin Linda Dallmann ablichten.

Franz Beckenbauer mit Linda Dallmann: Der "Kaiser" traf mehr oder weniger zufällig vor der EM auf die deutsche Frauen-Nationalmannschaft und ließ sich für ein gemeinsames Selfie fotografieren.
Franz Beckenbauer mit Linda Dallmann: Der "Kaiser" traf mehr oder weniger zufällig vor der EM auf die deutsche Frauen-Nationalmannschaft und ließ sich für ein gemeinsames Selfie fotografieren. Foto: instagram.com/dallmannlinda

Jeder, der auf ihn trifft, habe "natürlich erst mal Respekt vorm Franz – und ist dann angenehm überrascht über seine Freundlichkeit und unglaubliche Herzlichkeit, die er einem entgegenbringt", erzählt Klaus Eder t-online.

Der 69-Jährige arbeitete von 1988 bis 2018 dreißig Jahre lang als Physiotherapeut der Nationalmannschaft für den DFB und ist nach wie vor sehr gut mit Beckenbauer befreundet. "Er gibt einem immer das Gefühl, sein allerbester Freund zu sein. Das war schon damals in Italien so, bei der Novanta, und hat sich bis heute fortgesetzt."

Enge Beziehung der 90er-Weltmeister

Mit der Novanta meint Eder den historischen WM-Triumph der deutschen Nationalmannschaft 1990 mit Beckenbauer als Teamchef. Ob man das Finale miterlebt hat oder nicht: Die Szene nach dem Spiel, in der Beckenbauer gedankenverloren, mit der Goldmedaille um seinen Hals baumelnd, im römischen Stadio Olimpico allein über das Spielfeld spaziert, hat jeder vor Augen, als wäre er selbst dabei gewesen.

Franz Beckenbauer und Klaus Eder (v.r.): Der Kaiser und der langjährige DFB-Physiotherapeut haben den 1990 gemeinsam den WM-Titel in Italien gefeiert, die enge Verbindung ist bis heute geblieben.
Franz Beckenbauer und Klaus Eder (v.r.): Der Kaiser und der langjährige DFB-Physiotherapeut feierten 1990 gemeinsam den WM-Triumph in Italien, die enge Verbindung besteht bis heute. (Quelle: imago sportfotodienst)

Mit der gesamten 90er-Mannschaft sei "eine ganz enge Beziehung entstanden, die bis heute geblieben ist", sagt Eder. Zum 30-jährigen Jubiläum fand vor zwei Jahren das bislang letzte Weltmeistertreffen statt – in einem italienischen Luxusressort in Il Pelagone. Auch Beckenbauer war selbstverständlich dabei.

Wegen gesundheitlicher Probleme nicht beim Seeler-Abschied

"Die 30 Jahre sind an keinem von uns spurlos vorübergegangen", erinnert sich Eder, "aber ansonsten war er fit und gut drauf. Wir haben zusammen Golf gespielt, viel gelacht und gefeiert."

Ähnlich erlebte Eder seinen alten Weggefährten auch wieder Anfang Juli beim 33. Kaiser-Cup, dem alljährlichen Golf-Charity-Turnier, dessen Einnahmen der Franz-Beckenbauer-Stiftung zugutekommen.

Heidi und Franz Beckenbauer mit ihren Kindern Francesca und Joel: Die Familie erschien Anfang Juni beim Gala-Abend des 33. Kaiser Cups in Bad Griesbach.
Heidi und Franz Beckenbauer mit ihren Kindern Francesca und Joel: Die Familie erschien Anfang Juni beim Gala-Abend des 33. Kaiser Cups in Bad Griesbach. (Quelle: IMAGO/Sammy Minkoff)

Nur knapp einen Monat später drehte sich Beckenbauers Gemütslage mit dem Tod von Uwe Seeler aber ins Gegenteil. Zumal er seinem Freund aufgrund von gesundheitlichen Problemen die letzte Ehre nicht persönlich erweisen konnte. Stattdessen schrieb ihm Beckenbauer einen emotionalen offenen Brief zum Abschied.

"Er hat die Öffentlichkeit nie gesucht, es war genau umgekehrt"

An welchen körperlichen Beschwerden Beckenbauer aktuell genau leidet, ist nicht bekannt. Auch Eder hält sich zu Beckenbauers aktuellem Gesundheitszustand bedeckt. "Wir wissen ja alle, dass der Franz in letzter Zeit nicht mehr der Fitteste war, aber er hat alles gut weggesteckt, jetzt hoffen wir, dass er wirklich in Ruhe genesen kann", sagt er nur.

"So wie ich ihn kennengelernt habe, hat er noch nie die Öffentlichkeit gesucht, sondern es war immer genau umgekehrt." Jetzt habe Beckenbauer "halt auch einen Grund, die Öffentlichkeit zu meiden".

2019 hatte Beckenbauer einen Eingriff an den Augen vornehmen lassen und sich zwei Jahre zuvor bereits zum zweiten Mal einer Herzoperation unterziehen müssen.

Anlässlich seines 75. Geburtstag sagte er der "Bild", dass es ihm "den Umständen entsprechend" gehe. Er gab aber zu: "Mit all den Operationen und auch mit der Geschichte 2006. Das hat mich schon sehr mitgenommen."

Vorwürfe im Umfeld der WM 2006 setzen Beckenbauer zu

Die Vorwürfe, die im Zusammenhang mit der Vergabe der Fußball-WM nach Deutschland, im Raum standen, sind mittlerweile verjährt. Aber nicht vergessen, erst recht nicht bei ihm selbst.

"Ich sehe zwar, dass mittlerweile akzeptiert wird, dass da nichts war, aber die letzten Jahre waren schon hart", sagte Beckenbauer, deshalb wünsche er sich "inzwischen mehr Ruhe".

Bei seinem Jubiläums-Ehrentag sei es "das erste Mal, dass ich anfange, nachzudenken. 75 ist ein Alter, da kannst du das Ende erahnen", erzählte er offen: "Die Endlichkeit wird dir bewusst. Und das beschäftigt dich natürlich."

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Die Leiden und Wehwehchen nehmen offenbar auch bei dem deutschen Fußballer des vergangenen Jahrhunderts mit zunehmendem Alter zwangsläufig zu.

Kaiserliche Audienz für Weltmeister-Delegation

Schon den Bundesliga-Abschied von Rudi Völler im Mai hatte Beckenbauer, der auch als Spieler 1974 Weltmeister sowie 1972 Europameister geworden war, deshalb schon verpasst.

Stattdessen besuchten ihn die 1990er-Weltmeister Völler, Lothar Matthäus und Andreas Brehme anschließend in Salzburg. Solche Treffen finden nach wie vor regelmäßig statt, wie eine der direkt daran beteiligten Personen t-online bestätigte.

Bereits im vergangenen Jahr hatte sich mit Uli Hoeneß, Paul Breitner und Karl-Heinz Rummenigge eine 74er-WM-Delegation zu einer ähnlichen kaiserlichen Audienz aufgemacht. Gute Freunde kann eben niemand trennen.

Franz Beckenbauer (r.o.), Herbert Hainer (r.u.), Uli Hoeneß (l.u.) und Karl-Heinz Rummenigge (l.o.): Im März 2021 war Beckenbauer beim 4:0 gegen den VfB Stuttgart zuletzt bei einem Spiel des FC Bayern in der Allianz Arena zu Gast.
Franz Beckenbauer (r.o.), Herbert Hainer (r.u.), Uli Hoeneß (l.u.) und Karl-Heinz Rummenigge (l.o.): Im März 2021 war Beckenbauer beim 4:0 gegen den VfB Stuttgart zuletzt bei einem Spiel des FC Bayern in der Allianz Arena zu Gast. (Quelle: Peter Schatz)

Viel zu erzählen hat Beckenbauer über all diese Dinge noch immer. Auf t-online-Anfrage teilte sein Management allerdings mit, dass er dieser "bedauerlicherweise nicht nachkommen" könne.

Weltmeistertreffen nun alle fünf Jahre

Die 90er-Weltmeister haben beschlossen, ihre Treffen ab sofort alle fünf Jahre zu veranstalten. "Der nächste Termin ist 2025", verrät Eder und lacht. "Wir haben nämlich gesagt: Wir werden alle älter, damit wir uns alle noch mal sehen können." Eder wird auch an diesem Sonntag, an dem Beckenbauer 77 wird, ganz sicher wieder zu den Gratulanten gehören.

Zwei Tage später kommt Lewandowski mit dem FC Barcelona zum Champions-League-Duell zurück zum FC Bayern. Ob Beckenbauer dann vielleicht mal wieder in der Münchner Arena erscheinen wird? Es wäre jedenfalls ein würdiger Rahmen für eine Begegnung von Zukunft und Vergangenheit. Schau´n mer mal.

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Verwendete Quellen
  • Eigene Beobachtungen
  • Telefongespräch mit Klaus Eder
  • Weitere telefonische und persönliche Hintergrundgespräche
  • bild.de: "Beckenbauer verweigert Gratulation"
  • sportbild.de: "Die letzten Jahre waren hart"
  • spiegel.de: "Verjährung verhindert Verfahren gegen Beckenbauer, Zwanziger und Schmidt"
  • bild.de: "Beckenbauer bei unseren Fußball-Frauen aufgetaucht"
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