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Fall Lewandowski: Übergriffe auf Fußball-Stars gibt es immer häufiger

Der Fall Lewandoski  

Übergriffe auf Fußball-Stars gibt es immer häufiger

24.01.2014, 12:52 Uhr | t-online.de

Fall Lewandowski: Übergriffe auf Fußball-Stars gibt es immer häufiger. Robert Lewandowski beim Bad in der Menge: Abseits der friedlichen Fans gibt es jedoch auch vermehrt Anhänger mit fragwürdigem Verhalten. (Quelle: imago/Christoph Reichwein)

Robert Lewandowski beim Bad in der Menge: Abseits der friedlichen Fans gibt es jedoch auch vermehrt Anhänger mit fragwürdigem Verhalten. (Quelle: imago/Christoph Reichwein)

Von Jörg Runde

Der "Fall Robert Lewandowski" schlägt hohe Wellen. Während die einen im Angreifer von Borussia Dortmund eindeutig einen Täter sehen, halten ihn andere, darunter die Klubverantwortlichen, für das Opfer: "Ich habe mit Robert gesprochen. Ich glaube ihm. Er ist in unzumutbarer Weise beleidigt worden. Wir stehen ihm mit allem, was wir haben, zur Seite", sagt BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.

Egal, wie Lewandowskis Reaktion ausfiel und ob sie korrekt war oder nicht, zunächst einmal wurde er durch das Zeigen des Mittelfingers von einem Teenager beleidigt.  Auslöser für diese Geste war, daran besteht kein Zweifel, Lewandowskis Wechsel zum FC Bayern München. Weil man um die Brisanz des Transfers wusste, dachte man in Lewandowskis Umfeld sogar schon einmal über Personenschutz nach. Vermutlich kommt das Thema nun erneut auf den Tisch. Denn auch heftigere Übergriffe auf die Privatsphäre von Fußball-Stars sind in Deutschland längst keine Seltenheit mehr.

Übergriffe auf Lahm, Kadlec und Pezzoni

Beispiele gab es in den vergangenen Jahren einige. Selbst Nationalspieler Philipp Lahm musste schon unter Übergriffen leiden. Der Bayern-Star wurde er von einem Fan vor seiner Haustür belästigt: "Dieser Vorfall hat mich damals sogar veranlasst die Wohnung zu wechseln", erzählt Lahm. Von körperlichen Übergriffen blieb er verschont. So glimpflich wie bei Lahm gehen nicht alle Fälle aus. Vor allem Köln entpuppte sich in den vergangenen Jahren als Heimat gewaltbereiter Fans. 

Im Frühjahr 2012 brachen FC-Hooligans in der Diskothek "Ivory" Michael Kadlec vom Lokalrivalen Bayer Leverkusen das Nasenbein. Einer der Täter hatte dem Tschechen ohne Vorwarnung die Faust ins Gesicht geschlagen.

Spieler des eigenen Klubs blieben in Köln aber auch nicht verschont. Der Fall Kevin Pezzoni ist sicherlich der bekannteste Übergriff auf einen Fußball-Profi. Wenige Monate vor dem Übergriff auf Kadlec hatte auch der ehemalige U21-Nationalspieler auf einer Karnevalsfeier die Faust eines gewaltbereiten Fans ins Gesicht bekommen. Die Diagnose lautete auch dort: Nasenbeinbruch.

"Komm raus, wir machen dich fertig"

Noch schlimmer wurde es für den Abwehrspieler allerdings im Sommer. Da suchte eine Horde durchgeknallter Chaoten Kevin Pezzoni vor seiner Wohnung auf. Im Interview mit der „Welt“ schilderte er die Erlebnisse von damals: „Das war einen Tag nach unserer 0:2-Niederlage in Aue. Ich war mit meiner Freundin in meiner Wohnung. Wir haben ferngesehen, es war zwischen acht und neun Uhr abends. Plötzlich habe ich von draußen Stimmen gehört: "Pezzoni, du Wichser, komm raus, wir machen dich fertig." Ich habe aus dem Fenster geschaut und habe fünf Männer gesehen, die vor dem Haus standen. Sie hatten die Mützen tief ins Gesicht gezogen, sodass ich ihre Gesichter nicht erkennen konnte. Ich habe das Fenster zugemacht und mich zurückgezogen. Sie haben dann noch ein bisschen rumgepöbelt, aber es war auch relativ schnell wieder vorbei. Darum habe ich mir auch nicht so viele Gedanken gemacht.“

Am nächsten Morgen fand Kevin Pezzoni an seinem Auto einen Zettel auf dem stand: "Pass auf, wenn es dunkel wird". Eine Aussage, die auch dem 1,94-Meter großen Modellathleten die Angst in die Glieder fahren ließ. Der 1. FC Köln, scheinbar genervt durch die Attacken auf Kevin Pezzoni und sportlich ohnehin nicht mehr zufrieden mit den Leistungen des Defensivspielers, trieb eine Vertragsauflösung voran. Eine Entscheidung die dem Klub vom Geißbockheim viel Kritik einbrachte.

Köln liefert "Musterbeispiel, wie man es nicht machen sollte"

"Das Verhalten steht sicherlich als Musterbeispiel dafür, wie man es nicht machen sollte", sagt Fanforscher Gunter A. Pilz und fügt sofort an: "Ein Verein sollte Spieler immer schützen und nicht zum Abschuss freigeben." Zumal sich Kevin Pezzoni nichts zu Schulden kommen ließ, von ein paar schlechten Spielen einmal abgesehen.

Borussia Dortmund verhält sich bisher vorbildlich. Die Besorgnis erregende Entwicklung aufhalten werden die Verantwortlichen damit vermutlich nicht. Denn die Gründe für die Aggressivität der Anhänger ist vielschichtig. 

Vermeintliche Nähe zum Publikum

"Die Distanz zwischen der Erfahrungswelt der Fans und der Lebenswirklichkeit der Spieler ist insbesondere im Fußball in den vergangenen Jahren größer geworden. Die Nähe zum Publikum wird, wie es scheint, mit Hilfe von PR-Maßnahmen lediglich inszeniert", erklärt Soziologe Karl-Heinz Bette.

Unterstützung bekommt der Soziologe bei seinen Einschätzungen von Fanforscher Gunter A. Pilz. "Real gelebte Spieler-Fan-Beziehungen", so der Wissenschaftler, "bestehen heute bestenfalls noch in familiären Klubs der unteren Ligen."

Zuweilen fragwürdige Einflussnahme der Kurve

Der Einfluss der Anhänger ist dennoch enorm gestiegen. Fußball lebt nicht nur vom Spiel, es lebt auch von der Stimmung im Stadion. Die Fans sind also wichtig. Die meisten deutschen Klubs kuschen und hofieren die Fans aber selbst dann noch, wenn diese mit Busblockaden und anderen Machtdemonstrationen die Vereinspolitik zu beeinflussen versuchen. Der Einfluss der Kurve steigt also stetig, ihr gilt es zu gefallen. Wenig überraschend leitet sie daraus das Recht ab, diese Macht ab und zu auch einzusetzen. Und sei es nur mit einer üblen Beschimpfung auf offener Straße.

Oft genug haben die Radikalen Anhänger den Machtkampf schon gewonnen. Jupp Heynckes trat vor ein paar Jahren in Mönchengladbach wegen Morddrohungen zurück. Bei Robert Lewandowski kommt es hoffentlich nicht so weit. 

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