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"Timo Werner macht einen fatalen Fehler"

  • Florian Wichert
  • Robert Hiersemann
Von Robert Hiersemann und Florian Wichert

Aktualisiert am 08.06.2020Lesedauer: 2 Min.
Schon 25 Tore in 30 Bundesligaspielen: Timo Werner ist der beste deutsche Torjäger. Mit dem Polen Robert Lewandowski (30 Treffer) hat nur ein Spieler häufiger getroffen.
Schon 25 Tore in 30 Bundesligaspielen: Timo Werner ist der beste deutsche Torjäger. Mit dem Polen Robert Lewandowski (30 Treffer) hat nur ein Spieler häufiger getroffen. (Quelle: Poolfoto/imago-images-bilder)
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Der beste deutsche Torjäger der Bundesliga will weg – und zwar zum FC Chelsea. Aber ist das wirklich der richtige Schritt für Timo Werner?

Der Wirbel um Timo Werner rund um das 1:1 gegen Paderborn wurde dem Nationalspieler selbst zu viel. Er ging auf Tauchstation, gab keine Interviews. Seine Mitspieler und die Klubverantwortlichen hielten sich ebenfalls bedeckt. Dabei ist längst allen klar: Timo Werner wird RB Leipzig im Sommer verlassen und in die Premier League wechseln. Und zwar zum FC Chelsea, wie diverse Medien in England und Deutschland berichtet haben.

"Er hat mir nichts mitgeteilt, aber das muss er auch nicht. Ich glaube, es ist noch nichts in trockenen Tüchern", meinte Trainer Julian Nagelsmann bei Sky zur Zukunft des besten deutschen Torjägers. Später räumte der Coach ein, dass man bei Spielern mit Ausstiegsklausel immer mit dem Weggang rechnen müsse: "So ist es bei Timo und bei drei, vier weiteren Spielern von uns."

Werner zu Chelsea – das klingt nach einem spannenden Transfer, führt aber auch zur Frage, was der 24-Jährige überhaupt an der Stamford Bridge will. Werner war in den letzten zwei Jahren mit allen europäischen Topklubs in Verbindung gebracht worden, von Liverpool über Bayern bis Real Madrid. Die Londoner stehen im Vergleich zu diesen Vereinen eher schlecht da, rangieren derzeit nur auf dem vierten Platz in der Premier League und stehen in der Champions League vor dem Aus gegen Bayern im Achtelfinale.

Ist der FC Chelsea der richtige Verein für Timo Werner?

Pro
Florian Wichert
Florian Wichert

Ja, mit Chelsea kann Werner Titel holen

Chelsea ist nicht Real Madrid, Bayern oder Liverpool. Und gerade deshalb ist dieser Klub die perfekte Adresse für Timo Werner. Für die absoluten Topklubs in Europa reicht es eben nicht. Wären die restlos überzeugt von Werner, hätten sie ihn längst verpflichtet. Bei Leipzig bleiben? Auch keine echte Option, will Werner den nächsten Schritt machen.

Mit Chelsea dagegen kann Werner Titel holen. Der ambitionierte Klub hat allein in den letzten 10 Jahren alles gewonnen: zweimal die Meisterschaft, dreimal den Pokal, zweimal die Europa League, sogar die Champions League. Und er will nach einem Übergangsjahr wieder angreifen.

Werner erfüllt sich seinen Traum von der Premier League, wo er seine Schnelligkeit und den Zug zum Tor ausspielen kann. Bei Liverpool oder Manchester City hätte die Bank gedroht, bei Chelsea wird Werner nach dem Umbruch der neue Fixpunkt in der Offensive. Mit Tammy Abraham (1,91 Meter) könnte er sich ähnlich gut ergänzen wie in Leipzig mit Yussuf Poulsen (1,93 Meter). Der Tempofußball ist wie gemacht für Werner.

Das Wichtigste? Ist das hundertprozentige Vertrauen des Trainers – und das hat er. Chelsea-Legende Frank Lampard rief Werner zuletzt fast täglich an, um ihn zu überzeugen. Werner wird es ihm mit Toren danken.

Kontra
Robert Hiersemann
Robert Hiersemann

Nein, Werner hat sich den falschen Verein ausgesucht

Mit seinen 24 Jahren erzielte Timo Werner bereits 88 Bundesliga-Tore und bereitete 42 Treffer vor. Keine Frage: Der pfeilschnelle Angreifer ist einer der besten Offensivspieler der Bundesliga. Doch mit dem Wechsel zum FC Chelsea tut er sich keinen Gefallen. Denn es ist der falsche Verein, um sich weiterzuentwickeln.

Die "Blues" aus London sind eine Kategorie unter Spitzenklubs wie dem FC Liverpool oder Bayern München. So trainiert Werner auch künftig nicht auf absolutem Toplevel. Und noch viel schlimmer: Es ist nicht mal klar, dass er kommende Saison in der Champions League spielt. Der FC Chelsea steht auf Platz vier in der Liga. Auf Platz sechs hat man nur fünf Punkte Vorsprung.

Was noch hinzukommt: Die "Blues" sind in der Offensive üppig besetzt. Wer weiß, ob Werner überhaupt immer spielt. Aktuell hätte er mit Giroud, Hudson-Odoi, Willian, Batshuayi und Abraham starke Konkurrenz.

Zusammengefasst: Wenn es schlecht läuft, spielt der deutsche Nationalspieler kommende Saison für einen ambitionierten Kategorie-B-Klub in der Euro League, der in der Liga Liverpool und Man City hinterherhechelt – und trotzdem müsste er um seinen Stammplatz fürchten.

Und das würde Werner in seiner Entwicklung überhaupt nichts bringen – im Gegenteil. Ein Wechsel zu Chelsea wäre deshalb ein fataler Fehler.

Im "Zweikampf der Woche" kommentieren wöchentlich Florian Wichert (Stellvertretender Chefredakteur bei t-online.de) und Robert Hiersemann (Head of Fußball und Sport) aktuelle Fußballthemen auch als Podcast zum Hören und kostenlosen Abonnieren bei t-online.de, Apple, Spotify, Google, Deezer, Podigee und in jeder Podcast-App.

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