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Löw-Nachfolger? Vier Trainer sind geeigneter als Flick

  • Florian Wichert
  • Robert Hiersemann
Von Robert Hiersemann und Florian Wichert

Aktualisiert am 19.10.2020Lesedauer: 2 Min.
Vom Co- zum Erfolgstrainer des FC Bayern in weniger als einem Jahr – und nun schon ein Kandidat für die Nachfolge von Joachim Löw: Hansi Flick.
Vom Co- zum Erfolgstrainer des FC Bayern in weniger als einem Jahr – und nun schon ein Kandidat für die Nachfolge von Joachim Löw: Hansi Flick. (Quelle: Poolfoto UCL/imago-images-bilder)
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Die Diskussion um Bundestrainer Joachim Löw bricht nicht ab. Immer häufiger wird Hansi Flick mit einer möglichen Nachfolge in Verbindung gebracht. Zu Recht?

Keine zwölf Monate ist es her, da war Hansi Flick noch Co-Trainer des FC Bayern – von vielen geschätzt, von einigen auch belächelt, auf jeden Fall aber weitgehend unter dem Radar im internationalen Fußball. Heute ist er Europas Trainer des Jahres, hat mit dem FC Bayern nicht nur das Triple, sondern alle fünf möglichen Titel 2020 gewonnen – und wird nun sogar als möglicher Nachfolger von Joachim Löw auf dem Posten des Bundestrainers gehandelt.


Nationalmannschaft: Tiefpunkte des DFB-Teams seit dem WM-Sieg 2014

2014 war die Nationalmannschaft um Trainer Joachim Löw auf dem fußballerischen Olymp. Seitdem ging es stetig bergab. t-online mit einer Chronologie der größten Enttäuschungen der letzten Monate und Jahre.
Nach dem knappen Erfolg im Elfmeterschießen im Viertelfinale gegen Italien war für die deutsch Elf im Halbfinale der EM 2016 Schluss. Gegen Frankreich unterlag die DFB-Elf verdient mit 0:2. Es war zugleich das letzt Pflichtländerspiel von Bastian Schweinsteiger (li.).
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Der ist nämlich laut einer repräsentativen Umfrage der App FanQ im Auftrag des Sport-Informations-Dienstes (SID) für 76,5 Prozent der Befragten definitiv nicht mehr der richtige Bundestrainer, also in der Gunst der Fans deutlich gesunken. Dass er aus den vergangenen drei Spielen mit der Nationalmannschaft im Oktober nur die Partie in der Ukraine (2:1) gewinnen konnte, spielte seinen Kritikern dabei natürlich in die Karten.

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Während Flick betonte, dass Löw als Bundestrainer auch zuletzt "einen sehr guten Job gemacht" habe, sagte t-online-Kolumnist Stefan Effenberg gegenüber "Sport1" über Flick: "Ich würde mich fast festlegen, auch wenn das noch etwas hin ist, dass er bald der neue Cheftrainer der deutschen Nationalmannschaft werden wird."

Die Idee fand so viel Anklang, dass Flick aufgrund seines Vertrages bei Bayern bis 2023 sogar schon mit einer Doppelfunktion in Verbindung gebracht wurde, die er allerdings direkt ins Reich der Fabeln verwies. "Nationaltrainer so ein bisschen nebenbei machen? Auch nicht schlecht, kann man sich mal überlegen", sagte Flick am Freitag mit einem ironischen Lächeln. Er habe derzeit "wahnsinnig viel Spaß mit der Mannschaft und dem Trainerteam in München", ergänzte er. An "alles, was in der Zukunft ist", denke er nicht. Trotzdem bleibt die Frage:

Ist Flick tatsächlich der legitime Nachfolger von Löw?

Pro
Robert Hiersemann
Robert Hiersemann

Ja, es gibt keinen besseren Löw-Nachfolger als Flick

Er weiß, wie man mit Topstars umgeht, ist ehrgeizig, eloquent und hat bereits als Co-Trainer der Nationalmannschaft und DFB-Sportdirektor enorme Erfahrung gesammelt. Es gibt keinen besseren Löw-Nachfolger als Flick.

Und weitere Punkte untermauern das: Flick hat spätestens mit seinem Engagement als Cheftrainer des FC Bayern bewiesen, dass er die ganz großen Titel holen kann. Mit dem Verein gewann er gerade erst das Triple. Längst ist klar: Spielt man unter Flick, kämpft man um den maximalen Erfolg. Das verleiht ihm zusätzliche Autorität – auch bei den großen Namen der DFB-Auswahl.

Zudem ist er charakterlich genau das, was Fußball-Deutschland braucht. Er hat ein Gefühl dafür, wie man die eigenen Spieler auf seine Seite bringt. Er ist der Kumpeltyp, der fordert, aber eben auch fördert. Und seine sympatische Art kommt auch bei den Fans an. Das Profi-Schicki-Micki-Image ist ihm fremd. Flick ist der nette Kerl von nebenan, der seinen enormen Erfolg nicht raushängen lässt.

Die große Frage ist, was Flick für die kommenden Jahre interessanter findet: Möchte er eine Ära beim deutschen Rekordmeister prägen, oder aber die Nationalmannschaft zurück zu den ganz großen Erfolgen führen? Denn beides gleichzeitig geht nicht. Das hatte der 55-Jährige zuletzt ja selbst gesagt.

Kontra
Florian Wichert
Florian Wichert

Nein, Flick hat einen großen Nachteil

Nur ein Sieg in fünf Länderspielen 2020, schlechte Einschaltquoten im TV, sinkendes Interesse der Fans: Die Nationalmannschaft befindet sich acht Monate vor der EM in der Krise. Weltmeister-Trainer Joachim Löw steht in der Kritik. Sein Vertrag beim DFB läuft bis 2022 – wenn er nicht vorher geht oder gegangen wird. Zum Beispiel nach einer verunglückten EM.

Schon jetzt gilt Hansi Flick als legitimer Nachfolger. Auf den ersten Blick: ein charmanter Gedanke. Er ist Trainer des Jahres, hat mit Bayern alle denkbaren Titel in diesem Jahr geholt und als ehemaliger Sportdirektor und Co-Trainer auch noch DFB-Stallgeruch. Doch genau das ist auch das Problem. Um die Gunst der Fans zurückzugewinnen, braucht die Nationalelf natürlich einen international erfahrenen Top-Trainer – unbedingt aber auch einen aufregenden, polarisierenden, am besten streitbaren. Jemanden, der Strukturen aufbricht, den Verband auch mal durchrüttelt, nach 16 Jahren Löw einen ganz anderen Weg geht. Einen Jürgen Klopp, Thomas Tuchel oder Julian Nagelsmann, vielleicht sogar Ralf Rangnick.

Flick passt perfekt zum DFB – und das ist der große Haken. Abgesehen davon, dass er bis 2023 an Bayern gebunden ist.

Wer hat recht?

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Im "Zweikampf der Woche" kommentieren wöchentlich Florian Wichert (Stellvertretender Chefredakteur bei t-online) und Robert Hiersemann (Head of Fußball und Sport) aktuelle Fußballthemen.

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