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So stehen die Chancen von Bayern, Real und Liverpool

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Champions-League-Check  

So stehen die Chancen von Bayern, Real und Liverpool

24.04.2018, 11:26 Uhr | Eine Analyse von Constantin Eckner

So stehen die Chancen von Bayern, Real und Liverpool. Knallerduell im Halbfinale: Bayern München trifft auf Titelverteidiger Real Madrid. (Quelle: imago/Sven Simon)

Knallerduell im Halbfinale: Bayern München trifft auf Titelverteidiger Real Madrid. (Quelle: Sven Simon/imago)

Mit dem Duell der Außenseiter Liverpool und Rom werden die Halbfinalspiele der Champions League eingeläutet. Aber welcher Verein stemmt am 26. Mai den Henkelpott in die Höhe?

Der April läutet in jedem Fußballjahr die heiße Phase ein. Vorentscheidungen fallen, Finalisten werden ermittelt. Auch in der Champions League ist das Teilnehmerfeld mittlerweile auf vier Teams zusammengedampft. Liverpool empfängt heute im Halbfinal-Hinspiel den AS Rom, der FC Bayern morgen Real Madrid (jeweils ab 20.45 Uhr im Liveticker bei t-online.de). 

Was macht die vier Teams aus?

Die (halbwegs) Stabilen

Der letzte Vertreter der Bundesliga im internationalen Geschäft ist erwartungsgemäß Bayern München. Nach einem durchwachsenen Saisonstart wurde Jupp Heynckes ein weiteres Mal an die Säbener Straße zurückgeholt. Das Ende seiner letzten Amtszeit markierte auch den letzten Gewinn in der Königsklasse. 2013 wirkten die Bayern nahezu unbesiegbar und in allen Belangen stabil. Heynckes versuchte dieses Erfolgsrezept in dieser Saison noch einmal zu kopieren – und es ist ihm mehr oder weniger gelungen.

Seine Mannschaft spielt gefälligen und gleichzeitig stabilen Offensivfußball, der auf fehlerloser Raumaufteilung und der individuellen Klasse aller Beteiligten basiert. Wie schon so oft in der Ära von Arjen Robben und Franck Ribéry soll die Flügelzange die Durchbrüche bewerkstelligen und das Mittelfeld für entsprechende Unterstützung sorgen. Thiago ist dabei der Verbindungsspieler, Thomas Müller der unorthodoxe Schleicher. Vieles erinnert an 2013, wäre da nicht die Defensive.

Arjen Robben (l.) und Franck Ribéry: Der Niederländer und der Franzose wirbeln seit 2009 gemeinsam auf den Flügeln des FC Bayern. (Quelle: imago/Ulmer)Arjen Robben (l.) und Franck Ribéry: Der Niederländer und der Franzose wirbeln seit 2009 gemeinsam auf den Flügeln des FC Bayern. (Quelle: Ulmer/imago)

Beim letzten Gewinn der Champions League waren die Bayern ein Bollwerk. Ihr Pressing und Gegenpressing entwaffnete die Gegner und neutralisierte sie schon in den ersten Momenten des eigenen Ballbesitzes. Bayern ist dazu immer noch in der Lage – aber nicht durchweg in jeder Partie. Ihre gelegentliche Anfälligkeit bei gegnerischen Schnellangriffen und Flanken könnte ihnen im schlimmsten Fall den Titel kosten. 

In der laufenden Champions-League-Saison hatten Heynckes‘ Spieler drei Härtetests zu bestehen – das Heimspiel gegen Paris Saint-Germain und die beiden K.o.-Spiele gegen Sevilla. In zwei von drei Fällen wackelte die Abwehr des deutschen Rekordmeisters.

Die Titelsammler

Einen Härtetest, wie jener, der nun im Halbfinale auf die Bayern wartet, mussten sie in diesem Jahr noch nicht meistern. Real Madrid hat die Königsklasse in den vergangenen beiden Spielzeiten gewonnen und es würde niemanden überraschen, sollte die Mannschaft von Zinédine Zidane ein weiteres Mal den Henkelpott verteidigen. Die stolzen Hauptstädter wurden in der Liga vom FC Barcelona distanziert, was sogar in gewisser Weise verdeutlicht, dass die Mannschaft wie gemacht für die Champions League ist.

Denn Real Madrid brilliert nicht durch Konstanz und einen fehlerfreien Auftritt an einem regnerischen Samstagabend in Levante. Es ist die große Bühne und es sind die vereinzelten Glanzleistungen, die den Klub und insbesondere die aktuelle Ansammlung an Weltstars auszeichnen.

Kein anderer Spieler verkörpert diese Attribute besser als Cristiano Ronaldo. Der Portugiese traf in jeder Champions-League-Partie in dieser Saison, während er in La Liga eine erschreckende Präzisionslosigkeit aufweist.

Cristiano Ronaldo: Der Superstar von Real Madrid führt mit 15 Treffern die Torschützenliste der Champions League an. (Quelle: imago/Action Plus)Cristiano Ronaldo: Der Superstar von Real Madrid führt mit 15 Treffern die Torschützenliste der Champions League an. (Quelle: Action Plus/imago)

Dass Zidanes Team auch auf internationalem Parkett verwundbar ist, zeigte das Rückspiel gegen Juventus. Lange stand Real Madrids Weiterkommen auf der Kippe, nachdem es dreimal im Tor von Keylor Navas eingeschlagen hatte. Obwohl die Spanier die Partie weitgehend dominierten, genügten teils einfache Angriffsmuster und Flanken, um sie auszuhebeln. Die mannorientierte Verteidigung und die gelegentlich niedrige Intensität in der Defensive sind der große Schwachpunkt.

Sollte Real Madrid wieder mit einer Mittelfeldraute spielen und allzu mannorientiert verteidigen, wären vor allem Bayerns Außenverteidiger gefragt, die entstehenden Freiräume zu nutzen. (Quelle: Spielverlagerung.de)Sollte Real Madrid wieder mit einer Mittelfeldraute spielen und allzu mannorientiert verteidigen, wären vor allem Bayerns Außenverteidiger gefragt, die entstehenden Freiräume zu nutzen. (Quelle: Spielverlagerung.de)

Die Chancenlosen

Obwohl Bayern und Real Madrid keine Übermannschaften sind, gilt deren Aufeinandertreffen als vorgezogenes Endspiel – und das andere Halbfinale als Außenseiterduell. Der größte Außenseiter ist unbestritten AS Rom. Gemeinhin heißt es, dass ein schwacher Auftritt genügt, um die Titelchancen in der Königsklasse wegzuwerfen. Die Roma hingegen hatte erst einen überragenden Auftritt – das 3:0 gegen den FC Barcelona – und dieser genügte zum Einzug ins Halbfinale.

Eusebio Di Francesco: Romas Trainer setzte sich mit seiner Mannschaft überraschend gegen den großen Favoriten FC Barcelona durch. (Quelle: imago/Agencia EFE)Eusebio Di Francesco: Romas Trainer setzte sich mit seiner Mannschaft überraschend gegen den großen Favoriten FC Barcelona durch. (Quelle: Agencia EFE/imago)

Die Mannschaft von Cheftrainer Eusebio Di Francesco weist im Vergleich zu den anderen Teilnehmern viele Unzulänglichkeiten auf. Gerade im Spielaufbau läuft momentan vieles nach Schema F – sprich klassisch über die Flügel und über lange Bälle auf Zielspieler Edin Džeko. Zudem ist das Vorgehen der Roma nach Ballverlusten zu vorsichtig. Statt ins Gegenpressing zu gehen, zieht sich die Abwehr meist zurück und wartet am Strafraum. Damit wird die Mannschaft zum einfachen Ziel für Flanken und Schnittstellenpässe.

Die neue Borussia

Roma mit ihrem limitierten Spielaufbau könnte folglich zum perfekten Opfer für Liverpool werden. Jürgen Klopp findet sich nach 2013 zum zweiten Mal im Halbfinale der Champions League wieder. Und einmal mehr könnte es im Endspiel zum Duell mit Jupp Heynckes und den Bayern kommen. Nur trägt Klopp mittlerweile kein „Pöhler“-Cap mehr und ballt die Faust im Westfalenstadion. Aber das, was Liverpool in dieser Saison zeigt, erinnert stark an das Borussia Dortmund von 2013.

In der Liga zeigen die „Reds“ nicht die notwendige Konstanz und genügend Einfallsreichtum gegen die Defensivteams aus dem Tabellenmittelfeld. Aber in wichtigen Partien, in Duellen mit spielstärkeren Mannschaften, kann Klopp für außergewöhnliche Leistungen sorgen. Ein hoher Ausschlag nach oben wie nach unten zeichnet seine Trainerkarriere aus. Anders als Ballbesitztrainer wie Pep Guardiola oder Thomas Tuchel, die für Erfolgsstabilität sorgen, kann Klopp in manchen Momenten seine Mannschaften über ihr eigentliches Leistungsniveau heben.

Jürgen Klopp: Der deutsche Trainer hat den FC Liverpool zurück in die Erfolgsspur gebracht. (Quelle: imago/David Klein/Sportimage)Jürgen Klopp: Der deutsche Trainer hat den FC Liverpool zurück in die Erfolgsspur gebracht. (Quelle: David Klein/Sportimage/imago)

Vieles bei Liverpool ist auf intensives Mittelfeld- und Gegenpressing ausgelegt. Der Ballgewinn, sein Ort und Zeitpunkt, ist das entscheidende Element im Spiel der Nordengländer. Und ähnlich wie 2013 herrscht größere Autonomie in der Offensivabteilung, nachdem der Ball einmal gewonnen wurde. Waren es damals noch Götze, Reus und Lewandowski, die sich im Umschaltspiel bei Höchstgeschwindigkeit den Ball zuspielten, sind Klopps Turboangreifer nun Salah, Mané und Firmino.

2013 ging das Endspiel für ihn verloren und auch in diesem Jahr ist Liverpool allenfalls die drittstärkste Mannschaft unter den verbliebenen Teilnehmern. Aber eventuell bewahrheitet sich in dieser Saison das Richard-von-Weizsäcker-Zitat: „Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie wiederholt ihre Lehren.“

Verwendete Quellen:

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