Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild fĂŒr einen TextRussland schickt Propaganda-Trucks nach MariupolSymbolbild fĂŒr einen TextBayer knackt EurojackpotSymbolbild fĂŒr einen TextSpritpreise könnten wegen Tankrabatt steigenSymbolbild fĂŒr einen TextPalĂ€stinenser stirbt bei ZusammenstĂ¶ĂŸenSymbolbild fĂŒr einen TextFrench Open: Zverev im AchtelfinaleSymbolbild fĂŒr einen TextRTL-Serie verliert drei StarsSymbolbild fĂŒr einen Text"Stranger Things" bekommt WarnhinweisSymbolbild fĂŒr einen TextVergewaltigung? Deutsche auf Mallorca in U-HaftSymbolbild fĂŒr einen TextMercedes-Bank kĂŒndigt 340.000 KundenkontenSymbolbild fĂŒr einen TextSteffi Graf ziert Magazin-CoverSymbolbild fĂŒr einen Watson TeaserAldi erwĂ€gt große Änderung an der Kasse

Wespen mit Hammer und Sichel – der Schrecken von Madrid

  • David Digili
Von David Digili

Aktualisiert am 29.09.2021Lesedauer: 4 Min.
Wespen in Schwarz: Die Spieler von Sheriff Tiraspol feiern im Spiel gegen Real Madrid.
Wespen in Schwarz: Die Spieler von Sheriff Tiraspol feiern im Spiel gegen Real Madrid. (Quelle: Action Plus/imago-images-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

2:1 bei Real Madrid – Sheriff Tiraspol hat eine Sensation geschafft. Doch wer steckt hinter dem Klub, der aus der Problemregion Transnistrien stammt? Die Spuren fĂŒhren zu einem Großkonzern.

"Ich widme diesen Sieg meiner Familie, dem Klub und den Menschen in Moldau", sprach der Kolumbianer Frank Castañeda am spĂ€ten Dienstagabend in die Mikrofone im Bernabeu-Stadion von Madrid. Wenige Minuten zuvor hatte sich tatsĂ€chlich Sensationelles zugetragen im Fußballtempel der spanischen Hauptstadt.

Da hatte das von MannschaftskapitĂ€n Castañeda angefĂŒhrte kleine Sheriff Tiraspol das große Real Madrid ĂŒberraschend mit 2:1 besiegt und sich mit dem zweiten Sieg im zweiten Spiel seiner noch kurzen Champions-League-Geschichte an die Spitze der Gruppe D gesetzt.

Und das auch noch durch ein herrliches Tor, einen Sonntagsschuss in der 89. Minute, den Tiraspols luxemburgischer Mittelfeldspieler Sebastien Thill von der Strafraumgrenze links oben in den Winkel schweißte, unerreichbar fĂŒr Reals Torwart Thibaut Courtois, unglaublich fĂŒr die Fußballwelt.

Bei Sheriff Tiraspol ist nichts normal

Ein Klub mit einem Gesamtmarktwert von 12,38 Millionen Euro, der aktuelle Tabellendritte der Divizia Națională aus der Republik Moldau, gewinnt gegen das Milliarden-UngetĂŒm Real Madrid, den Rekordsieger der Königsklasse. "Geschichten, die nur der Fußball schreibt", "Fußball-MĂ€rchen", "Geld schießt keine Tore" – die beliebteste Sportart der Welt ist reich an VerbrĂ€mungen, die in schöner RegelmĂ€ĂŸigkeit wieder bemĂŒht werden, ganz gleich, wie abgedroschen, ausgelutscht oder einfach falsch sie auch sein mögen.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Spritpreise könnten wegen Tankrabatt steigen
Preistafel einer Tankstelle (Symbolbild): Tanken soll ab Juni eigentlich gĂŒnstiger werden.


Dabei ist das MĂ€rchen nicht ganz so mĂ€rchenhaft, wie es auf den ersten Blick scheint. Denn Sheriff Tiraspol, dessen Sieg KapitĂ€n Castañeda "den Menschen in Moldau" widmete, ist gar nicht in Moldau beheimatet – und das ist noch das geringste der Probleme.

Fakt ist: Beim FC Sheriff Tiraspol ist so gut wie nichts normal. Tiraspol liegt in Transnistrien, einem Landstrich im Osten von Moldau an der Grenze zur Ukraine. Die Region hat sich 1990 fĂŒr unabhĂ€ngig erklĂ€rt, sie ist also de facto ein eigener Staat mit eigener Verwaltung und WĂ€hrung – obwohl kein Land der Welt sie als solchen anerkennt.

Die rot-grĂŒn-rote Landesflagge zieren noch immer die Sowjet-Symbole Hammer und Sichel, das Land steht unter entscheidendem Einfluss Russlands, das dort schĂ€tzungsweise bis zu 1.400 Soldaten stationiert hat. Knapp 500.000 Menschen leben in Transnistrien, doch weil das Land arm ist, ziehen immer mehr weg.

Erinnerung an alte Zeiten: Flagge Transnistriens mit Hammer und Sichel.
Erinnerung an alte Zeiten: Flagge Transnistriens mit Hammer und Sichel. (Quelle: /imago-images-bilder)

Doch es wird noch kurioser: Denn eigentlich ist die Region Transnistrien eher eine Firma, ein wie ein Staatsapparat allumfassender Begleiter im Alltag der Menschen dort. Der Name: "Sheriff" – das Unternehmen, das auch Namensgeber der Überraschungsmannschaft ist.

Im Juni 1993 von ehemaligen Polizisten aus der Sowjetunion als Sicherheitsfirma gegrĂŒndet, ist Sheriff lĂ€ngst ein Großkonzern, zu dem eine Wohnungsbaugesellschaft gehört, eine Supermarktkette, ein TV-Sender, Banken, Casinos und vieles mehr. AllgegenwĂ€rtig: Der Sheriffstern als Firmenlogo. 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts von Transnistrien soll das Unternehmen erwirtschaften.

Folter, Verschleppungen, Bedrohungen

Dazu ist es auch in die Politik des Landes bestens vernetzt, man mag aber vielleicht auch sagen: Sheriff kontrolliert sie. Sozusagen der politische Arm des Unternehmens ist die Partei "Obnovlenie" ("Erneuerung"), 29 der 33 Sitze im transnistrischen Parlament werden von ihr besetzt. PrĂ€sident von Transnistrien ist seit 2016 der frĂŒhere Armee-Oberst Wadim Krasnoselski, zuvor Sicherheitschef von: Sheriff.

Mit Menschenrechten nimmt man es in Transnistrien dazu nicht so ganz genau: WillkĂŒrliche Verhaftungen, Folter, Verschleppungen, Bedrohungen – bereits seit mindestens 15 Jahren sind allerlei Verfehlungen bekannt, wurden in Berichten und Stellungnahmen der EU, des US-Außenministeriums und Nicht-Regierungsorganisationen bereits verurteilt.

Und eben da liegt jetzt auch die Sorge vieler Beobachter beim Blick auf den aktuellen Erfolg des FC Sheriff in der Champions League. "Es könnte auch eine Gelegenheit fĂŒr Sheriff sein, sich von seiner besten, wohltĂ€tigen Seite zu zeigen, als Organisation, die den Sport fördert – gleichzeitig wird die ganze Politik und Wirtschaft von ihnen kontrolliert. Es gibt kaum Mitspracherecht.

Das versuchen sie dann natĂŒrlich durch Sportswashing zu verstecken", befĂŒrchtet Sabine von Löwis vom Zentrum fĂŒr Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS) im Interview mit der Deutschen Welle. "Sportswashing", das heißt so viel wie "Das Image ĂŒber sportliche Erfolge aufpolieren".

Das Stadion hat 200 Millionen Dollar gekostet

Der FC Sheriff ist auch so ziemlich das Einzige, das Transnistrien noch mit Moldau verbindet. Der Klub, erst 1996 gegrĂŒndet, seit 1998 erstklassig, ist in der ersten Liga von Moldau mittlerweile 19 Mal Meister geworden. Nur der FC Dacia Chișinău (2011) und der FC Milsami aus der Stadt Orhei (2015) kamen den "Wespen", wie die Spieler des FC Sheriff wegen der Vereinsfarben Gelb und Schwarz genannt werden, ĂŒberraschend dazwischen.

Finanziell ist der Verein bestens versorgt. Er verfĂŒgt ĂŒber ein sehr modernes TrainingsgelĂ€nde und eine schicke, 200 Millionen Dollar teure SpielstĂ€tte, das 2002 eröffnete Sheriff-Stadion. Der Kader ist international. In der Startelf gegen Zagreb stand nur ein Spieler mit einem moldauischen Pass: Silva Henrique de Sousa Luvannor, ein 2013 eingebĂŒrgerter Brasilianer.

Weitere Artikel

Tiraspol gewinnt in Madrid
Real-Debakel gegen Champions-League-Neuling
Sie können es nicht fassen: WÀhrend Tiraspol (hinten) jubelt, stehen die Real-Stars verdutzt da.

Einzelkritik zur Champions League
BVB-Auswahl ĂŒberzeugt – doch ein Nationalspieler fĂ€llt ab
Auch ohne Erling Haaland kann der BVB gewinnen. Gegen Sporting ĂŒberzeugte die Rose-Elf grĂ¶ĂŸtenteils. Doch ein DFB-Spieler nutzte seine Chance nicht. Die Einzelkritik.

Pressestimmen zum PSG-Sieg
"Genie gegen das System" Messi schreibt Geschichte im Prinzenparl
Lionel Messi: Nach einer Verletzung und einem schlechten Start in Paris, schoss der Superstar in der Königsklasse sein erstes Tor.


Auch er hÀtte den Sieg wohl "den Menschen in Moldau" gewidmet.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
MadridReal Madrid
Fußball - Deutschland


t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website