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Frauen-WM: Absurde Elfmeterregel – Das ist der größte Irrsinn der WM


MEINUNGAbsurde Elfmeterregel  

Aufregung um Strafstöße: Das ist der größte Irrsinn der WM

Ein Kommentar von Noah Platschko

21.06.2019, 12:06 Uhr
 (Quelle: SID)
WM der Frauen: DFB-Spielerinnen genervt von Elfmeter-Diskussionen

Das schottische Drama durch die neue Regelauslegung bei Elfmetern sorgt auch im DFB-Lager für Gesprächsstoff. Svenja Huth und Verena Schweers sehen die Regelauslegung sehr skeptisch. (Quelle: SID)

Svenja Huth und Verena Schweers: Die deutschen Nationalspielerinnen waren von der Regelauslegung bei Elfmetern ziemlich genervt. (Quelle: SID)


Seit nun mehr zwei Jahren ist der Videobeweis immer wieder Gesprächsthema. Und auch über die Handspielregelung wurde vermehrt diskutiert. Doch die WM liefert ein neues Aufregerthema: Elfmeter.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Elfmeter verwandelt wird, ist hoch. Sehr hoch. In der vergangenen Bundesligasaison landeten mehr als 80% der Elfmeter im Tor. Auch ein Jahr zuvor lag die Quote bei über 70%. 


Bei der Fußball-WM der Frauen wird diese ohnehin schon sehr große Chance auf einen Torerfolg nun auf die Spitze getrieben. Die Vorrunde des Turniers ist noch nicht vorbei, doch bereits jetzt ließen die Unparteiischen drei Elfmeter wiederholen. Der Grund: Eine neue Regelauslegung, die allen den Nerv raubt. Worum geht es genau? 

IFAB beschließt neue Regeln

Vor dem Turnier gab das Internationale Football Association Board (IFAB) neue Regeln bekannt, die ab 1. Juni gültig sind, bei der aktuell laufenden U21-Europameisterschaft aber beispielsweise noch nicht angewendet werden – im Gegensatz zur Fußball-WM in Frankreich.

Eine dieser neuen Regelungen betrifft das Verhalten der Torhüterin auf der Linie beim Elfmeter. Die wichtigste Neuerung: Im Moment der Ausführung muss mindestens ein Fuß der Torhüterin Kontakt zur Torlinie haben, nicht wie zuvor beide Füße.

Mit dieser neuen Regelung sollte den Torhüterinnen entgegenkommen werden. Sie erwies sich jedoch bislang als absolutes Eigentor. Denn die eigentliche Lockerung der Regelung (nur noch ein Fuß anstelle von zwei Füßen auf der Linie), führte eher zu einer Verschärfung beziehungsweise zu einer deutlich strengeren Auslegung dieser. 

Soll das etwa zeitgemäß sein? 

Wurde ein Verstoß gegen die bisherige Regelung kaum geahndet, so wird es ein jetziger umso mehr. Denn die neue Regelung besagt, dass die Torhüterin, steht sie im Moment des Abschlusses nicht mit mindestens einem Fuß auf der Linie, mit Gelb verwarnt wird. Zudem wird der Strafstoß, sofern er denn verschossen wurde, wiederholt.

Zuschauer und Fans beteiligter Mannschaften brauchen sich unmittelbar nach einem Strafstoß also gar nicht zu freuen oder ärgern. Die Aktion wird ohnehin erst einmal überprüft und das Stellungsspiel der Torhüterin auf Zentimeter genau nachvollzogen. Soll das etwa zeitgemäß sein? 

Wiederholter Elfmeter markiert Aus der Schottinnen

Drei solcher Fälle gab es bei dieser WM: Bei den Spielen Jamaika gegen Italien, Nigeria gegen Frankreich sowie am Mittwochabend beim hochdramatischen 3:3 zwischen Schottland und Argentinien. Immer das gleiche Prozedere: Die Schützin vergab, der Videobeweis checkte, ob die Torhüterin auf der Linie stand, die Torhüterin sah gelb und die Schützin durfte ein zweites Mal ran. 

Bei allen drei Partien nahmen die wiederholten Elfmeter enormen Einfluss auf die Spiele. Handelte es sich bei den ersten beiden Elfmetern "nur" um Führungstreffer, markierte der Elfmeter zum 3:3 im Spiel Argentinien Schottland das Aus der Schottinnen. 


Zum Verständnis: Die Regelauslegung ist korrekt. Sie torpediert nur die bisherige Handhabung und ist in ihrer strengen Auslegung nur schwer nachzuvollziehen. Man möchte sich gar nicht ausdenken, was im Falle eines Elfmeterschießens passiert. Sollte sich eine Torhüterin zwei Mal zu früh von der Linie bewegen, müsste sie nach der Praxis bei dieser WM mit Gelb-Rot vom Platz fliegen. Ein Irrsinn. 

Almuth Schult: "Ich hoffe, dass über diese Regelauslegung nochmal nachgedacht wird" (Quelle: dpa/Sebastian Gollnow)Almuth Schult: "Ich hoffe, dass über diese Regelauslegung nochmal nachgedacht wird" (Quelle: Sebastian Gollnow/dpa)

Die deutsche Torhüterin Almuth Schult sagte vor einigen Tagen auf Nachfrage von t-online.de, man plane im Training "eine Videokamera aufzustellen, um zu sehen, in wie vielen Fällen es eintrifft, dass ich die Linie noch berühre." Eine absurde Praxis. Und auch der Schiedsrichterpodcast "Collinas Erben" zweifelt an, ob die derzeitige Handhabung im "Sinne des Fußballs" ist.

Die Fifa hat die Möglichkeit, nach der Vorrunde ein Zwischenfazit zu ziehen und etwaige Korrekturen vorzunehmen. Bezüglich der Elfmeter-Regelung wäre das nur gut. Sonst droht in der K.o.-Runde ein absolutes Chaos. 

Verwendete Quellen:
  • Eigene Beobachtungen vor Ort und im TV

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