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Frankfurt scheitert gegen Real: Wichtiger war an dem Abend etwas anderes


Wichtiger war an dem Abend etwas anderes

  • T-Online
Von Alexander Kohne, Helsinki

Aktualisiert am 11.08.2022Lesedauer: 4 Min.
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Ein bisschen enttäuscht, aber nicht zu sehr: Die Frankfurter Timothy Chandler (l.) und Kevin Trapp bedanken sich nach der Supercup-Niederlage bei den mitgereisten Fans. (Quelle: IMAGO/Jan Huebner)
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Frankfurt rehabilitiert sich nach der Bayern-Blamage trotz einer Niederlage durch das Supercup-Spiel gegen Real Madrid. Es gab gleich mehrere Lichtblicke.

Die beeindruckendste Szene des europäischen Supercups fand knapp eine Stunde vor Anpfiff statt: An der Seitenlinie des altehrwürdigen Olympiastadions von Helsinki standen drei grauhaarige Senioren im Blitzlicht der Kameras – und umarmten sich innig. Sie waren vor mehr als sechs Jahrzehnten Teil des besten Fußballspiels, das es je gegeben haben soll.

Erwin Stein, Dieter Stinka und José Santamaría standen beim vom Weltverband zum "Jahrhundertspiel" gewählten 7:3 zwischen Real Madrid und Eintracht Frankfurt am 18. Mai 1960 auf dem Platz des Glasgower Hampden Parks. 62 Jahre hat es gedauert, bis sich beide Traditionsvereine wieder in einem Pflichtspiel gegenüberstanden – diesmal zwar nicht im Landesmeisterfinale vor 127.621 Zuschauern, aber immerhin vor rund 31.000 beim Kräftemessen von Champions- und Europa-League-Sieger in Helsinki.

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Dafür hatte Madrid den 93-jährigen Santamaría extra per Privatjet eingeflogen. Zu einem "Jahrhundertspiel" entwickelte sich des Geschehen in der finnischen Hauptstadt zwar nicht, aber aus Frankfurter Sicht war es immerhin ein Hoffnungsschimmer. Mehr noch – nach dem desaströsen 1:6 im ersten Bundesligaspiel gegen Bayern München fünf Tage zuvor war es für die nach den Europapokalerfolgen monatelang auf einer Euphoriewelle schwimmenden Hessen ein Stück weit Rückkehr zur Normalität.

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"Es ist schade, aber ich bin sehr stolz", sagte Trainer Oliver Glasner nach der Partie, um direkt im Nachsatz zu erklären: "Wir haben es Real sehr schwer gemacht." Und genau das war es, was die Frankfurter vor der Partie in mannigfaltigen Formulierungen gefordert hatten.


Frankfurt: Das machen die Ex-Eintracht-Profis heute

Eintracht Frankfurt blickt auf eine über 100 Jahre alte Historie zurück und zählt zu den traditionsreichsten Vereinen des deutschen Fußballs. Sie gelten als Gründungsmitglied der Bundesliga und große Namen zierten auf der Trikot-Rückseite. Doch was machen die Ex-Stars heute? Cha Bum-kun zum Beispiel ist ein ehemaliger Frankfurter-Profi der frühen 80er Jahre. Sein Sohn Cha Du-ri spielte ebenfalls für den Klub.
Alexander Meier (2004-2018): In 336 Ligaspielen erzielte der ehemalige Top-Stürmer 119 Tore im Dress der Hessen. Er stieg zwei Mal mit dem Klub in die Bundesliga auf: 2005 und 2012. Im Jahr 2018 wurde er im Finale gegen den FC Bayern München Deutscher Pokalsieger. Der "Fußballgott", wie er in Frankfurt gefeiert wurde, kehrte zur Saison 2020/2021 zur Eintracht zurück und ist seit Januar 2021 Co-Trainer der U19-Auswahl.
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Vorstandsboss Axel Hellmann brachte es in etwas blumiger Sprache in Anlehnung an den Spitznamen des europäischen Spitzenklubs auf den Punkt: Wenn Real Madrid die "weißen Ballettschühchen" auspacke, könne sich die Eintracht nicht erlauben, mitzuspielen, sondern "mit Tugenden wie Bissigkeit, Aggressivität und Kompaktheit" dagegenhalten.

Eintracht-Coach beginnt ohne Neuzugänge

Besonders in der ersten halben Stunde gelang dies dem aktuell Letzten der Bundesligatabelle in durchaus beeindruckender Manier. Und das, obwohl Trainer Glasner als Anerkennung für die Europa-League-Helden auf Neuzugänge in der Startelf verzichtete. Sogar Mario Götze blieb erst mal auf der Bank. Dazu kam, dass der in der Vorsaison so wichtige Flügelflitzer Filip Kostić aufgrund eines bevorstehenden Wechsels (Manager Markus Krösche: "Zeichen stehen schon auf Abschied.") kurzfristig durch den weniger dynamischen und defensiver ausgerichteten Christopher Lenz ersetzt wurde.

Dennoch imponierten die Hessen anfangs durch geschicktes defensives Verschieben und schnelle Gegenstöße. In der 14. Minute hatte Daichi Kamada die Führung auf dem Fuß, scheiterte aber am glänzend aufgelegten Real-Keeper Thibaut Courtois. Coach Glasner verbuchte die Aktion als "Riesenchance" und die rund 10.000 Frankfurter Fans im Stadion wurden immer lauter. Sie hatten sich teils Stunden zuvor beim Fanfest auf dem nahe gelegenen Kaiseniemen Puisto – dort hatte am Dienstag noch Popstar Justin Bieber ein Konzert gegeben – eingestimmt. Und die Mannschaft ließ ihre Anhänger auf eine Sensationsrevanche für das "Jahrhundertspiel" von 1960 hoffen.

"Uns war klar, dass wir aus einer kompakten Defensive umschalten müssen", umriss Außenverteidiger Lenz die Marschroute, welche bis kurz vor der Halbzeitpause auch aufging. Dann zeigten die Frankfurter eine Schwäche, die ihnen bereits gegen Bayern das Genick gebrochen hatte: das Verteidigen von Standardsituationen.

Nach einer Ecke von Toni Kroos übersprang Topstürmer Karim Benzema am Elfmeterpunkt gleich zwei Frankfurter, Casemiro kratzte den Ball erneut per Kopf, quasi von der Torauslinie, und plötzlich stand Ex-Bayer David Alaba in der Mitte mutterseelenallein und schoss zum 1:0 ein.

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Der ehemalige Münchner David Alaba erzielte die Führung für Real. (Quelle: IMAGO/Juha Tamminen)

Trainer Glasner reagierte auf die Szene in der 37. Minute auch zwei Stunden später noch sichtlich angefressen: "Es ist schade, dass wir wieder nach einer Ecke in Rückstand geraten." Doch obwohl die Frankfurter in der Folge etwas den Faden verloren, blieben sie defensiv zumindest einigermaßen konzentriert, hielten die körperliche Intensität hoch – und fielen nicht wie gegen Bayern komplett auseinander.

Das 2:0 durch Benzema in der 65. Minute und einige weitere Real-Chancen verhinderte das jedoch nicht. Torwart Kevin Trapp merkte am "DAZN"-Interview an, dass die "Intensität bei Real nicht ganz so hoch wie bei den Bayern" fünf Tage zuvor gewesen sei.

Was Glasner positiv stimmt

"Wir haben bis zur letzten Sekunde alles versucht und nach vorne gespielt", stellte Trainer Glasner am Ende dennoch heraus. Aufgrund des Gesamteindrucks seiner Mannschaft blickte der Österreicher "sehr positiv" nach vorne. Wobei? Uneingeschränkt zufrieden war der 47-Jährige dann doch nicht, sprach von einem "Qualitätsunterschied" zu Real, "der nagt innerlich an mir."

Als Grund führte er unter anderem die im Vergleich zu Real deutlich geringere Erfahrung in solchen Finalspielen an. Deshalb seien solch Begegnungen "für uns enorm wertvoll", so Glasners Erklärung. Gerade weil in seiner Mannschaft viele "Spieler, die noch nie Champions League gespielt haben", seien. Zumindest auf diesem Feld könnten Glasners Schützlinge ab Anfang September Abhilfe schaffen – denn durch den Europa-League-Sieg ist der Elfplatzierte der vorherigen Bundesligasaison automatisch für die "Königsklasse" qualifiziert.

Apropos Erfahrung: Toni Kroos stemmte den Supercup an diesem finnischen Sommerabend bereits zum fünften Mal in den Nachthimmel. Zu einem Legendentreffen wie bei Santamaría, Stein und Stinka wird es nach dieser Partie in 62 Jahren mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aber dennoch nicht kommen.

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Verwendete Quellen
  • Beobachtungen vor Ort im Olympiastadion von Helsinki
  • Twitter-Account von Eintracht Frankfurt
  • "DAZN"-Interview mit Kevin Trapp
  • "Kicker"-Interview mit Axel Hellmann
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