Nachrichten
Wir sind t-online

Mehr als 150 Journalistinnen und Journalisten berichten rund um die Uhr fĂŒr Sie ĂŒber das Geschehen in Deutschland und der Welt.

"Ein Hohn" - Historiker kritisiert Sammer-Aussage

  • Luis Reiß
Von Luis Reiß

Aktualisiert am 21.12.2017Lesedauer: 3 Min.
Matthias Sammer: 23 LĂ€nderspiele absolvierte er im Trikot der DDR (hier 1989), 51 spĂ€ter fĂŒr das wiedervereinte Deutschland.
Matthias Sammer: 23 LĂ€nderspiele absolvierte er im Trikot der DDR (hier 1989), 51 spĂ€ter fĂŒr das wiedervereinte Deutschland. (Quelle: Sportfoto Rudel/imago-images-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild fĂŒr einen TextDieser Star gewinnt "Let's Dance"Symbolbild fĂŒr einen TextTrump zahlt saftige GeldstrafeSymbolbild fĂŒr einen TextPanzer-Video als Propaganda entlarvtSymbolbild fĂŒr einen TextBrand legt Flughafen Genf kurz lahmSymbolbild fĂŒr einen TextUS-Bischof verweigert Pelosi KommunionSymbolbild fĂŒr einen TextRekord-Eurojackpot geht nach NRWSymbolbild fĂŒr einen TextNot-OP bei Schlagerstar Tony MarshallSymbolbild fĂŒr einen TextFrau protestiert nackt in CannesSymbolbild fĂŒr einen TextÜberraschendes Comeback bei Sat.1Symbolbild fĂŒr einen TextBVB-TorhĂŒter findet neuen KlubSymbolbild fĂŒr einen Watson TeaserFormel 1: Haas-Boss zĂ€hlt Mick Schumacher an

30 Jahre danach nennt Matthias Sammer seine Mitgliedschaft in einem Wachregiment der DDR-Stasi "alternativlos". Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk widerspricht vehement.

Matthias Sammer – Europameister von 1996, deutscher Meister als Spieler und Trainer – war Mitglied im Wachregiment „Feliks Dzierzynski“ des DDR-Ministeriums fĂŒr Staatssicherheit. Das enthĂŒllte die „Sport Bild“ unter Berufung auf Sammers Stasi-Akten am Mittwoch.

Sammer sagte dem Magazin dazu: „Es gab ZwĂ€nge, denen du dich nicht entziehen konntest. Das war natĂŒrlich traurig und ein Bestandteil eines falschen Systems. Und: Es war auch alternativlos.“ Zwar soll Sammer nie Informationen geliefert oder Spitzeldienste ausgefĂŒhrt haben, die Verpflichtung unterzeichnete er dennoch – als ein Alibi, um dem Wehrdienst zu entgehen. Andernfalls, so Sammers BegrĂŒndung, wĂ€re seine Karriere bei Dynamo Dresden vorbei gewesen.

Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk bei einer Podiumsdiskussion in Berlin im Januar
Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk bei einer Podiumsdiskussion in Berlin im Januar (Quelle: Maurizio Gambarini/dpa-bilder)

Nun gibt es heftige Kritik an seiner Wortwahl. Ilko-Sascha Kowalczuk, Historiker bei der Behörde des Bundesbeauftragten fĂŒr die Stasi-Unterlagen, sagt t-online.de: „Sich nach 27 Jahren intensiver Debatte in Deutschland hinzustellen und diese Entscheidung als ‚alternativlos‘ darzustellen, ist ein Hohn. Es gab viele höchst talentierte Sportler, deren Karrieren gestoppt wurden, weil sie anders als Matthias Sammer Nein zur Stasi und der SED gesagt haben.“

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Tankrabatt kommt: Weshalb Sie vorher tanken sollten
Schwerer Gang: Die Spritpreise erreichten zuletzt immer neue Rekordhöhen. Ein Rabatt soll die Kosten dÀmpfen.


Sammer ging den ĂŒblichen Weg fĂŒr Top-Sportler

FĂŒr sein Handeln vor 30 Jahren, betont Kowalczuk, könne man Sammer allerdings keinen Vorwurf machen. Er sagt: „Die Entscheidung, in das Wachregiment der Stasi einzutreten, ist nicht kritikwĂŒrdig. Die Sportler, die diesen Schritt gegangen sind, waren junge Leute, lebten in der DDR in einer totalen Blase und konnten sich der Tragweite ihres Handelns nicht bewusst sein. Mit seinen heutigen Aussagen sendet Sammer in seiner Vorbildfunktion aber ein falsches Signal.“

Sammer, spĂ€ter Sportdirektor des FC Bayern und heute TV-Experte bei Eurosport, wĂ€hlte mit seiner Verpflichtung fĂŒr das Wachregiment einen fĂŒr viele Top-Sportler der DDR ĂŒblichen Weg, um den Wehrdienst zu umgehen und seine Karriere fortzusetzen. Zwischen Staat und Sport gab es in der DDR kaum eine Trennung. Bei den Fußball-Vereinen der Sportvereinigung Dynamo, also dem Berliner FC (BFC) und Dresden, war eine Verpflichtung fĂŒr das Wachregiment ĂŒblich.

Mielkes Lieblingsklub bevorzugt

Historiker Kowalczuk: „Leistungssport war in der DDR eine Staatsangelegenheit. Nicht umsonst wurden die besten Sportler des Landes ‚Diplomaten in TrainingsanzĂŒgen‘ genannt. Sie haben mehr fĂŒr die internationale Bekanntheit der DDR getan als irgendwer sonst. Deshalb wurde von den Sportlern ein hohes Maß an politischer Disziplin erwartet.“

So galten beispielsweise bei AuswĂ€rtsspielen im Ausland strenge Regeln. HĂ€ufig reisten viele Beobachter der Stasi mit, die das Verhalten der Sportler ĂŒberprĂŒften und Fluchtversuche verhindern sollten.

Zugleich ĂŒberließ der Staat in der Ausbildung seiner sportlichen Talente nichts dem Zufall. Dazu gehörte sowohl staatlich organisiertes Doping als auch ein strenges Förderungssystem fĂŒr Talente. Historiker Kowalczuk erklĂ€rt: „In der Talentförderung war die DDR ein Vorreiter. Die besten Nachwuchssportler wurden konzentriert an einem Ort trainiert – so wie es heute ja auch hĂ€ufig der Fall ist. Auch im Fußball konnten ausgewĂ€hlte Klubs die grĂ¶ĂŸten Talente einer Region abgreifen, von dort durften sich dann wiederum die Top-Klubs bedienen.“ Besonders bevorzugt wurde dabei ab den 1970er-Jahren der BFC Dynamo, Lieblingsklub von Stasi-Chef Erich Mielke.

Innerhalb des staatlich organisierten Systems eiferten die Athleten aber trotzdem nach sportlichen Regeln um Höchstleistungen. Manipulationen einzelner Fußballspiele zum Beispiel waren nach heutigen Erkenntnissen seltener als hĂ€ufig behauptet wird. Kowalczuk: „Es sind nur vereinzelt FĂ€lle bekannt, in denen Schiedsrichter ein Spiel beeinflusst haben.“

Quellen

- eigene Recherche
- Sport Bild

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Neueste Artikel
  • Robert Hiersemann
Ein Kommentar von Robert Hiersemann
DeutschlandDresdenDynamo DresdenMatthias Sammer
Fußball - Deutschland


t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website