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Nationalelf: Eine Erkenntnis ist noch wichtiger als der Sieg

3:2 gegen Niederlande  

Nationalelf: Eine Erkenntnis ist noch wichtiger als der Sieg

Aus Amsterdam berichtet Luis Reiß

25.03.2019, 11:18 Uhr
Nationalelf: Eine Erkenntnis ist noch wichtiger als der Sieg. Elf Freunde? Die Freude der Nationalspieler über den 3:2-Sieg gegen die Niederlande ist riesig. (Quelle: imago images/Claus Bergmann)

Elf Freunde? Die Freude der Nationalspieler über den 3:2-Sieg gegen die Niederlande ist riesig. (Quelle: Claus Bergmann/imago images)

Bemerkenswerter als das Ergebnis zum Start der EM-Quali ist das Auftreten. Trotz zweier Rückschläge behaupten sich die jungen Spieler – und erfüllen damit auch einen Plan des Bundestrainers.

Keine sechs Monate ist es her, da ergab sich die deutsche Nationalmannschaft in der Schlussphase gegen die Niederlande quasi widerstandslos. 0:3 lautete das Ergebnis am Ende – ein Debakel.

Tatsächlich sah es am Sonntag kurzzeitig so aus, als würde das DFB-Team erneut in der Arena von Amsterdam auseinanderbrechen. Die Gastgeber kamen – trotz eines 0:2-Rückstands – stürmisch aus der Kabine und erzielten zwei Tore. Doch diesmal stemmte sich eine auf vielen entscheidenden Positionen veränderte DFB-Elf erfolgreich dagegen –  und siegte sogar noch mit 3:2 durch den Treffer von Nico Schulz in der 90. Minute.

Reus gerät ins Schwärmen

Nach dem Katastrophen-Jahr 2018 konnte man als Zuschauer zum ersten Mal das Gefühl bekommen: Hier steht eine intakte Mannschaft auf dem Platz. Mit ein paar Fehlern vielleicht, aber elf Spielern, die alle an ihr Limit gehen wollen.

Der eingewechselte BVB-Star Marco Reus schwärmte nach dem erfolgreichen Auftakt in die EM-Qualifikation für 2020: "Wir haben richtig gute junge Spieler, die dazu auch noch großen Willen haben. Das Siegtor war eine Willensleistung. Das hat den Charakter dieser Mannschaft gezeigt."

Neue Anführer bringen sich ein

Häufig sind solche Aussagen im Erfolg leicht gesagt, doch tatsächlich waren Belege dafür auch auf dem Platz zu sehen. Leon Goretzka zum Beispiel hatte zu Beginn dieser Länderspielwoche mutig verkündet hatte, er traue sich eine Führungsrolle im DFB-Team zu. Doch er beließ es nicht nur bei den Worten, sondern forderte nach dem ersten Gegentreffer seine Teamkameraden gestenreich auf, sich zu wehren. Mit kleinen Fouls stemmte er sich immer wieder gegen die gegnerischen Angriffe.

Ein weiteres Beispiel: Antonio Rüdiger, im Nationalteam bislang eher ein Mitläufer, beim AS Rom und dem FC Chelsea aber extrem angesehen. Nachdem er einen niederländischen Konter in der zweiten Hälfte im letzten Moment geklärt hatte, brüllte er wie ein Wahnsinniger in Richtung der Offensivspieler, meckerte – und gab Kommandos wie ein Anführer. Solange bis Joshua Kimmich seinen Teamkameraden wegschubste, mit einem nicht weniger ehrgeizigen Gesichtsausdruck. So viel Leidenschaft war lange nicht mehr im DFB-Team zu beobachten.

Ältere Spieler stehen in der Verantwortung

Goretzka und Rüdiger sind beide bislang (noch) keine Führungsspieler. Doch ihr Verhalten auf und neben dem Platz zeigt, dass ein Teil des Umbruchs schon funktioniert.

Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff hatte vor dem Spiel gegen die Niederlande im Interview mit "Bild am Sonntag" gesagt: "Ältere Spieler können junge Spieler führen und ihnen Halt geben. Sie können aber auch durch ihre Präsenz und Dominanz die jungen Spieler blockieren. Wir hatten jetzt das Gefühl, dass es besser ist, wenn die jungen Spieler mit viel Vertrauen in die erste Reihe gehen."


Mit anderen Worten: Durch die Ausbootung von Hummels, Boateng und Müller sind nun die Talente gefragt. Bundestrainer Löw wollte sie, so behauptet es zumindest Oliver Bierhoff, auch in die Verantwortung zwingen. Ein Vorteil der Jungen: Sie kennen sich, wie beispielsweise das Offensiv-Duo Gnabry/Sané, teilweise schon seit Jahren aus den Junioren-Nationalmannschaften und wissen von ihren Stärken sowie Schwächen.

Zwei Spiele sind noch kein verlässlicher Beweis, aber zumindest auf dem Platz wirkt die neu formierte DFB-Elf deutlich harmonischer als im vergangenen Jahr. Der Sieg in Amsterdam könnte ein Wendepunkt sein, glaubt auch Leon Goretzka: „So ein Sieg schweißt zusammen und hilft bei der Entwicklung eines neuen Teams. Solche Erlebnisse sind ganz wichtig, das hat man an der Stimmung nach dem Spiel gesehen. Alle haben sich zusammen gefreut und waren zufrieden.“

Verwendete Quellen:
  • Eigene Beobachtungen

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