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Lockdown: Dem Amateurfußball läuft die Zeit davon – und die Mitglieder


Dem Amateurfußball läuft die Zeit davon – und die Mitglieder

  • Saskia Leidinger
Von Saskia Leidinger

Aktualisiert am 31.01.2021Lesedauer: 4 Min.
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Fußballer auf dem durch Regen aufgeweichten Aschenplatz (Symbolbild): Im Oktober 2020 fanden die letzten Spiele statt.
Fußballer auf dem durch Regen aufgeweichten Aschenplatz (Symbolbild): Im Oktober 2020 fanden die letzten Spiele statt. (Quelle: Norbert Schmidt/imago-images-bilder)
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Die Profis vermissen die Fans in den Stadien. Die Amateurkicker sind dagegen seit Monaten zum bloßen Zusehen verdammt und mit jeder Woche mehr im Lockdown droht der Saisonabbruch.

Der Boden ist aufgeweicht vom Regen, vor dem Tor hat sich eine Pfütze gebildet, Spieler schürfen sich auf dem steinigen roten Untergrund die Beine auf, vom Spielfeldrand beschimpfen Zuschauer den Schiedsrichter – Szenen, wie sie sich auf Amateur-Fußballplätzen normalerweise in ganz Deutschland abspielen. Doch derzeit ist nichts normal. Während in der Bundesliga unter strengen Auflagen und vor leeren Rängen gekickt wird, wächst auf so manchem Dorfrasen mittlerweile das Unkraut.


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15. Mai 1968, Halbfinale: VfL Bochum – Bayern München 2:1 (1:0) – Der damalige Regionalligist VfL zog schon sensationell unter die letzten Vier ein – und erwischte dort auch die Münchner eiskalt. Jürgen Jansen (5.) und Werner Balte (56.) sorgten für das Bayern-Aus, Werner Ohlhauser (90.) konnte für die Mannschaft von Tschik Cajkovski nur noch verkürzen.
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Seit Ende Oktober ruht der Ball im Amateurfußball. Egal ob Kreis- oder Verbandsliga, kaum mehr als acht Spieltage wurden in den Wettbewerben der Herren absolviert. Um die 34 müssten es je nach Ligagröße bis zum Sommer eigentlich sein, um eine vollständige Hin- und Rückrunde gespielt zu haben.

Wann geht es im Amateurfußball wieder los?

Doch der Lockdown bringt die Verbände nun in eine schwierige Lage. Sollen Aufsteiger, Absteiger, Meister und Pokalsieger auf sportlichem Wege bestimmt werden, zählt jede spielbare Woche. Deshalb wird in den Verbänden gerechnet, geplant, wieder neu geplant und auf ein baldiges Ende des Lockdowns gehofft, wie verschiedene Verbände auf Anfrage von t-online mitteilen.

So plant der Landesfußballverband Mecklenburg-Vorpommern (LFV) derzeit, dass ab Mitte Februar wieder trainiert werden kann und ab dem 13. März die Saison fortgesetzt wird. "Das Ziel lautet derzeit, dass wir die Saison 2020/2021 mit einer Wertung auf sportlichem Wege zu Ende bringen wollen", sagt Verbandspräsident Joachim Masuch. Am Ende sollen dann auch Auf- und Absteiger feststehen. Dazu gebe es verschiedene Modelle, doch "darüber derzeit öffentlich zu spekulieren ist aufgrund der anhaltenden unsicheren Gesamtlage rund um die Pandemie nicht sinnvoll", so Masuch.

"Deadline" in Hamburg

Den genauen Modus konnte auch der Fußballverband Niederrhein nicht nennen. Bei der Entscheidung, "ob beispielsweise noch Hin- und Rückrunde gespielt werden können oder lediglich die Hinrunde, müssen wir alle flexibel sein und dies vielleicht individuell entscheiden", teilte der Verband mit.

Ein Ball liegt zur Ausführung eines Eckballs auf dem mit Blättern bedeckten Aschenplatz bereit (Symbolbild): In Hamburg wird über den Abbruch der Saison diskutiert.
Ein Ball liegt zur Ausführung eines Eckballs auf dem mit Blättern bedeckten Aschenplatz bereit (Symbolbild): In Hamburg wird über den Abbruch der Saison diskutiert. (Quelle: imago-images-bilder)

Dagegen hat der Hamburger Fußballverband bereits eine klare "Deadline" gesetzt. Sollte der Lockdown über den 14. Februar hinaus verlängert werden, wird es keine gewertete Saison geben, sondern lediglich freiwillige Freundschaftsspiele. "Zum jetzigen Zeitpunkt wäre eine Entscheidung über eine Annullierung völlig übereilt", sagte Torsten Becker, Vizepräsident des hessischen Verbandes und ergänzte, dass dies nur das letzte Mittel sei.

Die meisten Verbände sind derzeit aber gewillt, auf dem grünen Rasen und nicht am grünen Tisch über Meisterschaften zu entscheiden.

Termindruck und Verletzungsgefahr

Doch für die Amateurkicker könnte dieses Vorhaben mit erheblichem Stress und Mehraufwand verbunden sein. Denn wollten die Verbände die Saison zwischen dem 13. März und 30. Juni regulär zu Ende bringen, wäre die "nicht ohne Spieltermine unter der Woche möglich", so der LFV. Für den niedersächsischen Fußballverband ist eine Verlängerung der Saison um drei Wochen denkbar.

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Dass ein solch eng getakteter Zeitplan zu Verletzungen führen kann, davor warnten Sportmediziner bereits Profispieler. Doch im Gegensatz zu den Bayern-Stars, die von professionellen Athletiktrainern und Physiotherapeuten eng betreut werden, haben die wenigsten Amateurkicker Trainingspläne mit in den Lockdown bekommen, kaum einer dürfte regelmäßig Waldläufe absolviert haben. Deshalb betont Stefan Reuß, Präsident des hessischen Fußballverbandes: "Nach dieser monatelangen Pause müssen wir natürlich einen mehrwöchigen Trainingsvorlauf einräumen, um die Verletzungsgefahr der Beteiligten nicht zu erhöhen." Auch andere Verbände planen mit einer Vorbereitungszeit von zwei bis vier Wochen.

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Wie wird der Pokalsieger bestimmt?

Neben der Frage, welcher Amateurklub eine Meisterschale in den Händen halten kann und wer künftig eine Klasse tiefer spielen muss, ist eine andere Frage noch drängender: Wer gewinnt den Landespokal und nimmt damit an der ersten Hauptrunde des DFB-Pokal teil? Die Hamburger Vereine haben sich deshalb dafür entschieden, auch im Falle eines Ligaabbruchs den Pokal regulär auszuspielen. Das ist auch das Ziel der meisten anderen Verbände.

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Der Verbandsspielleiter des bayerischen Fußball-Verbandes, Josef Janker, setzt dagegen eine andere Priorität: "Sollte aufgrund von unüberwindbaren Terminnöten in einzelnen Ligen die Durchführung des Liga-Pokals nicht mehr möglich sein, wird er abgebrochen. Denn es gilt weiterhin: Die Meisterschaft genießt oberste Priorität."

Sollte ein sportlicher Pokalsieger nicht gefunden werden können, steht es den Verbänden offen, im Notfall auch einen Teilnehmer für den DFB-Pokal im Wahlverfahren zu bestimmen, wie 2020 den 1. FC Magdeburg.

Immer mehr Vereine beklagen Mitgliederschwund

Doch all die Meisterschaften und Pokaltitel sind letztlich nur ein schwacher Trost, wenn für die Zukunft die Basis wegbricht. Laut einer Studie der Deutschen Sporthochschule beklagen 44 Prozent der befragten Vereine einen Mitgliederrückgang. Im ersten Lockdown waren es nur knappe 37 Prozent. Allerdings wurden hier nicht nur Fußballvereine befragt. Dennoch lassen die Zahlen erahnen, wie sich die Entwicklung im Fußball darstellt.

"Je länger Sportvereine ihrem Zweck nicht nachkommen dürfen, desto schwächer wirken sie als stabilisierendes Element der Gesellschaft. Es geht sozialer Kitt verloren, der gerade in einer individualisierten Zuwanderungsgesellschaft von Bedeutung ist. Damit treffen die Folgen nicht nur die Vereinsmitglieder, sondern die gesamte Gesellschaft", sagt Studienleiter Christoph Breuer.

Um dem Mitgliederschwund entgegenwirken zu können, sind die Vereine auf eine Fortsetzung des Spiel- und Trainingsbetriebs angewiesen. Doch wann das sein wird, ist ungewiss. Klar ist nur, mit jeder zusätzlichen Woche im Lockdown wird ein normaler Spielbetrieb auf den Rasen- und Ascheplätzen in Deutschland schwieriger.

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Verwendete Quellen
  • Anfragen an Verbände
  • Bremer Fußballverband: Saisonfortführung
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