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Italiens letzte "magische Nacht" - Titel-Party in Rom

Von dpa
Aktualisiert am 12.07.2021Lesedauer: 4 Min.
Am Ende hat die Fahrt durch Rom mit dem offenen Doppeldecker f├╝r Italiens Europameister doch geklappt.
Am Ende hat die Fahrt durch Rom mit dem offenen Doppeldecker f├╝r Italiens Europameister doch geklappt. (Quelle: Gregorio Borgia/AP/dpa./dpa)
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Rom (dpa) - Italiens neue Fu├čball-Helden schwenkten stolz den silbernen EM-Pokal, winkten den jubelnden Fans zu und stimmten dann spontan die Nationalhymne an. Mit einer Fahrt im offenen Bus durch die Stra├čen Roms feierte die Squadra Azzurra mit Tausenden jubelnden Fans ihren zweiten EM-Titel.

"Das ist das Sch├Ânste, die Freude mit den Fans zu teilen", sagte Nationaltrainer Roberto Mancini. "Wir haben seit gestern Morgen nicht geschlafen, aber das ist es Wert." Langsam bahnte sich der Bus den Weg, aus den Lautsprechern schallte der Refrain "notti magiche" - magische N├Ąchte - des WM-Hits 1990 "Un'estate italiana" von Gianna Nannini, der das Team seit dem Er├Âffnungsspiel in Rom durch die EM begleitet hatte.

Empfang beim Staatspr├Ąsidenten

Zuvor hatten Staatspr├Ąsident Sergio Mattarella und Regierungschef Mario Draghi die Mannschaft empfangen und ihre Leistung bei dieser Europameisterschaft gew├╝rdigt. "Ihr seid Vorbilder, auch f├╝r uns", sagte Draghi und erinnerte an das dramatische EM-Finale vom Vortag. Durch ein 3:2 im Elfmeterschie├čen gegen England hatten sich die Azzurri im Londoner Wembley-Stadion zum zweiten Mal nach 1968 zum EM-Champion gekr├Ânt. Nach 120 Minuten hatte es zwischen beiden Teams 1:1 gestanden.

Angef├╝hrt wurde die gro├če Titelsause von Kapit├Ąn Giorgio Chiellini und seinem Abwehr-Partner Leonardo Bonucci. "Diese Gruppe hat auch in schwierigen Momenten nie ihre Seele verloren", w├╝rdigte der 36 Jahre alte Chiellini seine Teamkollegen. Den silbernen Pokal hatte das Duo schon im Verlauf des Tages nicht aus den Augen gelassen. Am Morgen hatten sich die beiden Profis von Juventus Turin ein paar Stunden Schlaf in den Hotel-Betten geg├Ânnt und den Pokal in ihre Mitte genommen. "Keine Angst, er wird gut schlafen. Wir passen auf ihn auf", schrieb Bonucci zu einem Foto der breit grinsenden Fu├čballer.

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Titelcoach Mancini versteckte seine m├╝den Augen bei der Ankunft in Rom zun├Ąchst hinter einer Sonnenbrille und g├Ânnte sich dann einige Stunden Ruhe bei seiner Familie. "Wir k├Ânnen noch nicht begreifen, was wir geschafft haben", sagte er. Schon im Morgengrauen hatten Hunderte gl├╝ckliche Tifosi die EM-Sieger am Flughafen und am Teamhotel in Empfang genommen. Kapit├Ąn Chiellini reckte mit einer goldenen Krone auf dem Kopf stolz die Troph├Ąe in die H├Âhe.

Pers├Ânliche Genugtuung f├╝r Mancini

Mit dem Triumph hatte sich Italien nach der verpassten WM 2018 eindrucksvoll auf der gro├čen B├╝hne zur├╝ckgemeldet. "Wir haben daran geglaubt", sagte Bonucci, der sein Team mit dem Treffer zum 1:1 (67. Minute) ins Elfmeterschie├čen gebracht hatte. "Die gro├če Schande von 2018 ist fast vergessen", meinte der "Corriere dello Sport".

Die wundersame Wiederauferstehung der Squadra Azzurra ist eng mit dem Namen Mancini verkn├╝pft. "Der Trainer hat uns gezeigt, dass wir etwas Au├čergew├Âhnliches schaffen k├Ânnen, wenn wir daran glauben", sagte Bonucci. "Dieser Sieg ist der Beweis, dass man immer daran glauben muss. Auch wenn man ganz unten ist." F├╝r den Coach war der Triumph von London auch eine pers├Ânliche Genugtuung, nachdem er als Spieler unter anderem bei der WM 1990 den Titel verpasst hatte. "Wir hatten damals Pech, heute hat sich ein Kreis geschlossen", sagte der 56-J├Ąhrige. "Etwas hat das Schicksal mir wohl geschuldet."

Nach dem Triumph weinte Mancini in den Armen von Delegations-Chef Gianluca Vialli, mit dem ihn eine lange Freundschaft mit H├Âhen und Tiefen verbindet. Nach der Siegerehrung ging er mit Medaille um den Hals ein paar Schritte nachdenklich ├╝ber den Rasen, gemeinsam mit Torsch├╝tze Bonucci schoss er dann ein kurzes Erinnerungs-Selfie. "Mancinissimo", titelte die "Gazzetta dello Sport" am Montag.

Italien gl├Ąnzt mit besonderem Teamgeist

Mancini hat eine Mannschaft geformt, die sich mit Offensivdrang und Mut, vor allem aber mit einem besonderen Teamgeist gegen alle Widerst├Ąnde zum EM-Titel gek├Ąmpft hat. "Wir haben gesp├╝rt, dass etwas Magisches in der Luft lag", sagte der 36 Jahre alte Chiellini. Sein zwei Jahre j├╝ngerer Kollege Bonucci erg├Ąnzte: "Wir haben immer noch eine verr├╝ckte Lust, als Team zusammen zu sein. Das ist unglaublich." 34 ungeschlagene Spiele in Serie und der erste gro├če Titel f├╝r Italien seit dem WM-Triumph 2006 in Deutschland sind der Lohn.

Der Spirit der Mannschaft zeigte sich auch bei der Siegerehrung: Der erste, der seine goldene Medaille entgegennehmen durfte, war Leonardo Spinazzola. Der Linksverteidiger, der sich im Viertelfinale einen Riss der Achillessehne zugezogen hatte, war w├Ąhrend der Party mit Gipsbein stets mittendrin - meistens huckepack bei einem seiner Teamkollegen. "Ol├ę, ol├ę, Spina, Spina", skandierte die Mannschaft bei der Titel-Sause vor der italienischen Fankurve im Wembley-Stadion.

Routinier-Duo als Anf├╝hrer

Angef├╝hrt wurde die Mannschaft vom Routinier-Duo Chiellini und Bonucci, das in der Squadra Azzurra mit dem verlorenen EM-Finale 2012 und der verpassten WM 2018 schon so manchen R├╝ckschlag hinnehmen musste. "Wir haben es geschafft, ein ganzes Volk gl├╝cklich zu machen, das ist legend├Ąr. Es ist das Sch├Ânste, was existiert", schw├Ąrmte Bonucci. Nur vier Gegentore lie├čen die Verteidiger im Turnierverlauf zu und waren damit die Basis f├╝r die Titel-Kr├Ânung.

Gro├čen Anteil daran hatte auch Keeper Gianluigi Donnarumma, der im Elfmeterschie├čen sowohl im Halbfinale gegen Spanien als auch im Endspiel der gefeierte Held war und zum besten Spieler des Turniers gew├Ąhlt wurde. "Ich war sicher, dass er einen Elfmeter halten w├╝rde. Er ist der beste Torh├╝ter der Welt", lobte Mancini. Der Keeper selbst sagte um Worte ringend: "Wir waren spektakul├Ąr, wir waren grandios."

Erst 22 Jahre ist Donnarumma alt und damit wie viele seiner Teamkollegen auch ein Versprechen f├╝r die Zukunft des italienischen Fu├čballs. Mancini hat seinen Vertrag langfristig bis 2026 verl├Ąngert, die WM im kommenden Jahr in Katar ist das n├Ąchste gro├če Ziel der Azzurri. So weit wollte Mancini aber inmitten des gro├čen Jubels noch gar nicht vorausblicken, erst einmal genoss der Coach den Moment: "So etwas Sch├Ânes habe ich noch nie erlebt", sagte er sichtlich ger├╝hrt. "Der Pokal ist nach 1968 zur├╝ck in Italien, das ist unglaublich."

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