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Leipzig gewinnt DFB-Pokal - Medizinischer Notfall im Stadion

Von dpa
Aktualisiert am 21.05.2022Lesedauer: 4 Min.
RB Leipzig ist DFB-Pokalsieger 2022.
RB Leipzig ist DFB-Pokalsieger 2022. (Quelle: Tom Weller/dpa./dpa)
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Berlin (dpa) - Der ersten, riesigen Freude der Leipziger Profis und Fans ĂŒber den Pokaltriumph folgten Minuten der erdrĂŒckenden Stille. Kurz nach dem DFB-Pokal-Finale im ausverkauften Berliner Olympiastadion musste ein Mann nahe der FotografentribĂŒne reanimiert werden.

Die Spieler des SC Freiburg und von RB Leipzig saßen und standen ruhig auf dem Rasen. Erst nach etwa 20 Minuten folgte die vorsichtige Entwarnung durch den Stadionsprecher, der Patient sei "stabil". Ein Krankenwagen brachte ihn unter Applaus der Zuschauer aus dem Stadion.

Erst dann wurde wieder gefeiert. Freudestrahlend riss RB-KapitĂ€n PĂ©ter GulĂĄcsi den goldenen Pokal in den Berliner Nachthimmel. Der Weg dahin war hart: RB hatte nach 0:1-RĂŒckstand und in Unterzahl erst im Elfmeterschießen mit 4:2 (1:1, 1:1, 0:1) gegen die Breisgauer gewonnen, deren Titeltraum jĂ€h platzte.

Forsberg: "Mir fehlen die Worte"

"Mir fehlen die Worte", sagte Emil Forsberg in der ARD. "So zurĂŒckzukommen, ist einfach Wahnsinn, das zeigt Leidenschaft und MentalitĂ€t. Ich bin glĂŒcklich." Clubchef Oliver Mintzlaff Ă€ußerte: "Dass es am Ende so geklappt hat, ist unfassbar. Das braucht sicherlich ein bisschen. Unsere Welt dreht sich ja so schnell." Er werde sich "die Zeit nehmen, diesen Erfolg zu genießen". Bei Sky ergĂ€nzte Mintzlaff: "Der Fokus gilt jetzt einer richtig geilen Party."

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Freiburgs KapitĂ€n Christian GĂŒnter und Ermedin Demirović verschossen in der Entscheidung vom Punkt. Minuten nach dem Abpfiff standen die SC-Profis bei ihren Fans vor der Kurve, auch Trainer Christian Streich applaudierte und verneigte sich. "Christian Streich, Du bist der beste Mann", sangen die Freiburger AnhĂ€nger lautstark.

Maximilian Eggestein (19.) hatte den SC vor 74.322 Zuschauern zunĂ€chst in FĂŒhrung gebracht, doch Christopher Nkunku (76.) rettete die VerlĂ€ngerung fĂŒr die Leipziger, die dann im dritten Anlauf den Finalsieg feierten. RB-Trainer Domenico Tedesco holte im Alter von 36 Jahren und 251 Tagen als jĂŒngster Siegercoach seit Hans-Dieter Tippenhauer 1979 den goldenen Pott. Die Rote Karte gegen Marcel Halstenberg nach einer Notbremse (57.) blieb ohne Auswirkungen auf das Endergebnis.

Beste Pokalstimmung in der Hauptstadt

Beide Fangruppen sorgten fĂŒr beste Pokalstimmung. Die Tausenden Freiburger AnhĂ€nger waren am Nachmittag gemeinsam zum Stadion gezogen und eröffneten das Spiel mit einem großen Banner: "Einzigartiger Verein, so wie Du soll Fußball sein!", stand groß in der Freiburger Ostkurve. Die Leipziger Entstehungsgeschichte mit Geldgeber Red Bull hatte insbesondere in dieser Woche wieder zu viel Kritik aus der aktiven Fanszene gefĂŒhrt.

Zu sehen gab es dann eine zerfahrene Anfangsphase. Eine Woche nach dem letzten Bundesliga-Spieltag war beiden Mannschaften die Final-NervositĂ€t anzumerken. Emil Forsberg und Starspieler Nkunku prĂŒften den Freiburger Torwart Mark Flekken erstmals in der 14. Minute. Streich, der gewohnt engagiert an der Seitenlinie coachte, setzte der Leipziger OffensivstĂ€rke eine Dreierkette entgegen.

Der Spielstatistik zufolge erlebte Streich sein 396. Pflichtspiel als SC-Trainer - fĂŒr RB war es das 396. Spiel als Club im Profifußball. Zwei davon waren die Endspiel-Teilnahmen 2019 und 2021, erst war der FC Bayern MĂŒnchen zu stark, dann Borussia Dortmund.

Der SC legte deutlich besser los: Nach einem langen Schlag von Vincenzo Grifo kam der Ball ĂŒber GĂŒnter und Roland Sallai zu Eggestein, der von der Strafraumgrenze traf. Dass Sallai den Ball an die Hand bekam, bewertete Schiedsrichter Sascha Stegemann nach Einsatz des Videobeweises nicht als strafbar.

RB zu zehnt zum Triumph

Die Leipziger reagierten wĂŒtend auf den RĂŒckstand. Freiburgs Nico Schlotterbeck machte eine Fehlerkette in der SC-Abwehr wieder gut und rettete in höchster Not vor der Linie nach dem Abschluss von Nkunku (24.). Der Nationalspieler, vor der Partie von Bundestrainer Hansi Flick gelobt, war einer der auffĂ€lligsten Freiburger. Immer wieder animierte der 22-JĂ€hrige die Fans des Sport-Clubs.

Die Leipziger schafften es bis zur Halbzeitpause nicht mehr, den Bundesliga-Konkurrenten unter Druck zu setzen. Vom hochgelobten Powerplay war lange wenig zu sehen. Zwar erarbeiteten sich die Sachsen zu Beginn der zweiten Halbzeit mehr Spielanteile. Mit dem nĂ€chsten Abschluss von Nkunku hatte Flekken aber keine Probleme (50.). Und zudem leistete sich Halstenberg die Notbremse gegen Lucas Höler, die Stegemann mit Rot bestrafen musste. Der folgende Freistoß von Grifo ging nur knapp vorbei (59.).

Es lief kaum mehr etwas fĂŒr RB, Tedesco reagierte mit einem Doppelwechsel. Dominik Szoboszlai und Nordi Mukiele kamen fĂŒr Forsberg und AndrĂ© Silva in die Partie. Zu hören war von den RĂ€ngen vor allem: "Auf geht's Freiburg, schieß ein Tor!" Das Streich-Team beruhigte das Spiel immer wieder geschickt, verpasste aber, das noch beruhigendere zweite Tor frĂŒhzeitig nachzulegen.

Das bestrafte Nkunku, dessen Tor fĂŒr eine spannende Schlussphase sorgte. Es ging in die krĂ€ftezehrende VerlĂ€ngerung, in der Ermedin Demirović gleich den Pfosten traf (92.). Beide Teams kamen zu Chancen: Leipzig durch Nkunku (102.), Freiburg durch den Pfostenschuss des eingewechselten Janik Haberer (104.), der zudem die Latte traf (115.). Leipzigs bereits ausgewechselter Kevin Kampl sah auf der Bank noch Gelb-Rot (118.).

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