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Showdown zwischen Klopp und Real: "Mentalit├Ątsmonster"-Duell

Von dpa
Aktualisiert am 27.05.2022Lesedauer: 4 Min.
Bestens gelaunt: J├╝rgen Klopp freut sich auf sein drittes K├Ânigsklassen-Endspiel mit dem FC Liverpool.
Bestens gelaunt: J├╝rgen Klopp freut sich auf sein drittes K├Ânigsklassen-Endspiel mit dem FC Liverpool. (Quelle: Uefa/PA Media/dpa./dpa)
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Paris (dpa) - J├╝rgen Klopp h├╝pfte beschwingt auf das Podium und zeigte sein breitestes Zahnpasta-L├Ącheln. Auch das unliebsame D├ęj├á-vu durch den FC Bayern M├╝nchen konnte die fast schon greifbare Vorfreude des deutschen Liverpool-Trainers auf das gr├Â├čte Spiel einer bisher ├╝berragenden Saison nicht tr├╝ben.

"Es ist nicht das erste Mal in meinem Leben, dass vor einem entscheidenden Spiel Ger├╝chte ├╝ber Bayern M├╝nchen aufkommen", sagte Klopp. Rund 24 Stunden vor dem Champions-League-Finale gegen Real Madrid mit Toni Kroos am Samstag (21.00 Uhr/ZDF und DAZN) in Paris musste der Coach auch Fragen zu den Wechselger├╝chten um Sadio Man├ę und den FC Bayern beantworten.

Erinnerungen an 2013

Ganz augenscheinlich f├╝hlte sich der 54-J├Ąhrige an das Jahr 2013 erinnert, als - einen Tag vor dem Champions-League-Halbfinale mit Borussia Dortmund gegen Real - der Wechsel von Dortmunds Mario G├Âtze zum FC Bayern durchgesickert war. Tags darauf gewann der BVB ├╝brigens 4:1 durch vier Tore von Robert Lewandowski. Vielleicht auch deshalb zeigte sich Klopp am Freitag unbeeindruckt.

"Darum kann ich mich nicht k├╝mmern. Das ist der falsche Moment. Wir sind alle fokussiert auf das Spiel", sagte er: "Aber ich habe keine Bedenken. Egal, wo Sadio n├Ąchstes Jahr spielen wird, er wird ein gro├čer Spieler sein." Auch die Frage eines Journalisten aus Man├ęs Heimatland, ob Man├ę im Falle eines Final-Sieges gute Chancen auf die Wahl zum Weltfu├čballer habe, beantwortete Klopp gut gelaunt. "Die Erfahrung zeigt: Wenn du die Wahl gewinnen willst, musst du entweder Ronaldo sein oder Messi. Oder das Champions-League-Finale gewinnen. Von daher w├╝rde das die Chancen steigern."

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Neuer Rasen tr├╝bt Vorfreude nicht

Auch die Diskussionen um den Rasen konnten Klopp nichts anhaben. Der war am Tag vor dem Spiel neu verlegt worden, was der Coach als "eine interessante Idee" bezeichnete. "Mach aber bitte keiner die Geschichte, dass Klopp sich ├╝ber den Rasen beschwert", sagte er: "Das tr├╝bt meine Vorfreude nicht um ein Prozent. Ich w├╝rde auch auf Beton spielen. Wichtig ist, dass beide dieselben Voraussetzungen haben."

Nur ganz am Ende seiner Pressekonferenz wurde Klopp kurz nachdenklich. Damit, dass das Endspiel vor Monaten von St. Petersburg nach Paris verlegt wurde, habe er sich bisher nicht besch├Ąftigt. Dann begann er leise und langsam zu antworten. Und steigerte sich in ein Pl├Ądoyer f├╝r den Frieden. "Ich bin froh, dass das Spiel hier ist, aus Tausend Gr├╝nden. Der Krieg geht weiter und wir denken immer daran. Dass das Spiel trotzdem stattfindet, aber nicht in St. Petersburg, ist genau das richtige Zeichen, dass man an Russland abgeben musste", sagte er: "Das Leben geht weiter, selbst, wenn man es zerst├Âren will. Wir spielen dieses Finale f├╝r alle Menschen. Nicht nur, aber auch f├╝r die in der Ukraine."

Diesen besonderen Gedanken lie├č Klopp zu, ansonsten herrschte voller Fokus auf das Spiel. Das wird n├Âtig sein, denn es treffen nicht nur die wohl beiden besten Mannschaften Europas in dieser Saison aufeinander, sondern vor allem die beiden mentalit├Ątsst├Ąrksten. "Ich liebe es, wenn J├╝rgen Klopp sagt, dass seine Spieler "Mentalit├Ątsmonster" sind", sagt Xabi Alonso (40), der nicht nur f├╝r den FC Bayern, sondern f├╝r beide Finalisten spielte: "Aber im Finale muss Liverpool gro├če Mentalit├Ąt zeigen. Denn Real Madrid - das sind die anderen Mentalit├Ątsmonster."

Beeindruckt von Real

Die Spanier haben das zuletzt mehrfach bewiesen. Wie Real erst gegen Paris Saint-Germain, dann gegen Titelverteidiger FC Chelsea und vor allem im Halbfinale gegen Manchester City mit zwei Treffern in der Nachspielzeit die Spiele umbog, das hat auch Klopp tief beeindruckt. "Wenn man die letzten zwei Minuten eines jeden Real-Spiels nimmt, dann sind sie unschlagbar", sagte Klopp, der als erster deutscher Trainer zum vierten Mal im Endspiel der K├Ânigsklasse steht: "Zum Gl├╝ck gibt es noch 88 Minuten davor. Und wir stehen auch nicht durch Zauberei im Finale. Wir haben es uns auch verdient."

Den Begriff "Mentalit├Ątsmonster" brachte Klopp schon Anfang Mai in Spanien ins Spiel. Nach dem Final-Einzug beim FC Villarreal hatte er wieder mal von der Einstellung seiner Spieler geschw├Ąrmt und versucht, zu ├╝bersetzen. Mit "mentalidad monstruoso" gelang ihm das leidlich. Einen Tag sp├Ąter zeigte Real gegen City, was es bedeutet.

Mit entsprechend mit viel Selbstvertrauen gehen die K├Âniglichen ins Endspiel. "Ich pers├Ânlich sp├╝re nur Vorfreude, weil wir uns ausschlie├člich nur positive Gedanken machen", sagte Kroos, der den 73,5 Zentimeter hohen und 7,5 Kilogramm schweren Henkelpott bereits einmal mit den Bayern und dreimal mit Real gewann. David Alaba, der ihn zweimal mit den M├╝nchnern gewann und im Sommer nach Madrid wechselte, stellte im "Kicker" klar: "Wir sind Real Madrid. Mit diesem Selbstbewusstsein fahren wir nach Paris. Wir sind eine Mannschaft, die immer zur├╝ckschlagen kann, die nie aufgibt."

Doch auch die Reds kommen mutig. 13 Spieler waren schon beim Triumph 2019 gegen Tottenham dabei. Und Klopp hat seitdem l├Ąngst sein Final-Trauma von sechs verlorenen Endspielen in verschiedenen Wettbewerben abgelegt. "Es ist gut, dass ich nicht mehr ├╝ber die sechs Niederlagen sprechen muss", sagte er: "Aber das ist meine Geschichte. Diese Reise war wichtig f├╝r mich. Man muss lernen, dass es nur einen Sieger gibt. Vielleicht war meine Lektion dabei etwas h├Ąrter." Dank gro├čer Mentalit├Ąt hat er sie bestanden.

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