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Abstiegskandidat an Spitze: Breitenreiters Erfolg in ZĂŒrich

Von dpa
09.02.2022Lesedauer: 3 Min.
Feiert mit dem FC ZĂŒrich Erfolge: Trainer AndrĂ© Breitenreiter.
Feiert mit dem FC ZĂŒrich Erfolge: Trainer AndrĂ© Breitenreiter. (Quelle: Walter Bieri/KEYSTONE/dpa./dpa)
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ZĂŒrich (dpa) - AndrĂ© Breitenreiter untertreibt, und das hemmungslos. "Es könnte schlechter sein", sagt der ehemalige Trainer von Hannover 96 und Schalke 04 auf die Frage, wie es ihm geht.

Er schaut gerade in diesem Moment "auf schneebedeckte Berge" und wohnt direkt am ZĂŒrichsee. Aber der schönste Blick ist gerade der auf die Tabelle der Schweizer Super League.

Dort ĂŒbernahm Breitenreiter im Juli den FC ZĂŒrich, einen Traditionsclub, den auch schon Urs Fischer und Lucien Favre trainierten. Von den vergangenen fĂŒnf Jahren verbrachte der FCZ eines in der zweiten Liga und drei im Abstiegskampf. Doch mit Breitenreiter steht der Club nun mit neun Punkten Vorsprung auf die beiden Topfavoriten aus Basel und Bern auf Platz eins. Am Wochenende gewann er auch zum zweiten Mal in dieser Saison das ZĂŒrcher Stadtderby gegen den Grashopper Club, der noch immer Rekordmeister der Schweiz ist.

Eindruck mangelnder WertschÀtzung

"Ich habe immer Vereine in Deutschland favorisiert", sagt Breitenreiter der Deutschen Presse-Agentur. "Aber ich stelle jetzt fest: Diese Offenheit fĂŒr das Ausland hĂ€tte ich gern viele Jahre frĂŒher gehabt. Mir gefĂ€llt es hier sehr gut. Ich schĂ€tze das sehr."

Es ist nicht so, dass der 48-JĂ€hrige vorher nicht wusste, wie sich Erfolg anfĂŒhlt. Breitenreiter fĂŒhrte Hannover in die Bundesliga (2017) und Schalke dort auf Platz fĂŒnf (2016). Von beidem können diese Clubs heute nur trĂ€umen. Schon vorher schaffte er als erster Trainer den Bundesliga-Aufstieg mit dem SC Paderborn (2014). Das sind drei Erfolge unter drei völlig unterschiedlichen Bedingungen.

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Trotzdem blieb in der öffentlichen Wahrnehmung hĂ€ufig etwas anderes hĂ€ngen. Dass er bei 96 auf Platz 17 gehen musste. Oder mit Schalke die Champions League verpasste. Dass zwischen seiner Freistellung in Hannover und dem Wechsel nach ZĂŒrich zweieinhalb Jahre vergingen, schien den Eindruck mangelnder WertschĂ€tzung auf den ersten Blick zu bestĂ€tigen. Doch die traurige Wahrheit ist: In dieser Zeit starb Breitenreiters Mutter, und er kĂŒmmerte sich um seinen dementen Vater. Angebote aus Deutschland und dem Ausland lehnte er bis 2021 ab.

Begeisterung fĂŒr Breitenreiters Stil

Doch dann kam Ancillo Canepa: WirtschaftsprĂŒfer, Unternehmensberater und seit 2006 der PrĂ€sident des FC ZĂŒrich. "Ich verfolge den Fußball in Deutschland seit vielen Jahren", sagte er der Schweizer Nachrichtenagentur Keystone-SDA. "Breitenreiter ist mir frĂŒh aufgefallen. Seine Mannschaften habe ich in guter Erinnerung. Mich begeisterte, wie Paderborn unter ihm aufspielte. Dann sah ich Leverkusen gegen Breitenreiters Hannover. Nur Hannover spielte. Schnelles Umschalten, zack, zack, Leverkusen hatte keine Chance."

Genau das wollte Canepa in ZĂŒrich auch sehen: Attraktiven Fußball eines jungen Teams, der die Zuschauer wieder ins Stadion lockt. Beide trafen sich, verstanden sich sofort. Und was im Sommer als großer Umbruch mit 11 Zu- und 14 AbgĂ€ngen begann, ist mittlerweile eine der bemerkenswertesten Geschichten dieser europĂ€ischen Fußball-Saison.

Mannschaft mit guter MentalitÀt

"Es gibt nicht diesen einen Grund fĂŒr den Erfolg", erklĂ€rt Breitenreiter. "Ich habe hier vertrauensvolle Leute an meiner Seite, wir haben gute Analysen gemacht, gute Transferentscheidungen gefĂ€llt und meine Spielidee sehr schnell auf die Mannschaft ĂŒbertragen. Diese Mannschaft hat eine sehr gute MentalitĂ€t, viel Wissbegierigkeit und Lernwille. Man merkt schon, dass diese Spieler und dieser Verein danach gelechzt haben, wieder erfolgreichen Fußball zu spielen."

Um den Erfolg des FC ZĂŒrich einzuordnen, hilft ein Blick auf den hĂ€ufig unterschĂ€tzten Wettbewerb in der Super League. Die Nachwuchsförderung ist exzellent in der Schweiz, viele Stadien sind seit der EM 2008 sehr modern. Clubs wie die Grashoppers, Lausanne Sport oder der FC Lugano gehören Investoren aus China, Großbritannien und den USA. Der FC Basel und die Young Boys Bern haben so viel Geld in der Champions League verdient, "dass sie finanziell in einer eigenen Liga spielen", wie Breitenreiter sagt. "Das ist ein bisschen so wie der FC Bayern und Borussia Dortmund in Deutschland."

Die Dominanz der beiden zu brechen, wird fĂŒr seinen FCZ immer noch schwer. Aber Breitenreiter versucht es. "Ich spĂŒre weder Genugtuung noch Frustration, und ich muss auch niemandem etwas beweisen", sagt er. "Dass meine Arbeit unter verschiedenen Bedingungen erfolgreich sein kann, ist fĂŒr mich eine schöne BestĂ€tigung."

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