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Hans-Joachim Watzke: Der wichtigste Mann im deutschen Fußball


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Er ist jetzt der wichtigste Mann des deutschen Fußballs

Von dpa, jub

05.12.2022Lesedauer: 4 Min.
Hans-Joachim Watzke: Der Vorsitzende der Geschäftsführung von Borussia Dortmund ist nun auch beim DFB und der DFL der große Hoffnungsträger.
Hans-Joachim Watzke: Der Vorsitzende der Geschäftsführung von Borussia Dortmund ist nun auch beim DFB und der DFL der große Hoffnungsträger. (Quelle: IMAGO/Revierfoto)
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Hans-Joachim Watzke soll sowohl die DFL als auch den kriselnden DFB zurück in die Erfolgsspur führen – nach dem Vorbild von Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge.

Hans-Joachim Watzke hatte einen exklusiven Blick, als sich die nächste Fußball-Baustelle direkt vor seinen Augen auftat. Der 63-Jährige saß beim WM-Scheitern der Nationalmannschaft gegen Costa Rica im dunklen DFB-Anzug mit den vier Weltmeistersternen entsetzt auf der Ehrentribüne des Al-Bayt-Stadions – und nur wenige Stunden später hatte er eine weitere bedeutende Rolle im deutschen Fußball inne.

DFB-Präsident Bernd Neuendorf holte den krisenerprobten und erfahrenen Bundesliga-Manager als Fachmann und Entscheider an seine Seite. Wenn der DFB-Chef, der in seiner kurzen Amtszeit noch keinen Trainer oder Manager feuern musste, vermutlich am Mittwoch Bundestrainer Hansi Flick und Nationalelf-Direktor Oliver Bierhoff zur WM-Analyse antreten lässt und mit den sportlich Verantwortlichen die Sinnhaftigkeit einer gemeinsamen Zukunft Richtung Heim-EM 2024 ausloten will, ist Watzke der vierte Mann in der Runde.

Watzke als wichtigster Mann des deutschen Fußballs

Watzke ist spätestens jetzt zum wichtigsten Mann des deutschen Fußballs aufgestiegen. Auch wenn er selbst "in solchen Kategorien nicht denke", wie er im Sommer sagte. In dieser Woche könnte sich jedoch die wahre Bedeutung offenbaren, die der Geschäftsführer von Borussia Dortmund, 1. DFB-Vizepräsident und Aufsichtsratschef der DFL in sich vereint. Räumt Watzke womöglich zeitgleich im Amateur- und Profilager auf?

Dass Watzke Krise kann, hat er beim BVB bewiesen, den er einst von der drohenden Insolvenz mit Trainer Jürgen Klopp 2011 zur Meisterschaft und 2012 sogar zum Double inklusive Pokalsieg führte.

Enger Draht zu Neuendorf

Nun wartet erneut viel Arbeit auf ihn. Beim DFB wackelt Bierhoffs Position. Und bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) steht laut "Kicker" Donata Hopfen als Vorsitzende der Geschäftsführung nach nicht einmal zwölf Monaten vor der Ablösung. Die 46-Jährige soll das Vertrauen des von Watzke geführten Aufsichtsrates verloren haben. Es gibt also gerade richtig viel zu tun für Watzke, der sich "nicht aufgedrängt" hatte für die Jobs jenseits seines BVB: "Einfluss hatte ich vermutlich auch vorher schon, jetzt trage ich Verantwortung. Das ist der Unterschied."

Neuendorf und Watzke logierten in Doha als Mitglieder der DFB-Delegation weit weg vom Nationalteam im selben Hotel. Im Vorfeld des Krisentreffens mit Flick und Bierhoff sind sie eng im Austausch. Neuendorf legt Wert auf "ein geordnetes Verfahren". Einen indirekten Doppelpass spielte das Duo schon einmal, nämlich beim Begriff "Die Mannschaft". Watzke lehnte den von Bierhoff befürworteten Marketing-Claim schon als "zu abgehoben" ab, als Neuendorf noch gar nicht im DFB-Amt war. Als der 61-Jährige dann im März zum Verbandspräsidenten gewählt wurde, war "Die Mannschaft" wenig später Geschichte.

Bierhoff gerät in die Kritik

Der in der Bundesliga schon lange kritisch bis ablehnend beäugte Bierhoff muss nach allen Vorab-Signalen das Treffen mit Neuendorf und Watzke wohl mehr fürchten als Flick – auch, wenn dem Bundestrainer ebenfalls WM-Fehler anzulasten sind und Watzke immer noch einen engen Draht zu Ex-BVB-Coach Klopp besitzt. Der Coach des FC Liverpool wird immer mal wieder als Wunsch-Bundestrainer gehandelt.

Bierhoff steht im Gegensatz zum erst vor 16 Monaten angetreten Bundestrainer Flick für den fast durchgängigen sportlichen Abwärtstrend der Nationalmannschaft seit dem WM-Triumph 2014. "Leider habe ich mit drei schlechten Turnieren keine Argumente", sagte Bierhoff selbst mit leiser Stimme nach dem nächsten WM-Vorrunden-Aus in Katar.

Bierhoff und Flick schließen Rücktritt aus

Bierhoff ahnte sofort, dass bei möglichen personellen Konsequenzen gerade er ins Visier geraten würde: "Ich bin 18 Jahre dabei. Ich weiß auch, dass der Mechanismus jetzt losgeht, dass die Diskussion stattfindet. Der muss man sich stellen. Ich werde meine Verantwortung tragen. Es haben andere zu entscheiden, ob es weitergeht. Das liegt nicht an mir."

Bierhoff verpflichtete Flick als Bundestrainer. Dafür gab es im Sommer 2021 Applaus. Schon von 2006 bis 2014 bildeten sie mit Joachim Löw eine Einheit beim DFB-Team. Knüpfen die engen Weggefährten nun ihr berufliches Schicksal aneinander? Beide reizt die Heim-EM 2024. "Die Heimstimmung, die Unterstützung der Fans zu Hause, wird die Mannschaft sicher nach vorne tragen", glaubt Bierhoff. Einen Rücktritt schloss er aus. Flick ebenfalls.

Watzke ist ein Gegner auf Augenhöhe

Was planen Neuendorf und Watzke? Wie handeln sie? Sich anstelle eines möglichen Alleingangs mit Watzke einen in der Branche respektierten und erfahrenen starken Mann an die Seite zu holen, ist jedenfalls ein kluger Schachzug von Neuendorf, um nicht sogar möglicherweise selbst in den Fokus der Kritik zu geraten. Mit Watzke hat auch Bierhoff nun jedenfalls einen Gegner, der ihm mindestens auf Augenhöhe begegnet.

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Sie könnten Bierhoff darauf beschränken, sich auf die DFB-Akademie zu konzentrieren. Der erst im Sommer eingeweihte DFB-Campus, 150 Millionen Euro teuer, war Bierhoffs Idee. Er soll ein Innovationstreiber sein, eine zentrale Denkfabrik des deutschen Fußballs. Flick könnte derweil ein sportlicher Leiter zur Seite gestellt werden, eine Art Manager, wie es Bierhoff in seinen DFB-Anfangsjahren war. Ein Weltmeister mit öffentlicher Strahlkraft zum Beispiel – einer wie Sami Khedira?

Vielleicht wird auch Watzke dauerhaft enger an die Nationalelf gebunden. So etwas gab es schon in früheren Krisenzeiten. Karl-Heinz Rummenigge wurde nach dem EM-Debakel 2000 DFB-Teamchef Rudi Völler als Task-Force-Chef an die Seite gestellt. Im Frühjahr 2006, als nach einem 1:4 gegen Italien alle um den Erfolg bei der Heim-WM fürchteten, wurde die "Task Force" dann neu belebt, mit Bayern-Manager Uli Hoeneß als Sprecher der Vereine. Hoeneß hatte in Florenz – wie Watzke jetzt in Katar – das Länderspiel als Tribünengast verfolgt.

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Verwendete Quellen
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
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