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Udo Lattek ist verstorben

Von sid, dpa, t-online
Aktualisiert am 04.02.2015Lesedauer: 3 Min.
Trauer um eine deutsche Fußball-Ikone: Udo Lattek ist gestorben.
Trauer um eine deutsche Fußball-Ikone: Udo Lattek ist gestorben. (Quelle: dpa-bilder)
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Udo Lattek

Nach einem 2012 erlittenen Schlaganfall trat er kaum noch in der Öffentlichkeit auf. Zuletzt lebte er zurückgezogen in einem Kölner Pflegeheim.


Udo Lattek in Bildern: Eine Trainer-Legende

Nach einer eher mäßig erfolgreichen Spielerkarriere in Ober- und Regionalliga startet Udo Lattek 1965 seine Trainerlaufbahn. Der erfolgreichen Ausbildung zum Fußball-Lehrer folgt sein erster Job als DFB-Jugendnationaltrainer.
Nur wenig später wird Lattek (li.) ins Team von Bundestrainer Helmut Schön befördert. Als Co-Trainer fährt er sogar mit zur Weltmeisterschaft 1966 nach England und wird dort mit der Nationalmannschaft Vize-Weltmeister.
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Lattek trainierte die ganz großen Fußballer

Lattek, im ostpreußischen Bosemb geboren, prägte die Trainer-Szene und damit den Fußball über drei Jahrzehnte. Zu seinen Schützlingen gehörten Weltstars wie Franz Beckenbauer, Allan Simonsen, Diego Maradona, Bernd Schuster, Karl-Heinz Rummenigge und Lothar Matthäus. Seinen ersten großen Trainerjob hatte er am 14. März 1970 bei den Bayern übernommen.

"Ich bin aus dem Nichts gekommen. Ich habe dem Fußball alles zu verdanken", hatte Lattek bereits zu seinem 75. Geburtstag voller Dankbarkeit auf seine Laufbahn zurückgeblickt: "Ich hatte außer dem, was ich kann, nichts mitgebracht." Er revolutionierte die Kommunikation mit Spielern und Medien, eine vergleichbare Kombination aus Offenheit, Direktheit und Einfühlungsvermögen hat die Branche vorher nicht gekannt.

"Du musst Spaß daran haben, mit Menschen umzugehen", sagte Lattek: "Die Mischung aus einem gesicherten Wissen und dem richtigen Gefühl hat es bei mir ausgemacht." Nicht selten ging er in Mannschaftssitzungen vor großen Spielen, ohne zu wissen, wen er in die Startelf beordern würde. Die Auswahl traf er spontan und intuitiv nach einem Blick in die Gesichter der Spieler.

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Schicksalsschlag im Jahr 1981

Seine Zeit in Spanien prägte ihn besonders, besser gesagt die Monate davor, die ihm die Hölle auf Erden gezeigt hatten. Sein Sohn Dirk erkrankte an Leukämie und starb 1981 im Alter von 15 Jahren. Zusammen mit seiner Frau Hildegard floh Lattek, zu dieser Zeit Trainer bei Borussia Dortmund, nach Katalonien - vor allem, um den Schmerz zu lindern. Danach war er besser als jemals zuvor in der Lage, den Fußball und seine Nebengeräusche nicht zu ernst zu nehmen.

"Ich brauchte eine neue Aufgabe, Barcelona war schon damals der schwierigste Klub, der mich 24 Stunden am Tag gefordert und dadurch auch abgelenkt hat", sagte Lattek einst.

Disput mit Maradona

19 Monate trainierte er Barca, doch sein Kommunikationstalent stieß bei Diego Maradona an Grenzen. Wenn er später über den Zwischenfall mit dem Weltstar berichtete, klang das, wie fast alles bei ihm, wie eine Anekdote, die sich im Laufe der Zeit als Geschenk entpuppte, das ihm der Fußball gemacht hat und das er dankbar weiterreichte. "Hintergrund war die Abfahrt zu einem Abschlusstraining. Alle waren da, nur Diego nicht. Ich bin abgefahren, habe ihn stehen lassen. Daraufhin erklärte er dem Präsidenten, dass er lieber Cesar Luis Menotti haben wollte."

Lattek kehrte zum FC Bayern zurück, feierte wieder große Erfolge. Sein viel zu hoher Alkoholgenuss - er verglich sich mal mit Schauspieler-Legende Hans Albers, "weil der, wie ich, saufen konnte und hart arbeiten" - tat dem Ganzen keinen Abbruch. Ein Fehler war später sein Einstieg als Sportdirektor beim 1. FC Köln (1987 bis 1991), bei dem er vor allem durch seinen legendären blauen Pullover für Furore sorgte. Einen würdigen Abschied aus dem innersten Zirkel der Branche erhielt er dennoch. Im Jahr 2000 führte er Borussia Dortmund mit einem Kurz-Comeback zum Klassenerhalt, die Fans im ausverkauften Westfalenstadion lagen ihm zu Füßen.

786 Mal im "Doppelpass"

Sehr angesehen war der frühere Schüler von Hennes Weisweiler auch in seiner zweiten Laufbahn als Chefkritiker im Fußball-TV-Talk "Doppelpass". Insgesamt war er beim DSF/Sport1 in 786 Sendungen dabei.

Trotz boulevardesker Zuspitzungen hielt Lattek der Branche immer wieder scharfzüngig den Spiegel vor. "Das Einzige am Fußball, was stört, ist der Fußball", monierte er die Entwicklung seines Sports zu Business und Entertainment.

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Von Julian Buhl
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