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"War politisch" - Zverev-Match wegen Corona-Falls vor Absage

Von dpa
Aktualisiert am 05.09.2020Lesedauer: 3 Min.
Das Drittrundenspiel zwischen Zverev und Mannarino hatte mit einigen Stunden VerspÀtung begonnen.
Das Drittrundenspiel zwischen Zverev und Mannarino hatte mit einigen Stunden VerspÀtung begonnen. (Quelle: Frank Franklin II/AP/dpa./dpa)
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New York (dpa) - Als den US Open an einem denkwĂŒrdigen Tag voller Zweifel und quĂ€lender Warterei die erste coronabedingte Spielabsage drohte, rief die Nummer eins der Tennis-Welt den Gouverneur von New York an.

"Ich habe versucht, die Leute in den höchsten Positionen zu erreichen", erzĂ€hlte Novak Djokovic nach seinem ungefĂ€hrdeten Drittrunden-Sieg gegen den deutschen Davis-Cup-Spieler Jan-Lennard Struff und dem fĂŒr alle Beteiligten aufwĂŒhlenden Nachmittag.

"Es war politisch", sagte auch Deutschlands bester Profi Alexander Zverev, der kein unwesentlicher Protagonist der Ereignisse am fĂŒnften Turniertag im Flushing Meadows Corona Park war. Weil dessen französischer Gegner Adrian Mannarino Kontakt mit dem schon vor Tagen positiv auf das Coronavirus getesteten Profikollegen BenoĂźt Paire hatte, untersagten die Behörden zunĂ€chst den Auftritt Mannarinos.

"Wir wurden informiert, dass es nur eine sehr geringe Chance gibt, dass wir spielen", sagte Zverev. "Die Situation war nicht einfach fĂŒr uns, aber wir sind Profis und mĂŒssen damit zurechtkommen." Von der Ungewissheit ließ sich der 23 Jahre alte Hamburger zu Beginn zwar etwas verunsichern, erreichte aber letzten Endes souverĂ€n durch ein 6:7 (4:7), 6:4, 6:2, 6:2 das Achtelfinale beim ersten Grand-Slam-Turnier nach der Corona-Zwangspause. Dort trifft der Weltranglisten-Siebte auf den Spanier Alejandro Davidovich Fokina.

Doch die aus deutscher Sicht erfreulichen Ergebnisse - zu denen auch Angelique Kerber mit ihrem Achtelfinal-Einzug beitrug - oder die sportlichen Schlagzeilen gerieten kurz vor der Halbzeit der US Open zur Nebensache. Trotz aller Hygiene- und Sicherheitsauflagen, trotz eines Lebens in der Blase und trotz aller BemĂŒhungen der Veranstalter und Beteiligten hĂ€tte die Corona-Pandemie beinahe zu einer historischen Absetzung eines Matches gesorgt. Klarheit oder Transparenz schufen die Beteiligten aber mit dem Hin und Her nicht.

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Was genau passiert war und warum Zverev und Mannarino nicht zur vereinbarten Zeit das Louis Armstrong Stadium betraten, blieb lange unklar und Gegenstand zahlreicher wilder Spekulationen. Der amerikanische Tennisverband USTA reagierte erst spĂ€t - und dann mit einer dĂŒrren und nahezu inhaltsleeren Mitteilung. Fest steht, dass Mannarino ebenso wie andere französische und belgische Profis engeren Kontakt hatte zu Paire. Der 31 Jahre alte Franzose war positiv auf Covid-19 getestet und noch vor Turnierbeginn ausgeschlossen worden.

FĂŒr die Kontaktpersonen bedeutete das Testergebnis weitreichende Folgen. Eine Gruppe von bis zu elf Spielern musste sich innerhalb der sogenannten Blase in eine Extra-QuarantĂ€ne begeben und strengere Protokolle unterzeichnen und sich diesen unterziehen. Dazu gehörten tĂ€gliche Tests und eine Isolation im eigenen Hotelzimmer. Auch wenn Spielerinnen wie die Französin Kristina Mladenovic ĂŒber einen "Alptraum" und "abscheuliche Dinge" schimpften, wurden die Profis - anders noch als vor einer Woche beim von Cincinnati nach New York verlegten Masters-Turnier - nicht sofort ausgeschlossen.

Die Regeln seien modifiziert worden, hatte Turnierdirektorin Stacey Allaster erklĂ€rt und darauf verwiesen, dass alles mit den Gesundheitsbehörden des Bundesstaates New York abgesprochen sei. Am Freitag aber hieß es plötzlich von politischer Stelle, dass Mannarino als einer von Paires Kontakten ausgeschlossen werden mĂŒsse - nachdem er jedoch bereits die ersten beiden Runden gespielt hatte. "Und warum sollte er jetzt auf einmal nicht mehr spielen dĂŒrfen?" fragte sich nicht nur Zverev. Zweimal wurde die Anfangszeit der Partie neu angesetzt, zweimal wieder verworfen - jedes Mal mit Zverevs EinverstĂ€ndnis. "Es war nicht seine Schuld, es war nicht die Schuld der US Open", sagte Zverev. "Aber ich wollte ihn unterstĂŒtzen."

Was genau wie an diesem Tag ablief und wer wann mit wem telefonierte, hĂ€tte am ehesten noch die USTA erhellen können. Doch die Turniermacher verwiesen wie schon zuletzt bei diesen FĂ€llen auf die PrivatsphĂ€re und die SensibilitĂ€t in medizinischen Fragen. Immerhin durfte Mannarino nach intensiven Debatten und offenbar einem Machtwort von New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo mit mehrstĂŒndiger VerspĂ€tung dann doch noch zu der Partie gegen Zverev antreten.

"Das war ein komischer Tag, das mĂŒssen die Spieler erst einmal verkraften", sagte Deutschlands Tennis-Legende Boris Becker im TV-Sender Eurosport zu Beginn der Partie. Manche der Kontaktpersonen wiederum mĂŒssen jetzt zudem verkraften, dass sie - trotz eines Ausscheidens - noch mehrere Tage in QuarantĂ€ne in den USA bleiben mĂŒssen und nicht sofort wieder nach Europa zurĂŒckreisen können.

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