Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Pechstein: "Das ist schon irgendwie ein geiles Gef├╝hl"

Von dpa
Aktualisiert am 28.01.2022Lesedauer: 7 Min.
Wird in Peking an ihren achten Olympischen Spiele teilnehmen: Claudia Pechstein.
Wird in Peking an ihren achten Olympischen Spiele teilnehmen: Claudia Pechstein. (Quelle: Rick Bowmer/AP/dpa./dpa)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

Berlin (dpa) - Bisher war Claudia Pechstein schon Deutschlands erfolgreichste Winter-Olympionikin, nun ist die Ausnahme-Eisschnelll├Ąuferin auch noch weltweite Rekordhalterin: In Peking startet die 49-j├Ąhrige Berlinerin als erste Frau bei ihren achten Olympischen Winterspielen.

Zudem ist sie eine von drei Kandidatinnen als Fahnentr├Ągerin bei der Er├Âffnungsfeier. Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur spricht die f├╝nfmalige Olympiasiegerin ├╝ber ihre Erwartungen, Olympia-Kleidung und -Medaillen sowie ihre schwerste Zeit und die andauernden Folgen.

Ein kurzer R├╝ckblick auf die EM: Welche Erkenntnisse haben Sie von dort mit Blick auf Olympia mitgenommen?

Claudia Pechstein: F├╝r mich war die EM schon vorher nur eine Trainingsstation. Aber ich bin zufrieden mit meinen 3000 Metern. Das war ein sehr konstanter Lauf und damit nat├╝rlich auch sehr gutes Training. Der Massenstart war f├╝r mich ein bisschen ungl├╝cklich, dadurch dass direkt vor und hinter mit zwei L├Ąuferinnen gest├╝rzt sind. Eine ist dann auch noch an meinem Schlittschuh h├Ąngengeblieben. Gl├╝cklicherweise konnte ich mich durch eine Eiskunstlaufeinlage auf den Beinen halten und einen Sturz vermeiden. Doch das hat nat├╝rlich Zeit gekostet und ich hatte in der Folge keine Chance mehr, an die f├╝hrende Gruppe heranzulaufen. Nat├╝rlich w├Ąre ich gern ein bisschen weiter vorn gelandet. Aber am Ende war es so, wie es ist. Das ist nun mal ein Lotterie-Rennen.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Kartenzahlungen weiterhin nicht m├Âglich
imago images 101672474


Sie sind gleich nach der EM schon wieder ins Trainingslager nach Inzell gefahren...

Pechstein: Was hei├čt Trainingslager? In Berlin ist kein Eis, deswegen muss ich mich anderweitig orientieren.

Was ich eigentlich fragen wollte: Wann war Ihr letzter sportfreier Tag und wie haben Sie den verbracht?

Pechstein: Am 1. Januar zum Beispiel habe ich nichts getan. Ich bin relativ entspannt. Ich bin nicht t├Ąglich im Training, denn der K├Ârper braucht ja auch mal ein bisschen Zeit und Pause. Der Wintersportler wird ohnehin im Sommer gemacht. Wenn ich jetzt denken w├╝rde, ich h├Ątte etwas verpasst, br├Ąuchte ich nicht mehr zu versuchen, etwas aufzuholen. Denn das, was du jetzt an Grundlagen trainieren w├╝rdest, das wirkt nicht mehr im Februar.

Was motiviert Sie, sich fast t├Ąglich im Training zu qu├Ąlen?

Pechstein: Das sind auf jeden Fall die Olympischen Spiele. Ich versuche, noch so an der Form zu feilen, dass es gut passt. Grunds├Ątzlich brauche ich in meinem Alter nicht mehr dar├╝ber nachzudenken, etwas zu ├Ąndern. Bei mir ist die Technik wie immer. Ich bereite mich eben mental auf Olympia vor und hoffe einfach, dass ich gesund bleibe. Positive Einstellung, negative Corona-Tests. Das passt.

Nach der Nominierung waren Sie bei der Olympia-Einkleidung - zum achten Mal. Was haben Sie mit all den alten Olympia-Klamotten gemacht?

Pechstein: In der Altkleidersammlung ist nichts gelandet. Ich habe eine gro├če Familie, meine Schwestern haben sich auch ├╝ber die einen oder anderen Sachen gefreut. Ich habe tats├Ąchlich noch relativ viele Sachen selber, weil das was Spezielles und Besonderes ist. Die Teile kann man ja nicht einfach so irgendwo kaufen.

Wo bewahren Sie Ihre Olympia-Medaillen auf?

Pechstein: Ich habe die Medaillen in einem Schlie├čfach bei einer Bank, weil man die nicht nachmachen kann. Ich wollte f├╝r meinen ehemaligen Trainer Joachim Franke ein Duplikat anfertigen lassen, als Dankesch├Ân. Aber das darf man eben nicht. So eine Olympia-Medaille ist ja eigentlich nicht viel Wert, was das Material angeht. Aber der ideelle Wert ist unbezahlbar. Deswegen habe ich sie zur Sicherheit in einem Bankschlie├čfach.

Wie beurteilen Sie die Chancen, dass noch eine weitere Medaille dazukommt?

Pechstein: Das ist illusorisch, dar├╝ber nachzudenken. Ich habe das schon eine ganze Weile gesagt, dass ich nicht mehr um Medaillen k├Ąmpfe. Das ist Realismus pur. Manche sagen, im Massenstart ist immer eine ├ťberraschung m├Âglich. Das stimmt zwar, aber trotzdem bin ich Realist und sage, dass ich keine Olympia-Medaille mehr holen kann. Aber das ist auch nicht schlimm, denn ich habe ja neun olympische Medaillen.

Mit der achten Olympia-Teilnahme schreiben Sie Geschichte. Wie real ist das schon f├╝r Sie?

Pechstein: Ich bin jetzt definitiv nominiert worden. Vonseiten des DOSB ist offiziell ein Haken dran. Jetzt kann Olympia kommen. Und dann ist es so, dass ich versuche, negativ in Peking anzukommen und vor Ort auch negativ zu bleiben, um bei meinen achten Spielen dann auch wirklich starten zu k├Ânnen. Diese gro├če Sorge haben wohl alle qualifizierten Sportler. Kurz vor dem Start noch ein positiver Corona-Test und die Arbeit der vergangenen vier Jahre w├Ąre f├╝r die Katz. Sollte alles gut gehen, werde ich dann wohl erst vor Ort realisieren, dass ich die einzige Frau weltweit bin, die achte Winterspiele erleben kann. Das ist schon irgendwie ein geiles Gef├╝hl.

Es k├Ânnten ja auch schon Ihre neunten Spiele sein. F├╝hlen Sie sich um diesen Rekord gebracht?

Pechstein: Ich f├╝hle mich um mein Image, um mein Recht, um alles gebracht, was mit meiner Karriere als Sportler zusammenh├Ąngt. Schlimmer noch: Die Konsequenzen dieses Fehlurteils haben ja auch meine Privatsph├Ąre beeinflusst. Mein Leben w├Ąre komplett anders verlaufen, wenn die ISU und der CAS mich nicht zum Versuchskaninchen f├╝r den indirekten Beweis gemacht h├Ątten. Wir w├╝rden uns heute wahrscheinlich gar nicht unterhalten, wenn ich fair behandelt worden w├Ąre. H├Ątte ich 2010 bei den Spielen in Vancouver unter normalen Bedingungen starten d├╝rfen, h├Ątte ich wom├Âglich im Anschluss daran aufgeh├Ârt. Viele sagen, eigentlich sind es deine neunten Spiele. Doch das kann man so nicht mit Bestimmtheit sagen. W├Ąre, wenn und h├Ątte sind sowieso nicht meins. Fakt ist, dass ich mich f├╝r meine achten Spiele qualifiziert habe und gleichzeitig noch meinen Kampf um Gerechtigkeit weiter bestreite.

Von 2009 bis 2011 waren Sie gesperrt - offiziell wegen Dopings - und haben deswegen Vancouver verpasst. Im Nachhinein wurde jedoch eine Blutanomalie festgestellt. Wie blicken Sie mehr als zehn Jahre sp├Ąter auf diese Zeit zur├╝ck?

Pechstein: Ich bin nicht wegen Dopings gesperrt worden. Weil den Sportrichtern damals die Hinweise auf eine Blutanomalie als Ursache f├╝r meine schwankenden Werte nicht ausreichten, mutma├čten sie, ich m├╝sste gedopt haben. Ein fahrl├Ąssiger Trugschluss. Mittlerweile gibt es eine klare Diagnose, weil sich auch meine Eltern untersuchen lie├čen. So wurde nachgewiesen, dass die Anomalie von meinem Vater vererbt wurde. Mit dem Tag dieser Diagnose war die Sache gekl├Ąrt und ich konnte nach vorne schauen. Ich habe ein super Team um mich herum, allen voran Matthias (Anmerkung der Redaktion: Matthias Gro├če, Pr├Ąsident der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft). Dass ich ihn kennengelernt habe, war das einzige Positive w├Ąhrend meiner Sperre. Ich bin heute noch froh, dass ich mich in der Zeit nicht selbst um alles k├╝mmern musste. Wenn ich das h├Ątte machen m├╝ssen, h├Ątte ich keinen Meter mehr laufen k├Ânnen.

Loading...
Loading...
Loading...

Wann werden Sie damit abschlie├čen k├Ânnen?

Pechstein: Ich werde definitiv den Weg des Schadensersatzgesuchs weitergehen. Siegen oder sterben ist sinnbildlich mein Motto f├╝r das Verfahren, mit dem sich derzeit das Bundesverfassungsgericht besch├Ąftigt. Ich habe nichts mehr zu verlieren. Mir wurde damals alles genommen. Ich sa├č schon im Auto und wollte mir das Leben nehmen. Ich bin froh, dass ich es nicht getan habe. Ich werde bis zum Ende k├Ąmpfen, und wenn ich bis zum Europ├Ąischen Gerichtshof gehen muss, gehe ich auch dahin. Es gab niemals einen positiven Test von mir. Jeder wei├č, dass das ein Fehlurteil war.

Wie ist das seither: Haben Sie ein Attest oder einen Blutpass, in dem die Anomalie festgehalten ist?

Pechstein: Die Ergebnisse meiner Dopingkontrollen werden im Blutpass erfasst, wie bei allen anderen auch. Das ist auch alles transparent im ADAMS. Selbstverst├Ąndlich sorgt die von meinem Vater vererbte Anomalie bei mir nach wie vor f├╝r schwankende Retikulozytenwerte. Ich habe mich in der Vergangenheit ja bereits dreimal selbst angezeigt, als die Werte ├Ąhnlich hoch waren wie damals, als ich gesperrt wurde. Merkw├╝rdig ist nur, dass das zu keinerlei Reaktion der ISU gef├╝hrt hat. Das ist ein klarer Beweis daf├╝r, dass l├Ąngst auch beim Weltverband alle wissen, dass man mir gro├čes Unrecht zugef├╝gt hat. Sonst h├Ątte man mir doch schon l├Ąngst ein weiteres Mal den Prozess gemacht.

Nun sind Sie im Gespr├Ąch als deutsche Fahnentr├Ągerin. Was w├╝rde Ihnen das bedeuten?

Pechstein: Es ist bereits eine gro├če Ehre f├╝r mich, dass ich im Gespr├Ąch bin. Wenn es so kommen sollte, umso mehr.

Patrick Hausding und Laura Ludwig haben gemeinsam die Fahne in Tokio getragen. Welchen Mann k├Ânnen Sie sich daf├╝r in Peking an Ihrer Seite vorstellen?

Pechstein: Dar├╝ber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Das liegt auch nicht in meiner Hand. Francesco Friedrich ist nicht nur Doppel-Olympiasieger von 2018, sondern gewinnt ja im Bob zurzeit alles. Ich denke, dass er ein Kandidat bei den M├Ąnnern sein k├Ânnte.

Achte Olympische Spiele - wenn man die Acht auf die Seite legt, hat man unendlich. Sportkarrieren sind nicht unendlich. Wie nah sind Sie dem Ende Ihrer Laufbahn?

Pechstein: Das bin ich schon oft gefragt worden. Im Moment ist es so, dass ich mich auf Olympia konzentriere und mein Ding mache. Seit 2002 laufe ich von Olympia zu Olympia. Zuletzt auch von Jahr zu Jahr. Eisschnelllauf ist mein Leben. Sport ist mein Leben.

Kurz nach Peking feiern Sie Ihren 50. Geburtstag. Wie laufen die Planungen f├╝r die Party?

Pechstein: Unter Corona-Bedingungen brauchen wir nicht ├╝ber eine Party zu reden. Ich sage immer, der Geburtstag ist ein Tag wie jeder andere. In meinem Alter habe ich als Sportler jeden Tag Geburtstag (lacht). Erstmal m├Âchte ich die Olympischen Spiele bestehen.

Zur Person:Die Eisschnelll├Ąuferin Claudia Pechstein nimmt als erste Frau zum achten Mal an Olympischen Winterspielen teil. Die Berlinerin hat seit ihrem Deb├╝t 1992 in Albertville f├╝nfmal Gold sowie je zweimal Silber gewonnen und gilt als erfolgreichste deutsche Wintersportlerin. Zwei Tage nach Abschluss der Spiele feiert die Bundespolizei-Beamtin am 22. Februar ihren 50. Geburtstag.

Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Neueste Artikel
Claudia PechsteinDeutsche Presse-AgenturDeutschlandPeking
Fu├čball

Formel 1


t-online - Nachrichten f├╝r Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Str├Âer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverl├Ąngerung FestnetzVertragsverl├Ąngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website