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Olympia 2022 | Vinzenz Geiger schimpft über Olympia-Regeln: "Ziemlich psycho"


"Ziemlich psycho": Geiger schimpft über Olympia-Regeln

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Aus Zhangjiakou berichtet Alexander Kohne

Aktualisiert am 09.02.2022Lesedauer: 3 Min.
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Vinzenz Geiger hat in China sein ganz persönliches olympisches Wintermärchen geschrieben: Aus der Isolation als Corona-Kontaktperson stürmte er überraschend zu Gold. Danach explodierte sein Handy förmlich.

Während Vinzenz Geiger den größten Erfolg seiner Karriere erklären sollte, legte er das Handy fast nicht aus der Hand. Auf der internationalen Pressekonferenz nach seinem Olympiasieg wirkte der 24-jährige nordische Kombinierer abwesend, starrte fortwährend auf das Display.

"Ich habe bisher 239 WhatsApp-Nachrichten bekommen", verriet Geiger gut eine Stunde nach seinem furiosen Erfolg, mit dem er selbst überhaupt nicht gerechnet hatte – vor allem, weil die letzten Tage überhaupt nicht so verlaufen waren, wie sich der Oberstdorfer das erhofft hatte.

Geiger über Isolation: "Ziemlich psycho"

Nach der Ankunft in Peking waren seine Teamkollegen Eric Frenzel und Terrence Weber positiv auf das Coronavirus getestet worden. Weil Geiger im Flugzeug neben Frenzel gesessen hatte, galt er nach den rigiden Regeln der chinesischen Regierung als "Close Contact".

Infolgedessen wurde Geiger vom Team isoliert, trainierte allein und musste das Essen auf seinem Zimmer einnehmen. "Das war schon beschissen", gab der 24-Jährige offen zu. Die Tage seien "ziemlich psycho" gewesen.

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Umso erstaunlicher war für Geiger, dass es dennoch zum Olympiasieg reichte. So richtig wisse er auch nicht, wo er die Kraft dazu hergenommen und wie das alles am Ende funktioniert habe. Nur habe er früh im Rennen bemerkt: "Ich habe mich einfach extrem gut gefühlt."

So gut, dass Geiger vom elften Platz nach dem Springen und einem Rückstand von fast anderthalb Minuten in der Loipe allen davonlief. Dramatisch: An der letzten Steigung des Rennens zog er mit raumgreifenden Schritten am bis dahin führenden Johannes Rydzek vorbei – und schien den Anstieg dabei förmlich hochzufliegen.

Nach dem Rennen machte sich Johannes Rydzek (r.) direkt auf den Weg zu Vinzenz Geiger und beglückwünschte seinen Vereinskollegen vom SC Oberstdorf zum Olympiasieg.
Nach dem Rennen machte sich Johannes Rydzek (r.) direkt auf den Weg zu Vinzenz Geiger und beglückwünschte seinen Vereinskollegen vom SC Oberstdorf zum Olympiasieg. (Quelle: Hendrik Schmidt/dpa-bilder)

Rydzek freut sich für Teamkollegen Geiger

"Bis dahin habe ich voll an mich geglaubt, aber da konnte ich einfach nicht mehr mitgehen", gab Rydzek, der am Ende Fünfter wurde, beeindruckt zu.

Den zweifachen Olympiasieger vom SC Oberstdorf freute derweil umso mehr, dass ihn ausgerechnet sein Vereinskollege Geiger kurz vor dem Ziel so abkochte: "Mit dem ganzen Drumherum freut es mich ganz besonders, dass er oben stehen darf. Wenn schon nicht ich."

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Damit spielt Rydzek auf die vielen Einschränkungen an, die Geiger in den vergangenen Tagen erdulden mussten. "Eigentlich bin ich ein ziemlich entspannter Typ, aber die letzten Tage war ich schon nervös", sagte der Oberstdorfer.


Jeden Tag sei irgendetwas Neues dazugekommen. "Erst durfte ich nicht allein zum Training, dann kamen die Shuttles dazu nicht und einmal hat man mich versehentlich zur Snowboardstrecke statt zur Skisprungschanze gefahren", verdeutlichte Geiger.

Im Anschluss nahm er kein Blatt vor dem Mund: "Das war so eine schreckliche, schlechte Organisation. Die hat mich schon auf die Palme gebracht, was eigentlich nicht so schnell passiert."

Geiger widmet Sieg Frenzel und Weber

Mittlerweile ist Geiger das jedoch egal und das nicht nur wegen seines Olympiasiegs. Die vergangenen Tage hätten ihm noch mal vor Augen geführt, dass es wichtigere Dinge als Sport gebe – besonders im Hinblick auf seine Teamkollegen Frenzel und Weber, die sich noch immer im Quarantänehotel befinden. Er habe jeden Tag mit ihnen Kontakt gehabt und "richtig mitgelitten". Deshalb widmete er seinen Sieg auch ihnen.

Ob sich Frenzel und Weber schon gemeldet hätten, wusste er bei der Pressekonferenz indes nicht sicher. "Aber ich gehe ganz fest davon aus", sagte Geiger mit einem Lächeln. Alle seine 239 Nachrichten habe er nicht durchgeschaut.

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Verwendete Quellen
  • Eigene Beobachtung vor Ort
  • Pressegespräch mit Vinzenz Geiger
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