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Stuhl-Wurf und Ohrfeige: Die größten Grand-Slam-Eklats

Von sid
Aktualisiert am 08.09.2020Lesedauer: 3 Min.
John McEnroe bei den Australien Open: McEnroe verlässt 1990 den Court der Australian Open, nachdem er disqualifiziert wurde.
John McEnroe bei den Australien Open: McEnroe verlässt 1990 den Court der Australian Open, nachdem er disqualifiziert wurde. (Quelle: Bildbryan/imago-images-bilder)
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Novak Djokovic wurde bei den US Open disqualifiziert: Doch damit ist er nicht der Erste bei einem Grand-Slam-Turnier. Stars wie John McEnroe und Tim Henman erging es ähnlich – die Gründe waren kurios bis skandalös.

Ein unachtsamer Ball von Novak Djokovic, der mit voller Wucht den Kehlkopf einer Linienrichterin traf, sorgte für die Disqualifikation des Weltranglistenersten. Doch bereits in der Vergangenheit haben wütende und emotionale Auftritte ebenfalls das Ausscheiden von Tennis-Superstars bedeutet.

So schoss Denis Shapovalov im Davis Cup fast den Schiedsrichter vom Stuhl, David Nalbandian trat einem Linienrichter das Schienbein blutig und Nick Kyrgios warf einen Stuhl auf den Court – hier finden Sie eine Übersicht über die spektakulärsten Aussetzer der Grand-Slam-Geschichte:

US OPEN, ACHTELFINALE, 2020

Novak Djokovic (Serbien)

Die Schande von Flushing Meadows. Beim ersten Mal geht es noch gut: Djokovic feuert wütend einen Ball gegen die Seitenbegrenzung, Zuschauer kann er nicht erwischen, weil aufgrund der Pandemie keine da sind. Dann aber will die Nummer eins der Welt, der haushohe Turnierfavorit, einen Ball im Wegdrehen "entsorgen" – er trifft eine Linienrichterin am Hals. Nach zehnminütiger Diskussion sieht Djokovic ein, dass er disqualifiziert ist. Er flieht wortlos und schreibt später bei Instagram: "Es tut mir so leid."

FRENCH OPEN, 2. RUNDE, 2000

Stefan Koubek (Österreich)

Eigentlich ist Stefan Koubek für einen anderen Vorfall bekannt. 2010 würgte er im österreichischen Bundesliga-Match zwischen dem TC Gleisdorf und UTC Strassburg nach einer Reihe gegenseitiger "Insultierungen", wie es dort so schön heißt, seinen Gegner Daniel Köllerer. Begründung: "Ich bin Manns genug, mich nicht beschimpfen zu lassen." Zehn Jahre zuvor warf Koubek in Paris seinen Schläger und traf versehentlich einen Balljungen. Auch nicht besser.

Stefan Koubek: Der Österreicher warf bei den French Open im Jahr 2000 seinen Schläger und traf einen Balljungen — das Turnier war für ihn damit beendet.
Stefan Koubek: Der Österreicher warf bei den French Open im Jahr 2000 seinen Schläger und traf einen Balljungen — das Turnier war für ihn damit beendet. (Quelle: Claus Bergmann/imago-images-bilder)

FRENCH OPEN, 1. RUNDE, 1995

Carsten Arriens (Deutschland)

Carsten Arriens wird es viele Jahre später zum weit weniger temperamentvollen Davis-Cup-Teamchef schaffen, auf dem Platz ist er ein Heißsporn mit insgesamt vier Disqualifikationen - Rekord. Gegen den Neuseeländer Brett Stevens wirft er in Paris seinen Schläger ins Netz, wofür er verwarnt wird, schleudert den Schläger in Richtung seines Stuhls und trifft einen Linienrichter am Knöchel. Ein unrühmlicher Abgang.

Carsten Arriens: Der Deutsche traf 1995 bei den French Open einen Linienrichter am Knöchel, als er seinen Schläger wegschleuderte.
Carsten Arriens: Der Deutsche traf 1995 bei den French Open einen Linienrichter am Knöchel, als er seinen Schläger wegschleuderte. (Quelle: Claus Bergmann/imago-images-bilder)

WIMBLEDON, 3. RUNDE, 1995

Jeff Tarango (USA)

Tarango steigert sich auf Platz 13 langsam in seine Wut hinein. Dann rastet er aus. "Haltet die Klappe!", ruft er dem Publikum während seines Matches gegen Alexander Mronz zu. Schiedsrichter Bruno Rebeuh bekommt es dann richtig ab: "Du bist der korrupteste Typ im Tennis!" Als der Franzose ihm zum zweiten Mal einen Punkt abzieht, brüllt Tarango: "No way! Das war's!" Er schnappt seine Tasche - und geht. Seine Ehefrau Benedicte wird Rebeuh später im Gang ohrfeigen: "Er hatte eine Lektion verdient."

Jeff Tarango: Bei einem Turnier 2017 ist er egnauso temperamentvoll, wie er es 1995 in Wimbledon war. Damals gab sogar seine Frau dem Schiedsrichter eine Ohrfeige.
Jeff Tarango: Bei einem Turnier 2017 ist er egnauso temperamentvoll, wie er es 1995 in Wimbledon war. Damals gab sogar seine Frau dem Schiedsrichter eine Ohrfeige. (Quelle: Action Plus/imago-images-bilder)

WIMBLEDON, DOPPEL, 1. RUNDE, 1995

Tim Henman/Jeremy Bates (Großbritannien)

Jeff Tarango steht diesmal auf der richtigen Seite des Netzes. Ganz anders Henman, später der Held der Briten, der mit einem Netzroller passiert wird und wütend auf einen Ball eindrischt. "Ich habe noch geschaut, ob die Linienrichter auch aus dem Weg sind", sagt er später entschuldigend. Nicht aus dem Weg ist das schockierte Ballmädchen Caroline Hall, das den Ball aus kürzester Distanz ans Ohr bekommt. Dennoch buht das Publikum nicht Henman aus, sondern Oberschiedsrichter Alan Mills.

Tim Henman: Im Alter von nur 21 Jahren schockierte der Engländer ein Ballmädchen, als dieses von seinem Schlag getroffen wurde.
Tim Henman: Im Alter von nur 21 Jahren schockierte der Engländer ein Ballmädchen, als dieses von seinem Schlag getroffen wurde. (Quelle: Mary Evans/imago-images-bilder)
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AUSTRALIAN OPEN, ACHTELFINALE, 1990

John McEnroe (USA)

McEnroe nimmt sich gegen Mikael Pernfors drei Bälle und jongliert sie mit drohendem Blick direkt vor dem Gesicht einer Linienrichterin. Er zerhackt sein Racket, beschimpft schließlich den Schiedsrichter und den Turnierdirektor. Bei der Disqualifikation schaut er entgeistert: Er hatte die Regeländerungen nicht gelesen. Kurz zuvor war die Disqualifikationsgrenze auf drei Verwarnungen herabgesetzt worden. McEnroe: "Jetzt weiß ich es."

John McEnroe bei den Australien Open: McEnroe verlässt 1990 den Court der Australian Open, nachdem er disqualifiziert wurde.
John McEnroe bei den Australien Open: McEnroe verlässt 1990 den Court der Australian Open, nachdem er disqualifiziert wurde. (Quelle: Bildbryan/imago-images-bilder)

Djokovic reicht sich mit seinem Ausraster in diese Reihe ein und bleibt damit vorerst in Erinnerung.

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Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur sid
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