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Wenn Frida Kahlos Skelette tanzen

Von dpa
Aktualisiert am 20.12.2021Lesedauer: 3 Min.
"Lichtmuseum" oder reiner Kommerz: Die "Viva Frida Kahlo"-Show in Z├╝rich.
"Lichtmuseum" oder reiner Kommerz: Die "Viva Frida Kahlo"-Show in Z├╝rich. (Quelle: Christiane Oelrich/dpa./dpa)
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Z├╝rich (dpa) - Furiose Gitarrenkl├Ąnge, dazu eine Frauenstimme, die mit mexikanischem Akzent deutsche Texte liest, und an den Fabrikw├Ąnden jede Menge ├╝berdimensionale Frida-Kahlo-Bilder: Das ist die "Viva Frida Kahlo"-Show in Z├╝rich, die innerhalb von zwei Monaten mehr als 50 000 Besucherinnen und Besucher angezogen hat.

Die Lichtshows boomen

In einem einstigen Industrieviertel unweit der Innenstadt ist die ausgediente Halle einer Maschinenfabrik der "immersiven Kunst" gewidmet, mit der ein "Eintauchen" der Besucher, die die virtuelle Illusion als Realit├Ąt erleben sollen, bezeichnet wird. Die Macher sprechen von einem "Lichtmuseum". Der Shop am Ende mit Kunstwerk-Kommerz auf Socken, T├Ąschchen und T├╝chern erinnert ein bisschen an einen Museumsshop. Aber anders als in Museen gibt es keine Originalwerke, keine W├Ąrter, die Besucher in Schach halten, und Kinder k├Ânnen ├╝berall nach Lust und Laune fangen spielen.

Das Gesch├Ąft mit immersiven Ausstellungen boomt. Tokio, Shanghai, Amsterdam, New York, Melbourne - van Gogh, Monet, Klimt, Dali, Picasso, Hundertwasser - gerade die Superstars der Malerei kommen dabei zum Einsatz, in ehemaligen Lager- und Industriehallen, aber inzwischen auch schon in Museen, die angesichts des Erfolgs ganze Etagen freir├Ąumen f├╝r immersive Erfahrungen. Auch in Deutschland sind Veranstalter auf den Erfolgszug gesprungen, in K├Âln, Bremen, Dresden, Berlin, M├╝nchen und an anderen Standorten.

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Bunter Bombast oder neuer Zugang?

Monets Seerosen untermalt von wohliger Musik oder Frida Kahlos Selbstportr├Ąts ziehen dann ├╝berdimensional ├╝ber die Hallenw├Ąnde. Die Shows laufen in Endlosschleife. Dass grober Backstein mal eine Beule im Gesicht oder Wandvorspr├╝nge einen Knick im Seerosenteich erzeugen - geschenkt. Daf├╝r erwachen die Kunstwerke zum Leben: Ein Zug aus einem Monet-Bild dampft pl├Âtzlich animiert ├╝ber die Wand, Skelette aus Frida Kahlos Werken legen ein T├Ąnzchen ein. Besucherinnen und Besucher sollen ganz eintauchen in die Werke der Protagonisten. F├╝r "Kunstgenuss mit digitaler Tiefe" werben die Veranstalter die Frida-Kahlo-Show: "Pixel ersetzen Pinselstriche".

Die "S├╝ddeutsche Zeitung" tat solche immersiven Ausstellungen 2019 als "bunten Bombast aus Licht, Skulptur und Digitalem" ab und sprach von Stimmungsduselei und Kitsch. Der Co-Produzent der Kahlo-Show, Darko Soolfrank, spricht dagegen von Edutainment, zusammengesetzt aus Education (Bildungsarbeit) und Entertainment (Unterhaltung), also Wissensvermittlung auf unterhaltsame und spielerische Weise. "Wir versuchen, alle Sinne anzusprechen, und wollen die Menschen ├╝ber Emotionen erreichen", sagt er der Deutschen Presse-Agentur. Die 45-Minuten-Show kostet am Wochenende knapp 30 Euro pro Erwachsenem.

Vor dem Betreten des Lichtspektakels in der MAAG-Lichthalle gibt es eine Zeittafel mit den Stationen in Kahlos Leben. Neben den Bildern werden auch Fotos an die W├Ąnde projiziert und die Stimme mit dem mexikanischen Akzent liest aus Originalschriften von Kahlo. "Wir haben alles, von Schulklassen ├╝ber den klassischen Museumsg├Ąnger bis zu den jungen Urbanen, und TikToker", sagt Darko Soolfrank. Museen k├Ąmen eher steif daher. "Bei uns ist es lockerer, es gibt keine Hemmschwelle."

Elke Kollar, Vorsitzende des Bundesverbandes Museumsp├Ądagogik, findet den immersiven Ansatz spannend. Das Eintauchen k├Ânne die Wahrnehmung der Kunst sch├Ąrfen, sagt sie der dpa. "Ich sehe dies nicht als direkte Konkurrenz zu Museen", sagt sie. Auch f├╝r Museen selbst k├Ânnten solche Formate attraktiv sein, denn f├╝r viele sei es eine Herausforderung, mit neuen Medien Schritt zu halten. "Das gibt einen neuen Zugang zur Kunst und bringt neues Publikum ins Haus."

Distanz zur Kunst verringern

Aus diesem Grund hat das amerikanische Indianapolis Museum of Art in Newfields 3000 Quadratmeter in der vierten Etage freiger├Ąumt f├╝r seinen eigenen Lichtshow-Raum "The Lume". Zur Begr├╝ndung hie├č es, damit k├Ânnten Barrieren abgebaut werden zu Menschen, die glauben, nicht viel von Kunst zu verstehen, und die von Museen eher abgeschreckt w├╝rden. Zur Zeit wandern Besucher dort durch Van Goghs Kornfelder und unter seinen Sternenhimmeln.

Kollar vom Bundesverband Museumsp├Ądagogik sagt, alle Ann├Ąherungsweisen an K├╝nstlerinnen und K├╝nstler h├Ątten ihre Berechtigung. Immersive Ausstellungen k├Ânnten Distanz zur Kunst aufl├Âsen. "Vielleicht sehe ich das Original ganz anders nach einer Immersion", meint sie. Kulturvermittler fragten sich oft, wie Museen zeitgem├Ą├čer gemacht werden k├Ânnten. "Wir m├╝ssen aufpassen, dass wir nicht nur nach klassischem Zielpublikumsschema arbeiten sondern auch sehen, was die Menschen w├╝nschen", sagte sie.

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