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Regisseur Herbert Achternbusch gestorben

Von dpa
Aktualisiert am 14.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Herbert Achternbusch 2015 beim Filmfest M├╝nchen.
Herbert Achternbusch 2015 beim Filmfest M├╝nchen. Der Regisseur und Autor starb im Alter von 83 Jahren. (Quelle: Felix H├Ârhager/dpa./dpa)
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M├╝nchen (dpa) - Er war mehr als ein Filmemacher. Er schrieb, dichtete, malte, war Schauspieler. Herbert Achternbusch ist tot. Er starb im Alter von 83 Jahren. Die Stadt M├╝nchen best├Ątigte am Donnerstag einen entsprechenden Bericht der "S├╝ddeutschen Zeitung".

Sein Werk ist umfangreich: Fast 30 Filme listet seine Filmothek auf, 20 Theaterst├╝cke, 40 Buchpublikationen und Hunderte von gro├čfl├Ąchigen Bildern. "Gemalt hab ich immer", sagte er 2013 im dpa-Interview. Und was er immer am liebsten gemacht hatte, offenbarte er einmal der "M├╝nchner Abendzeitung": "Gemalt".

Hassliebe zur Heimat

In der ├ľffentlichkeit ist er allerdings weniger als Maler denn als Sch├Âpfer skurril-subversiver Filme in Erinnerung geblieben. Einer dieser Streifen hei├čt "Die Atlantikschwimmer" und zeigt zwei ziemlich normal gebaute M├Ąnner, nur mit Badehose und l├Ącherlichen Schwimmbrillen bekleidet, wie sie in den oberbayerischen Walchensee h├╝pfen, um von dort aus Amerika zu erreichen. Getreu dem Motto: Du hast keine Chance, aber nutze sie! Ein echter Achternbusch eben. Nonsens mit Hintersinn und Bodenhaftung. Irgendwo zwischen Karl Valentin, Gerhard Polt und Thomas Bernhard.

Mit dem ├Âsterreichischen Dramatiker verband ihn vor allem seine unbedingte Hassliebe zur Heimat. "In Bayern mag ich nicht mal gestorben sein", schrieb er 1977. Trotzdem h├Ątten ihn wohl keine zehn Pferde weggebracht. Wie auch Thomas Bernhard au├čerhalb von ├ľsterreich eingegangen w├Ąre wie eine seltene Hochgebirgsblume, die man ins Flachland verpflanzt.

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Herbert Achternbusch kam als unehelicher Sohn einer Sportlehrerin und eines Zahntechnikers in M├╝nchen zur Welt und wuchs im Bayerischen Wald auf. Nach dem Abitur in Cham studierte er ein wenig an den Kunstakademien in M├╝nchen und N├╝rnberg und schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch, bevor er mit dem Schreiben begann.

Schon mit seinem ersten Roman "Alexanderschlacht" sicherte er sich einen festen Platz in der Literatur-Avantgarde der siebziger und achtziger Jahre. Mit seinen in rascher Folge entstandenen Theaterst├╝cken errang er zweimal den M├╝lheimer Dramatikerpreis. Sein Zwei-Personen-St├╝ck "Gust" (1986) mit Sepp Bierbichler als aus der Zeit gefallenem Bauern, der im Begriff ist, seine Frau zu verlieren, lief jahrelang erfolgreich an den M├╝nchner Kammerspielen. 2017 wurde am M├╝nchner Volkstheater "Dogtown Munich" uraufgef├╝hrt, abermals ein Bekenntnis zu seiner Heimatstadt und vielleicht so etwas wie ein Verm├Ąchtnis.

Lieblingsfeind Franz Josef Strau├č

Schon in den siebziger Jahren kam Achternbusch in Kontakt zur Szene der deutschen Autorenfilmer um Werner Herzog, Volker Schl├Ândorff und Margarethe von Trotta. Seine oft mit geringem Aufwand gedrehten Streifen nahmen regelm├Ą├čig die so unangepasst-subversive wie obrigkeitsh├Ârige und bigotte bayerische Volksseele aufs Korn. In "Der Depp" (1983) lie├č er seinen Lieblingsfeind Franz Josef Strau├č vergiften, im halbdokumentarischen "Bierkampf" rechnet er mit einem bayerischen Heiligtum ab: dem Oktoberfest.

Als er in "Das Gespenst" Jesus Christus vom Kreuz herabsteigen l├Ąsst, um mit Maria eine Kneipe zu er├Âffnen, war f├╝r den damaligen CSU-Innenminister Friedrich Zimmermann das Ma├č voll. Er verweigerte dem unbotm├Ą├čigen Regisseur die Auszahlung der letzten F├Ârderrate, weil dieser das "religi├Âse Empfinden gro├čer Teile der Bev├Âlkerung" verletzt habe. L├Ąngere Zeit bekam Achternbusch daraufhin im Fernsehen kein Bein mehr auf den Boden.

Doch die Zeiten haben sich ge├Ąndert, Achternbusch z├Ąhlte zum Inventar des bundesrepublikanisch-bayerischen Kuriosit├Ątenkabinetts. Zu seinem 80. Geburtstag hatte ihm das M├╝nchner Filmmuseum eine Hommage mit acht seiner Spielfilme sowie einem Filmportr├Ąt gewidmet.

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