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So verarbeitete Andreas Gabalier die Suizide von Vater und Schwester


"Das Trinken hat mir geholfen"
So verarbeitete Andreas Gabalier die Selbstmorde von Vater und Schwester

t-online, jho/CK

Aktualisiert am 12.09.2014Lesedauer: 4 Min.
Andreas Gabalier schreibt in seiner Biografie über die Selbstmorde seines Vaters und seiner Schwester.Vergrößern des BildesAndreas Gabalier schreibt in seiner Biografie über die Selbstmorde seines Vaters und seiner Schwester. (Quelle: dpa-bilder)
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Früher wurden Biografien nach einer langen, erfüllten Karriere geschrieben. Heutzutage dagegen sind es schon Teenies wie Justin Bieber, die ihre Lebensgeschichte zu Papier bringen - und man fragt sich, was sie überhaupt schon zu erzählen haben. Nicht so bei Andreas Gabalier. Der selbsternannte "VolksRock'n'Roller" ist erst 29 Jahre alt, hat aber schon mehr erlebt als manche Menschen in ihrem ganzen Leben.

Und nicht nur Gutes: In einer nun erschienenen Biografie spricht der österreichische Musiker vom Selbstmord seines Vaters und seiner Schwester und zieht den Bogen von seiner Geburt - er kam in einem Auto auf die Welt - bis zu seinem kometenhaften Aufstieg.

Die Frage nach dem Warum

Der Suizid seines Vaters im Jahr 2006 prägte Gabalier, der damals gerade 21 Jahre alt war, zutiefst. Noch heute sucht er nach Antworten. Dass Wilhelm Gabalier sich das Leben nahm, kam für seine Angehörigen völlig überraschend. "Unser Familienleben war äußerst harmonisch, wir waren fast eine Vorzeigefamilie", erklärt Andreas Gabalier. "Vater war immer ein fröhlicher Mensch gewesen. Für einen Selbstmord hatte es keine Anzeichen gegeben. Natürlich fragt man nach dem Warum. Wir haben bis heute keine Antwort darauf."

Um den tragischen Verlust zu verarbeiten, suchte Andreas Trost in der Musik und den Bergen. Er lernte, auf der Harmonika zu spielen und schrieb seine ersten Lieder. Sein größter Fan in dieser Zeit war seine jüngere Schwester Elisabeth, der er seine ersten beiden Kompositionen "Mit Dir" und "Steirerland" vorspielte.

Schwester bringt sich zwei Jahre nach dem Vater um

Doch Elisabeth litt ganz besonders unter dem Tod des Vaters und konnte ihn letztlich nicht verkraften. 2008 nahm auch sie sich das Leben - mit gerade mal 19 Jahren: "Gerade als wir dachten, es ginge endlich bergauf, hat sie den gleichen Blödsinn gemacht wie mein Vater", erinnert sich Andreas.

Auch Andreas Gabaliers Bruder Willi, der als Profitänzer schon bei "Let's Dance" dabei war, war schockiert: "Elisabeths Tod war für mich schlimmer als der meines Vaters. Vater war im Alter von 52 Jahren von uns gegangen, er hatte also zumindest schon gelebt. Meine Schwester wurde nur 19 Jahre alt. Sie hätte noch so viel Potenzial gehabt."

"Das Trinken hat mir geholfen"

Mit dem erneuten Schicksalsschlag ging Andreas Gabalier auf seine eigene Weise um: Zwischen Trauer und Zorn hin und her gerissen habe er sich "wirklich nur nach Zerstreuung" gesehnt. "Und ich forderte alle Freunde auf, keinen Trauerblick aufzusetzen: 'Lasst uns lachen, denn das Leben muss weitergehen'", habe er ihnen gesagt.

Er sei damals um die Häuser gezogen und habe seine Sorgen heruntergespült, gibt Andreas zu. "Mir erschien das sinnvoller, als mit irgendeinem Psychologen, den ich gar nicht kenne, über meine Probleme zu reden. Manche würden das Trinken vielleicht auch mit einer Krankheit gleichsetzen: Aber mir hat es trotzdem geholfen."

Die Erlebnisse der Vergangenheit trägt der meist so fröhlich scheinende Volksmusiker bis heute mit sich: "Die Geschehnisse werden Teil meines Lebens bleiben und ich habe gelernt, damit umzugehen. Sie haben sicher dazu beigetragen, dass ich an nichtige und oberflächliche Dinge keine Gedanken verschwende."

'Amoi seg' ma uns wieder' - Hit auf Beerdigungen

Aus der Trauer heraus entstand ein Lied, das bei seinen Fans einen besonderen Status genießt - und das sein erster großer Hit wurde. "Ich dachte damals viel über das Warum nach, über das Leben nach dem Tod und die Frage, ob es ein Wiedersehen gibt", so Gabalier. "So entstand der Text von 'Amoi seg' ma uns wieder'." Das Lied machte den Musiker 2009 bekannt, wurde zum Hit auf Beerdigungen und löste in den Zuhörern ganz besondere Emotionen aus.

Viele Konzertbesucher gingen auf Gabalier zu und berichteten ihm von ihrem eigenen Leid und verlorenen Angehörigen. "Wildfremde Menschen mit Tränen in den Augen vor mir stehen zu sehen, die mich umarmten und sich herzlich und voller Emotion bei mir bedankten, verursachte mir manchmal eine Gänsehaut", erinnert sich Andreas. "Dieses Feedback gab für mich den Ausschlag, weiterzumachen."

"Ich bin ein Autobahn-Unglück"

Einem großen TV-Publikum ist Andreas Gabalier eigentlich erst seit seiner Teilnahme bei der Vox-Reihe "Sing meinen Song - das Tauschkonzert" ein Begriff. Dabei war er zu der Zeit schon längst in Österreich und teilweise auch ein Deutschland ein Volksmusik-Star. Einen besonderen Ritterschlag erhielt er Anfang September, als er erstmals eine eigene Samstagabendshow in der ARD moderierte. Wie seine Karriere startete, wie es mit seinem Liebesleben aussieht und wie seine Sicht auf diverse Schlagzeilen, die in den Medien auftauchten, ist, verrät Gabalier ebenfalls in seiner Biografie.

Und eines macht er gleich von Anfang an klar: Wer einen so turbulenten Start ins Leben hatte, musste ja etwas Besonderes daraus machen. Denn Andreas Gabalier kam im Auto zur Welt - auf dem Pannenstreifen einer Schnellstraße in Kärnten. "Ich wurde um 13.13 Uhr geboren - da soll noch einmal einer sagen, die 13 wäre eine Unglückszahl."

"Andreas Gabalier. Aus dem Leben des VolksRock'n'Rollers" von Thomas Zeidler erscheint am 12. September beim riva Verlag und kostet 16,99 Euro.

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