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Literatur - Neu übersetzt: "Ein Baum wächst in Brooklyn"

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Literatur  

Neu übersetzt: "Ein Baum wächst in Brooklyn"

09.01.2018, 11:58 Uhr | dpa

Literatur - Neu übersetzt: "Ein Baum wächst in Brooklyn". "Ein Baum wächst in Brooklyn" von Betty Smith in neuer Übersetzung.

"Ein Baum wächst in Brooklyn" von Betty Smith in neuer Übersetzung. Foto: Suhrkamp. (Quelle: dpa)

Berlin (dpa) - Es ist Mai 1917, als die 16-jährige Francie mit ihrem Freund von der Brooklyn Bridge auf das nächtliche New York blickt. Brooklyn sei besser als Manhattan, erklärt Francie. "Dort herrscht so ein  Gefühl ". "Man muss in Brooklyn leben, um es zu begreifen."

Ein Glück, dass die Autorin Betty Smith sich schon 1943 die Mühe gemacht hat, dieses Gefühl für alle festzuhalten, die nicht dort aufgewachsen sind. In ihrem Roman "Ein Baum wächst in Brooklyn", der 1944 für den Pulitzer-Preis nominiert wurde, erzählt sie die Geschichte von Francie und ihrer Familie, die als Zuwanderer in armen Verhältnissen in den Mietshäusern Brooklyns aufwachsen.

Eike Schönfeld hat das Buch für den Suhrkamp Verlag neu übersetzt. Es ist ein Roman mit autobiografischen Zügen, der Smith - die von 1896 bis 1972 lebte und ebenfalls in Armut im selben Stadtteil aufgewachsen ist - einen Bestseller ermöglichte. Weitere Romane sollten folgen.

Sofort ist es als Leserin nachvollziehbar, wo der Erfolg herkam. "Ein Baum wächst in Brooklyn" ist ein mit großer Erzählkraft geschildertes Gesellschaftspanorama der armen Schichten im New York des frühen 20. Jahrhunderts - und Smith hat ein überragendes Talent für die Darstellung von Charakteren, Details und Stimmungen dieses Milieus.

Auf 621 Seiten ist die Lektüre durch den lockeren, flüssigen Erzählstil ein Vergnügen. Protagonistin ist die zu Beginn elfjährige Francie - eine schüchterne, schlaue Träumerin, die sich vorgenommen hat, jeden Tag ein anderes Buch aus der Stadtteilbücherei zu lesen.

Mit ihrem ein Jahr jüngeren Bruder geht sie ansonsten Schrott sammeln, um ein paar zusätzliche Pennys zu verdienen - die Mutter arbeitet als Putzfrau, der alkoholkranke Vater als Gelegenheits-Kellner.

Francie ist in der zweiten Generation US-Amerikanerin. Ihre Mutter hat österreichische, ihr Vater irische Wurzeln. Die Nachbarn sind deutsche, irische oder italienische Migranten - und alle leben sie in den dreckigen Mietshäusern Brooklyns, von Armut gezeichnet.

Lebendig erzählt Smith von diesen Menschen. Von der lebensfrohen Tante, die in einer Kondomfabrik arbeitet; von der jungen, alleinerziehenden Frau, die von den Nachbarinnen mit Steinen beworfen wird, als sie sich traut, draußen mit dem Kinderwagen spazieren zu gehen. Vom liebevollen, aber unverlässlichen Vater, der immer ein Lied auf den Lippen trägt und niemals mit einem schmutzigen Kragen auf die Straße treten würde.

Die hungrigen Kinder singen und spielen in den Gassen, die Väter diskutieren in der Kneipe über den nächsten Präsidenten, das Frauenwahlrecht oder den Ersten Weltkrieg.

Francie ist mittendrin. Ihr fallen Dinge im Alltag auf, die andere übersehen - und mit einer dementsprechenden Sorgfalt beschreibt die Erzählerin, was Francie beobachtet. Das kann ein Baum im Innenhof ihres Hauses sein, eine Blechdose oder ein Backstein: "Im Winter, wenn der erste Schnee zu zart war, um auf den Gehwegen liegen zu bleiben, klammerte er sich an die raue Oberfläche des Backsteins und sah aus wie Tüllspitze."

Die Protagonistin beobachtet nicht nur, sondern schreibt auch selbst gerne, und während sie anfangs dafür mit glänzenden Noten in der Schule belohnt wird, wird ihre Lehrerin sauer, als Francie beginnt, auch ihre tatsächliche Umgebung zu beschreiben. "Armut, Hunger und Trunkenheit sind doch hässliche Themen", meint die Lehrerin.

Wie viel Wahrhaftigkeit und Intensität in der Erzählung genau dieser Themen liegen kann, zeigt Smith dann stellvertretend für Francie - denn diese hört nach dem Gespräch mit der Lehrerin mit dem Schreiben auf.

Francie erfährt von ihrer Lehrerin ebenso wenig Trost wie von ihrer Mutter - selbst, als der alkoholkranke Vater stirbt. Doch nicht nur Francie, sondern auch ihre Mutter, ihre Tanten oder ihre Oma sind zäh. Stark sind in "Ein Baum wächst in Brooklyn" vor allem die Frauen, die nicht nur das Geld nach Hause bringen, sondern trotz aller Widrigkeiten und Desillusionierungen weitermachen.

Jeden Abend lässt ihre Mutter Francie und ihren Bruder eine Seite Shakespeare und eine Seite der Bibel lesen, verbissen spart sie darauf, ihnen durch Bildung ein besseres Leben zu ermöglichen. Für die Highschool reicht es bei Francie finanziell nicht, aber ihr Ehrgeiz ermöglicht ihr, trotzdem Sommerkurse am College zu belegen.

"Shakespeare ist ein großes Buch", hatte Francies Großmutter, die selbst nicht lesen konnte, ihrer eigenen Tochter als Erziehungsratschlag mitgegeben. "Ich habe gehört, dass in diesem Buch das ganze Wunder des Lebens steckt."

Lesen und schreiben zu können, ist für die Familie ein Wunder. Und ein paar Verse von Shakespeare sind für Francie daher nicht nur hübsch aneinander gereihte Wörter - am Ende sind sie es, die ihr die Freiheit garantieren.

- Betty Smith: Ein Baum wächst in Brooklyn, Suhrkamp Verlag, 621 Seiten, 25,00 Euro, ISBN 978-3-458-17720-3.

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