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Das steckt hinter der schillernden Fassade des K-Pop

Nach mehreren Todesfällen  

Das steckt hinter der schillernden K-Pop-Fassade

17.06.2020, 10:30 Uhr
Mit ihrer Version eines Songs der K-Pop-Band BTS beeindruckte Evelyne die Jury (Quelle: Glomex)
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In der siebten Staffel von "The Voice Kids" beeindruckt Evelyne die Jury mit ihrer tollen Stimme. Doch in welcher Sprache die 14-Jährige singt, darüber rätseln Juroren und Zuschauer zunächst. (Quelle: Sat.1) 

Überraschender Auftritt von einem Jahr: Dieser K-Pop-Song beeindruckte die "The Voice Kids"-Jury damals und geht jetzt viral. (Quelle: Sat.1)


Suizide und Leistungsdruck in der K-Pop Szene überschatten die schillernde Fassade der koreanischen Bands. Doch was genau ist K-Pop und wie unterscheidet sich diese Szene von westlicher Popkultur?

Die K-Pop Szene ist in den letzten Monaten vermehrt mit Negativschlagzeilen in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Drei junge, vor allem in Korea bekannte Interpreten nahmen sich das Leben, andere zogen sich aufgrund mentaler gesundheitlicher Probleme zurück und zwei weitere wurden wegen Vergewaltigung verurteilt.

Die K-Pop Musikszene ist bekannt für ihre vordergründig unterhaltsamen Songs, ihre schrillen Videos und die gut gelaunten Bandmitglieder. Millionen Fans verfolgen Bands wie EXO, f(x) oder BTS über ihre zahlreichen Onlineplattformen in Livestreams und eigenen Shows. Doch es lauern viele Schattenseiten in diesem Musikbusiness, das seinen Ursprung in Korea hat. Suizid und Leistungsdruck sind zwei dieser Probleme.

Was ist K-Pop?

K-Pop steht für Korean Popular Music und ist ein Sammelbegriff für koreanischsprachige Popmusik. Die Musik besteht immer aus Popmusikelementen, vereint allerdings noch möglichst viele andere Richtungen, um eine möglichst breite Masse anzusprechen. Dazu zählen Elemente aus HipHop, Rap, Electronic Dance Music oder Techno. Die Themen orientieren sich an denen der westlichen Popkultur: Liebe, Trauer, Familie und Freundschaft sollen dafür sorgen, dass sich möglichst viele Menschen mit ihnen identifizieren.

"Gagnam Style" von dem südkoreanischen Rapper Psy ist ein bekanntes Beispiel für K-Pop. Im Dezember 2012 wurde das Musikvideo zum meistgeklickten Youtube-Musikvideo gekürt. Psy singt in dem scheinbar lustigen Video über den Schönheitswahn in Korea.

K-Pop hat mittlerweile weit mehr als nur Musik zu bieten. Wie viele andere Musikgruppen haben auch K-Pops Bands neben ihren Alben, die Comebacks genannt werden, massenhaft Fanartikel im Angebot. Jedem Album liegt ein Fotobuch bei, in dem die Fans Sammelbildchen einkleben und miteinander tauschen können. 

Musikvideos und Songs werden, wenn die Bandmitglieder aus unterschiedlichen Ländern kommen, auch in verschiedenen Sprachen aufgenommen. So kann ein Video oder Song gleichzeitig auf Chinesisch, Koreanisch und auch auf Englisch erscheinen. Zum Beispiel erschien das Album "The War – The 4th Album" der Band Exo-K  in einer koreanischen und einer chinesischen Ausgabe.

Was zeichnet K-Pop Bands aus?

K-Pop Bands haben zwar alle ihren Ursprung in der Popmusik, versuchen aber dennoch ein einzigartiges Konzept und Auftreten zu entwickeln. Der Style der Bands ist immer auffällig, jedoch in einem eigenen und wiedererkennbaren Stil gehalten. Die einzelnen Mitglieder werden "Idols" genannt, und meistens sind die Musikgruppen reine Boy- oder Girlbands. Nur selten gibt es Gruppen mit beiden Geschlechtern, um Beziehungsgerüchten vor allem durch die Medien keinen Boden zu bieten.

Oft beginnt der Erfolgskurs der Bands, wenn die Mitglieder 16 Jahre alt sind. In diesen Fällen zeigen sich die Bands im Schulmädchen- oder Schuljungen-Style, um die gleichaltrige Zielgruppe zwischen 14 und 16 Jahren zu erreichen. Werden die Stars älter, wechselt auch das Konzept deutlich in eine aufreizendere Richtung.

Wie wird man zum K-Pop Star?

Um ein berühmter K-Pop Interpret zu werden, haben die potenziellen Stars einen langen und schweren Weg vor sich. Oft beginnt die Karriere über die Castings, in denen die nächsten Stars gesucht werden. Hier treten Kinder und junge Erwachsene im Alter zwischen fünf 18 Jahren an. Werden sie ausgewählt, folgt erst einmal ein Trainingsprogramm, in dem die Auserwählen hart trainieren und sich beweisen müssen. Dieses vorbereitende Training bis zum ersten öffentlichen Auftritt kann bis zu zehn Jahre andauern.

Erst nach dieser Trainingszeit darf der erste Song und der erste Auftritt der Band gezeigt werden. Ab sofort findet das Leben öffentlich statt – ob über Onlineplattformen oder auf der Bühne. Die Interaktion mit den Fans ist von großer Bedeutung. 

Die Schattenseiten der K-Pop Szene

Der Leistungsdruck, der schon in der frühen Schulzeit beginnt, ist besonders in Südkorea ein großes Problem und in der Kultur verankert. Seit Ende des Koreakriegs herrscht ein großes Konkurrenzdenken. Je besser die Noten und je makelloser die Optik, desto erfolgreicher und angesehener ist eine Person in dem Land.

Und das überträgt sich auch auf die Musikbranche: Erfolgreich ist, wer perfekt seine Leistung abliefert und besser ist, als die Konkurrenz. Das oberste Ziel ist es, Geld zu verdienen. Allerdings sind die Mittel und Wege deutlich härter als in der westlichen Musikwelt. Die möglichen späteren Stars gehen nach ihrer Auswahl im Casting Verträge ein, die sie oft mehr als zehn Jahre lang verpflichten. Die Manager bekommen darin das Recht, über die Privatsphäre zu walten und die Bezahlung für die Stars ist gering.

Nach Vertragsabschluss beginnt die lange Ausbildung. Täglich wird singen und tanzen geübt, auch Fremdsprachentraining zählt dazu. Wöchentlich erfolgt eine Überprüfung der Ergebnisse und eine Vermessung des Körpers. Denn wenn ein bestimmtes Idealgewicht überschritten wird oder wenn keine messbaren Verbesserungen und Erfolge erzielt werden, erlischt der Vertrag und die Karriere ist beendet.

Die Girlgroup Fromis 9: Mädchen und Jungen aus der K-Pop Szene haben einen strengen Diätplan, um ihre schlanken Figuren zu behalten. (Quelle: imago images/ZUMA Press)Die Girlgroup Fromis 9: Mädchen und Jungen aus der K-Pop Szene haben einen strengen Diätplan, um ihre schlanken Figuren zu behalten. (Quelle: ZUMA Press/imago images)

Verbote stehen an der Tagesordnung

Alkohol und Zigaretten sind streng verboten. Auch einen Partner verbietet der Vertrag in den meisten Fällen. Vor einiger Zeit waren häufig auch Schönheitsoperationen eine Pflicht  – heute steht dieser Punkt nicht immer im Vertrag. Hintergrund ist die Angst vor Gerüchten und Negativschlagzeilen, die von den Medien ausgehen können. Das Ansehen und ein positives Image ist in Südkorea von größter Bedeutung. Nur wer makellos ist, wird in der Gesellschaft hoch angesehen. Die Stars gelten auch als Vorbild, weswegen ihr Auftreten noch einmal mehr perfekt sein muss.

Fehler hängen Personen lange nach und zerstören leicht die Karriere. Das setzt die Stars noch einmal mehr unter Druck. Es ist nicht vergleichbar mit beispielsweise US-amerikanischen Stars, die trotz Drogen- und Alkoholexzessen weiter ihre Erfolge feiern.

Einen Partner verbietet das Management meistens auch, weil die Stars sich als Single besser verkaufen. So dürfen Interviewer auch keine Fragen zum Liebesleben der Stars stellen. Die Frage "Wie sieht dein Traummann oder deine Traumfrau aus?" ist aber erlaubt, da sich so wieder einige Fans angesprochen fühlen könnten.

Perfektion spielt die größte Rolle, alles ist danach ausgerichtet und die Regeln daher streng. Wird eine Regel gebrochen, können Bestrafungen die Folge sein. Dabei passieren auch Vorfälle, die die K-Pop Szene erschüttern: Der 19-jährige Lee Seok-cheol, Star der südkoreanischen Band Eastlight, beschuldigte schon im Oktober 2017 seine Agentur auf einer Pressekonferenz, Bandmitglieder mit Baseballschlägern und Metallschrubbern geschlagen und bedroht zu haben. 

Mentale Zusammenbrüche erschüttern die Fans

Das Management des Sängers S.Coups der Gruppe Seventeen gab im November das Statement ab, S.Coups nehme eine Auszeit, um sich mental zu erholen. Er leide unter Angstzuständen und Panikattacken. 

Auch verschiedene Dokumentationen berichten über die Schattenseiten der nach außen fröhlich und gut gelaunt wirkenden Musikszene. Ein Privatleben gebe es für die Stars nicht mehr. Jedes Posting, alle öffentlichen Auftritte, Interviews und Liveschaltungen im Internet seien vom Management geregelt und vorgegeben. Themen wie die mentale Gesundheit der Stars, die Todesfälle von Kollegen, Schönheitsoperationen und das Privatleben sind tabu. 



In einigen Songs wird über den Leistungsdruck gesungen und auch Psy, der Rapper von Gangnam Style, schaffte es, seinen Song zum Thema Schönheitswahn populär zu machen. 

Hinweis: Falls Sie viel über den eigenen Tod nachdenken oder sich um einen Mitmenschen sorgen, finden Sie hier sofort und anonym Hilfe.

Verwendete Quellen:

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