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Guido Maria Kretschmer: Eine "Shopping Queen"-Kandidatin veränderte sein Denken

INTERVIEWGuido Maria Kretschmer  

"Wenn häusliche Gewalt einmal passiert ist, passiert sie wieder"

Von Sophie Loelke

31.05.2020, 14:18 Uhr
Guido Maria Kretschmer: Eine "Shopping Queen"-Kandidatin veränderte sein Denken. Guido Maria Kretschmer: Der Designer unterstützt die Kampagne #sicherheim. (Quelle: imago images/Sabine Gudath)

Guido Maria Kretschmer: Der Designer unterstützt die Kampagne #sicherheim. (Quelle: imago images/Sabine Gudath)

Guido Maria Kretschmer ist wohlbehütet aufgewachsen, andere dagegen erleben täglich häusliche Gewalt. Im Interview erzählt er, warum es oft kein Zurück gibt, wenn eine Schwelle erst einmal überschritten ist.

Charmant, humorvoll und warmherzig: So kennen die Menschen den Designer und Moderator Guido Maria Kretschmer. Im langjährigen Format "Shopping Queen" verzaubert er die Kandidatinnen nahezu täglich mit seiner herzlichen Art. Doch der 55-Jährige ist nicht nur für die Mode im Einsatz. 

Seit Neustem engagiert er sich als Botschafter für die Initiative #sicherheim. Diese will auf häusliche Gewalt gegen Frauen aufmerksam machen, die sich durch die Corona-Krise noch einmal verschärft hat. Ein Zuhause sollte ein Zufluchtsort sein, indem sich jeder geborgen fühlt. Für Guido Maria Kretschmer war und ist genau das der Fall – für viele andere nicht. Warum es ihm daher ein Anliegen ist, diese Kampagne zu unterstützen, verrät er im Gespräch mit t-online.de.

t-online.de: Herr Kretschmer, haben Sie persönlich schon Erfahrung mit häuslicher Gewalt gemacht?

Guido Maria Kretschmer: Ich hatte das Glück, in einer Familie aufzuwachsen, wo alles mit Liebe und Sanftheit funktioniert hat. Dort war ein Zuhause wirklich ein Zuhause. Aber ich habe bei "Shopping Queen" eine Kandidatin kennengelernt, von der ich dachte, sie habe ein vermeintlich schönes Leben. Als ich ihr das sagte, hat sie den Moment genutzt und sich mir anvertraut.

Was ist ihr passiert?

Sie fing plötzlich an zu weinen, hielt mich fest. Dann sagte sie den Satz, der alles auslöste: "Ich habe es noch nie jemandem erzählt. Mein Leben mag nach außen hin schön sein, aber ich erlebe so viel Gewalt mit meinem Mann." Er habe angefangen, Sachen nach ihr zu werfen und sie zu schubsen, wenn sie etwas gesagt hat. Das hat sich immer weiter gesteigert. Ihr Mann war sogar ein anerkannter Unternehmer in der Stadt. Das kann in allen Familien vorkommen und hat nicht unbedingt etwas mit Bildung oder Status zu tun. Sie hat sich immer tausende Dinge ausgedacht, die die Gewaltexzesse rechtfertigten, bis sie irgendwann merkte, dass es einfach extreme Gewalt ist. Wir haben dann lange Kontakt gehalten und mit einem Frauenhaus zusammen organisiert, dass sie da rauskommt.

Sind Sie deshalb Botschafter der Initiative #sicherheim geworden?

Ich fand einfach, dass es gut zu mir passt. Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit Themen, die auch Frauen beschäftigen, und Gewalt zu Hause ist oft ein Frauen- und Mutterthema. Klar, sind auch Männer beteiligt, aber Frauen stehen im Fokus. Daher ist #sicherheim eine gute Möglichkeit, sich zu engagieren und konkret zu helfen.

Was heißt in Ihrem Fall konkret helfen?

In meinem Fall heißt helfen, dem Thema ein Gesicht und eine Stimme zu geben. Viele Menschen erleben häusliche Gewalt, allerdings empfinden viele oft zu viel Scham, um darüber zu sprechen. Wir wollen zum einen Mut machen und zum anderen Wege aufzeigen, wie die Beteiligten mit Information, Aufklärung, Therapie und Prävention aus der Gewaltspirale herauskommen. Das ist ganz wichtig. Wir wollen auch Gelder generieren, damit mehr Plätze in Frauenhäusern zur Verfügung stehen.

Sie machen einen richtigen Rundumschlag …

Ganz schön aufwändig, finde ich, aber das lohnt sich für so eine gute Sache. Jeder von uns kümmert sich um ein paar Bundesländer. Wir helfen so nicht nur einem Frauenhaus, sondern machen wirklich eine 360-Grad-Kampagne draus. Wir wollen damit auch die Menschen unterstützen, die sich schon lange gegen häusliche Gewalt einsetzen, und ihnen eine Stimme geben.

Neben Frauen sind auch Kinder oft Opfer häuslicher Gewalt: Wie wurde Ihre Kindheit geprägt?

Ich habe einen sehr sanften Vater. Er hatte die Kriegsschrecken erlebt, ist als Flüchtlingskind im Kriegslager gewesen und mit viel Gewalt und Elend sozialisiert worden. Er hat das alles von uns ferngehalten, denn es war ihm ein wichtiges Anliegen, dass wir liebevoll und behütet groß werden. Meine Eltern sind noch dazu gläubige Menschen und wenn man diesen Glauben richtig versteht, setzt man auf keinen Fall Gewalt ein. Danach haben sie gelebt. Sie waren sehr frei und liebevoll, mit einem stabilen Nervenkostüm ausgestattet. Manche Kinder erleben mal eine Backpfeife. Das ist mir oder meinen Geschwistern nie passiert.

Haben Sie häusliche Gewalt erlebt? Telefonische Hilfe für Betroffene gibt es rund um die Uhr, kostenlos und vertraulich beim bundesweiten Hilfetelefon unter der Rufnummer 08000/116 016. Verantwortlich dafür ist das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben, die Beraterinnen beherrschen insgesamt 17 Sprachen.

Sie führen schon seit vielen Jahren eine Beziehung mit Frank Mutters, den Sie 2018 geheiratet haben. Man sagt immer, jede Ehe hat Höhen und Tiefen – Wie gehen Sie mit den Tiefen um?

Ich bin – auch geprägt durch meine Erziehung – ein sehr gewaltfreier Mensch und versuche, alles mit Kommunikation zu regeln. Man muss früh genug ansprechen, wenn einen etwas nervt. Man sollte damit nicht so lange warten, bis man explodiert. Man sollte auch liebevoll und reflektiert miteinander umgehen. Das hat auf jeden Fall auch mit gegenseitigem Respekt zu tun. Sonst kann man nicht lange glücklich sein.

Gibt es da einen Beziehungs-Geheimtipp von Ihnen?

Das Geheimnis einer langen und vor allem glücklichen Beziehung ist, dass man seinen Partner etwas besser finden muss, als sich selbst. (lacht) Der Partner muss nicht alles besser können, aber er sollte Dinge haben, die einem an ihm besser gefallen, die man bewundert. Natürlich ist Selbstliebe und Selbstvertrauen unverzichtbar, um überhaupt erst sein Leben selbstständig regeln zu können.

Was bewundern Sie denn an Ihrem Mann Frank?

Ich liebe extrem das große Gefühl von Freiheit, das Frank in sich trägt. Sich nichts unterzuordnen. Diese Unabhängigkeit. Ich bewundere auch sehr seine Gelassenheit und die Liebe zu Dingen, auch wenn sie nicht perfekt sind. Er sieht immer das Gute in allem. Das ist bei uns eine große Kraft: Mit allen Menschen umgehen zu können, menschenaffin zu sein. Frank kann das noch besser als ich, denn er hat mehr Geduld. Er schafft mit seiner Freundlichkeit ein schönes Umfeld.

Sie sind beide sehr warmherzige Menschen. Können Sie überhaupt so richtig wütend werden?

Ja, kann ich. Ich bin zwar kein aufbrausender Mensch, aber je älter ich werde, desto ungehaltener werde ich in manchen Situationen. Ich kann mich manchmal wirklich aufregen, wenn ich in den Nachrichten etwas von Trump oder Bolsonaro höre. Wie kann man jemanden unterstützen, der so anti-human, ungebildet, ja gefährlich ist? Früher hätte ich gedacht, die kann man schon irgendwie retten. Jetzt glaube ich das nicht mehr.

In der Corona-Krise kam es zu einem auffälligen Anstieg der häuslichen Gewalt und dadurch auch der Hilferufe von Opfern. Glauben Sie, dass die Lockerungen, die nach und nach durchgesetzt werden, wieder zu weniger Gewalt führen werden?

Viele Menschen sind gewaltbereiter als vorher, wenn sie lange auf engem Raum aufeinander sitzen. Oft hat es auch mit Angst zu tun: Viele können nicht über Probleme sprechen. Wenn dann noch Unzufriedenheit oder auch Alkohol im Spiel ist, eskaliert ein Streit in Gewalt. Der am meisten Geliebte wird dann am schlechtesten behandelt. Wenn jetzt durch die Krise und dem Lockdown diese Schwelle einmal überschritten ist und die Hand gegen Frau und Kinder erhoben wurde, ist die Spirale losgetreten. Und die wird nicht besser, nur weil der Lockdown aufgehoben wird. Es ist wie ein Sprung in der Schüssel. Wenn es einmal passiert ist, passiert es wieder, statt einfach aufzuhören.

Dabei sollte man sich zu Hause doch wohlfühlen …

Absolut. Wenn man die Tür zumacht und denkt, die Welt draußen könnte böse sein, sollte jeder Zuhause sicher sein. Egal, ob draußen ein Virus wütet oder nicht, ist es ein Grundrecht, Zuhause geschützt zu sein. Das sollten sich Menschen gegenseitig bieten.

Die Initiative #sicherheim ist eine digitale Plattform mit angeschlossener Medienkampagne, die das Thema in die Öffentlichkeit rückt. Auch die Bundesfrauenministerin Franziska Giffey unterstützt die Kampagne. Zu den prominenten Botschaftern zählen neben Guido Maria Kretschmer unter anderem Uwe Ochsenknecht, Jan Josef Liefers, Frauke Ludowig und Emilia Schüle. 

Verwendete Quellen:
  • Persönliches Gespräch mit Guido Maria Kretschmer

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