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Ruth Moschner: "Ich solle mich doch geschmeichelt f├╝hlen ..."

Von Sebastian Berning

Aktualisiert am 18.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Ruth Moschner: Die beliebte Moderatorin nutzt ihre Reichweite, um auf mehr Rechte im Netz aufmerksam zu machen.
Ruth Moschner: Die beliebte Moderatorin nutzt ihre Reichweite, um auf mehr Rechte im Netz aufmerksam zu machen. (Quelle: Andreas Rentz/Getty Images)
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Sie erh├Ąlt anst├Â├čige Fotos und Nachrichten, doch Ruth Moschner kann sich nicht wehren. Denn Facebook und Co. helfen der Polizei nicht bei den Ermittlungen. Nun schreibt die Moderatorin einen offenen Brief und erkl├Ąrt t-online die Hintergr├╝nde.

"Ich hole mir gerade voll auf Koks einen darauf runter", "Dich w├╝rde ich gerne mal knallen", "Ich w├╝rde dich gerne in Ohnmacht f*****" ÔÇô na, guten Morgen. Das sind Ausschnitte aus Nachrichten, die Moderatorin Ruth Moschner in den sozialen Medien erhalten hat. Allein steht sie damit nicht da.


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Denn: Es ist ein leidiges Thema, welches viele Frauen ÔÇô ob prominent oder nicht ÔÇô im Netz besch├Ąftigt: die sogenannten "Dickpics", also meist ungefragte Fotos von Geschlechtsteilen sowie anst├Â├čige Anmachen oder perverse Fantasien als Direktnachrichten. Die Moderatorin hat diesen Vergehen den Kampf angesagt. Immer wieder macht sie bei Instagram darauf aufmerksam und teilt, was mancher Follower ihr schickt. Es sind eben keine Kavaliersdelikte, sondern Straftaten. Einige der Nachrichten hat sie daher schon zur Anzeige gebracht. Gen├╝tzt hat dies leider nichts.

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"Vieles wollte ich nicht an meine Anw├Ąltin weiterschicken"

Bisher habe sie eine zweistellige Zahl bei den Beh├Ârden angezeigt. "Das sind die, meiner Ansicht nach, schlimmsten F├Ąlle innerhalb eines bestimmten Zeitraumes", so Ruth Moschner zu t-online. "Wobei ich auch ehrlich gestehe, viele Dickpics wollte und konnte ich einfach nicht an meine Anw├Ąltin weiterschicken, weil mir das selbst unangenehm war, jemand anderem so etwas ins Postfach zu 'legen'." Rechtliche Konsequenzen habe es f├╝r die Nachrichtenschreiber keine gegeben, allerdings st├╝nden noch einzelne Anzeigen aus, erkl├Ąrt die 45-J├Ąhrige.

Doch wieso hat diese Form der Bel├Ąstigung keine Folgen? Aus einem einfachen Grund: Man konnte die Absender nicht ermitteln. Auch weil Facebook, Instagram und Co. nicht die Daten ihrer User herausgeben. Die geplante Erweiterung der NetzDG soll zur Verbesserung der Rechtsdurchsetzung in sozialen Netzwerken beitragen. Mehr dazu lesen Sie hier. Doch dies geht nur schleppend voran. Facebook und Google haben bereits Klage dagegen eingereicht.

In diesem Video hier liest Ruth Moschner den Brief vor.

Die "The Masked Singer"-Raterin ver├Âffentlicht daher jetzt einen offenen Brief an die Staatsanwaltschaft Berlin, Marco Buschmann und sein Bundesministerium f├╝r Justiz sowie Nancy Faeser und das Innenministerium. Der Inhalt: Moschners eigene Geschichte und ein dramatischer Appell.

"Die Mitteilung der Staatsanwaltschaft war entt├Ąuschend"

Moschner listete einige der Nachrichten auf, die ihr ├╝ber Instagram geschickt wurden, zeigte diese bei der Polizei an. Ohne Erfolg! "Die Mitteilung der Staatsanwaltschaft, dass die Ermittlungen im Hinblick auf meine Strafanzeige eingestellt werden, da ein T├Ąter nicht ermittelt werden konnte, war entt├Ąuschend", so Moschner in dem Schreiben. W├╝tend habe sie allerdings erst die Akteneinsicht gemacht. Denn dort konnte sie lesen, dass die Staatsanwaltschaft lediglich ein paar Mails an Facebook schrieb, diese aber nie beantwortet worden sind, erkl├Ąrt Moschner. Folge: Ermittlungen eingestellt.

Somit "bleiben die beleidigenden und mich zum Objekt sexueller Triebe degradierenden Nachrichten" ohne Konsequenzen f├╝r die Onlinet├Ąter. An Beh├Ârden und Politik richtet sie sich mit einer simplen Bitte: "Ich appelliere daher an Sie: Bitte lassen Sie es nicht zu, dass in diesem Fall der Lobbyismus gewinnt und mir als B├╝rgerin kein Schutz gegen Netzkriminalit├Ąt geboten wird, der meiner Ansicht nach genauso Konsequenzen drohen muss wie analogen Straftaten." Weiter fordert sie: "Gehen Sie der Sache so nach, wie es eine Straftat hier in Deutschland erfordert."

"Ich solle mich doch geschmeichelt f├╝hlen ..."

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Auf Anfrage von t-online erkl├Ąrt sie, dass sie das Gef├╝hl habe, dass diese Art der Nachrichten von Politik und Justiz bagatellisiert werden. Oft hei├če es: "Ich solle mich doch geschmeichelt f├╝hlen, oder auch nicht wundern, schlie├člich w├╝rde ich es ja mit meinem Verhalten provozieren und ich solle mich im Zweifel einfach nicht so haben."

Ihr geht es jedoch nicht nur um das Dickpic, welches sie bekommt, sondern um jegliche Form des Onlinehasses. "Wir sprechen hier auch von Mobbing, Morddrohungen, Stalking, Bel├Ąstigung von transgender Frauen oder M├Ąnnern, Homosexuellen, offen gelebten Rassismus oder Antisemitismus. Wer im Netz keine Konsequenz f├╝r seine Vergehen tragen muss, stumpft ab", so die ├ťberlegung des TV-Stars.

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Ihre gro├če Sorge sei nun, dass Facebook und Google mit ihrer Klage gegen die geplante Erweiterung der NetzDG durchkommen. "Wieso zieht unser Staat nicht endlich die Konsequenz und ├╝bt mehr Druck auf die App-Betreiber:innen aus? Stattdessen m├╝ssen wir f├╝rchten, dass die Netzwerke mit ihrer Klage gegen das NetzDG durchkommen." Ob sich die neue Ampelkoalition durchsetzen kann? "Das hoffe ich sehr. Ich bin, ehrlich gesagt, ziemlich verzweifelt", so Moschner.

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