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Dschungelcamp 2023: Dschungelstars haben Horizont der Zuschauer erweitert


Ab hier nur Trash
Das Dschungelcamp zerstört Günther Jauchs These

MeinungVon Janna Halbroth

Aktualisiert am 30.01.2023Lesedauer: 3 Min.
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"Ich bin ein Star – Holt mich hier raus": Das Dschungelcamp überraschte in diesem Jahr.Vergrößern des Bildes
"Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!": Das Dschungelcamp überraschte in diesem Jahr. (Quelle: RTL)

17 Tage Dschungelcamp hinterlassen Spuren. Erstmals möchte man diese allerdings nicht sofort abwaschen. Die Ekelshow aus Australien war nämlich sehr lehrreich.

Eine Kolumne von Janna Halbroth

War es nun Fernsehgott Günther Jauch, Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki oder doch Talkkönigin Maybrit Illner? Schnurzpiepegal wer, vielmehr ist wichtiger, was sie alle wie ein Mantra predigen, und zwar folgenden Satz: Fernsehen macht die Dummen dümmer und die Klugen klüger!

Aber stimmt das auch? Wer in den vergangenen 17 Tagen das Dschungelcamp verfolgt hat, der bekommt da so seine Zweifel. Denn gelernt hat, ob dumm oder klug, eigentlich jeder Zuschauer oder jede Zuschauerin etwas. Selten war das RTL-Programm so folgenreich für jedermann. Schließlich wurden uns Lebensweisheiten vermittelt, wie: Wer einen einmal an der "Bolognase" herumführt, dem glaubt man nicht.

Aber mal im Ernst: Was diesmal vom Dschungel bleibt, sind ausnahmsweise keine verstörenden Bilder von anusschlürfenden Armseligen. Nein, diesmal war etwas anders. Diesmal hat der Dschungel den Horizont der Zuschauer erweitert und wenn es nur ein schwaches Licht auf der dunkelsten Kerze der Torte ist. Statt Ekel-TV bekamen wir Themen wie Homophobie, unerfüllten Kinderwunsch, Transidentität, Magersucht oder bipolare Störung serviert, und zwar in Häppchen, die schwer im Magen liegen und trotzdem auf eine Art leicht verdaulich waren.

Darum ging es im Dschungelcamp wirklich

Das Dschungelcamp vermittelte nämlich in diesem Jahr eindrucksvoll gleich eine Vielzahl an gesellschaftlich relevanten Themen, die in 13 Jahren Schulausbildung nicht besser hätten verklickert werden können. Falls Sie nicht eingeschaltet haben, hier ein paar Beispiele.

Influencerin Jolina Mennen erklärt mal eben an einem Abend, was es heißt, mit dem falschen Geschlecht geboren worden zu sein. "Das Ding zwischen ihren Beinen" fand sie bereits im Alter von vier Jahren störend. Jetzt wurde es nach innen gestülpt, um daraus ein weibliches Geschlecht zu gestalten. Das versteht dann selbst jemand wie Realitystar Gigi Birofio wenigstens so halbwegs: "Sie hat zwar keine Eier mehr, aber sie hat Eier", fasst er zusammen, um Jolinas Mut unter Beweis zu stellen.

Model Tessa Bergmeier hat eine bipolare Störung und bricht damit ebenfalls ein eigentlich komplexes Thema im Dschungel auf ein kleines Einmaleins herunter. Gefühlsschwankungen, die einen einmal gottgleich machen, katapultieren einen ein andermal ins Trauertal. Bei ihren Mitstreitern bringt ihr das im Dschungel den wenig charmanten Namen Twoface (englisch für zwei Gesichter) ein.

Schauspielerin Jana "Urkraft" Pallaske klärt die Zuschauer über die weitreichenden Folgen einer Magersucht auf, an der sie im Alter von 19 Jahren erkrankte. Die Krankheit hat für Jana bis heute Folgen. Mit 40 setzte ihre Periode aus und das, obwohl sie gerne Kinder bekommen würde.

Djamila Rowe berichtet von Kinderzwangsarbeit im DDR-Kinderheim und einer von der Stasi zerstörten Zukunft. Papis Loveday kann in seiner eigenen Heimat, dem Senegal, nie der sein, der er ist, weil dort Homosexualität eine Straftat ist.

Man kommt nicht drumherum, seine Kindheit in den Neunzigerjahren im beschaulichen Landkreis plötzlich doch gar nicht mehr so zu verfluchen, wenn einem die eigene Privilegiertheit auf einem derart glänzenden Silbertablett serviert wird.

Was wir daraus lernen können

Apropos Kindheit: Die Reise der Promis durch 17 Tage Dschungelcamp hat mich an ein Kinderbuch erinnert, das ich meiner Tochter am Tag schätzungsweise vier bis vierhundertmal vorlese. Es handelt von einem Äffchen, das seine Mutter verloren hat. Ein Schmetterling will helfen und stellt dem Äffchen nach und nach verschiedene Tiere vor, vom Elefanten bis zur Fledermaus, die er für die Affenmutter hält. Der Clou: Der Schmetterling weiß nicht, dass die Mutter aussehen muss wie das Äffchen. "Sie sieht dir ähnlich ohne Schmu?", fragt der Schmetterling aus allen Wolken fallend. "Na klar, ich dacht', das wüsstest du!" Der flotte Falter weiß es nicht, denn bei ihm sieht die Sache natürlich ganz anders aus, das weiß selbst meine elf Monate alte Tochter, weil sie auch großer Raupe-Nimmersatt-Fan ist.

Was lernt also auch der dümmste Schmetterling? Er muss mal nach links und rechts schauen und die anderen Tiere in seinem Dschungel betrachten, um dazuzulernen. Das Schöne an unserem Dschungelcamp ist das Aufeinandertreffen unterschiedlichster Menschen, mit unterschiedlichsten Geschichten, die sich begegnen und wie Affe und Schmetterling gegenseitig den Horizont erweitern.

Vielleicht liege ich auch total falsch und die anfangs genannte These kann nicht widerlegt werden. Aber das sollen dann im kommenden Jahr in der 17. Staffel von "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" bitte Günther Jauch, Maybrit Illner und Mar..... tin Semmelrogge selbst beweisen.

Verwendete Quellen
  • RTL: "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" vom 13. bis 29. Januar 2023
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