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Interview
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Der GesprĂ€chspartner muss auf jede unserer Fragen antworten. Anschließend bekommt er seine Antworten vorgelegt und kann sie autorisieren.

So war der Corona-Lockdown mit Veronica Ferres

Von Sebastian Berning

Aktualisiert am 30.09.2020Lesedauer: 5 Min.
Carsten Maschmeyer: Die WirtschaftsgrĂ¶ĂŸe wurde "Die Höhle der Löwen"-Investor zum TV-Star.
Carsten Maschmeyer: Die WirtschaftsgrĂ¶ĂŸe wurde "Die Höhle der Löwen"-Investor zum TV-Star. (Quelle: imago images / Future Image)
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Carsten Maschmeyer ist wieder als Investor in "Die Höhle der Löwen" zu sehen. Trotz des TV-Erfolgs beschreibt er das letzte halbe Jahr wegen Corona im Interview mit t-online.de als "intensiv" – auch wenn es private VorzĂŒge hatte.

Die weltweite Corona-Pandemie hatte auf alle Bereiche des Lebens Auswirkungen. So mussten auch die Dreharbeiten fĂŒr die neue Staffel "Die Höhle der Löwen" pausiert werden. Löwe Carsten Maschmeyer durchlebte ein sehr durchwachsenes Jahr.


"Die Höhle der Löwen": Diese Deals sind geplatzt

Sugar Shape: Das E-Commerce-Start-up fĂŒr maßgeschneiderte WĂ€sche hĂ€tte eigentlich 500.000 Euro von Judith Williams und Frank Thelen bekommen sollen. Doch der Deal kam nach der Sendung nicht zustande.
Pazls: Frank Thelen wollte 400.000 Euro in das Möbelsystem investieren. Der Deal klang perfekt, doch das Geld ist nicht geflossen.
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t-online.de: Herr Maschmeyer, wie haben Sie die letzten Monate erlebt?

Carsten Maschmeyer: Das waren aus heutiger Sicht drei Corona-Phasen. In der ersten Phase gab es die ersten Meldungen, dass es einen Virus in China gibt und das langsam zu uns herĂŒberschwappt. Das war fĂŒr die meisten Menschen noch weit weg, weil noch niemand direkt betroffen war. In der zweiten Phase kam die Pandemie auch in Deutschland an und es kam zu dem anschließenden Lockdown. Das war fĂŒr mich eine besonders herausfordernde Phase.

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Inwiefern?

Ich habe stĂ€ndig im Internet nachgelesen, wie viele Neuinfektionen es gibt, wie viele Tote. Man fĂŒhlte sich einer unsichtbaren Gewalt ausgesetzt. Manch andere haben das aber vielleicht auch wie Urlaub empfunden, weil sie viel zuhause waren. Dann kam die Post-Lockdown-Phase, in der das normale Leben wieder losging mit vielen neuen Abstands- und Hygieneregeln, Home Office-Kultur und der Sorge vor der zweiten Welle.

Wo haben Sie den Lockdown verbracht?

Das einzig Schöne daran war, dass ich mehrere Wochen am StĂŒck mit fast der ganzen Familie zusammen frĂŒhstĂŒcken und abends essen konnte.

Wie hat das Arbeiten fĂŒr Sie und Ihre Familie geklappt?

Das Haus wurde aufgeteilt, denn wir hatten zu der Zeit nur in der KĂŒche, im Esszimmer und in einem Schlafzimmer eine richtig gute Internetverbindung. Das haben meine Frau, Tochter und ich uns dann untereinander aufgeteilt.

Wie sahen Ihre Aufgaben im Home Office aus?

Ich habe natĂŒrlich sehr viel mit Startup-GrĂŒndern telefoniert. Mein persönlicher Rekord waren 94 Telefonate an einem Tag. Da wackelte mir am Abend dann schon das Ohr. Abends war dann Family-Dinner und wir haben Brettspiele gespielt, die wir lange nicht gespielt haben: Monopoly, Mensch Ă€rger dich nicht, Risiko oder Siedler. Das war schon schön, aber wir waren auch sehr besorgt, denn wir hatten auch Infizierte und TodesfĂ€lle im Bekanntenkreis.

Wo sahen Sie zu der Zeit Ihr normales Leben als eingeschrÀnkt an?

Meine grĂ¶ĂŸte EinschrĂ€nkung ist, dass ich meinen jĂŒngeren Sohn, der seit sieben Jahren in Kalifornien lebt, seit einem halben Jahr nicht gesehen habe. Man kann dort ja nicht rein oder raus. Wir halten auf digitalen KanĂ€len Kontakt und hatten auch per Zoom gemeinsame Abendessen. Jetzt hoffe ich, dass er bald problemlos aus den USA raus kann oder wir reindĂŒrfen, um uns endlich wieder zu sehen.

Sie sprachen Ihre Startups an. Wie haben Sie denn die Maßnahmen der Politik im Bereich Wirtschaft empfunden? Oder anders gefragt: Was hĂ€tten Sie als Wirtschaftsminister anders gemacht?

Gott sei Dank war ich nie in der Politik und ich wĂŒrde da auch aus Harmonie- und LogikgrĂŒnden nie hingehen, weil man immer eine Opposition hat, egal wofĂŒr man ist. Es ist gut, dass die Politik sehr frĂŒh riesengroße Budgets zur VerfĂŒgung gestellt hat, um zu helfen. Was ich aus der GrĂŒnderwelt höre, ist, dass die Leute enttĂ€uscht sind, dass manche große Unternehmen mit Milliarden gesponsert werden, obwohl ihre GeschĂ€ftskonzepte von gestern sind. Und dann dĂŒrfen sie trotzdem noch viele Leute entlassen. Die Hilfsgelder an Startups werden dagegen strĂ€flich vernachlĂ€ssigt. Ich glaube, dass die Minister Scholz und Altmaier gute Absichten hatten. Aber wie zögerlich, bĂŒrokratisch und subjektiv die KfW die Gelder vergibt, kann ich nicht nachvollziehen.

Wie viele Startups haben Sie aktuell?

Ich bin aktuell an 85 Firmen beteiligt.

Wie kamen diese durch die Corona-Krise? Gab es GeschÀftsaufgaben?

Wir haben in der momentanen Phase keine GeschĂ€ftsaufgabe und keine Insolvenz. Allerdings haben wir einen – zumindest vorĂŒbergehenden – Verlierer. Aber selbst der könnte sich noch als Erfolg entwickeln. Das ist die Limousinen-Plattform "Blacklane" in Berlin. Die sind von 10 Millionen Euro Monatsumsatz auf 100.000 Euro runter. Ist ja klar, keine Messen, keine FlĂŒge, keine Hotels. Limousinen wurden im FrĂŒhjahr nicht gebraucht. Man fĂ€hrt damit ja nicht zur Eisdiele oder zum BĂ€cker.

Wird sich diese spezielle Branche wieder erholen?

Ja, das ist bereits wieder angestiegen, weil die Menschen nicht mehr so gerne mit vollbesetzten ZĂŒgen oder Flugzeugen reisen. Unter dem Strich haben wir mehr Gewinner als Verlierer, weil wir sehr auf digitale Modelle setzen. Gerade die sind gefragt in Zeiten von Stay-at-home und kontaktlosem Interagieren.

Lohnt es sich Ihrer Meinung nach, dass Anleger gerade in Tech-Titel und Stay-at-home-Aktien wie Spotify oder Netflix investieren?

Wenn wir beobachten, wie sich das Verhalten der Menschen verÀndert, dann sieht man, dass diese Aktien gefragt sind. Wer Mitte MÀrz in so etwas investiert hat, der hat schöne Gewinne gemacht. Ob man jetzt noch zu All-Time-High-Kursen kaufen sollte? Da bin ich eher skeptisch.

Reisen Sie aktuell noch viel?

Im Moment ist mein liebstes Transportmittel die Limousine. Da bin ich allein oder nur mit einem eigenen Kollegen im Auto. Beim Zugfahren muss man durchgehend Maske tragen, auch wenn die Fahrt fĂŒnf Stunden dauert. Das ist auch richtig so, aber Maske ist nicht gleich Maske. Das gleiche beim Fliegen: Eigentlich soll da Abstand eingehalten werden, aber dann sitzen die Leute im Flieger enger, als sie aktuell sollten. Reisen ist schwieriger geworden und ich reise mittlerweile auch deutlich weniger. Wenn man sich frĂŒher zum Meeting getroffen hat, kann man das heute auch erstmal per Zoom machen.

Veronica Ferres mit Ehemann Carsten Maschmeyer.
Veronica Ferres mit Ehemann Carsten Maschmeyer. (Quelle: imago images / Gartner)

Sie reisen aktuell nicht viel, Sie waren lange Zeit daheim. Wie stehen Sie zum Home Office?

NatĂŒrlich funktioniert beim Home Office vieles sehr gut. Man spart sich den Arbeitsweg, da sind einige Kollegen produktiver und ausgeruhter. Im Home Office zĂ€hlt die Leistung mehr, als das frĂŒhe Erscheinen im BĂŒro. Man sieht die Ergebnisse und nicht die weichen Faktoren, wie das Zwischenmenschliche. Zwei Sachen leiden allerdings: der kreative Prozess, in dem sich Ideen spontan ergeben und das Onboarden neuer Kolleginnen und Kollegen. Trotzdem denke ich, es wird mehr in Richtung Home Office gehen. Allerdings nicht ausschließlich, sondern ein Mix aus Arbeiten von Zuhause und im BĂŒro.

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Wie fleißig sind Sie im Home Office? Sind Sie da genauso fokussiert, wie im BĂŒro oder lenkt da die Familie auch mal ab?

Ich habe mal produktivere Tage, mal etwas langsamere Tage. Wenn ich aber um neun Uhr zur Videokonferenz verabredet bin, dann bin ich auch pĂŒnktlich da. Weil die ganze Familie von Zuhause aus gearbeitet hat, haben wir uns morgens sogar "TschĂŒss" gesagt, obwohl wir alle im gleichen Haus waren. Jeder hatte seine Ecke und hat gearbeitet. Wir mussten uns aber manchmal auch mal absprechen, wer wann einen Call hat, damit es keine RĂŒckkopplungen gab.

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