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Bundesweiter Warntag | Cell Broadcast: So funktioniert das neue Handywarnsystem


Alles zum neuen Handywarnsystem

  • Jan Moelleken
Von Jan Mölleken, Ali Vahid Roodsari

Aktualisiert am 07.12.2022Lesedauer: 4 Min.
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Die Flutkatastrophe überraschte viele: Ein Handywarnsystem hätte vielleicht besser warnen können.
Die Flutkatastrophe überraschte viele: Ein Handywarnsystem hätte vielleicht besser warnen können. (Quelle: Glomex)
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Bei der Flutkatastrophe 2021 versagten viele Warnmechanismen. Künftig soll das Handywarnsystem Cell Broadcast helfen. Am Warntag 2022 wird es getestet.

Der Katastrophenschutz in Deutschland hat eklatante Schwächen: Dieses Fazit musste man nach der verheerenden Flutkatastrophe im vergangenen Jahr ziehen. Auch der bundesweite Warntag 2020 fiel so desolat aus, dass man ihn im Jahr 2021 kurzerhand absagte.

In vielen großflächigen Gefahrensituationen ist es vor allem wichtig, dass die Bevölkerung rechtzeitig gewarnt werden kann. Das verhindert dann womöglich viele Todesopfer. Doch es fehlte bislang am geeigneten Warnsystem.

"Katwarn" und "Nina" erreichen nicht alle Menschen

Die Warn-Apps "Katwarn" und "Nina", auf die das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) setzt, erreichen lediglich einen Bruchteil der Bevölkerung – denn nur, wer die Apps installiert hat, kann auch gewarnt werden. Dabei gibt es seit den Neunzigerjahren ein System, über das Behörden Warnungen an jedes Handy verschicken können: Cell Broadcast.

Bis ins vergangene Jahr hinein hatte das hierzulande aber kaum jemand auf dem Schirm, das BBK schien nicht sonderlich gewillt zu sein, das System zusätzlich zu seiner App-Strategie einzuführen. Nach dem Informationsdebakel rund um die Flutkatastrophe traf der damals noch amtierende Innenminister Horst Seehofer die Entscheidung, das System doch einzuführen.

Jetzt, zum Warntag 2022, soll es erstmals flächendeckend getestet werden – im Optimalfall sollte dann jeder Handynutzer im Warngebiet eine entsprechende Mitteilung auf sein Handy erhalten.

Was aber Cell Broadcast überhaupt ist, wie es funktioniert – und warum man in Deutschland so lange nichts davon wissen wollte: Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was ist Cell Broadcast?

Cell Broadcast (CB) ist ein Warnsystem für Handys, das bereits seit den Neunzigerjahren besteht. Es ist als Funktion in den Mobilfunkstandards für 2G, 3G, 4G und 5G verankert und somit theoretisch weltweit verfügbar.

Ähnlich wie bei einer SMS kann über diese Funktion eine Textnachricht verschickt werden – allerdings handelt es sich nicht um eine SMS, sondern um einen eigenen Dienst. Anders als bei der SMS kann eine CB-Nachricht etwa ohne Zutun des Nutzers direkt auf dem Handydisplay angezeigt werden und sogar von einem Warnton begleitet sein.

Technisch unterscheidet sich der CB-Dienst aber noch in einigen weiteren, wichtigen Punkten: So werden die Nachrichten anders als eine SMS nicht an eine bestimmte Handynummer verschickt, sondern an alle Geräte in einer Funkzelle. Somit muss sich niemand für den Empfang registrieren, das Verschicken ist außerdem annonym und damit auch für Datenschützer unproblematisch.

Die verschickten Warnungen funktionieren zudem wie ein Rundfunksignal: Eine Nachricht erreicht alle Geräte in der jeweiligen Funkzelle – dadurch sei das System auch bei überlasteten Netzen stabil und sicher einsetzbar. Gleichzeitig kann eine Warnung bei Bedarf innerhalb von Sekunden an das gesamte Handynetz mit Millionen eingebuchten Smartphones geschickt werden – oder auch nur an eine Handvoll von Funkzellen in betroffenen Gebieten.

CellBroadcast
(Quelle: Heike Aßmann/t-online)

Wo wird Cell Broadcast bereits eingesetzt?

CB kommt als Warnsystem schon lange in vielen Ländern weltweit zum Einsatz. In den USA nutzt man CB etwa beim landesweiten Wireless Emergency Alert (WEA). Dort habe man die Bürger – teilweise lokal sehr begrenzt – bereits über 61.000 Mal vor Tornados, Hurricans, und anderen kritischen Situationen gewarnt oder es wurde auf verschwundene Kinder aufmerksam gemacht. Japan nutzt die Technologie für sein Erdbeben-Frühwarnsystem, Kanada, Neuseeland und zahlreiche weitere Staaten verwenden CB für die Verbreitung von Warnmeldungen.

Auch innerhalb der EU wird die Technologie teils schon seit Jahren eingesetzt. Mit "NL-Alert" warnen die Niederlande ihre Bürger seit fast neun Jahren per CB über Gefahrensituationen und Notlagen. Bei einem Probealarm im vergangenen Jahr wurden so über 90 Prozent der Bürger erreicht, berichtete die Regierung. Einige weitere EU-Länder, darunter Griechenland und Italien, haben das System vor Kurzem eingeführt oder sind gerade dabei.

Warnsysteme in der EU und Deutschland

Spätestens Mitte kommenden Jahres dürfte der CB-Dienst auch innerhalb der EU noch stärkere Verbreitung finden. Denn eine EU-Richtiline schreibt vor, dass Mitgliedsländer bis zum 21. Juni 2022 ein öffentliches Warnsystem einrichten müssen.

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Vorbild ist hier tatsächlich ein Warnsystem via Cell Broadcast. Doch auf Druck Deutschlands ist in der Richtlinie auch eine Alternative wie etwa die deutsche "Nina" – oder "Katwarn"-App zulässig – allerings nur, wenn diese eine ähnliche Abdeckung und Kapazität wie CB-Systeme erreichen. Davon ist etwa "Nina" mit – Berichten zufolge – rund neun Millionen Nutzern noch weit entfernt.

Woran haperte es bei der Einführung?

In Deutschland wollte man diese Technologie jedoch lange nicht. Cell Broadcasting muss von den Mobilfunkprovidern unterstützt werden. Armin Schuster, Chef das BBK, erklärte noch 2021 im Interview mit dem Deutschlandfunk, dass es keinen Mobilfunkanbieter in Deutschland gebe, der den Dienst anbiete. Die Technik sei extrem teuer, bereits für den Start müssten 30 bis 40 Millionen Euro investiert werden.

Die Mobilfunkanbieter wollten diese Investitionen jedoch nicht tätigen, solange es keinen offiziellen Auftrag dazu gab. Mittlerweile sind diese Schritte gegangen worden, Cell Broadcast steht bei allen Anbietern als Warnmöglichkeit zur Verfügung.

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherchen
  • Beitrag der AG Kritis
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
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