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Corona-Warn-App in Deutschland verspätet sich

Erst ab Mai  

Corona-Warn-App in Deutschland verspätet sich

17.04.2020, 16:36 Uhr | rtr, dpa

Corona-Warn-App in Deutschland verspätet sich. Menschen mit Schutzmasken und Smartphone (Symbolbild): Eine Corona-Warn-App soll in Deutschland erst im Mai erscheinen.  (Quelle: Reuters/Valentyn Ogirenko/File Photo)

Menschen mit Schutzmasken und Smartphone (Symbolbild): Eine Corona-Warn-App soll in Deutschland erst im Mai erscheinen. (Quelle: Valentyn Ogirenko/File Photo/Reuters)

Eigentlich sollte eine Corona-Warn-App schon zum Ende der Osterfreien verfügbar sein. Laut Gesundheitsminister Spahn müssen sich die Menschen in Deutschland aber noch gedulden müssen.

Deutschland muss noch länger auf eine Handy-App zur Überwachung von Infektionen in der Coronavirus-Pandemie warten. Aus heutiger Sicht "sind es eher vier Wochen als zwei Wochen", bis eine funktionsfähige App zur Verfügung stehe, die alle Anforderungen erfülle, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Freitag.

Ursprünglich sollte eine solche Anwendung bereits Mitte April veröffentlicht werden. Sie gilt als ein wesentliches Mittel, um Infektionsketten zu unterbinden und damit die Ausbreitung des Coronavirus unter Kontrolle zu halten. Spahn verwies auf die hohen Anforderungen an Datensicherheit und -schutz sowie den epidemiologischen Nutzen.

Regierung hat sich auf eine App geeinigt

Beschleunigen dürfte den Prozess, dass sich die Bundesregierung laut Insidern nun hinter eine App stellt. Es handele sich um eine Entwicklung des Heinrich-Hertz-Instituts am Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik in Zusammenarbeit mit dem Robert Koch-Institut, sagten die Insider der Nachrichtenagentur Reuters. "Es gibt eine interne Verständigung auf die von der PEPP-PT favorisierte Lösung."

Der Hamburger Datenschützer Johannes Caspar forderte im "Handelsblatt", nun zügig den Quellcode der App zu veröffentlichen, damit aus technischer Sicht Transparenz und Vertrauen geschaffen werden können.

Viele Länder für PEPP-PT-Bausatz

Unterdessen findet die Plattform PEPP-PT weiteren Anklang. Mitgründer Chris Boos sagte Reuters, inzwischen hätten sich neben Deutschland auch Österreich, Frankreich, Italien, Malta, Spanien und die Schweiz verpflichtet, den PEPP-PT-Bausatz bei der Entwicklung ihrer Apps zu verwenden. "Damit hätten wir schon mehrere hundert Millionen Anwender. Zudem haben mehr als 40 Länder weltweit ihr Interesse bekundet, mit PEPP-PT zusammenzuarbeiten", sagte Boos, der auch dem Digitalrat der Bundesregierung angehört.

Während in Deutschland noch diverse Tests laufen, ist das von der Coronakrise besonders stark betroffene Italien einen Schritt weiter: Das Mailänder Tech-Startup Bending Spoons hat auf Basis der Bluetooth-Technik eine App entwickelt, die dabei helfen soll, Menschen über eine mögliche Infektion zu informieren. "Wir arbeiten daran, eine Kontakt-Tracing-App in einigen Regionen Italiens zu testen", sagte der Sonderbeauftragte der Regierung, Domenico Arcuri, dem staatlichen Sender RAI. Ziel sei es, die Anwendung letztlich landesweit zur Verfügung zu stellen: "Sie wird ein Eckpfeiler unserer Strategie sein, um die Zeit nach dem Notstand zu handhaben."

Bending Spoons gehört der Initiative PEPP-PT an, der sich mehr als 200 Wissenschaftler und IT-Experten angeschlossen haben. Sie bietet ein Softwaregerüst an, an dem nationale Anwendungen andocken können. Dabei integrieren App-Entwickler die Technologie, bei der mittels Bluetooth-Technik Handys von Personen ermittelt werden, mit denen ein Infizierter Kontakt hatte. Dies soll ermöglichen, dass die Apps auch länderübergreifend miteinander kommunizieren können.

Apps in Vorbereitung

Apps zur Corona-Bekämpfung werden derzeit in mindestens zwölf europäischen Ländern vorbereitet oder sind bereits im Einsatz, etwa in Österreich oder in Norwegen. Die EU-Kommission hatte dazu am Donnerstag einen Werkzeugkasten für Contact-Tracing-Apps vorgeschlagen, damit die Apps in einer Art Roaming-Verfahren länderübergreifend verwendet werden können.

Dieses Ziel wird auch von Google und Apple verfolgt, die eine zweistufige Unterstützung von Corona-Warn-Apps ab Mai angekündigt hatten. In einer ersten Stufe wollen die beiden Tech-Giganten eine Programmierstelle veröffentlichen, die eine Erstellung einer App erleichtern soll. Später sollen die Funktionen in die Smartphone-Betriebssysteme Android und iOS eingebaut werden.

"Grundrechte auf Freizügigkeit bedroht"

Obwohl das "Contact Tracing" in Form einer weitgehend anonymisierten Verfolgung möglicher Kontakte zu Infizierten auf freiwilliger Basis erfolgen soll, ist das Konzept unter Datenschützern und in der wissenschaftlichen Community nicht unumstritten. "Herr Spahn spricht davon, dass die App den Anforderungen genügen sollen, die an eine solche Technologie gestellt werden", sagte Kilian Holzapfel, Researcher des Physik-Departments (TU München). Die Projektarbeit von PEPP-PT und dem dahinterstehenden Datenspeicherungsprozess sei intransparent und fragwürdig.

Die SPD-Abgeordnete Birgit Sippel sieht bei dem Konzept des "Contact Tracings" vor allem die Grundrechte auf Freizügigkeit bedroht. "Wenn etwa das Recht, das Haus zu verlassen, oder die U-Bahn zu nutzen, an die Nutzung einer App gekoppelt wird, dann können wir nicht mehr von Freiwilligkeit sprechen", sagte die Abgeordnete, die im Justizausschuss des EU-Parlaments federführend an Gesetzen zu elektronischen Beweismitteln und Privatsphäre in der Kommunikation arbeitet, "netzpolitik.org".

Der Grünen-Fraktionsvize im Bundestag, Konstantin von Notz, sagte, einer App, die Kontakte nachvollzieht, würde seine Fraktion "in normalen Zeiten sicherlich nicht zustimmen, aber wir sehen uns mit einer sehr ernsthaften Bedrohung konfrontiert". Daher unterstützen die Grünen die App "als einen Baustein einer Strategie gegen die Pandemie, vorausgesetzt die Daten bleiben bei den Nutzern, die diese App freiwillig herunterladen".

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur Reuters
  • Nachtichtenagentur dpa

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