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Pekings Crackdown lÀsst Chinas Tech-Riesen schlottern

Von dpa
Aktualisiert am 03.09.2021Lesedauer: 3 Min.
Das Logo der Alibaba Group am Hauptsitz des Unternehmens in Hangzhou in der ostchinesischen Provinz Zhejiang.
Das Logo der Alibaba Group am Hauptsitz des Unternehmens in Hangzhou in der ostchinesischen Provinz Zhejiang. (Quelle: -/CHINATOPIX/AP/dpa./dpa)
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Peking (dpa) - Chinas Technologie-Konzerne haben es plötzlich eilig, ihr Geld unters Volk zu bringen. Lei Jun, GrĂŒnder des Smartphone-Herstellers Xiaomi, ĂŒbertrug Aktien im Wert von umgerechnet 1,8 Milliarden Euro in eine Stiftung fĂŒr wohltĂ€tige Zwecke.

Der Internet-HĂ€ndler Pinduoduo kĂŒndigte an, 1,3 Milliarden fĂŒr die Entwicklung der Ă€rmeren lĂ€ndlichen Regionen Chinas bereitstellen zu wollen. UUnd die Internet-Giganten Tencent und Alibaba machen sogar umgerechnet 6,5 und 13 Milliarden Euro an Spenden locker.

GebetsmĂŒhlenartig versichern die Konzerne, dass sie voll und ganz hinter der neusten Kampagne von Staats- und Parteichef Xi Jinping stehen, der "allgemeinen Wohlstand" erreichen will. Die Pekinger FĂŒhrung hat genug von "irrationaler Kapitalexpansion" und "barbarischem Wachstum". Gemeint sind damit vor allem die privaten Tech-Giganten und ihre reichen GrĂŒnder.

Billionen Dollar ausgelöscht

Über Jahre profitierten die Unternehmen davon, dass Peking sie kaum regulierte. So wuchsen Konzerne wie Alibaba, Tencent und Baidu heran, die ihren US-Vorbildern Amazon, Facebook oder Google das Wasser reichen können. Doch wĂ€hrend die US-Konkurrenten an der Börse weiter neue HöchststĂ€nde erklimmen, haben Investoren chinesischer Tech-Aktien bisher ein desaströses Jahr erlebt. Mehr als drei Billionen US-Dollar wurden nach SchĂ€tzung der US-Bank Goldman Sachs an den MĂ€rkten ausgelöscht.

Der Wind begann sich bereits im vergangenen Herbst zu drehen, als zuerst Alibaba-GrĂŒnder Jack Ma ins Visier der politischen FĂŒhrung geriet. Damals hielt der reichste Mann Chinas in Shanghai eine folgenschwere Rede, in der er den von staatlichen Banken dominierten Finanzsektor des Landes als veraltet und rĂŒckstĂ€ndig kritisierte. Der ungewöhnlich forsche Angriff hatte zur Folge, das der Börsengang der Alibaba-Finanztochter Ant Group plötzlich abgeblasen werden musste.

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Seitdem nimmt sich Peking einen Sektor nach dem nĂ€chsten vor. Getroffen hat es etwa den Essenslieferdienst Meituan. Die Regierung kĂŒndigte an, die Regulierung des Marktes fĂŒr Essenslieferungen drastisch zu verschĂ€rfen. So mĂŒssen Zusteller kĂŒnftig wenigstens das örtliche Mindesteinkommen verdienen und versichert werden. Tencent ist unter anderem von neuen Regeln betroffen, wonach MinderjĂ€hrige in China nur noch drei Stunden pro Woche mit Online-Spielen verbringen dĂŒrfen. Bei Bytedance, dem Eigner der populĂ€ren Video App Tiktok, hat sich die Regierung durch den Kauf von Anteilen gleich einen Posten im Vorstand gesichert.

"Schwerwiegende VerstĂ¶ĂŸe"

Ebenfalls unter Druck geriet der chinesische Fahrdienst-Vermittler und Uber-Konkurrent Didi. Nur Tage nach seinem Börsengang in New York verbot Peking dem Konzern, seine Apps weiterhin in chinesischen App-Stores anzubieten, weil "schwerwiegende VerstĂ¶ĂŸe" im Umgang mit personenbezogenen Daten festgestellt worden seien.

KĂŒnftig sollen chinesische Tech-Firmen vor einem Börsengang im Ausland erst eine Genehmigung einholen mĂŒssen, wenn sie ĂŒber sensible Daten verfĂŒgen. Praktisch könnte dieser Schritt bedeuten, dass so gut wie keine chinesische Internet-Firma mehr in den USA an die Börse gehen kann.

Die von Peking beschlossenen Maßnahmen sind zwar nicht unbedingt im Interesse der Konzerne - fĂŒr die Gesellschaft können sie jedoch durchaus positive Effekte haben. Alibaba darf HĂ€ndler etwa nicht mehr dazu zwingen, Produkte exklusiv auf den eigenen Plattformen anzubieten. So soll mehr Wettbewerb ermöglicht werden. In sozialen Medien applaudierten zudem viele Nutzer der Entscheidung, gegen ausufernden Nachhilfeunterricht vorzugehen, mit dem einige wenige Online-Anbieter viel Geld verdienten. Die BedĂŒrfnisse der Kinder blieben dabei jedoch auf der Strecke.

Professionelle Investoren sind sich uneinig, wie es weitergeht. "Ich sehe kein Ende des regulatorischen Crackdowns", sagte etwa Paul Pong von der Investment-Gesellschaft Pegasus dem Finanzdienst Bloomberg. Andere Analysten zeichnen ein optimistischeres Bild der Lage. Bei vielen Konzernen sprudelten die Gewinne trotz der neuen Regeln schließlich immer noch.

In Peking stehen die Zeichen weiter auf aufrĂ€umen und umverteilen. Mehrere große Staatsmedien verbreiteten so zustimmend den radikalen Kommentar eines Internet-Bloggers. "Dies ist eine Transformation von kapitalzentriert zu menschenzentriert", schrieb der Autor in seiner Lobeshymne zum derzeitigen Crackdown und fĂŒgte hinzu: "Der Kapitalmarkt wird kein Paradies mehr fĂŒr Kapitalisten sein, um ĂŒber Nacht reich zu werden."

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