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FĂŒr diesen Beitrag haben wir alle relevanten Fakten sorgfĂ€ltig recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

Wann Sie Anspruch auf nachehelichen Unterhalt haben

  • Christine Holthoff
Von Christine Holthoff

Aktualisiert am 15.03.2022Lesedauer: 6 Min.
Zerstrittenes Paar (Symbolbild): Endet eine Ehe, ist eine wichtige Frage, wie hoch der Unterhalt ausfÀllt.
Zerstrittenes Paar (Symbolbild): Endet eine Ehe, ist eine wichtige Frage, wie hoch der Unterhalt ausfÀllt. (Quelle: Andrii Zastrozhnov/Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Geht eine Ehe in die BrĂŒche, wirft das oft auch finanzielle Fragen auf. Wir erklĂ€ren, wann einer der Ex-Partner dem anderen Unterhalt zahlen muss und wie sich die Leistung berechnet.

Das Wichtigste im Überblick


  • Wann habe ich Anspruch auf nachehelichen Unterhalt?
  • Welche Voraussetzungen muss ich erfĂŒllen?
  • Wie hoch ist der nacheheliche Unterhalt?
  • Wie lange gibt es nachehelichen Unterhalt?
  • Was gilt fĂŒr Unterhalt bei der Steuer?
  • Kann man auf Unterhalt verzichten?

Manchmal kann man es nicht verhindern: Selbst wer bei der Hochzeit noch so verliebt war, geht Jahre spÀter womöglich wieder getrennte Wege. Zur emotionalen Belastung kommt dann mitunter auch noch eine finanzielle hinzu. Doch es gibt Abhilfe.

Denn womöglich ist Ihr Ex-Partner verpflichtet, Ihnen nachehelichen Unterhalt zu zahlen. Wir erklĂ€ren, wann Sie Anspruch auf die Leistung haben, wie hoch sie ausfĂ€llt und wie lange der Ehegattenunterhalt fließt.

Wann habe ich Anspruch auf nachehelichen Unterhalt?

Anspruch auf nachehelichen Unterhalt haben Sie, wenn Sie nach der Scheidung von Ihrem Ehepartner nicht in der Lage sind, selbst fĂŒr Ihren Unterhalt zu sorgen. Ihr Ex-Partner muss Sie dann finanziell unterstĂŒtzen. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn Sie sich alleine um die Erziehung der gemeinsamen Kinder kĂŒmmern oder wenn Sie krank oder arbeitslos sind.

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Anders als beim Trennungsunterhalt, dem Unterhaltsanspruch vor der rechtskrĂ€ftigen Scheidung, ist der nacheheliche Unterhalt an strenge gesetzliche Vorgaben geknĂŒpft. Eine generelle BedĂŒrftigkeit reicht nicht aus (mehr dazu im nĂ€chsten Abschnitt).

ErfĂŒllen Sie die Voraussetzungen fĂŒr nachehelichen Unterhalt nicht, greift der Grundsatz der Eigenverantwortung (§ 1569 BGB). Demnach ist nach einer Scheidung jeder Partner verpflichtet, selbst fĂŒr seinen Lebensunterhalt zu sorgen – in der Regel durch "angemessene Erwerbsarbeit". Diese liegt vor, wenn die TĂ€tigkeit Ihrer Ausbildung, Ihren FĂ€higkeiten, einer frĂŒheren ErwerbstĂ€tigkeit, Ihrem Alter und Ihrer Gesundheit entspricht (§ 1574 BGB).

Welche Voraussetzungen muss ich erfĂŒllen?

Um Anspruch auf nachehelichen Unterhalt zu haben, mĂŒssen Sie nachweisen, dass Sie Ihren Lebensunterhalt nicht durch eigenes Einkommen oder Vermögen bestreiten können. Das BĂŒrgerliche Gesetzbuch kennt mehrere UnterhaltstatbestĂ€nde:

Unterhalt gibt es jedoch nur, wenn einer dieser GrĂŒnde bereits wĂ€hrend des Scheidungsverfahrens vorliegt. Werden Sie beispielsweise erst nach der Scheidung arbeitslos, muss Ihr Ex-Partner nicht mehr zahlen.

Sollte sich der Unterhaltstatbestand Ă€ndern, etwa weil Sie nach einer Krankheit in die Arbeitslosigkeit rutschen, muss der neue Unterhaltsgrund nahtlos an den bisherigen anschließen, damit Sie weiter Anspruch auf nachehelichen Unterhalt haben.

Wie hoch ist der nacheheliche Unterhalt?

Wie hoch der nacheheliche Unterhalt ausfĂ€llt, richtet sich nach den EinkommensverhĂ€ltnissen der Geschiedenen (§1578 BGB). DafĂŒr mĂŒssen beide ihre EinkĂŒnfte der vergangenen zwölf Monate offenlegen. Bei SelbststĂ€ndigen gilt das durchschnittliche Betriebsergebnis der letzten drei Jahre.

FĂŒr den Antragsteller und den Antragsgegner gilt dabei die Auskunftspflicht. Das Gericht kann zudem nach § 235 FamFG verlangen, dass Sie die Wahrheitstreue und VollstĂ€ndigkeit der Angaben bestĂ€tigen.

Nachehelichen Unterhalt berechnen

Um den nachehelichen Unterhalt zu berechnen, werden folgende EinkĂŒnfte herangezogen:

  • Lohn- und Gehaltszahlungen sowie Kurzarbeitergeld
  • Sonderzahlungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld
  • Sachleistung wie der Dienstwagen
  • Abfindungen und Bonuszahlungen
  • Steuererstattungen
  • Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung
  • EinkĂŒnfte aus Kapitalvermögen
  • Einnahmen aus unternehmerischen Beteiligungen
  • Arbeitslosengeld
  • Rentenzahlungen
  • Bafög-Leistungen
  • Fiktives Einkommen (etwa selbstbewohnte Eigentumswohnung)

Gut zu wissen: Erbschaften und Schenkungen werden bei der Unterhaltsberechnung nicht berĂŒcksichtigt. Lesen Sie hier, wie viel Geld Sie steuerfrei erben können.

Aus all diesen Zahlungen ergibt sich das Bruttoeinkommen, aus dem noch das unterhaltsrelevante Nettoeinkommen ermittelt werden muss. Folgende AbzĂŒge sind dabei zu berĂŒcksichtigen:

  • Lohn- und Sozialversicherung
  • BeitrĂ€ge zur privaten Altersvorsorge
  • Berufsbedingte Aufwendungen
  • Kosten der Aus- und Fortbildung
  • Kredite und Darlehen
  • Unterhaltspflichten gegenĂŒber Kindern

Die Berechnung des nachehelichen Unterhalts unterscheidet sich je nachdem, ob beide Geschiedenen EinkĂŒnfte haben oder nur einer von ihnen.

Variante 1: Ein ErwerbstÀtiger

Gibt es nur ein unterhaltsrelevantes Nettoeinkommen, etwa weil sich einer der Ex-Eheleute um die gemeinsamen Kinder kĂŒmmert, darf der BerufstĂ€tige einen ErwerbstĂ€tigenbonus in Höhe von einem Siebtel davon abziehen.

Anschließend wird der sogenannte Halbteilungssatz angewendet. Das heißt, das verbleibende unterhaltsrelevante Einkommen wird hĂ€lftig aufgeteilt. Der Unterhaltspflichtige behĂ€lt damit im Grunde vier Siebtel des unterhaltsbereinigten Einkommens. Ihm steht aber noch ein Selbstbehalt fĂŒr den monatlichen Eigenbedarf in Höhe von 1.280 Euro zu.

Bleibt nach Abzug des Selbstbehalts vom bereinigten Nettoeinkommen nur ein geringer Betrag oder gar nichts mehr ĂŒbrig, erhĂ€lt der Unterhaltsberechtigte nur einen gekĂŒrzten nachehelichen Unterhalt oder geht sogar leer aus.

Gleiches gilt, wenn Sie Kinder haben und das bereinigte Nettoeinkommen bereits fĂŒr deren Unterhalt komplett oder fast komplett genutzt wird. Denn: Die Unterhaltspflicht gegenĂŒber Kindern hat immer Vorrang vor dem Ehegattenunterhalt – auch wenn die Kinder aus einer anderen Beziehung stammen.

  • Beispiel: Nehmen wir an, Ihr Ex-Partner war Alleinverdiener und sein unterhaltsbereinigtes Einkommen betrĂ€gt 3.500 Euro. Außerdem haben Sie zwei Kinder im Alter von drei und sieben Jahren. Laut DĂŒsseldorfer Tabelle 2022 muss Ihr Ex-Partner fĂŒr diese 366,50 Euro und 436,50 Euro Kindesunterhalt pro Monat zahlen. Vom Einkommen bleiben also 2.697 Euro ĂŒbrig. Ein Siebtel darf der Ex-Partner als ErwerbstĂ€tigenbonus behalten, wodurch das Einkommen auf 2.311,71 Euro schrumpft. Dieses wird nun hĂ€lftig geteilt – macht 1.155,86. Zusammen mit den Kindesunterhalten summiert sich die Unterhaltspflicht auf 1.958,86 Euro. Dem Ex-Partner selbst bleiben 1.541,14 Euro. Weil der Betrag ĂŒber dem Selbstbehalt liegt, muss er den Unterhalt in voller Höhe an Sie zahlen.

Variante 2: Zwei ErwerbstÀtige

Sind Sie beide erwerbstĂ€tig, wird von beiden Einkommen getrennt das unterhaltsrelevante Einkommen ermittelt. Außerdem können Sie nun beide den ErwerbstĂ€tigenbonus beanspruchen.

Danach wird die Differenz zwischen dem höheren und dem niedrigeren unterhaltsrelevanten Einkommen ermittelt. Drei Siebtel davon stehen dem Unterhaltsberechtigten zu. Hinzu kommt eventuell Kindesunterhalt, den der Unterhaltspflichtige an den Unterhaltsberechtigten zahlt.

  • Beispiel: Nehmen wir an, das unterhaltsrelevante Einkommen Ihres Ex-Partners betrĂ€gt 3.500 Euro und Ihr eigenes 1.500 Euro. Kinder haben Sie keine. Beide können nun zunĂ€chst ein Siebtel von ihrem Einkommen als ErwerbstĂ€tigenbonus behalten. Bleiben also 3.000 Euro bei Ihrem Ex-Partner und 1.285,71 Euro bei Ihnen. Macht eine Differenz von 1.714,29 Euro, von denen Ihnen als Unterhaltsberechtigtem drei Siebtel zustehen, also 734,70 Euro. Dem Unterhaltspflichtigen bleiben damit 2.765,30 Euro – deutlich mehr als der Selbstbehalt, weshalb er Ihnen den vollen Unterhalt zahlen muss.

Tipp: Es kann teuer und zeitaufwendig sein, den nachehelichen Unterhalt von Gerichten klĂ€ren zu lassen. Alternativ können Sie ĂŒber eine außergerichtliche Einigung nachdenken. Dabei legen Sie wĂ€hrend des Scheidungsverfahrens die Bedingungen und die Höhe des Unterhalts gemeinsam fest. Der Familienrichter protokolliert die Einigung.

Wie lange gibt es nachehelichen Unterhalt?

Die Dauer des nachehelichen Unterhalts hĂ€ngt von den UmstĂ€nden ab. In der Regel erlischt Ihr Anspruch, sobald Sie die Voraussetzungen nicht mehr erfĂŒllen.

Fußt Ihr Unterhaltsanspruch beispielsweise auf der Betreuung von Kleinkindern, entfĂ€llt die Zahlung oft mit dem dritten Geburtstag der Kinder. Allerdings kann Ihre BedĂŒrftigkeit andauern, wenn Sie arbeitslos sind, also ein anderer Unterhaltsgrund besteht.

Auch ein neuer Partner kann dazu fĂŒhren, dass Sie nicht mehr unterhaltsberechtigt sind. Dabei kommt es laut Bundesgerichtshof (BGH) auf die "IntensitĂ€t und Dauer" der neuen Partnerschaft an. Sind Sie etwa anderthalb bis zwei Jahre neu liiert, erlischt in der Regel Ihr Unterhaltsanspruch. Vorausgesetzt Ihr neuer Partner kann Sie ausreichend finanziell unterstĂŒtzen.

Unterhaltspflicht entfÀllt bei Arbeitslosigkeit

Ändern sich die LebensumstĂ€nde Ihres unterhaltspflichtigen Ex-Partners, etwa weil er seinen Job verliert, gilt er als nicht mehr leistungsfĂ€hig. Seine Unterhaltspflicht entfĂ€llt.

Andersherum haben Sie keinen Anspruch auf höheren nachehelichen Unterhalt, wenn der Unterhaltspflichtige im Lauf der Zeit mehr verdient. Denn eine Gehaltserhöhung nach der Scheidung hat mit den EinkommensverhÀltnissen wÀhrend Ihrer Ehe nichts zu tun.

Auch die Dauer Ihrer Ehe kann darĂŒber entscheiden, wie lange Sie nachehelichen Unterhalt erhalten: Waren Sie nur kurz verheiratet, das heißt nicht lĂ€nger als zwei Jahre, bekommen Sie womöglich gar keinen Unterhalt (§ 1579 BGB). Waren Sie hingegen mehr als 20 Jahre liiert, könnte der Unterhaltsanspruch sogar lebenslang sein.

Gut zu wissen: Sollte der Unterhaltspflichtige sterben, solange noch Anspruch besteht, geht die Pflicht auf seine Erben ĂŒber. Lesen Sie hier mehr dazu, was Sie ĂŒbers Erben und Vererben wissen sollten.

Was gilt fĂŒr Unterhalt bei der Steuer?

Unterhaltskosten können Sie von der Steuer absetzen. Dabei haben Sie zwei Möglichkeiten: Entweder Sie machen sie als außergewöhnliche Belastung geltend oder als Sonderausgaben.

  • Außergewöhnliche Belastung: Entscheiden Sie sich fĂŒr diese Variante, mĂŒssen Sie den Unterhalt tatsĂ€chlich gezahlt haben. Sie können dann jĂ€hrlich bis zu 9.744 Euro davon absetzen (fĂŒr das Steuerjahr 2022 9.984 Euro). DafĂŒr nutzen Sie die Anlage Unterhalt. Der Höchstbetrag verringert sich, falls der Unterhaltsberechtigte eigene EinkĂŒnfte hat.
  • Sonderausgaben: Hierbei können Sie Unterhaltskosten bis zu 13.805 Euro pro Jahr absetzen. Das nennt sich auch Realsplitting. Voraussetzung ist, dass der UnterhaltsempfĂ€nger zustimmt und den Erhalt der Leistungen mit seiner Unterschrift in der Anlage U bestĂ€tigt. Die Kosten selbst tragen Sie sowohl in der Anlage U als auch in der Anlage Sonderausgaben ein. Der UnterhaltsempfĂ€nger wiederum muss die Zahlungen in der Anlage SO fĂŒr sonstige EinkĂŒnfte angeben. Teil des Realsplittings ist auch, dass Unterhaltspflichtige die Steuern ĂŒbernehmen, die auf die Unterhaltszahlungen beim EmpfĂ€nger anfallen (FreistellungserklĂ€rung). Mehr zum Thema Sonderausgaben lesen Sie hier.

Kann man auf Unterhalt verzichten?

Ja, das geht. Sie können den Verzicht auf nachehelichen Unterhalt in einem Ehevertrag oder in einem gesonderten Vertrag vereinbaren. Wichtig dabei ist, dass Sie sich die Übereinkunft notariell bestĂ€tigen lassen. Ein Verzicht ist allerdings sittenwidrig, falls der Ex-Partner nach der Scheidung Sozialhilfe beantragen muss. Lesen Sie hier, was fĂŒr Paare gilt, die keinen Ehevertrag schließen.

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