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Dachfonds: Was sind die Vor- und Nachteile?


Aktives Investment  

Dachfonds: Darum sind die Erträge meist dürftig

01.09.2020, 17:04 Uhr | cho, dpa, t-online

Dachfonds: Was sind die Vor- und Nachteile?. Dachfonds investieren das Geld der Anleger in andere Fonds. (Quelle: dpa/Andrea Warnecke)

Dachfonds investieren das Geld der Anleger in andere Fonds. (Quelle: Andrea Warnecke/dpa)

Fondsgesellschaften werben damit, mit Dachfonds hohe Erträge für ihre Kunden einzufahren. Doch dieses Versprechen erfüllt sich in der Regel nicht. Denn Dachfonds haben gleich mehrere Nachteile.

Wer langfristig Geld anlegen will, stößt früher oder später auf Investmentfonds – und auf eine riesige Auswahl. Aktienfonds, Anleihefonds, Immobilienfonds, Mischfonds: An Möglichkeiten scheint es nicht zu mangeln. Und es geht noch komplexer.

Denn es gibt nicht nur Fonds, die für ihre Anleger ein Bündel aus Aktien, Anleihen oder Immobilien schnüren, sondern auch solche, die selbst in andere Fonds investieren. Das ist dann ein sogenannter Dachfonds – ein Bündel vieler Bündel sozusagen.

Aber ist das eine schlaue Strategie? Oder eignen sich andere Anlagen besser für Ihren Vermögensaufbau? Unser Überblick liefert die Antworten.

Was ist ein Dachfonds?

Ein Dachfonds ist ein Investmentfonds, der das Geld seiner Anleger nicht direkt in Aktien, Anleihen oder Immobilien investiert, sondern in andere Investmentfonds, auch Zielfonds genannt, die ihrerseits Geld in Aktien, Anleihen, Immobilien oder in einer Mischung daraus angelegt haben. Er vereint also – sozusagen unter einem Dach – viele verschiedene Fonds. Dachfonds gibt es in verschiedenen Risikoprofilen – mal mit mehr, mal mit weniger großem Aktienanteil.

Ein Fondsmanager wählt dabei bewusst aus, welche Zielfonds in seinem Dachfonds Platz finden sollen – er investiert also aktiv. Ziel einer solchen Anlagestrategie ist es, durch geschickte Auswahl die höchsten Erträge, auch Renditen genannt, zu erzielen.

"Diesen Erwartungen werden die Dachfonds aber nicht gerecht", warnt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Denn die Kosten vieler Dachfonds sind extrem hoch (siehe unten).

Was sind die Vor- und Nachteile von Dachfonds?

Hier überwiegen ganz klar die Nachteile. Denn selbst der eine Vorteil, den man Dachfonds theoretisch noch zugestehen könnte – nämlich die breite Risikostreuung – entpuppt sich häufig als bloßes Marketingargument. 

Ja: Ein Fonds, der viele Einzeltitel wie etwa Aktien bündelt, verteilt das Risiko auf mehrere Schultern – und ein Fonds, der viele Fonds bündelt, streut das Risiko in der Theorie noch breiter. Praktisch ist das Risiko von Dachfonds aber mit dem von Aktien- oder Mischonds vergleichbar. Denn wirklich nötig ist die noch breitere Streuung, auch Diversifikation genannt, gar nicht.

Breite Streuung ist auch mit ETFs möglich

"Praktisch gesehen, gibt es auch viele Indexfonds oder Aktienfonds, welche die Risiken bereits extrem breit und damit völlig ausreichend streuen", sagt Nauhauser. Indexfonds sind Investmentfonds, die einen Aktienindex wie den Dax – möglichst exakt nachbilden. Kann man sie an der Börse kaufen und verkaufen, heißen sie "Exchange Traded Funds", kurz: ETFs.

Als ein Vorteil von Dachfonds wird gelegentlich angeführt, dass Sie nur einmal die Abgeltungssteuer von 25 Prozent plus Soli und eventuell Kirchensteuer auf die Erträge zahlen müssten – und nicht auf die Renditen jedes einzelnen Zielfonds. Das Gleiche gilt aber auch für jeden anderen Fonds. Schließlich müssen Sie auch keine Steuern für die Gewinne aus einzelnen Aktien zahlen, wenn Sie stattdessen direkt in einen Aktienfonds investieren, der mehrere Einzeltitel bündelt.

Dachfonds bieten also keinen wirklichen Vorteil, dafür aber gleich mehrere Nachteile. Zum einen nagen höhere Gebühren für das doppelte Fondsmanagement an der Rendite. Doppelt deshalb, weil Sie nicht nur laufend für die Verwaltung des Dachfonds zahlen, sondern auch für das Management der darin enthaltenen einzelnen Zielfonds. Hinzu kommen noch Gebühren für das Depot und für jede Transaktion.

Fondsmanager sind nicht allwissend

Laut Verbraucherzentrale betragen die Kosten – bezogen auf das verwaltete Fondsvermögen – oft zwei Prozent und mehr. Und das jedes Jahr. Das lässt die Rendite ordentlich schrumpfen. Zum Vergleich: Die laufenden Kosten für ETFs liegen meist zwischen 0,1 und 0,2 Prozent pro Jahr.

Ein weiterer Nachteil ist aus Sicht der Verbraucherschützer die aktive Anlagestrategie. Denn selbst wenn die Gebühren nicht so hoch wären, wäre immer noch nicht sicher, dass die versprochenen hohen Erträge auch tatsächlich eingefahren werden. Schließlich kann niemand die Wertentwicklungen einzelner Fonds zuverlässig voraussagen.

Was bringen mir ETF-Dachfonds?

Kurz gesagt: mehr Komfort zu höheren Kosten, die aber oft nicht gerechtfertigt sind. Ein ETF-Dachfonds ist die Verbindung beider Welten, also ein Fonds, der in mehrere ETFs investiert. Er soll Ihnen die Arbeit abnehmen, selbst ETFs auswählen zu müssen, bei gleichzeitig geringen Preisen für das Fondsmanagement. Letzteres scheitert aber in der Regel.

Zwar gibt es ETF-Dachfonds, deren Gebühren bei 0,5 Prozent liegen, damit liegen sie aber immer noch über den Kosten reiner ETFs, die oft nicht mehr als 0,2 Prozent betragen. Hier müssen Sie selbst entscheiden, wie viel es Ihnen wert ist, ein schon fertiges Portfolio vorgesetzt zu bekommen.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Verbraucherzentrale
  • Nachrichtenagentur dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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