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Darum ist ein Mann keine gute Altersvorsorge

  • Christine Holthoff
Von Christine Holthoff

Aktualisiert am 18.11.2020Lesedauer: 6 Min.
Ein junges Paar liegt zerstritten im Bett (Symbolbild): So groß die Liebe anfangs auch scheinen mag – eine verlĂ€ssliche Absicherung fĂŒrs Alter ist sie nicht.
Ein junges Paar liegt zerstritten im Bett (Symbolbild): So groß die Liebe anfangs auch scheinen mag – eine verlĂ€ssliche Absicherung fĂŒrs Alter ist sie nicht. (Quelle: gorodenkoff/Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Noch immer verlassen sich viele Frauen in Deutschland darauf, dass der Mann sich um die Finanzen kĂŒmmert. Ein guter Deal scheint das nicht zu sein. Denn hĂ€lt die Partnerschaft nicht, sind es oft die Frauen, denen Armut droht.

Plötzlich war alles weg. Das Haus, in dem Hanna 20 Jahre gelebt hatte, ihr GeschĂ€ft, das sie seit dem Studium aufgebaut hatte, ihr Partner, fĂŒr den sie ihr Heimatland verlassen hatte. Kurz: ihr Leben, wie sie es kannte.


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Wo sich Hanna gerade noch vollkommen sicher gefĂŒhlt hatte, tat sich jetzt ein Abgrund auf. Und in dem war viel Platz fĂŒr neue GefĂŒhle: unendliche Angst und große EnttĂ€uschung.

"Es war nichts mehr da, das mir gehörte. Mein persönlicher Ground Zero", sagt Hanna. "Wenn man heiratet und zusammen alles aufbaut, geht man doch davon aus, dass alles aufgeteilt wird, wenn die Ehe scheitert. In meinem Fall war das nicht so."

Weil es keinen Ehevertrag gab, blieben ihr nur zwei Dinge: das Auto, in dem sie fortan schlief, und ihr Wille, sich wieder hochzukĂ€mpfen. Schließlich hatte sie auch noch einen Sohn zu versorgen.

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FĂŒr Hanna, die in Wahrheit anders heißt, rĂ€chte sich, was auch fĂŒr viele andere Frauen zum Problem werden kann: Sie machen sich noch immer zu wenig Gedanken ĂŒber ihr Geld. Der fehlende Ehevertrag ist dabei noch das kleinere Übel. Ganz generell verlassen sich viele Frauen bei Geldfragen auf ihren Partner – selbst in jĂŒngeren Generationen.

Einer Untersuchung der Großbank UBS zufolge geben gerade Frauen, die in den 1980er- oder 1990er-Jahren geboren wurden, im Schnitt zu fast zwei Drittel die Verantwortung fĂŒr die Finanzen an ihren Partner ab. Dabei mĂŒssten sie selbst eigentlich mehr als MĂ€nner fĂŒr ihre Altersvorsorge tun.

Viele Frauen stecken in der Teilzeitfalle

Helma Sick kennt das Problem. Als Pionierin in der Finanzberatung fĂŒr Frauen weiß sie: "Es sind immer noch ĂŒberwiegend Frauen, die wegen der Familie ganz oder teilweise aus der BerufstĂ€tigkeit aussteigen. Viele Frauen arbeiten Teilzeit, bis die Kinder 16 oder Ă€lter sind, viele Frauen bleiben sogar in Teilzeit bis zur Rente. Das wirkt sich natĂŒrlich stark auf die Höhe der Rente aus." Teilzeitarbeit sei auch Teilzeitrente – bei gleichzeitig höherer Lebenserwartung.

Helma Sick: Die Grande Dame der Finanzberatung ermutigt Frauen zur finanziellen Vorsorge.
Helma Sick: Die Grande Dame der Finanzberatung ermutigt Frauen zur finanziellen Vorsorge. (Quelle: Frau und Geld/Quirin Leppert)

Gerade Frauen sollten deshalb alles daran setzen, ihr Geld so gut es geht zu vermehren. Doch wĂ€hrend fast jeder vierte Mann Aktien besitzt, traut sich nach Angaben des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands gerade einmal jede zehnte Frau an die Börse. Ein Grund dafĂŒr ist offenbar fehlendes Selbstvertrauen.

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Laut der UBS-Studie glaubt nicht einmal jede zweite Frau, dass sie ĂŒber ausreichend Wissen verfĂŒgt, um gute Anlageentscheidungen zu treffen. Vier von fĂŒnf Frauen sind ĂŒberzeugt, dass der Partner sich besser auskenne. Die Folge: 60 Prozent der deutschen Frauen ĂŒberlassen langfristige Finanzentscheidungen dem Mann. So lief es auch bei Hanna.

Kein Grundbucheintrag, kein Anspruch auf das Haus

Als nach der Heirat das Kind kam, steckte sie im Job zurĂŒck, wĂ€hrend er seine Firma aufbaute. Um das Geld kĂŒmmerte er sich. Das Haus, in dem die Familie wohnte, hatte ihr Mann von seinen Eltern geerbt. Von Hanna verlangte er Miete – versicherte ihr aber, dass sie im Grundbuch stĂŒnde. Sie glaubte ihm.

"TatsĂ€chlich war ich nirgendwo eingetragen", weiß Hanna heute. "Nur fĂŒr den Kredit sollte ich bĂŒrgen, den mein Ex-Mann fĂŒr eine Renovierung aufgenommen hatte." Das immerhin ließ das Scheidungsgericht nicht durchgehen, die Schulden blieben bei ihm. Doch um Anspruch am Haus zu haben, hĂ€tte Hanna, die heute Anfang 40 ist, weiter vor Gericht kĂ€mpfen mĂŒssen. Mit Geld, das sie nicht besaß.

Denn als freischaffende KĂŒnstlerin hatte sie bis dahin zwar ein eigenes Einkommen, aber ihr Konto nutzte das Paar als Familienkonto fĂŒr die laufenden Kosten – es war immer leer. Hinzu kam, dass auch ihre SelbststĂ€ndigkeit keine Einnahmen mehr brachte. Hanna war nicht nur als Lebenspartnerin mit einer anderen Frau ersetzt worden, sondern auch als GeschĂ€ftspartnerin. "Bis dahin habe ich 25 Jahre von meiner Kunst gelebt. Nun musste ich anfangen, HĂ€user zu putzen."

Vielen Frauen ist ihre AbhÀngigkeit nicht bewusst

Kein echtes eigenes Konto, keine Gewissheit, wem das Haus wirklich gehörte, und außer einer Lebensversicherung, die nun dran glauben musste, kein Plan fĂŒrs Alter. Woran liegt es, dass viele Frauen bei Finanzfragen wie Hanna blind vertrauen?

"Die Ursachen lassen sich lange zurĂŒckverfolgen, da es Frauen seit Jahrhunderten verwehrt war, ĂŒber eigenes Geld zu verfĂŒgen", sagt die Finanzberaterin Mechthild Upgang. "Bis 1957 durften sie kein eigenes Konto eröffnen, bis 1974 nicht ohne die Erlaubnis des Mannes arbeiten gehen. Kamen sie ihren "Haushaltspflichten" nicht nach, konnte der Mann den Job seiner Frau kĂŒndigen. "Erst mit dem Aufkommen der Frauenbewegung war es nicht mehr möglich, ihnen den selbstbestimmten Umgang mit Geld zu verwehren. Dennoch haben sich die Traditionen fortgesetzt", so Upgang.

Immer mehr Expertinnen engagieren sich deshalb dafĂŒr, Frauen die Scheu vor Geldfragen zu nehmen – und ein Bewusstsein dafĂŒr zu schaffen, in welche AbhĂ€ngigkeit sie sich begeben. Eine von ihnen ist Laura Rauschnick, Leiterin von "Was verdient die Frau?", einem Gemeinschaftsprojekt des Deutschen Gewerkschaftsbundes und des Bundesfamilienministeriums. Sie sagt: "In Paarbeziehungen sollte man auch partnerschaftlich mit Finanzen umgehen."

Der Partner sollte einen Ausgleich zahlen

Dass der Vater meist Vollzeit und die Mutter Teilzeit arbeite, ergebe sich oft daraus, dass Frauen sowieso schon weniger verdienten – wegen des strukturell schlechteren Gehalts in frauendominierten Berufen, aber auch weil gleichwertige TĂ€tigkeiten immer noch nicht gleichwertig bezahlt werden. Ein Umdenken sei nötig – und zwar auch bei den MĂ€nnern, findet Laura Rauschnick. Das klassische Modell mit dem Mann als Versorger sei zwar nachvollziehbar, aber nicht langfristig gedacht.

Ihr Vorschlag: "Entweder ĂŒbernehmen beide Partner zu gleichen Teilen die Erwerbs- und Sorgearbeit oder – wenn man sich bewusst dagegen entscheidet – könnte der eine fĂŒr den anderen in eine private Rentenversicherung oder einen ETF-Sparplan einzahlen, um das fair auszugleichen." ETFs sind spezielle Fonds, die sich gut zur Altersvorsorge eignen, weil man mit ihnen langfristig vergleichsweise hohe Renditen bei ĂŒberschaubarem Risiko erzielen kann.

Auch Claudia MĂŒller, GrĂŒnderin des "Female Finance Forums", eines Finanzblogs und Netzwerks fĂŒrs Frauen, kann Frauen nicht empfehlen, auf einen politischen Wandel zu warten. Mit Workshops und Beratungen fĂŒhrt die frĂŒhere Bundesbankerin sie deshalb an Aktien heran. MĂŒller ist ĂŒberzeugt: "Wir mĂŒssen nicht reich sein, um zu investieren, aber wir mĂŒssen investieren, damit es reicht."

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Es ist kein Vermögen nötig, um zu investieren

TatsĂ€chlich kann so gut wie jeder Fondssparplan schon ab 25 Euro pro Monat bespart werden. Ein Fonds ist eine Art BĂŒndel vieler verschiedener Wertpapiere wie zum Beispiel Aktien. Das hat den Vorteil, dass Anleger ihr Risiko breit streuen und schon mit kleinen BetrĂ€gen in die komplette Weltwirtschaft investieren können.

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Wer etwa in den vergangenen Jahrzehnten 15 Jahre lang in einen ETF auf den internationalen Aktienindex MSCI World investiert war, machte im Schnitt 7,9 Prozent Rendite. Bei einer monatlichen Sparrate von 25 Euro wÀren zu den tatsÀchlich eingezahlten 4.500 Euro also noch einmal knapp 4.000 Euro obendrauf gekommen. Mit 250 Euro im Monat wÀren aus den dann eingezahlten 45.000 Euro sogar mehr als 84.000 Euro geworden.

Aus ihren Workshops weiß MĂŒller, dass es Frauen mehr Kraft kostet als MĂ€nner, den Sprung in die Geldanlage zu wagen. "Aber am Ende sind sie die besseren Investoren, weil sie eine durchdachte Strategie haben."

Hanna hat aus ihren Fehlern gelernt

So weit ist Hanna zwar noch nicht, auf dem Weg zur finanziellen Freiheit ist sie trotzdem ein großes StĂŒck vorangekommen. Nach zeitweise bis zu sechs Jobs gleichzeitig hat sie heute eine Festanstellung in einer Schule, ist schuldenfrei, lebt in einer Mietwohnung und hat ausreichend Geld, um ihre Kosten zu decken. "FĂŒnf Jahre habe ich gebraucht, jetzt bin ich wieder da", sagt sie.

Eine Baustelle gibt es aber noch. Vor einigen Tagen hat Hanna ihren Rentenbescheid bekommen – mit trĂŒben Aussichten. "435 Euro im Monat. Da muss ich noch dran arbeiten", sagt sie. Ob mit Aktien, ETFs oder auf andere Weise, das muss sie noch entscheiden.

Eine Option kommt aber nicht in Frage: "Eine Heirat sehe ich nicht mehr als Absicherung. Ich wĂŒrde mich nie wieder an jemanden binden, bevor nicht alles geregelt ist."

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Von Jule Damaske
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