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Börsencrash: Was wird aus meinem Geld?


Geldanlagen  

Wie sich der Börsencrash auf unser Geld und im Alltagsleben auswirkt

10.08.2011, 07:27 Uhr | dapd, dpa, t-online.de - mmr, dapd, dpa, t-online.de

Börsencrash: Was wird aus meinem Geld?. Börsen-Crash wirkt sich bis ins Alltagsleben aus  (Foto: imago)

Börsen-Crash wirkt sich bis ins Alltagsleben aus (Foto: imago)

Die Kurseinbrüche an den Weltbörsen lassen viele Nicht-Aktionäre kalt. Beruhigt sitzen sie vielleicht in ihrer Immobilie und schauen auf ihre niedrig verzinsten Sparkonten. Doch die Auswirkungen des Börsencrashs betreffen z.B. auch Lebensversicherungen und könnten bald das Alltagsleben aller Bundesbürger erreichen.

Es klingt paradox: Weil sich die Konjunktur weltweit abschwächen könnte, fallen die Aktienkurse. Das wiederum belastet Experten zufolge die Wirtschaft und wird z.B. schwächere Entwicklungen am Arbeitsmarkt nach sich ziehen. Umgekehrt könnten aber auch einige Produkte billiger werden. Die Wirtschaftsredaktion von t-online.de stellt wichtige Fragen zur aktuellen Krise und zu Geldanlagen und gibt Antworten.

Wie sollten sich Aktionäre und Fondsanleger jetzt verhalten?

Jeder Crash geht einmal zu Ende und bietet dann supergünstige Einstiegsgelegenheiten. Das zeigten die "schwarzen Tage" an den Börsen in der Vergangenheit. Doch meist reagieren Privatanleger gerade in den turbulentesten Zeiten unvernünftig und verkaufen. Aber: "Während der Panik an den Börsen seine Aktien zu verkaufen, ist in der Regel schlecht", sagt Karin Baur, Finanzexpertin bei Stiftung Warentest. Von einem Ausverkauf sind meist alle Aktien betroffen. "Wenn sich die Lage wieder beruhigt, werden die Unterschiede wieder deutlicher. Einige Papiere steigen, andere fallen", sagt Baur.

"Die, die nervös kaufen und verkaufen, sind oft schlecht beraten", sagt auch Börsenexperte Wolfgang Gerke, Präsident des Bayerischen Finanz-Zentrums. Ulrich Hocker, Geschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), empfiehlt Aktien- und Fondsbesitzern, sich unabhängig vom Kurssturz zu fragen, ob sie an guten Unternehmen beteiligt seien. Hocker empfiehlt große Unternehmen mit einem erfolgreichen Geschäftsmodell, die zudem eine ordentliche Dividendenrendite aufwiesen. Vor panikartigen Verkäufen rät er ebenfalls ab. Wer an einem guten Unternehmen beteiligt sei, sollte trotz der Kurseinbrüche die Papiere halten und Ruhe bewahren.

Wann geht es wieder aufwärts an den Börsen?

Den genauen Zeitpunkt kann niemand vorhersagen. Kurzfristig könnte es noch weiter nach unten gehen, auch wegen der ungeklärten Lage in Spanien und Italien. Die Kurse dürften sich nur dann erholen, wenn die Staatsschuldenkrise eingedämmt sei, sagen beispielsweise Volkswirte der Commerzbank voraus. "Die Märkte werden sich wieder beruhigen, aber das geht nicht von einem Tag auf den anderen", sagt auch Fachmann Wolfgang Gerke.

Welche Folgen haben die Börsenturbulenzen für die private Altersvorsorge mit Lebensversicherungen?

Die deutschen Lebensversicherer stecken das meiste Geld breit gestreut in recht sichere Anleihen von Emittenten mit guter Bonität, z.B. Staatsanleihen, aber auch in Pfandbriefe und in Immobilien. Nur 3,2 Prozent ihrer Anlagen sind laut Verband GDV in Aktien angelegt. Das bietet einen gewissen Schutz vor Börsenturbulenzen. Der Nachteil: Die Rendite von Lebensversicherungen ist in guten Börsenzeiten vergleichsweise gering. Nur wenn eine Staatspleite droht, sind die Anleihen des betroffenen Landes gefährdet. Die leichte Herabstufung der USA durch eine Ratingagentur auf die nur noch zweitbeste Stufe setzt die Branche laut GDV-Sprecherin Daniela Röben nicht unter Druck: "Wir sehen darin keine Konsequenzen für die Kapitalanlagetätigkeit."

Röben erinnert auch daran, dass die Versicherer ihre Anlagen in aller Regel sehr langfristig halten. Kurskapriolen an Aktienbörsen oder auch bei Staatsanleihen vermindern deshalb nicht unmittelbar die Summe, die am Ende an die Versicherten geht. Die laufenden Überschüsse der Branche liegen zurzeit bei 4,1 Prozent. Garantiert ist ein Zins von 2,25 Prozent, ab Januar noch von 1,75 Prozent.

Vom Zocken mit den derzeit hochverzinsten Staatsanleihen Griechenlands, Portugals, Italiens oder Spaniens sollte man als Privatanleger jedoch die Finger lassen. Die hohen Zinsen sind den Risiko-Aufschlägen zu verdanken. Je höher die Verzinsung, desto größer das Risiko. Noch kann niemand sagen, wie die Schuldenkrise in diesen Euroländern ausgeht.

Welche Geldanlagen sind sicher?

Als vergleichsweise sicher gelten Zinsanlagen wie Tagesgeld, Festgeld oder deutsche Staatsanleihen, deren Rendite allerdings in guten Börsenzeiten geringer als die vieler Aktien ist. Attraktive Angebote finden Verbraucher in unserem Tagesgeldvergleich. Auch Sparbücher gelten weiterhin als sicher, wenn auch die Zinsen nicht die Inflationsrate ausgleichen. Die gesetzliche Einlagensicherung beträgt 100.000 Euro. Bis zu diesem Betrag sind Guthaben in der EU im Fall einer Bankpleite in jedem Fall abgesichert. Darüber hinaus sichern die deutschen Banken durch eigene Systeme noch deutlich höhere Beträge ab. So sind bei den Privatbanken mindestens 1,5 Millionen Euro pro Kunde garantiert, und die Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken gewähren eine hundertprozentige Absicherung der Kundeneinlagen. Das gilt für Guthaben auf Girokonten, Tages- und Festgeld sowie Sparbriefe und Sparkonten.

Lohnen jetzt noch Gold-Käufe?

Gold liegt derzeit absolut im Trend, am Dienstag kostete eine Feinunze (31,1 g) zeitweise die Rekordpreise von knapp 1780 Dollar bzw. fast 1250 Euro. Doch sollten Anleger vorsichtig sein. "Der Gold-Preis klettert derzeit von einem Allzeithoch zum anderen. Ich würde skeptisch werden, wenn etwas nur nach oben geht, irgendwann geht es auch wieder runter", sagt Baur. Anleger sollten vor allem nicht ihr ganzes Geld in das Edelmetall stecken. Rohstoff-Investor Jim Rogers etwa kauft statt Edelmetallen derzeit Landwirtschaftsgüter. In guten Lagen bieten auch Immobilien hohe Stabilität, empfiehlt Baur. (Mit unserer Suche finden Sie die passende Immobilie in Ihrer Nähe).

Jetzt Kredit aufnehmen?

Wer nicht über genügend Geld verfügt, spielt vielleicht mit dem Gedanken, einen Konsumentenkredit aufzunehmen. Dafür ist jetzt ein günstiger Zeitpunkt: Noch sind die Zinsen niedrig. Das könnte sich jedoch ändern, wenn steigende Inflationsraten Realität werden. Ein solches Szenario hätte für Verbraucher den Vorteil, dass sie sich erst günstig mit Geld eindecken können, sich dann der reale Wert des Kredits verringert und damit schneller zurückgezahlt werden kann.

Was bedeuten die Turbulenzen für die Konjunktur?

Langanhaltende Kursstürze an den Börsen können im Extremfall eine Abwärtsspirale in Gang setzen. Die Stimmung an den Börsen ist schlecht, Unternehmen zögern mit Investitionen, Verbraucher konsumieren weniger, die Konjunktur schwächt sich ab, was wiederum auf die Stimmung an den Aktienmärkten drückt. Der Teufelskreis könnte zu einem globalen Wirtschaftsabschwung (Rezession) führen, das wiederum belastet die Unternehmensbilanzen und gefährdet Arbeitsplätze. Ein Beispiel: Wenn etwa die USA weniger Konsumgüter in Schwellenländern bestellten, würde auch die Nachfrage nach deutschen Maschinen oder Produktionsanlagen dort wegfallen.

Wie wirkt sich die Krise am deutschen Arbeitsmarkt aus?

Die Arbeitslosigkeit ist in den vergangenen Jahren kräftig gefallen, im Juli waren 2,9 Millionen Menschen ohne Job, fast 250.000 weniger als ein Jahr zuvor. Doch die gute Entwicklung - die Bundesagentur für Arbeit rechnet für 2012 mit nur noch 2,7 Millionen Jobsuchern - gerät in Gefahr: "Die Entwicklung am Arbeitsmarkt wird nicht so positiv verlaufen, wie wir es bisher erwarten", sagt der Konjunkturchef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Joachim Scheide.

Wie werden sich die Preise für Alltagsprodukte entwickeln?

Obwohl die Notenbanken zuletzt viel frisches Geld in Umlauf gebracht haben, droht laut Expertenansicht keine schwere Inflation. "Die Geldpolitik wird weiter expansiv bleiben, es droht aber trotzdem keine drastische Preiserhöhung", sagt HWWI-Ökonom Michael Bräuninger. Wegen der Abschwächung der Konjunktur werden sich nach seiner Einschätzung höhere Preise nur noch schwer durchsetzen lassen.

Gibt es auch Dinge, die nun billiger werden?

Die Preise für Rohöl, Heizöl und Benzin sind im Zuge der Krise an den Finanzmärkten kräftig gefallen: Das für Europa wichtige Brent-Öl kostete am Dienstag weniger als 104 Dollar pro Barrel (159 Liter), ein Rückgang von mehr als vier Prozent seit Freitag. Das günstigere US-Öl WTI kostete zeitweise weniger als 80 Dollar pro Fass. Ende Juli stand ein Barrel noch bei rund 100 Dollar. In Deutschland fiel der Preis für einen Liter Superbenzin zuletzt um fünf Cent auf 1,54 Euro im bundesweiten Durchschnitt, wie Branchenführer Aral mitteilte. Diesel wurde demnach sogar sechs Cent billiger auf 1,39 Euro. Grund ist die Sorge vor einer Verlangsamung des Wachstums der Weltwirtschaft und damit vor einer geringeren Nachfrage nach Öl. Die Tendenz zu steigenden Inflationsraten dürfte Energie mittelfristig jedoch wieder verteuern.

Müssen sich die deutschen Bürger und Steuerzahler auf höhere Belastungen oder schlechtere Leistungen eines zum Sparen verurteilten Staates einstellen?

"Wenn bei der Sanierung der Staatsbudgets in den europäischen Problemländern etwas schief läuft, könnte es zu Belastungen für Deutschland kommen", sagt Chefökonom Scheide vom Kieler IfW. So garantiert Deutschland für 119 Milliarden Euro des Euro-Rettungsschirms. "Wenn diese Risiken eintreten, könnte das den Steuerzahler treffen", sagt er. Und sein Hamburger Forscherkollege Bräuninger ergänzt: "Es gibt in Deutschland keine Spielräume für Steuersenkungen."

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