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Bier: So (un)gesund ist das alkoholische Getränk wirklich


So (un)gesund ist Bier

Von Lynn Zimmermann

Aktualisiert am 24.10.2022Lesedauer: 6 Min.
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Bier hat viele Inhaltsstoffe. Einige stehen unter dem Verdacht, einen positiven Effekt auf die Gesundheit zu haben.
Bier hat viele Inhaltsstoffe: Einige könnten der Gesundheit Gutes tun. (Quelle: semenovp/getty-images-bilder)
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Das beliebte Feierabend-Bier ist umstritten. Neue Studien legen nahe, dass eine bestimmte Menge Bier am Tag die Gesundheit sogar positiv beeinflussen könnte.

Das Wichtigste im Überblick


  • Was macht Bier besonders?
  • Bier gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Bier schützt vor Krebs
  • Geringeres Diabetesrisiko durch moderaten Alkoholkonsum
  • Moderater Alkoholkonsum senkt Demenzrisiko
  • Ein Bier für starke Knochen
  • Einordnung der Forschungsergebnisse

Dass Alkohol der Gesundheit schadet, ist bekannt. Ein hoher Konsum kann Leberschäden, hohen Blutdruck und ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zur Folge haben. Aber: Einzelne Studien deuten nun darauf hin, dass sich ein sehr moderater Konsum tatsächlich günstig auf die Gesundheit auswirken könnte.

Ein moderater Konsum heißt in diesem Fall: Maximal ein Glas Bier am Tag für Frauen und zwei Gläser für Männer. Denn bereits in einem kleine Bier mit 0,33 Liter sind etwa 13 Gramm reiner Alkohol enthalten.

Alkoholgehalte in Getränken: So viel reiner Alkohol steckt in Bier, Wein, Sekt und Schnaps.
Alkoholgehalte in Getränken: So viel reiner Alkohol steckt in Bier, Wein, Sekt und Schnaps.

Was macht Bier besonders?

Bier ist eines der ältesten und beliebtesten Getränke weltweit. Es enthält neben Kohlenhydraten und Alkohol (Ethanol) auch Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Zu ihnen gehören zum Beispiel Fluorid, Folat, Cholin, verschiedene Polyphenole und Silizium.

Manche dieser Inhaltsstoffe sind auf die Grundzutaten Wasser, Hopfen, Malz und Hefe zurückzuführen. Andere entstehen erst durch den Gärungsprozess.

Ein Großteil der gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe aus Bier stammen aus Hopfen und Getreide.
Ein Großteil der gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe aus Bier stammen aus Getreide und Hopfen. (Quelle: Inga Kjer/photothek.net)

Durch die Mineralstoffe und sekundären Pflanzenstoffe unterscheidet sich Bier von Spirituosen wie Gin, Schnaps oder Wodka. Und: Sie sind entscheidend für die gesundheitlichen Vorteile von Bier.

Bier gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Ein geringer bis moderater Bierkonsum kann – ähnlich dem von Wein – offenbar das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen reduzieren. Darauf deuten die Ergebnisse einer italienischen Studie aus dem Jahr 2016 hin. Sie verglich, wie sich ein moderater Konsum, Abstinenz und starkes Trinken auf die Studienteilnehmer auswirkte. Dabei machten die beteiligten Forscher eine überraschende Entdeckung: Bei gesunden Erwachsenen kann Bier sogar die Lebenserwartung erhöhen.

Die schützende Wirkung vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen geht laut dieser Studie auf die antioxidative und Entzündungen hemmende Wirkung von Bier und Wein zurück. Sie fördert den Anstiegt des HDL-Cholesterins im Blut, vermindert die Verklumpung von Blutplättchen (Thrombozytenaggregation) und lässt Fibrinogen absinken, was die Wahrscheinlichkeit eines Blutgerinnsels verringern. Schützende Faktoren für das Herz-Kreislauf-System sind laut den Wissenschaftlern – bei Bier und Wein – der enthaltene Alkohol (Ethanol) selbst und die Polyphenole.

Blutgerinnung bei Verletzung einer Arterie.
Blutgerinnung bei Verletzung einer Arterie. (Quelle: stock&people/imago-bilder)

Fibrinogen und Thrombozytenaggregation: Die Blutgerinnung

Die Blutgerinnung dient dazu, eine Blutung zu stillen und Wunden zu verschließem. Sie verläuft in verschiedenen Phasen und benötigt mehrere Gerinnungsfaktoren. Zu diesen Gerinnungsfaktoren gehört das Fibrinogen. Dieses Protein bildet bei einer Verletzung eine netzartige Struktur aus, das Fibrinnetz, in dem sich die roten Blutplättchen (Thrombozyten) verfangen. Das daraufhin gebildete Blutgerinnsel führt zum Verschluss der Wunde. Wenn sich im Blutkreislauf ohne Verletzung ein Blutgerinnsel bildet, kann dieses Gefäße verstopfen und zu einer Thrombose oder Herzinfarkt führen.

Dass es nicht nur am Alkohol selbst liegen kann, wird von einer weiteren Beobachtung der Studie gestützt: Der schützende Effekt war bei vergleichbaren Mengen Alkohol aus starken Spirituosen wesentlich geringer als bei Bier und Wein. Spirituosen wie Schnaps enthalten sehr niedrige Konzentration an Polyphenolen.

Bier schützt vor Krebs

Auch eine Studie aus dem Jahr 2020 benannte die antioxidativen Eigenschaften von Bier als den wahrscheinlichsten Auslösen für seine gesundheitsfördernde Wirkung. Sie konzentrierte sich auf zwei natürliche Inhaltsstoffe in Bier: die Polyphenole und Melanoidine.

Polyphenole können über ihr antioxidative Wirkung das Erbgut (DNA) von Zellen vor Schäden durch sogenannte freie Radikale schützen – und dadurch die Entstehungswahrscheinlichkeit von Krebs verringern. Denn: Krebszellen entstehen meist aus Zellen mit beschädigtem Erbgut. Die Veränderung des Erbguts hat zur Folge, dass sich die Zellen krankhaft verändern und oft unkontrolliert teilen. Dadurch kann sich Krebs entwickeln.

Einige Polyphenole, darunter auch die in Bier, können die Entstehung von Krebsformen wie Brustkrebs, Darmkrebs, Prostatakrebs und Leukämie reduzieren. Melanoidine wirken ebenfalls antioxidativ. Sie entstehen vor allem durch das Erhitzen während der Bierherstellung und sind vor allem in dunklen Biersorten enthalten.

Freie Radikale und Antioxidantien

Frei Radikale sind sehr reaktive Verbindungen, die im Körper während des Stoffwechsels oder durch Entzündungen entstehen. Aber auch äußere Einflüsse wie UV-Strahlung, Zigarettenrauch oder Umweltgifte können die Entstehung begünstigen. Im Überschuss können freie Radikale Zellstrukturen wie die DNA zerstören. Antioxidantien wie bestimmte Vitamine oder Polyphenole können ebenfalls mit den freien Radikalen reagieren und diese inaktivieren. So können Antioxidantien die Körperzellen vor Schäden schützen.

Geringeres Diabetesrisiko durch moderaten Alkoholkonsum

Diabetes: Die Zuckerkrankheit beginnt oft schleichend.
Diabetes: Die Zuckerkrankheit beginnt oft schleichend. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Typ 2 Diabetes ist eine der häufigsten Zivilisationskrankheiten. Bereits 2005 hat ein niederländisches Forschungsteam in einer großangelegten Analyse die Auswirkung eines moderaten Alkoholkonsums auf Diabetes untersucht. Sie verglichen die Daten von mehr als 360.000 Menschen, die über zwölf Jahre beobachtet wurden.

Das Ergebnis: Ein Moderater Alkoholkonsum von sechs bis 48 Gramm am Tag scheint das Diabetesrisiko um etwa 30 Prozent zu reduzieren. Die Beziehung zwischen Alkoholkonsum und Diabetesrisiko beschreibt eine U-Form. Das heißt: Menschen, die keinen Alkohol trinken oder aber sehr viel, haben ein höheres Risiko an Typ 2 Diabetes zu erkranken, als Menschen mit einem moderaten Alkoholkonsum.

Diese und eine weitere Studie mit 109 Diabetes-Patienten fanden heraus, dass ein moderater täglicher Alkoholkonsum die Insulinempfindlichkeit bei Nicht-Diabetikern erhöht und den Nüchtern-Blutzuckerspiegel bei Diabetikern senkt.

Moderater Alkoholkonsum senkt Demenzrisiko

Auch das Risiko an Demenz zu erkranken, kann durch den Alkoholkonsum beeinflusst werden, wie eine aktuelle Vergleichsstudie nahelegt. Dass Abstinenz bei älteren Menschen das Demenzrisiko tatsächlich erhöht, ist jedoch umstritten. Denn andere Studien fanden genau das Gegenteil heraus. Zudem gilt der toxische Effekt von Alkohol auf das Gehirn als sicher bewiesen.

Die Vermutung der Wissenschaftler: Sowohl ein Verzicht auf Alkohol, als auch ein starker Konsum können das Demenzrisiko steigern. Ein leichter bis moderater Alkoholkonsum scheint das Risiko zu senken. Warum das so ist, wissen die Forscher bisher nicht. Trotz des Ergebnisses raten die Verfasser der Studie derzeitigen Abstinenzlern nicht, mit dem Trinken von Alkohol zu beginnen.

Ein Bier für starke Knochen

Knochendichte: Eine geringe Knochendichte kann zu vermehrten Knochenbrüchen führen.
Mit dem Alter steigt das Risiko: Eine geringe Knochendichte kann zu vermehrten Knochenbrüchen führen. (Quelle: Christin Klose/dpa)

Dass Kalzium aus Milch gut für die Knochen ist, wissen viele Menschen. Aber auch Bier kann möglicherweise zu stärkeren Knochen verhelfen – besonders bei Männern und Frauen nach der Menopause. Aber: Alkohol ist nicht gleich Alkohol.

Eine Studie mit mehr als 2.500 Teilnehmern aus dem Jahr 2009 hat untersucht, ob Bier, Wein und Spirituosen gleichermaßen positiv auf die Knochendichte wirken. Das Ergebnis: Ein moderater Alkoholkonsum von 1-2 Gläsern Bier oder Wein hat einen größeren Effekt auf die Knochendichte als mit Spirituosen.

Das legt die Vermutung nahe, dass insbesondere das in Bier enthaltene Silizium an der Wirkung beteiligt zu sein scheint. Andere Faktoren müssen weiter untersucht werden.

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Einordnung der Forschungsergebnisse

Aber: Bei allen möglicherweise positiven Effekten eines moderaten Bierkonsums sollten Sie die gesundheitlichen Risiken von Alkohol nicht vergessen. Auch die Autoren der verschiedenen Studien raten nicht dazu, extra mit dem Trinken von Alkohol zu beginnen. Das Problem: Ein Schwellenwert, ab dem die schädliche Wirkung von Alkohol mögliche positive Effekte übertrifft, kann nicht mit Sicherheit angegeben werden, da immer auch mit individuell unterschiedlichen Risiken zu rechnen ist.

Als akzeptable Alkoholmenge wird zurzeit zehn Gramm Alkohol pro Tag für gesunde Frauen und 20 Gramm pro Tag für gesunde Männer angesehen. Dies sollte aber nicht als Empfehlung verstanden werden, täglich Alkohol zu trinken, mahnt auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Sie weist auf das starke Suchtpotenzial sowie das erhöhte Risiko für Krebserkrankungen und Leberschäden hin.

Alkohol und Krebs

Denn anders als bei einem leichten Bierkonsum, ist der starke Konsum insbesondere hochprozentiger Spirituosen mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden. Besonders häufig betroffen sind Mundhöhle, Speiseröhre, Rachen und Kehlkopf. Aber auch andere Organe wie der Dickdarm, die Leber und die Bauchspeicheldrüse können betroffen sein.

Alkohol und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Auch in Bezug auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen rät die DGE vom Alkoholkonsum ab, denn die negativen Effekte überwiegen die positiven. Zudem gäbe es andere Maßnahmen zur Prävention koronarer Herzkrankheiten, führt sie weiter aus. Allen voran eine gesunde Ernährung, viel Bewegung und der Verzicht auf das Rauchen.

Alkohol und Diabetes

Der ausgiebige Konsum von Bier, das heißt über 60 Gramm Alkohol pro Tag, kann das Risiko für Typ 2 Diabetes erhöhen. Denn: Die versteckten Kalorien begünstigen Fettanlagerungen um die Organe und können zur generellen Fettleibigkeit führen.

Alkohol und Demenz

Es muss gar nicht der Alkohol selbst sein, der das Demenzrisiko senkt. Das schreiben auch die Verfasser der oben genannten Studie. Dieser Effekt könnte auch zufällig auf jene Personen zutreffen, die täglich alkoholische Getränke zu sich nehmen. So haben Personen, die gelegentlich Alkohol trinken, beispielsweise auch häufiger ein reges Sozialleben. Und soziale Kontakte sind erwiesenermaßen wichtig für die Gesundheit. Weitere Untersuchungen zum Zusammenhand von Alkohol und Demenz müssen demnach noch folgen.

Alkohol und Knochendichte

Alkohol, insbesondere in größeren Mengen, führt dazu, dass verstärkt Calcium über die Nieren ausgeschieden wird und beschädigt den Darm. Ein kranker Darm kann dann auch nicht mehr genügend Calcium aufnehmen. Außerdem schädigt Alkohol die Leber und stört somit auch den Vitamin-D-Stoffwechsel. Beides, Calcium und Vitamin-D, sind essenzielle Stoffe für gesunde Knochen. Ein Mangel wirkt sich negativ auf die Knochengesundheit aus.

Alkohol enthält viele Kalorien

"Nicht zuletzt ist ernährungsphysiologisch die hohe Energiedichte von Alkohol von Bedeutung", führt die DGE aus. Mit sieben Kilokalorien pro Gramm ist der Energiegehalt von Alkohol fast so hoch wie der von Fett mit neun Kilokalorien pro Gramm. Bereits über ein kleines Bier (0,33 Liter) nehmen Sie so etwa 140 Kilokalorien auf. Zudem regt Alkohol den Appetit an und kann auch darüber zur Entstehung von Übergewicht beitragen.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Verwendete Quellen
  • sciencedirect.com: "Effects of moderate beer consumption on health and disease: A consensus document". (Stand: Juni 2016; englisch)
  • mdpi.com: Phenols and Melanoidins as Natural Antioxidants in Beer. Structure, Reactivity and Antioxidant Activity. (Stand: Februar 2020; englisch)
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