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Ja, die Redaktion hat fĂŒr diesen Ratgeberartikel alle relevanten Fakten recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

Stammt das Taurin in Energydrinks wirklich aus Stierhoden?

  • Sonja Eichert
Von Sonja Eichert

Aktualisiert am 02.06.2021Lesedauer: 5 Min.
Taurin kommt ĂŒblicherweise in zahlreichen Energydrinks vor.
Taurin kommt ĂŒblicherweise in zahlreichen Energydrinks vor. (Quelle: Reporters/imago-images-bilder)
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Taurin soll die Leistung steigern und bei Sportlern die Muskeln schĂŒtzen – behauptet die Werbung. Bisher ist die Substanz jedoch wenig erforscht. Zudem hĂ€lt sich ein Mythos ĂŒber die Herkunft von Taurin hartnĂ€ckig.

Das Wichtigste im Überblick


  • Was ist Taurin?
  • Wo kommt Taurin vor?
  • Wie wirkt Taurin?
  • Wie wird Taurin verwendet?
  • Welche Nebenwirkungen hat Taurin?
  • Ist Taurin gefĂ€hrlich?
  • Was passiert bei einem Taurinmangel?
  • Wie wird Taurin hergestellt?
  • Stammt Taurin wirklich aus Stierhoden?
  • Warum brauchen Katzen Taurin?

Energydrinks, NahrungsergĂ€nzungsmittel oder Katzenfutter: Immer wieder kann man dem Begriff "Taurin" begegnen. Der Substanz wird nachgesagt, die Leistung zu steigern, als Wachmacher zu wirken – und dass sie aus Stierhoden stammen soll. Bisher ist vergleichsweise wenig ĂŒber Taurin bekannt. Mit einigen Mythen kann dennoch aufgerĂ€umt werden.


So viel Koffein steckt in GetrÀnken

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Was ist Taurin?

Taurin kommt natĂŒrlicherweise im Körper vor. Es entsteht als Stoffwechselprodukt aus den AminosĂ€uren Cystein und Methionin. FĂ€lschlicherweise wird Taurin daher oft selbst als AminosĂ€ure bezeichnet. TatsĂ€chlich handelt es sich jedoch um eine AminosulfonsĂ€ure. Der korrekte chemische Name lautet 2-AminoethansulfonsĂ€ure oder ÎČ-AminoethansulfonsĂ€ure.

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Wo kommt Taurin vor?

Taurin wird durch den menschlichen Körper selbst in Gehirn und Leber hergestellt. Zudem nimmt der Mensch bei normaler ErnĂ€hrung zwischen 10 und 400 mg Taurin am Tag ĂŒber die Nahrung auf. Der Stoff kommt vor allem in Fisch, Fleisch und Milch vor. Muttermilch enthĂ€lt besonders viel Taurin.

Ansonsten wird Taurin kĂŒnstlich in Lebensmittellaboren hergestellt und zum Beispiel Energydrinks zugesetzt. Auch als NahrungsergĂ€nzungsmittel, als GetrĂ€nk, Kapseln oder Pulver ist es erhĂ€ltlich.

Wie wirkt Taurin?

Taurin ist fĂŒr den Körper wichtig. Der Stoff ist ein Bestandteil der GallensĂ€ure und als solcher an der Fettverdauung und der Aufnahme von Nahrungsfetten von Darm ins Blut beteiligt.

DarĂŒber hinaus wird ihm eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des Zentralen Nervensystems zugeschrieben, vor allem bei der Entwicklung des Gehirns und der Stabilisierung von Zellmembranen. Wissenschaftlich bewiesen ist dies bisher allerdings nicht. Zudem soll Taurin den Einstrom von Kalzium in die Herzmuskelzellen regulieren und so fĂŒr einen regelmĂ€ĂŸigen Herzschlag sorgen.

Ob eine zusĂ€tzliche Taurinaufnahme – zum Beispiel ĂŒber Energydrinks – zur Steigerung der körperlichen und geistigen LeistungsfĂ€higkeit beitrĂ€gt, ist ebenfalls wissenschaftlich nicht eindeutig erwiesen.

Wie wird Taurin verwendet?

Viele Energydrinks sind mit Taurin versetzt. Zusammen mit dem ebenfalls enthaltenen Koffein soll der Stoff als Fit- und Wachmacher wirken. Dieser Effekt ist Studien zufolge jedoch lediglich auf das Koffein zurĂŒckzufĂŒhren. Bei Sportlern wird die Substanz dafĂŒr angepriesen, zellschĂŒtzend in der Muskulatur zu wirken. Ein starker Effekt ist hier jedoch nicht belegt.

Als Arzneimittel kommt Taurin bei Neu- und FrĂŒhgeborenen zum Einsatz: FĂŒr sie ist der Stoff besonders wichtig. Es wird vermutet, dass Taurin beispielsweise fĂŒr die Bildung der Augennetzhaut (Retina) benötigt wird. Unter bestimmten UmstĂ€nden, zum Beispiel bei Infektionen, kann die Eigensynthese, also die Herstellung im Körper, aber nicht ausreichend sein. Bei einer kĂŒnstlichen ErnĂ€hrung von Neugeborenen per NĂ€hrstoffinfusion, parenterale ErnĂ€hrung genannt, sind die PrĂ€parate daher mit Taurin angereichert. Auch viele FrĂŒhgeborenen- und SĂ€uglingsmilchnahrungen enthalten den Stoff.

Zudem kann Taurin bei medizinischer Notwendigkeit als NahrungsergÀnzungsmittel eingenommen werden. Es wird vermutet, dass es einen positiven Effekt zum Beispiel bei bestimmten Augenerkrankungen und Herzproblemen haben könnte. Die Forschung steht hier jedoch erst am Anfang. Die Einnahme sollte unbedingt mit einem Arzt besprochen werden.

Welche Nebenwirkungen hat Taurin?

Die europĂ€ische Behörde fĂŒr Lebensmittelsicherheit efsa (European Food Safety Agency) spricht bis zu einer Menge von 1.000 Milligramm von keinen beobachtbaren Nebenwirkungen. Es muss somit vermutlich eine sehr hohe Dosis Taurin konsumiert werden, bis zu es Nebenwirkungen kommt. Studien zu Aufnahmemengen von ĂŒber 1.000 Milligramm existieren bisher jedoch nicht. Dennoch sind höhere Dosen laut Experten nicht zu empfehlen. Da die Ausscheidung ĂŒber den Urin erfolgt, sollten Menschen mit Nierenbeschwerden ebenfalls auf eine zusĂ€tzliche Aufnahme von Taurin verzichten.

Zudem können Energydrinks bei Kindern und Jugendlichen und in Kombination mit Sport, Alkohol und/oder Koffein gefÀhrliche Wirkungen haben. Hierbei ist die Rolle des Taurins jedoch nicht ausreichend erforscht.

Ist Taurin gefÀhrlich?

Das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung (BfR) warnt, dass in der Vergangenheit Komplikationen aufgetreten sind, wenn taurinhaltige Energydrinks zusammen mit Alkohol und vor, beim oder direkt nach dem Sport konsumiert wurden. Das BfR listet hierbei folgende Probleme auf:

  • FĂ€lle von Herzrhythmusstörungen
  • KrampfanfĂ€lle
  • Nierenversagen
  • TodesfĂ€lle

Ein direkter Zusammenhang mit dem enthaltenen Taurin konnte jedoch bisher nicht nachgewiesen werden.

FĂŒr Kinder und Jugendliche warnt das BfR generell vor Energydrinks. Hierbei ist nicht direkt das enthaltene Taurin gefĂ€hrlich, sondern die hohe Dosierung des Koffeins. Eine Auswertung verschiedener Studien durch das BfR ergab, dass der Konsum von mehr als einem Liter Energydrinks auf einmal bei einigen jungen Erwachsenen folgende Komplikationen verursachte:

  • Herzklopfen
  • Kurzatmigkeit
  • Muskelzittern
  • Übelkeit
  • AngstzustĂ€nde
  • NervositĂ€t
  • VerĂ€nderungen des Herzschlags

Daher stuft das Bundesamt Kinder und Jugendliche fĂŒr Energydrinks als Risikogruppe ein und fordert eine Ausweitung der AufklĂ€rung.

Was passiert bei einem Taurinmangel?

In Tierversuchen mit MĂ€usen zeigte sich, dass ein Taurinmangel zu einer Degeneration der Netzhaut im Auge bis zur Blindheit und zu Herz- und Muskelproblemen fĂŒhren kann. Zudem wird die Entgiftungsfunktion der Leber behindert, was zu einer hohen Ammonium-Konzentration bei den Tieren fĂŒhrte. Auch das Stresslevel der MĂ€use erhöhte sich. Ähnliche Auswirkungen sind auch beim Menschen zu erwarten.

Da der Mensch im Regelfall Taurin selbst im Körper produziert und ĂŒber die Nahrung aufnimmt, kommt es jedoch nur sehr selten zu einem Taurinmangel. Zu einem leichten Mangel kann es zum Beispiel bei einer jahrelangen veganen ErnĂ€hrung kommen, da Taurin vor allem in tierischen Lebensmitteln enthalten ist. Eine Zufuhr ĂŒber NahrungsergĂ€nzungsmittel sollte nur in Absprache mit einem Arzt erfolgen.

Wie wird Taurin hergestellt?

Die erste Herstellung von Taurin fand bereits im 19. Jahrhundert statt. Damals untersuchten die Chemiker Leopold Gmelin und Friedrich Tiedemann die VorgÀnge im Verdauungsprozess von Rindern. Den Wissenschaftlern gelang es 1827 erstmalig, die Substanz zu isolieren. Seit dem Jahre 1838 findet der Stoff genauere ErwÀhnung in der wissenschaftlichen Forschungsliteratur. Heute wird Taurin ohne tierische Bestandteile im Labor synthetisch hergestellt.

Stammt Taurin wirklich aus Stierhoden?

Die Entdecker des Stoffs entnahmen im 19. Jahrhundert das Taurin aus der GallenflĂŒssigkeit eines Ochsen. Dies ist der einfache Grund, weshalb die Substanz heute als "Taurin" bekannt ist. Im Griechischen ist "tauros" der Name fĂŒr den Stier. Dass Taurin aus Stierhoden oder Stierurin gewonnen wird, ist somit nur ein Mythos.

Warum brauchen Katzen Taurin?

Ähnlich wie fĂŒr den Menschen ist auch fĂŒr Katzen Taurin essentiell fĂŒr einen gesunden Stoffwechsel. Anders als Menschen oder zum Beispiel Hunde können Katzen jedoch nur sehr geringe Mengen Taurin selbst herstellen. Zudem schĂŒtten sie einen großen Teil des aufgenommenen Taurins ĂŒber die Verdauung wieder aus. Bei den Stubentigern kann es bei einem Taurinmangel zu Problemen wie einer Netzhautdegeneration kommen. HĂ€ufig wird die Ursache jedoch erst spĂ€t erkannt.

Das Problem: In stark verarbeitetem und erhitzten oder qualitativ minderwertigem Katzenfutter ist teils nicht genug Taurin enthalten, um den Bedarf der Tiere ĂŒber die Nahrung zu decken. Rohes Fleisch hingegen enthĂ€lt große Mengen Taurin, wird aber kaum verfĂŒttert. Viele Hersteller setzen jedoch ihrem Futter zusĂ€tzlich Taurin hinzu. Außerdem sind auch fĂŒr Katzen mittlerweile entsprechende NahrungsergĂ€nzungsmittel erhĂ€ltlich.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Von Jennifer Buchholz
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