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Immunsystem: Aufbau, Funktion und Bedeutung

Wie unsere Abwehrkräfte funktionieren  

Immunsystem: Aufbau, Funktion und Bedeutung

08.07.2021, 07:15 Uhr
Immunsystem: Aufbau, Funktion und Bedeutung. 3-D-Illustration einer Abwehrreaktion des Immunsystems: Krebszellen (blau) werden von T-Zellen (rot) angegriffen. (Quelle: Getty Images/ Meletios Verras)

3-D-Illustration einer Abwehrreaktion des Immunsystems: Krebszellen (blau) werden von T-Zellen (rot) angegriffen. (Quelle: Meletios Verras/Getty Images)

Ohne das Immunsystem wäre der Körper hilflos gegen Krankheitserreger ausgeliefert. Doch die Körperabwehr ist nicht fehlerfrei. Lesen Sie hier, welche Faktoren entscheidend sind, damit das Immunsystem als Schutzschild funktioniert und wie wir unsere Abwehrkräfte stärken können. 

Manche Menschen sind anfälliger für Infekte als andere. Schuld daran ist in den meisten Fällen ein schwaches Immunsystem. Nur wenn es richtig funktioniert, ist der Körper gegen Viren, Bakterien und Schadstoffe gewappnet. Die Abwehr findet auf unterschiedlichen Ebenen im Körper statt. So werden bereits in Nase und Mund bestimmte Krankheitserreger durch Flimmerhärchen, Schleimhäute und Speichel abgefangen. Dringen sie dennoch weiter in den Körper ein, treten spezialisierte Abwehrzellen in Aktion, um die Erreger auszuschalten.

Definition: Was ist das Immunsystem?

Das Immunsystem ist das biologische Abwehrsystem des Körper. Es schützt den Körper vor Krankheitserregern, Schadstoffen und krankmachenden Zellveränderungen. Das Immunsystem umfasst verschiedene Organe und Zellarten. Diese besitzen angeborene Fähigkeiten zur Abwehr von Erregern oder entwickeln durch Lernfähigkeit eine Immunität. Dies ist beispielsweise beim Impfen der Fall. Hier wird durch das Spritzen unschädlich gemachter Antigene eine Immunität erreicht.

Wie ist das Immunsystem aufgebaut? 

Das Immunsystem ist ein komplexes Netzwerk aus verschiedenen Komponenten, die miteinander kommunizieren und zusammenspielen. Hierzu gehören Gefäßsysteme wie die Lymphbahnen, spezielle Zellen und Eiweißstoffe, das Blut, die Haut sowie die Organe des lymphatischen Systems (lymphatische Organe).

Das lymphatische System und seine Organe

Das lymphatische System ist ein komplexes Netzwerk von Zellen, Geweben und Regulationsmechanismen. Es besteht aus mehreren Organen und ist über den ganzen Körper verteilt. Es steht in engem Zusammenhang mit dem körpereigenen Abwehrsystem (Immunsystem) und dem Blut bildenden System im Knochenmark.

Anatomische Darstellung: Der gesamte Körper ist von einem System aus  Lymphbahnen durchzogen. In bestimmten Stationen des Lymphsystems, den Lymphknoten, werden Krankheitserreger herausgefiltert. (Quelle: Getty Images/myboxpra)Anatomische Darstellung: Der gesamte Körper ist von einem System aus Lymphbahnen durchzogen. In bestimmten Stationen des Lymphsystems, den Lymphknoten, werden Krankheitserreger herausgefiltert. (Quelle: myboxpra/Getty Images)

Neben dem Blut und der Haut sind die lymphatischen Organe wichtige Bestandteile des Immunsystems. Zu ihnen gehören:  

  • das Knochenmark
  • die Milz
  • die lymphatischen Gewebe 
  • die Thymusdrüse
  • die Mandeln
  • die Schleimhäute in Darm, in Atem- und Harnwegen sowie die Vaginalschleimhaut
  • die Lymphknoten

Die Lymphknoten befinden sich an zahlreichen Stellen des Körpers – beispielsweise in der Achselhöhle, in der Leiste oder im Becken. Sie filtern das Gewebswasser (Lymphe) einer Körperregion und produzieren Zellen, die Infektionen im Körper bekämpfen.

Barrierefunktion von Haut und Schleimhäuten

Die Funktion von Haut und Schleimhäuten besteht darin, den Körper vor Eindringlingen wie Viren, Bakterien und Pilzen zu schützen und abzuschirmen. Unterstützend wirken dabei folgende Mechanismen: 

  • bakterienhemmende Substanzen in Speichel, Urin oder Tränenflüssigkeit machen Erreger unschädlich.
  • Schleim und Flimmerhärchen in der Nase verhindern, dass eingeatmete Schadstoffe in den Körper wandern und wieder nach nach außen transportiert werden.
  • Magensäure zerstört krankheitserregende Bakterien und Keime, die über die Nahrung in den Körper gelangen. 
  • Mikroorganismen in Haut und Darmflora wehren Krankheitserreger ab.
  • Reflexe wie Husten und Niesen bewirken, dass Erreger den Körper verlassen. 

Wie funktioniert das Immunsystem?

Das Immunsystem tritt in Aktion, wenn der Organismus in Kontakt mit körperfremden Stoffen und Substanzen, den sogenannten Antigenen, kommt. Docken die Antigene an spezielle Rezeptoren von Abwehrzellen an, setzt das zahlreiche Zellprozesse in Gang. Bei einem Erstkontakt mit dem Erreger werden entsprechende Informationen gespeichert. Das hat den Vorteil, dass diese bei erneuten Kontakten sofort wieder abgerufen werden können und das Abwehrsystem schneller reagiert. 

Angeborenes und erworbenes Immunsystem

Das Immunsystem wird unterteilt in das angeborene (unspezifische) und das erworbene (spezifische) Immunsystem. Beide sind eng miteinander verbunden und ergänzen sich in ihrer Funktionsweise.

Das angeborene (unspezifische) Immunsystem
Aufgabe des angeborenen (unspezifischen) Immunsystems ist es, Erreger abzuwehren. Es verhindert, dass diese über die Haut, die Atmung oder das Verdauungssystem in den Körper gelangen. Das angeborene Immunsystem ist lern- und anpassungsfähig. So kann der Körper Erreger bekämpfen, die sich im Laufe der Zeit verändern.

Das erworbene (spezifische) Immunsystem
Wenn es dem angeborenen Immunsystem nicht gelingt, die von außen eindringenden Erreger abzuwehren, wird das erworbene (spezifische) Immunsystem aktiv. Sein Prinzip beruht darauf, dass der Körper beim Erstkontakt mit einem Krankheitserreger Antikörper entwickelt und lernt, diese zu erkennen. Es bildet sich ein sogenanntes Immungedächtnis und bekannte Krankheitserregern können effektiv bekämpft werden. Die Voraussetzung dafür ist, dass das Immunsystem zwischen körpereigenen und körperfremden Strukturen unterscheiden kann. Das passiert aber nicht sofort, sondern ist ein langjähriger Prozess, der beim Menschen in den ersten Lebensjahren unter anderem im Thymus stattfindet: Dort werden bestimmte Immunzellen "aussortiert", bei denen die Gefahr besteht, dass sie körpereigenes Gewebe angreifen. Daher erkranken wir an manchen Kinderkrankheiten nur ein Mal im Leben.

3-D-Grafik der Thymusdrüse. Das kleine Organ hinter dem Brustbein dient dem Immunsystem in jungen Lebensjahren als "Trainingslager". (Quelle: Getty Images/ Nerthuz)3-D-Grafik der Thymusdrüse. Das kleine Organ hinter dem Brustbein dient dem Immunsystem in jungen Lebensjahren als "Trainingslager". (Quelle: Nerthuz/Getty Images)

Welche Aufgabe haben die B- und T-Lymphozyten?

Die Zellen des lymphatischen Systems nennt man Lymphozyten. Als Untergruppe der weißen Blutkörperchen durchwandern sie die Blut- und Lymphbahnen, um Krankheitserreger zu erkennen und zu beseitigen. Lymphozyten werden im Knochenmark produziert und entwickeln sich aus einer gemeinsamen "Mutterzelle" (Stammzelle).

Grundsätzlich lassen sich zwei Gruppen unterscheiden: B-Lymphozyten und T-Lymphozyten, die auch als B- und T-Zellen bezeichnet werden. In der Immunabwehr erfüllen beide Zelltypen unterschiedliche Funktionen:

  • B-Lymphozyten: Sie reifen im Knochenmark zu funktionstüchtigen Abwehrzellen heran, wandern anschließend in die lymphatischen Gewebe und produzieren Antikörper, also Eiweißmoleküle, die sich an Krankheitserreger anhängen und diese damit als "Feinde" für sogenannte Fresszellen (Makrophagen) oder bestimmte T-Lymphozyten (Killerzellen) erkennbar machen.
  • T-Lymphozyten: Ihre Reifung erfolgt in der Thymusdrüse. Zu ihnen gehören zum einen die sogenannten "Killerzellen", die von Erregern befallene Körperzellen zerstören. Daneben gibt es auch T-Lymphozyten, die den Einsatz von Abwehrzellen steuern.

Grafische Darstellung der Abwehrzellen im Blut. T-Lymphozyten (gelb) sind ein wichtiger Teil des erworbenen Immunsystems. Sie sind verantwortlich für den Langzeitschutz vor Infektionen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)Grafische Darstellung der Abwehrzellen im Blut. T-Lymphozyten (gelb) sind ein wichtiger Teil des erworbenen Immunsystems. Sie sind verantwortlich für den Langzeitschutz vor Infektionen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Was schwächt das Immunsystem? 

Ist das Immunsystem geschädigt, steigt die Gefahr gefährlicher Infektionen. Eine Ursache hierfür können genetisch bedingte Immundefekte sein. So gibt es Menschen, die kaum funktionierende T-Zellen besitzen und andere, bei denen die Bildung von Antikörpern nicht ausreichend funktioniert. Viele angeborene Immundefekte sind schwere Erkrankungen, allerdings kommen sie relativ selten vor. 

Bei den meisten Menschen liegt nicht von Geburt an eine Immunschwäche vor. Defizite treten meist erst im Laufe des Lebens, bedingt durch Alter, schwere Erkrankungen oder Lebensstil auf. Die häufigsten Gründe für geschwächte Abwehrkräfte sind:

  • hohes Lebensalter
  • Genussmittel (Rauchen und Alkohol)
  • Schlafmangel
  • Stress
  • ungesunde Ernährung
  • zu wenig Bewegung
  • Infekte und Entzündungen
  • chronische Krankheiten (Diabetes, HIV etc.)
  • Krebserkrankungen
  • Autoimmunerkrankungen
  • Medikamente (zum Beispiel Immunsuppressiva), Chemotherapie und Bestrahlung

Ist das Immunsystem geschwächt, ist der Körper anfälliger für Infektionen und Krankheiten. Darüber hinaus zeigen sich häufig Symptome wie Müdigkeit, allergische Reaktionen (besonders an der Haut), Haarausfall und ein verlängerter Heilungsprozess bei Krankheiten.

Wie lässt sich das Immunsystem stärken?

Eine abwechslungsreiche, ausgewogene Ernährung, die reich an Vitaminen und Ballaststoffen ist, versorgt den Körper mit wichtigen Nährstoffen und stärkt die Abwehrkräfte. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine Vielfalt von Gemüse und Obst und auf Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Nüsse.

Verwenden Sie vornehmlich frische Zutaten und pflanzliche Öle. Studien deuten daraufhin, dass eine solche Ernährung entzündungshemmend sein könnte und so das Immunsystem unterstützt.

Einkaufstüte mit Obst, Gemüse und Eiern: Eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung stärkt das Immunsystem. (Quelle: Getty Images/ yulkapopkova)Einkaufstüte mit Obst, Gemüse und Eiern: Eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung stärkt das Immunsystem. (Quelle: yulkapopkova/Getty Images)

Für die reibungslose Funktion des Immunsystems sind insbesondere Vitamine wichtig. Für die ausreichende Versorgung mit Vitaminen empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst pro Tag.

Eine gesunde Ernährung hat auch positiven Einfluss auf die Darmflora, die ebenfalls einen starken Einfluss aufs Immunsystem hat. Gut für ein gesundes Mikrobiom im Darm sind vor allem Ballaststoffe aus Vollkornprodukten oder Gemüse, die den "guten" Darmbakterien als Nahrung dienen. Milchprodukte wie Joghurt mit reichlich lebenden Bakterien, sogenannte Probiotika, und fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut unterstützen ebenfalls die Darmflora.

Neben einer gesunden Ernährung kann auch unser Bewegungsverhalten die Abwehrkräfte positiv beeinflussen. Das bestätigen wissenschaftliche Studien. So regt regelmäßiger Sport die Produktion wichtiger Immunzellen und Botenstoffe an. Übertreiben sollte man beim Training jedoch nicht, denn eine Überanstrengung und der damit verbundene körperliche und psychische Stress können die Abwehrkräfte auch schwächen.

Was steckt hinter Autoimmunerkrankungen?

Bei manchen Menschen kommt es zu einer Fehlsteuerung des Immunsystems. Dabei greift ihr Körper die eigenen Zellen und Organe an. Daraus resultieren unterschiedliche Krankheitserscheinungen, die unter dem Sammelbegriff Autoimmunerkrankungen zusammengefasst werden. Hierzu gehören unter anderem Typ-1-Diabetes, Multiple Sklerose, Schuppenflechte (Psoriasis), Lupus erythematodes und Rheuma.

Wo die Ursachen der Autoimmunerkrankungen liegen, ist wissenschaftlich noch nicht geklärt. Allerdings weiß man, dass in vielen Fällen eine genetische Veranlagung vorliegt. Auffallend ist auch, dass Frauen deutlich häufiger betroffen sind als Männer.

Wie funktioniert das Immunsystem bei Kindern?

Im Vergleich zu Erwachsenen ist das Immunsystem bei Kindern noch nicht ausgereift. Indem es immer wieder auf neue Krankheitserreger trifft, die es noch nicht kennt, entwickelt es sich weiter und wird stärker im Laufe der Zeit. Eltern sollten daher nicht beunruhigt sein, wenn sich beispielsweise Kita-Kinder häufig Infekte einfangen. Die Krankheiten helfen dem jungen Immunsystem dazuzulernen und ein Immungedächtnis auszubilden.

Dennoch können Eltern eine ganze Menge tun, um die natürlichen Abwehrkräfte ihres Nachwuchses zu stärken. Hierzu gehört vor allem eine gesunde, ausgewogene Ernährung. Viel frisches Obst und Gemüse, hingegen wenig Süßes und Fettiges sollten daher auf dem täglichen Speiseplan stehen. Wichtig ist auch, dass sich Kinder viel an der frischen Luft bewegen – mindestens ein bis zwei Stunden am Tag.

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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