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Das kann hinter Schmerzen im Bein stecken

t-online, dpa-tmn, Martin Faber

Aktualisiert am 22.10.2021Lesedauer: 4 Min.
Schmerzen im Bein: Die Ursachen sind vielfÀltig.
Schmerzen im Bein: Die Ursachen sind vielfÀltig. (Quelle: stefanamer/getty-images-bilder)
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Es kribbelt und zwickt, das Bein fĂŒhlt sich schwer an oder ist sogar geschwollen? Diese Symptome sollten Sie ernst nehmen. Denn Beinschmerzen können auf ernste Probleme hindeuten.

Das Wichtigste im Überblick


Beinschmerzen: Mögliche Ursachen

Die Ursachen fĂŒr Beinschmerzen können vielfĂ€ltig sein, denn die Beine sind mit mehreren Gelenken verbunden und von zahlreichen Nerven, Muskeln, Sehnen und BlutgefĂ€ĂŸen durchzogen. HĂ€ufige Auslöser fĂŒr Schmerzen in den Beinen sind Verletzungen der Muskeln oder Knochen.

Aber auch Durchblutungsstörungen können auftreten und Schmerzen verursachen. "Die Arterien an den Beinen sind im Vergleich zu denen am Herz und Hals viel lĂ€nger, so dass sich hier mehr Ablagerungen ansetzen können", erklĂ€rt Professor Hermann Josef Steinkamp vom GefĂ€ĂŸzentrum Angioclinic in Berlin.

Allerdings liegen die Ursachen fĂŒr Beinschmerzen nicht immer in den Beinen. Sind Nerven im RĂŒcken eingeklemmt, zum Beispiel aufgrund eines Bandscheibenvorfalls oder einer Spinalkanalstenose (Verengung des Wirbelkanals), können die Schmerzen bis in die Beine ausstrahlen.

Ursachen fĂŒr Beinschmerzen im Überblick:

  • Verletzungen (KnochenbrĂŒche, Verstauchungen, BĂ€nderriss, Muskelfaserriss, Muskelzerrung)
  • MuskelkrĂ€mpfe, Muskelkater
  • Durchblutungsstörungen (Arteriosklerose, PAVK, Thrombose, Embolien)
  • Krampfadern
  • Gelenkverschleiß (Arthritis, Arthrose)
  • EntzĂŒndungen (SchleimbeutelentzĂŒndung, SehnenscheidenentzĂŒndung, KnochenhautentzĂŒndung)
  • Osteoporose
  • Bandscheibenvorfall
  • Tumorerkrankung (Knochenkrebs)
  • neurologische Erkrankungen (Spinalkanalstenose, Polyneuropathie)
  • Fehlstellungen der FĂŒĂŸe oder Beine
  • Restless-Legs-Syndrom

Diagnose und Behandlung: Was tun bei Beinschmerzen?

Fast immer ist bei Beinschmerzen eine Untersuchung beim Arzt notwendig. Nur bei harmlosen Ursachen wie Muskelkater oder einem Muskelkrampf, die durch eine kurzzeitige Überlastung auftreten, verschwinden die Schmerzen von allein wieder. In diesem Fall können Maßnahmen, wie WĂ€rmeanwendungen oder leichte Bewegung, helfen, die Beschwerden zu lindern.

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Beinschmerzen infolge einer Verletzung benötigen meist lĂ€nger Zeit zum Heilen. KnochenbrĂŒche kann der Arzt je nach Art der Fraktur konservativ mit einem Gips oder eine Schiene oder operativ behandeln. Bei Muskelverletzungen sind in erster Linie Ruhe und Schonung ratsam. Hier kann der Arzt den Heilungsprozess durch einen Kompressionsverband unterstĂŒtzen und schmerzstillende Salben oder Medikamente verschreiben.

Treten die Beinschmerzen ohne Anlass auf, verschwinden auch nach mehreren Tagen nicht und kommen weitere Symptome, wie Schwellungen oder BlutergĂŒsse hinzu, ist ein Arztbesuch unvermeidlich, um die Ursache zu klĂ€ren.

FĂŒr eine genaue Diagnose, ist es fĂŒr den Arzt wichtig zu wissen,

  • wo genau die Schmerzen auftreten,
  • wie sie sich anfĂŒhlen (Ist es ein Kribbeln, Brennen, Stechen, Ziehen?),
  • ob sie nur bei Belastung oder auch im Ruhezustand auftreten,
  • seit wann die Schmerzen bestehen und
  • ob es einen auslösenden Moment gab und
  • welche anderen Beschwerden auftreten.

Die Therapie richtet sich dann nach der jeweiligen Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung. Allgemein reicht die Behandlung von Beinschmerzen von Maßnahmen, wie ErnĂ€hrungsumstellung, Physiotherapie und Medikamenten, bis hin zum operativen Eingriff.

Untersuchung: Dauern Beinschmerzen lÀnger an, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.
Untersuchung: Dauern Beinschmerzen lÀnger an, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. (Quelle: gilaxia/getty-images-bilder)

Ursache Durchblutungsstörung: Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK)

"Bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) verengen sich die Becken-, Oberschenkel- und Unterschenkelarterien durch Ablagerungen, so dass die Beinmuskeln schlechter durchblutet werden und weniger Sauerstoff erhalten", sagt Steinkamp. Betroffene merken die Arterienverengung vor allem beim Gehen. "Oft bekommen sie bereits nach weniger als 200 Metern so starke KrĂ€mpfe im GesĂ€ĂŸ, Oberschenkel oder in der Wade, dass sie nicht mehr weiterlaufen können."

Die Veranlagung zur PAVK wird vererbt. Die Beschwerden treten mit zunehmendem Alter auf. Laut der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Angiologie leiden etwa zehn Prozent der Deutschen zwischen 55 und 65 Jahren an einem Arterienverschluss im Becken-Bein-Bereich.

Behandlung: Ballonkatheter gegen Engstellen in den Arterien

Damit das Blut wieder ungehindert fließen kann, kommt oft ein Ballonkatheter zum Einsatz. "Über einen dĂŒnnen Draht schiebt der Arzt einen kleinen Ballon von der Leiste durch die Arterie bis zur Engstelle und blĂ€st ihn dort auf. Dadurch werden die Ablagerungen an die Arterienwand gedrĂŒckt, so dass das GefĂ€ĂŸ wieder frei ist", sagt Steinkamp.

Aber bei sehr festen Ablagerungen droht der Draht nicht mehr hindurchzukommen. Lange Zeit blieb dann nur die Amputation. Heute können solche VerschlĂŒsse mit energiereichem Laserlicht verdampft werden, erklĂ€rt Steinkamp. Das schone die GefĂ€ĂŸwĂ€nde und mindere das Risiko eines erneuten Verschlusses.

Ursache Spinalkanalstenose: Wenn die WirbelsÀule abgenutzt ist

Neben RĂŒckenschmerzen treten Kribbeln und TaubheitsgefĂŒhle in den Beinen auch bei der Spinalkanalstenose auf. Ursache sind hier aber keine Durchblutungsstörungen, sondern unter anderem die fortschreitende Abnutzung der WirbelsĂ€ule mit zunehmendem Alter.

"Der RĂŒckenmarkskanal im Bereich der LendenwirbelsĂ€ule verengt sich, so dass die Nerven des RĂŒckenmarks unter Druck geraten. Dabei wird der Fluss von Nerveninformationen gestört, was sich dann in Beinschmerzen Ă€ußert", sagt der OrthopĂ€de Nicolas Gumpert aus Frankfurt am Main.

Behandlung: Kortison gegen Spinalkanalstenose

In der Regel wird eine Spinalkanalstenose zunĂ€chst mit Medikamenten behandelt. "Zwar erweitern sie den RĂŒckenmarkskanal nicht, aber sie reduzieren Wasser und ReizzustĂ€nde an der Engstelle und entlasten dadurch das RĂŒckenmark", sagt Gumpert. HĂ€ufig werden entzĂŒndungshemmende Kortisone gezielt in die Engstelle im Wirbelkanal gespritzt. Die medikamentöse Behandlung wird oft von einer speziellen Physiotherapie begleitet.

Thrombose: Verstopfte Beinvenen können lebensbedrohlich werden.
Thrombose: Verstopfte Beinvenen können lebensbedrohlich werden. (Quelle: Christoph Burgstedt/getty-images-bilder)

Ursache Thrombose: Lungenembolie droht

Neben Arterien und der WirbelsĂ€ule fĂŒhren oft auch die Venen zu Beinbeschwerden: Und zwar in Form einer Thrombose in den tiefen Venen. "Ein Blutgerinnsel behindert dabei den BlutrĂŒckstrom vom Fuß ĂŒber das Knie und die Leiste bis zum Herzen", sagt Norbert Frings von der Capio Mosel-Eifel-Klinik fĂŒr Venenerkrankungen in Bad Bertrich. Das Bein schwillt an, wird schwer und ungewöhnlich warm. "Das Gerinnsel kann zunĂ€chst aber auch ohne Symptome bleiben."

Das ist tĂŒckisch, weil eine unbehandelte Beinvenenthrombose zu einer lebensbedrohlichen Lungenembolie fĂŒhren kann. "Ein StĂŒck des Gerinnsels kann sich lösen und in ein GefĂ€ĂŸ der Lunge gespĂŒlt werden, so dass akutes Herzversagen droht", sagt Frings. Bei Thrombose-Verdacht sollten Betroffene deshalb schnellstmöglich einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen.

Behandlung: Medikamente sollen Blutgerinnung hemmen

Behandelt wird in der Regel mit Medikamenten, die die Blutgerinnung hemmen. "ZunÀchst erhalten die Patienten in der Regel Infusionen oder Spritzen mit dem Wirkstoff Heparin, spÀter kommen sogenannte Cumarine in Tablettenform zum Einsatz", sagt Frings.

Daneben sollten Betroffene KompressionsstrĂŒmpfe tragen. "Sie ĂŒben einen abgestimmten Druck auf die Venen aus. Dadurch gehen die FlĂŒssigkeitseinlagerungen im Gewebe zurĂŒck, und der Blutfluss verbessert sich", erklĂ€rt Frings.

Außerdem sollte man sich regelmĂ€ĂŸig bewegen. "Gut sind Ausdauersportarten wie Schwimmen, Walking, Radfahren oder Wandern, ungĂŒnstig sind Sportarten wie Tennis oder Gewichtheben, die auf plötzliche Stopps setzen", sagt Frings. Gerade langes Sitzen sollten Betroffene vermeiden. "Auch im BĂŒro kann man versuchen, die Beine unter dem Schreibtisch hochzulegen und FĂŒĂŸe und Zehen immer wieder zu bewegen."

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Von Ann-Kathrin Landzettel
Von Nicole Sagener
SpinalkanalstenoseThrombose

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