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Blutverdünner verdünnen gar kein Blut


Medizin-Mythos aufgedeckt  

Blutverdünner verdünnen kein Blut

06.07.2016, 12:05 Uhr | Ann-Kathrin Landzettel, t-online.de

Blutverdünner verdünnen gar kein Blut . Blutverdünner: Gerinnungshemmende Medikamente schützen vor der Bildung von Blutgerinnseln. (Quelle: Getty Images/spawns)

Blutverdünner: Gerinnungshemmende Medikamente schützen vor der Bildung von Blutgerinnseln. (Quelle: spawns/Getty Images)

"Ich habe zu dickes Blut, deswegen hat mir mein Arzt Blutverdünner verschrieben": Besonders von Herzpatienten ist dieser Satz häufig zu hören. Doch es gibt weder dickes Blut noch verbessern die Medikamente dessen Fließeigenschaften. Aber wie schützen sie dann vor einem Herzinfarkt?

"Dickes Blut gibt es so nicht", sagt Professor Johann Bauersachs, Direktor an der Klinik für Kardiologie und Angiologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und Beiratsmitglied der Deutschen Herzstiftung. "Auch die sogenannten Blutverdünner haben nicht, wie viele denken, die Aufgabe, das Blut zu verdünnen und so die Fließeigenschaften zu verbessern."

Woraus setzt sich Blut zusammen? Um zu verstehen, wie die Medikamente wirken, muss man sich das Blut genauer anschauen. Es besteht zur Hälfte aus sogenanntem Blutplasma, das sich aus Wasser, Blutsalzen und Eiweißen zusammensetzt. Die andere Hälfte besteht aus roten und weißen Blutkörperchen sowie den Blutplättchen.

Wirkungsweise von Blutverdünnern

Laut dem Experten gibt es zwei Wirkungsweisen: Bei der Blutplättchenhemmung wird verhindert, dass die Blutplättchen zusammenkleben, sich an der Arterienwand zusammenballen und sogar das Blutgefäß verschließen. Hierfür setzen die Medikamente bei den Blutplättchen an.

Bei der Gerinnungshemmung hingegen geht es darum, zu verhindern, dass sich Gerinnsel im Blut bilden. "Die landläufig als Blutverdünner bezeichneten Medikamente verdünnen nicht das Blut, sondern reduzieren die Gerinnungsfähigkeit", erklärt Bauersachs. Gerinnungshemmer setzen hierfür am Blutplasma und den enthaltenen Eiweißstoffen an.

Aspirin bei Arteriosklerose

Wann welche Medikamente zum Einsatz kommen, ist abhängig vom Krankheitsbild des Patienten. Häufig greifen sogar beide Behandlungsansätze ineinander. Blutplättchenhemmer, darunter Aspirin mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure, werden vor allem Patienten mit Arteriosklerose – also bei verkalkten Blutgefäßen – verschrieben. Bei ihnen haben sich bereits Ablagerungen aus Fetten und Kalk an den Wänden der Arterien gebildet. Mediziner sprechen von Plaques.

Die Blutplättchenhemmer verhindern, dass sich die Arterien durch anhaftende Blutplättchen verschließen. Dadurch sinkt das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. "Hat ein Patient einen Herzinfarkt erlitten und nimmt anschließend Aspirin, um einem neuen Herzinfarkt vorzubeugen, sinkt dadurch sein Risiko um etwa die Hälfte", erklärt Bauersachs.

Gerinnungshemmer beugen Thrombose vor

Gerinnungshemmer hingegen kommen zum Einsatz, um das Thromboserisiko zu senken. Das ist beispielsweise dann wichtig, wenn sich der Patient nach einer Operation nur wenig oder gar nicht bewegen kann. "Patienten mit Vorhofflimmern bekommen ebenfalls Gerinnungshemmer verschrieben", erklärt der Herzexperte. "Durch den unregelmäßigen Herzrhythmus kann es passieren, dass das Blut nicht mehr ausreichend stark im Herzvorhof zirkuliert und sich ein Gerinnsel bildet, das irgendwann in den Kopf gespült wird. Ein Schlaganfall ist dann die Folge." 

Verwendete Quellen:
  • Deutsche Herzstiftung

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