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Panikattacken – was gegen Angst und Panikstörungen hilft

Attacken erkennen und loswerden  

Panikstörungen – was hilft, wenn Angst den Alltag beherrscht

08.12.2019, 08:47 Uhr | Ann-Kathrin Landzettel, t-online.de

Panikattacken – was gegen Angst und Panikstörungen hilft. Eine verzweifelte Frau: Panikattacken können jeden treffen und wirken auf die Betroffenen oft bedrohlich.  (Quelle: Getty Images/Tinnakorn Jorruang)

Eine verzweifelte Frau: Panikattacken können jeden treffen und wirken auf die Betroffenen oft bedrohlich. (Quelle: Tinnakorn Jorruang/Getty Images)

Bei einer Panikstörung leiden Betroffene unter wiederkehrenden Panikattacken. Häufig leiden sie unter schweren körperlichen und psychischen Symptomen – bis hin zu Todesangst. Diese Schritte können helfen.

Angst ist unangenehm, hat aber eine wichtige Funktion: Sie kann unser Leben retten. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn wir bei Herzschmerzen den Notarzt rufen oder in einer kritischen Situation die Flucht ergreifen. Ängste machen uns auf eine Gefahr aufmerksam.

In der heutigen Gesellschaft gibt es eher selten Situationen, die wirklich lebensgefährlich oder bedrohend sind. Trotzdem treten Angstgefühle im Alltag auf: in Form von Sorgen, eine Kündigung zu erhalten, sich bei der Präsentation zu blamieren oder den Partner zu verlieren.  Ängste kennt jeder und sie sind normal.

Wann wird Angst zum Problem?

Über ein normales Maß hinaus gehen Ängste, wenn sie immer wieder ohne ersichtlichen Grund plötzlich und mit starker Intensität auftreten. Psychologen sprechen dann von einer Angststörung beziehungsweise Angsterkrankung.

Laut den Berufsverbänden und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz gehören Angsterkrankungen neben Depressionen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Die Panikstörung ist eine Form der Angststörung und geht mit wiederkehrenden Panikattacken einher.

Wer hat Panikstörungen?

Schätzungen zufolge sind rund vier Prozent der weltweiten Bevölkerung im Laufe ihres Lebens von Panikstörungen betroffen – Frauen häufiger als Männer. Menschen, die generell sehr ängstlich sind, sind stärker gefährdet.

Meist zeigen sich die Symptome zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr zum ersten Mal. Mit Mitte 30 ist die Ausprägung oft am intensivsten. Nach dem 45. Lebensjahr lassen die Symptome häufig nach.

Auslöser einer Panikstörung sind unter anderem:

  • traumatische Kindheitserfahrungen
  • starke Belastungen im Erwachsenenalter wie der Tod eines Angehörigen
  • genetische Faktoren
  • eine gestörte Botenstoff-Aktivität in bestimmten Hirnregionen

Häufige Symptome von Panikattacken

Bei der Panikstörung treten wiederholt schwere Angstanfälle (Panikattacken) auf. Eine Panikattacke geht mit starken unkontrollierbaren körperlichen und psychischen Symptomen einher.

Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Herzklopfen und Herzrasen
  • Atemnot
  • Erstickungsgefühle
  • Engegefühl im Hals und in der Brust
  • Brustschmerz
  • Schwindel
  • Gefühl der Benommenheit
  • Unsicherheit
  • Ohnmachtsgefühl
  • Gefühl der Unwirklichkeit (Derealisation)
  • Entfremdungsgefühle (Depersonalisation)
  • weiche Knie
  • Schwitzen und Hitzewallungen
  • Zittern
  • Übelkeit
  • Angst vor Kontrollverlust
  • Furcht zu sterben
  • Angst, wahnsinnig zu werden

Eine Panikattacke dauert in der Regel mehrere Minuten an – manchmal auch länger. Wie häufig und wie ausgeprägt die Symptome einer Panikattacke sind und welche Beschwerden zusammen mit den starken Angstgefühlen auftreten, ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Die Panikattacke kann so stark sein, dass die Betroffenen Todesangst erleben oder eine lebensbedrohliche Erkrankung wie einen Herzinfarkt befürchten.

Panikattacke aus Angst vor der Angst

Bleibt die Panikstörung unbehandelt, kann sie sich im Laufe der Erkrankung verstärken. Die Betroffenen schränken sich immer weiter ein, um Panikattacken zu verhindern. Sie vermeiden bestimmte Situationen oder Plätze, gehen Menschen aus dem Weg und isolieren sich zunehmend. Darunter leidet die Lebensqualität. Die Angst vor der nächsten Panikattacke kann sogar so stark sein, dass sie eine solche auslöst. Mediziner sprechen hier von Erwartungsangst.

Die Betroffenen geraten immer tiefer in einen Sog aus Ängsten, vermindertem Selbstwertgefühl, Gefühlen des Ausgeliefertseins, Verlust von Vertrauen in sich und andere. Darunter leidet oft die Beziehung zu Familie und Partner, aber auch zu Freunden und Kollegen. Ein- und Durchschlafstörungen erschweren die Situation zusätzlich. Es besteht die Gefahr, dass Alkohol und andere Substanzen, etwa Beruhigungsmittel, zur Angstlinderung konsumiert werden.

Wann kommt die Panikattacke?

Wann eine Panikattacke auftritt, können die Patienten häufig nicht einschätzen. Es kann sein, dass sie entspannt auf dem Sofa sitzen und plötzlich beginnt das Herz zu rasen. Oftmals sind es sogenannte Trigger, welche die Panikattacke anstoßen. Bei manchen kann das der Aufzug sein, der Kontakt mit einem bestimmten Tier, Menschenansammlungen oder Situationen, die mit unangenehmen Empfindungen und Erfahrungen verknüpft sind. Stress und innere Anspannung begünstigen eine neue Attacke, ebenso Koffein, Alkohol und Nikotin, da diese anregend auf den Körper wirken.

Panikstörung kommt oft mit Platzangst

Laut den Berufsverbänden und Fachgesellschaften ist die Panikstörung in etwa zwei Drittel der Fälle mit Platzangst (Agoraphobie) verbunden. Dabei fürchten die Betroffenen bestimmte Situationen oder Orte und meiden diese. Meist sind es Orte, an denen es schwierig ist, einen Arzt zu holen oder Situationen, aus denen man befürchtet, nicht schnell genug herauszukommen oder peinliches Aufsehen zu erregen.

Panikstörungen behandeln: Was hilft bei einer Panikattacke?

Liegt der Verdacht auf eine Panikstörung vor, ist der Hausarzt die erste Anlaufstelle. Dieser überweist den Patienten zur Abklärung zu einem Therapeuten oder in eine psychosomatische Klinik. Stellen die Ärzte nach der Durchführung verschiedener Diagnosetests eine Panikstörung fest, empfehlen Mediziner zumeist eine kognitive Verhaltenstherapie.

Medikamente, meist aus der Gruppe der Antidepressiva wie Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) und Benzodiazepine, begleiten die Behandlung der Panikstörung und unterstützen die therapeutische Arbeit.

Ziel ist, das der Patient das Krankheitsbild kennenlernt und eigene psychische "Werkzeuge" entwickelt, mit denen er seine Ängste bewältigen kann. Ebenso lernt er Strategien, wie er eine Panikattacke abfedern und besser überstehen kann, beispielsweise mit Hilfe spezieller Atemübungen. Zudem schaut der Therapeut, welche ungelösten Konflikte hinter der Panikstörung liegen. Diese sind meist die Ursache der Ängste. Werden sie bearbeitet, kann der Patient seine Selbstbestimmung und Unabhängigkeit wieder zurückgewinnen.

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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