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Wie zuverlässig sind die Corona-Schnelltests?

  • Melanie Rannow
Von Melanie Rannow, Nicole Sagener

Aktualisiert am 09.12.2020Lesedauer: 3 Min.
Corona-Test: Antigen-Tests sollen das positive oder negative Ergebnis innerhalb von Minuten anzeigen. (Symbolbild)
Corona-Test: Antigen-Tests sollen das positive oder negative Ergebnis innerhalb von Minuten anzeigen. (Symbolbild) (Quelle: Mohd Zakir/Hindustan Times/getty-images-bilder)
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Antigen-Schnelltests sollen helfen, Corona-Infizierte schneller ausfindig zu machen. Zwar hat die neue Testmethode klare Vorteile – es gibt aber auch einen Haken.

Das Wichtigste im Überblick


Im Kampf gegen die Corona-Pandemie kommen immer öfter Schnelltests zum Einsatz. Im Corona-Hotspot Hildburghausen in Thüringen etwa, einem der Orte mit der höchsten Inzidenz, starteten am 1. Dezember Massenuntersuchungen. Erstmals in Deutschland können sich dort alle Kindergarten- und Schulkinder sowie ihre Erzieher auf das Virus testen lassen. Doch wie verlässlich sind die Schnelltests im Gegensatz zur herkömmlichen PCR-Methode?


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Point-of-Care-Antigen-Tests als Ergänzung der PCR

Die Schnelltests sind nicht als Ersatz des PCR-Tests gedacht, der weiterhin als "Goldstandard" bei den Testmethoden auf das Coronavirus SARS-CoV-2 gilt. Stattdessen sollen sie nach Plänen des Bundesgesundheitsministeriums die PCR-Testungen ergänzen. Im Oktober wurde deshalb die Nationale Teststrategie um Antigen-Tests erweitert.

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Die Idee dahinter: Insbesondere in Krankenhäusern oder Pflegeheimen könnten sie bei Personal, Besuchern und Patienten schnelle Ergebnisse liefern. Weil die Testung direkt vor Ort möglich ist, wird sie auch als Point-of-Care-Antigen-Test bezeichnet.

Wie funktioniert die Testmethode?

Die Testung funktioniert ähnlich simpel wie ein Schwangerschaftstest: Es wird ein Abstrich aus dem Mund- oder Nasen-Rachenraum durch medizinisches Fachpersonal durchgeführt. Anschließend wird die Probe auf einen Teststreifen aufgetragen. Nach einer gewissen Zeit ist dann das Ergebnis leicht ablesbar.

Abbildung eines Coronavirus SARS-CoV-2
Abbildung eines Coronavirus SARS-CoV-2 (Quelle: ALM/t-online)

Zum Vergleich: Bei den im Labor eingesetzten PCR-Tests wird die virale RNA nachgewiesen. Antikörper-Tests können Antikörper gegen das Coronavirus anzeigen, die zuvor an den Proteinen angedockt sind (siehe Grafik). Diese weisen nach, dass jemand eine Infektion überstanden hat.

Bei einem Antigen-Test hingegen werden künstlich hergestellte Antikörper genutzt, die an die Proteine andocken. Diese Reaktionen zwischen den im Testsystem vorhandenen Antikörpern und den Virusbestandteilen können sichtbar gemacht werden – aber nicht auf der RNA- sondern auf der Protein-Ebene. Das sogenannte Nucleocapsid-Protein ist ein Eiweiß, das die virale RNA des Coronavirus ummantelt.

Wo können Antigen-Tests eingesetzt werden?

Die Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) empfehlen Antigen-Tests, wenn das Ergebnis kurzfristig zugänglich gemacht werden muss. Einsatzgebiete für die Tests sind etwa Arztpraxen, Rettungsstellen, Kindergärten, Schulen sowie Senioren- und Pflegeheime.

Der Virologe Christian Drosten schlug im NDR-Podcast bereits Mitte September vor, diese Tests an den Eingangstüren von Seniorenwohnheimen durchzuführen. "Wir haben dann plötzlich doch die Möglichkeit, vielleicht unerträglichen Zuständen wie zum Beispiel, dass die Älteren gar nicht mehr besucht werden können, doch noch auf eine andere Art und Weise zu begegnen und damit umzugehen", sagte Drosten. Auch vor einem Familientreffen oder vor einer Veranstaltung sei der Schnelltest eine gute Idee.

Was sind Vorteile des Verfahrens?

Der größte Vorteil der Antigen-Tests ist ihre Zeitersparnis. Sie können nicht nur schneller durchgeführt werden als PCR-Tests, sondern liefern auch schnelle Ergebnisse. Einige Anbieter sprechen von einem Testergebnis in 15 Minuten.

Antigen-Tests könnten ALM zufolge auch die Labore entlasten, die weiterhin an ihren Kapazitätsgrenzen arbeiten. Denn sie sind vor Ort anzuwenden und bedürfen keiner tagelangen Diagnostik im Labor.

Schnelltest in Hildburghausen: Eine Mitarbeiterin des Deutschen Roten Kreuzes nimmt einen Abstrich bei Bürgermeister Tilo Kummer vor.
Schnelltest in Hildburghausen: Eine Mitarbeiterin des Deutschen Roten Kreuzes nimmt einen Abstrich bei Bürgermeister Tilo Kummer vor. (Quelle: Bodo Schackow//dpa-bilder)

Worin liegen die Schwierigkeiten?

Die Sensitivität der Antigen-Test ist etwas geringer als die der PCR-Methode. Das Robert Koch-Institut schreibt, dass ein negatives Ergebnis des Tests eine Infektion nicht ausschließe – besonders, wenn eine niedrige Viruslast vorliegt. Das kann zum Beispiel in einer frühen oder späten Phase der Infektion der Fall sein.

In der Phase, in der ein Patient besonders ansteckend ist, können die Schnelltests das Virus aber recht sicher erkennen. Wenn der Test also positiv ausfällt, ist die Testperson mit ziemlicher Sicherheit infiziert. Es gilt dennoch als wichtig, einen positiven Antigen-Test noch einmal durch einen PCR-Test zu bestätigen.

Wo bekomme ich einen Antigen-Schnelltest?

Die Schnelltests werden aktuell zwar in Apotheken verkauft, allerdings nur an Arztpraxen und Krankenhäuser. Sie sind bisher also nicht für Laien frei erhältlich.

Wenn Sie sich testen lassen wollen, sollten Sie sich an eine Arztpraxis wenden oder sich in einem Corona-Schnelltestzentrum anmelden. Letztere eröffnen in immer mehr Städten wie Berlin und Hannover. Die Kosten für den Schnelltest muss man selbst tragen. Sie liegen bei etwa 25 bis 50 Euro.

Können die Tests auch zu Hause genutzt werden?

Heimtests für Laien zu entwickeln oder zu verkaufen ist in Deutschland nicht erlaubt – anders als in den USA. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat einen Corona-Test für den Hausgebrauch zugelassen. Ein Arzt muss ihn allerdings verschreiben.

Die meisten Experten sehen den Privatgebrauch allerdings kritisch, da der Test nicht leicht handhabbar ist. So könnte ein schlechter Abstrich zu falschen Ergebnissen führen. In Deutschland dürfen Antigen-Tests deshalb bislang nur durch medizinisches Fachpersonal durchgeführt werden.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Von Christiane Braunsdorf
Christian DrostenCoronavirusDeutschland
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