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  • Corona-Chaos in Deutschland – Notruf der Intensivärzte: "Handelt endlich!"


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Ă„rzte appellieren: Warum ein kurzer, harter Lockdown nicht helfen wĂĽrde

  • Sandra Simonsen
Von Sandra Simonsen

Aktualisiert am 08.04.2021Lesedauer: 4 Min.
Covid-Intensivstation Uniklinik Dresden: Schon bald könnten die Krankenhäuser in Deutschland überlastet sein.
Covid-Intensivstation der Uniklinik Dresden: Schon bald könnten die Krankenhäuser in Deutschland überlastet sein. (Quelle: Max Stein/imago-images-bilder)
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Die Corona-Infektionszahlen steigen weiter und auch die Lage auf den Intensivstationen verschärft sich wieder. Mediziner fordern deshalb härtere Maßnahmen. Kanzlerin Merkel will das Infektionsschutzgesetz anpassen.

Das Wichtigste im Ăśberblick


Wegen der wieder stark wachsenden Belastung auf den Intensivstationen in Deutschland schlagen Fachleute Alarm: Sie bitten eindringlich darum, dass endlich etwas geschehen soll. Die dritte Corona-Welle sei sonst unaufhaltsam.


Diese Organe kann das Coronavirus schädigen

Covid-19 galt zunächst nur als Erkrankung der Atemwege und Lunge. Doch Untersuchungen konnten zeigen, dass sich das Coronavirus auch in anderen Organen ausbreiten kann.
Der SARS-CoV-2-Erreger befällt vor allem die unteren Atemwege. Betroffene mit einem mittleren oder schweren Verlauf entwickeln meist einen trockenen Husten, Atemnot und/oder sogar eine Lungenentzündung. Besonders vorgeschädigte Lungen – zum Beispiel durch Rauchen – scheinen anfällig für einen schweren Krankheitsverlauf zu sein.
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Gleichzeitig soll Bundeskanzlerin Angela Merkel laut "Bild" und "Spiegel" eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes erwägen, um Landkreise bei erhöhten Inzidenz- und R-Werten verpflichten zu können, die Corona-Maßnahmen zu verschärfen. Wie ernst ist die Lage aktuell auf den Intensivstationen? Was fordern Intensivärzte? Und was könnte ein schärferer Lockdown bewirken?

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Intensivmediziner: Appell an die Bundesregierung

"Liebe Entscheidungsträger, wie hoch sollen die Zahlen denn noch steigen, bevor Ihr reagieren wollt???", schrieb der wissenschaftliche Leiter des Divi-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, auf Twitter. Städte wie Bonn, Bremen und Köln hätten kaum noch freie Betten für den nächsten Herzinfarkt, Verkehrsunfall oder Covid-19-Patienten. Der Charité-Virologe Christian Drosten leitete den Text des Intensivmediziners am Donnerstag bei Twitter mit dem Kommentar "Dies ist ein Notruf" an seine mehr als 700.000 Follower weiter.

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Seit Mitte März steigt bundesweit die Zahl der Intensivpatienten mit Covid-19 wieder deutlich an. Derzeit sind es mehr als 4.400, zu Jahresbeginn waren es knapp 5.800. "Wenn das so weitergeht, werden wir in Kürze auch leider Gottes über 5.000 Covid-19 Patienten haben", sagt der ehemalige Divi-Präsident Uwe Janssens am Mittwoch den Sendern RTL/ntv. Ab einer Zahl von 5.000 bis 6.000 Intensivpatienten könne es sein, dass einige Krankenhäuser wieder auf den Notbetrieb umstellen müssten. Berlins Universitätsklinikum Charité kündigte am Donnerstag bereits an, ab kommender Woche wieder die Zahl planbarer Eingriffe zurückzufahren.

Als Nadelöhr bei der Versorgung gilt vor allem die Verfügbarkeit von Pflegepersonal. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), die die Belegungszahlen täglich herausgibt, warnt seit vielen Wochen vor den Folgen der hohen Corona-Infektionszahlen und forderte zuletzt einen harten Lockdown.

Was zeigt das Divi-Intensivregister an?

Regelmäßig wird in dem Register registriert, wie groß die freien und belegten Behandlungskapazitäten in der Intensivmedizin von etwa 1.300 Akutkrankenhäusern in Deutschland sind. Zusätzlich registriert die Divi die aktuellen Fallzahlen der Covid-19-Patienten auf der Intensivstation, um Engpässe in der intensivmedizinischen Versorgung schnell zu erkennen. In diesen Fällen können die Kliniken kooperieren und eventuell Patienten voneinander übernehmen.

Wie viele Betten gibt es aktuell?

Mittlerweile geben fast 1.300 Krankenhausstandorte in Deutschland ihre Daten an das Divi-Register. Insgesamt wurden bis heute (Stand: 8. April 2021) rund 24.000 Intensivbetten registriert. Hinzu kommen noch mehr als 2.700 Kinder-Intensivbetten. Von den Betten insgesamt sind aktuell 20.764 belegt, 3.104 Betten sind frei. Zusätzlich gibt es laut Divi-Register fast 10.500 Intensivbetten, die als "Notfallreserve" innerhalb von sieben Tagen zusätzlich aufstellbar wären.

Insgesamt konnte die Zahl der Intensivbetten laut der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) auf 40.000 und die der Beatmungsplätze auf 30.000 gesteigert werden. Zum Vergleich: Vor der Corona-Krise gab es in Deutschland bundesweit 28.000 Intensivbetten, davon 20.000 mit Beatmungsmöglichkeit. Diese waren durchschnittlich zu 70 bis 80 Prozent belegt. Bundesweit wurden bereits zu Beginn der Corona-Krise die Kapazitäten ausgebaut.

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Wie viele Covid-19-Patienten benötigen intensivmedizinische Behandlung?

Laut Divi-Intensivregister sind momentan (Stand: 8. April 2021) 4.439 Covid-Patienten auf Intensivstationen untergebracht, das sind fast 2.000 mehr als noch Mitte März. 2.478 dieser Patienten werden beatmet. Es benötigen somit rund 56 Prozent aller Corona-Patienten auf der Intensivstation eine künstliche Beatmung.

Insgesamt wurden seit FrĂĽhjahr 2020 mehr als 88.800 Menschen mit Covid-19 auf Intensivstationen in Deutschland behandelt.

Wie viele Intensivbetten sind aktuell noch frei?

Zur besseren Übersicht gibt es Karten, die die Verteilung der freien sowie der belegten Intensivbetten in Deutschland zeigen. Die aktuelle Karte zeigt, dass die meisten Intensivbetten momentan in Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz frei sind. In Bremen und Berlin hingegen sind nur noch rund 8 Prozent der Kapazitäten frei. Auch in Hessen, NRW und den meisten anderen Bundesländern sind rund 85 bis 90 Prozent der Kapazitäten bereits ausgeschöpft.

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Wie viele Intensivbetten sind von Corona-Patienten belegt?

Eine zweite Grafik zeigt zudem, welchen Anteil die Covid-19-Patienten an der Gesamtzahl der Intensivbetten haben. Hier wird deutlich, dass Bremen, Berlin, ThĂĽringen und Sachsen mit je mehr als 20 Prozent Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen das Register anfĂĽhren.

Die wenigsten Corona-Patienten auf Intensivstationen gibt es hingegen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und NRW, Rheinland-Pfalz sowie dem Saarland.

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Welchen Einfluss könnte ein verschärfter Lockdown auf die Zahl der Intensivpatienten haben?

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat bereits Ende März Modellrechnungen durchgeführt, die zeigen, wie sich die Zahlen der Corona-Patienten auf den Intensivstationen entwickeln könnten, wenn beispielsweise die Kontakte um 50 Prozent reduziert würden. Das RKI hat dabei nur die Auslastung der Intensivstationen durch Covid-19-Patienten berücksichtigt, deshalb werden niedrigere Kapazitäten angezeigt, als in den Gesamtzahlen des Divi-Registers.

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Das RKI kommt zu dem Schluss, dass es nur gelingen könne, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten, sobald Lockerungen erst vorsichtig ab Mai oder Juni eingeführt würden. Und dann auch nur sukzessive bis in den Spätsommer hinein. "Zum aktuellen Zeitpunkt kann nur durch eine möglichst frühe und umfassende Reduktion der seit März 2021 wieder gestiegenen Kontakte in der Bevölkerung eine Überlastung der Kapazitäten vermieden werden." Zudem wird noch untersucht, welche zusätzlichen Maßnahmen sinnvoll sein könnten.

GroĂźe Sorge um Pflegepersonal auf Intensivstationen

Ein wichtiger Aspekt neben den freien Intensivbetten ist das medizinische Personal, das die Patienten versorgen muss. Die Belastung für das Personal auf den Intensivstationen sei bis heute ohne Unterbrechung sehr hoch und steige nun wieder weiter. Es gelte, sich in den Sommer zu retten, sagte Karagiannidis, der selbst Arzt an einer Kölner Lungenklinik ist, bereits vor einigen Wochen. Positiv sei es, wenn umfangreich auf Corona getestet werde. So könnten wahrscheinlich rund 50 bis 60 Prozent der Infektionsfälle entdeckt werden.

Bereits Ende Januar warnte Intensivmediziner Felix Walcher: Die Beschäftigten hätten zwischen den beiden Lockdowns keine Verschnaufpause gehabt, da viele verschobene Operationen nachgeholt worden seien. Es drohten nun massive Ausfälle, so der Direktor der Klinik für Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Magdeburg.

"Das Pflegepersonal ist maximal belastet, die Menschen können einfach nicht mehr", sagte der Mediziner zu Jahresbeginn. "Sehr viele sind ausgebrannt, es gibt schon jetzt sehr viele Burn-out-Fälle und Rückzugserscheinungen. Wir Intensivmediziner haben Angst, dass in den kommenden Monaten viele das Handtuch werfen."

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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