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Neurodermitis: Das hilft gegen das lÀstige Jucken

Ann-Kathrin Landzettel

Aktualisiert am 12.11.2021Lesedauer: 3 Min.
Eine Frau kratzt sich am Unterarm: Juckreiz gehört zu den lÀstigen Symptomen einer Neurodermitis.
Juckreiz gehört zu den lÀstigen Symptomen einer Neurodermitis. (Quelle: Cavan Images/getty-images-bilder)
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Die Hautstellen sind blutig und trotzdem kratzen die Betroffenen weiter: FĂŒr Neurodermitis-Patienten ist das quĂ€lende Hautjucken eine große Belastung. Kernelement der Neurodermitis-Therapie ist daher die BekĂ€mpfung des Juckreizes.

Neurodermitis ist eine chronische Hautkrankheit, die in SchĂŒben auftritt. Diese werden von quĂ€lenden Juckattacken begleitet. Was dagegen wirklich hilft und bei welchen Hausmitteln Vorsicht geboten ist, erklĂ€rt die Diplom-Oecotrophologin und Neurodermitis-Trainerin Julia Kahle im GesprĂ€ch mit t-online.


FĂŒnf GrĂŒnde, warum Meersalz gut fĂŒr die Haut ist

Man holding salts in salt lake in Aksaray, Turkey
Frau kratzt sich am Arm: Hilfe bei Hautkrankheiten: Ein Salzwasserbad kann bei Neurodermitis oder eine Schuppenflechte Linderung schaffen. Der hohe Mineralstoff- und Salzgehalt wirken EntzĂŒndungen und Juckreiz entgegen, so dass sich die Haut wieder entspannen kann.
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t-online: Warum leiden Neurodermitis-Betroffene unter quÀlendem Juckreiz?

Julia Kahle: Bei der chronischen Hautkrankheit Neurodermitis kommen verschiedene Faktoren zusammen, die das Hautjucken verursachen. Zum einen ist die Haut aufgrund der gestörten Hautbarriere sehr trocken. Zum anderen treten begleitend oft HautentzĂŒndungen auf. Außerdem können durch das Kratzen zusĂ€tzliche Verletzungen der Haut entstehen, die eine bakterielle Infektion der Haut begĂŒnstigen können. Zudem verstĂ€rkt Kratzen den Juckreiz.

Welche Hautstellen sind besonders hÀufig betroffen?

Julia Kahle ist Diplom-Oecotrophologin und Neurodermitistrainerin des Deutschen Allergie- und Asthmabundes e. V. (DAAB). In ihren regelmĂ€ĂŸigen Trainings und Beratungen gibt sie Betroffenen Hilfe im Umgang mit der Hautkrankheit.

Die fĂŒr eine Neurodermitis typischen Hautrötungen, trockene Hautstellen, EntzĂŒndungen, Schuppungen und Ekzeme treten bei Babys meist im Gesicht und im Nacken auf. Bei Kleinkindern sind vor allem Handgelenke, Ellbogen und Kniebeugen betroffen. Jugendliche und Erwachsene zeigen die HautverĂ€nderungen besonders im Gesicht, im Nacken und Hals, im Brust- und Schulterbereich sowie an den Gelenkbeugen und HĂ€nden.

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Welche Therapie hilft gegen den Neurodermitis-Juckreiz?

Die Neurodermitis-Behandlung ist bei Erwachsenen und Kindern gleich. Einzig die Lichttherapie wird bei Kindern wegen der UV-Strahlenbelastung nicht eingesetzt. Der Schwerpunkt liegt vor allem auf einer guten Basistherapie. Die Haut braucht eine entsprechende Pflege, welche die fehlenden Fett- und Feuchthaltefaktoren in der Haut ausgleicht, sodass diese wieder geschmeidig wird. So lassen sich SchĂŒbe hinauszögern und abschwĂ€chen.

Falls die Ekzeme doch einmal stĂ€rker werden, kommen Cremes mit antientzĂŒndlichen Wirkstoffen ins Spiel. In schweren FĂ€llen kann bei Jugendlichen und Erwachsenen ein Biologikum gespritzt werden. Auch ein Immunsuppressivum steht fĂŒr die Behandlung Schwerstbetroffener zur VerfĂŒgung und seit Ende letzten Jahres erstmals auch ein sogenannter Janus-Kinase-Inhibitor.

Welche Hautpflege lindert bei Neurodermitis den Juckreiz?

Es kommt vor allem auf das richtige VerhĂ€ltnis von Fett und Feuchtigkeit in den Pflegeprodukten an. Hier mĂŒssen Betroffene oft eine ganze Weile experimentieren, bis sie die passende Pflege gefunden haben. Am besten geht das in Zusammenarbeit mit dem behandelnden Haut- oder Kinderarzt. Oft benötigen verschiedene Körperstellen zudem verschiedene PrĂ€parate. Auch kann sich der Hautzustand mit den Jahreszeiten Ă€ndern. Dann ist eine angepasste Hautpflege notwendig.

Der Kampf gegen den Juckreiz ist oft eine echte Herausforderung. Hinzu kommt, dass die Pflege zeitintensiv ist: Mindestens ein- bis zweimal tĂ€glich sollten Neurodermitis-Betroffene cremen. Das nervt bereits viele Erwachsene. Bei Kindern ist das Cremen ein noch grĂ¶ĂŸerer Aufwand. Gerade Kleinkinder haben oft nicht die Geduld. Zweimal in der Woche sollte zudem ein Ölbad genommen werden.

Welche Anti-Juckreiz-Wirkstoffe ergÀnzen die Pflege mit Feuchtigkeit und Fett?

Gegen Juckreiz und HautentzĂŒndungen hilft beispielsweise Zink. Ebenfalls juckreizstillend wirkt der Wirkstoff Polidocanol. Urea (HarnsĂ€ure) und Glycerin unterstĂŒtzen das Feuchthaltevermögen der Haut. FĂŒr entzĂŒndete Haut und die Kinderhaut ist Urea allerdings nicht geeignet, da es unangenehm brennen kann. Bei starken EntzĂŒndungsschĂŒben kann lokal aufgetragenes Kortison gegen die Hautreaktionen und den Juckreiz helfen.

Was halten Sie von Hausmitteln gegen Neurodermitis, die auf verschiedenen Internetplattformen empfohlen werden, etwa Kokosöl oder Apfelessig?

Bloß Finger weg von solchen vermeintlichen Neurodermitis-Hausmitteln. Diese schaden mehr als sie nutzen. Apfelessig brennt extrem auf gereizter und entzĂŒndeter Haut und bietet ĂŒberhaupt keinen Nutzen. Kokosöl und reine Öle im Allgemeinen ziehen kaum in die Haut ein. Unter der Fettschicht kann sich leicht ein WĂ€rmestau bilden, der den Juckreiz deutlich verstĂ€rkt.

Quark mag auf den ersten Blick zwar angenehm kĂŒhlend wirken, aber er muss wieder von der Haut gewaschen werden. Mit ihm gehen auch hauteigene Fette im Abfluss verloren. Quarkwickel und -umschlĂ€ge bei Kindern bergen zudem das Risiko, eine Kuhmilchallergie auszulösen. Generell ist von Selbstexperimenten bei Neurodermitiker-Haut eher abzuraten. Das Hautbild kann sich dadurch deutlich verschlechtern.

Was können Neurodermitis-Patienten noch fĂŒr ein besseres Hautbild tun?

Wichtig bei einer Neurodermitis ist immer, zu schauen, ob eine Allergie besteht, beispielsweise eine Pollenallergie oder eine Hausstaubmilbenallergie, und das Krankheitsbild mitbestimmt. Dann gilt es, die Allergieauslöser möglichst zu vermeiden. Eine Hyposensibilisierung, bei der der Körper langsam an die Allergene gewöhnt wird, ist ein wichtiger Bestandteil der Allergie-Therapie. Sie kann ab einem Alter von circa sechs Jahren durchgefĂŒhrt werden.

Auch andere bekannte Triggerfaktoren sollten reduziert werden. Das können bestimmte Nahrungsmittel oder Substanzen aus der Umwelt, in Kosmetika oder Waschmitteln sein. Auch ein gutes Stressmanagement sowie ein gesunder Lebensstil sind von Bedeutung. Auf Rauchen und Alkohol sollte ebenfalls verzichtet werden.

Frau Kahle, vielen Dank fĂŒr das GesprĂ€ch!

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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  • Sandra Simonsen
Von Sandra Simonsen
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