Menü Icont-online - Nachrichten für Deutschland
HomeGesundheitKrankheiten & SymptomeCorona

Dritter Anti-Corona-Piks: Wer bekommt die Booster-Impfung?


Wer bekommt die dritte Anti-Corona-Dosis?

Von Christiane Braunsdorf

Aktualisiert am 02.07.2021Lesedauer: 5 Min.
Nachrichten
Wir sind t-online

Mehr als 150 Journalistinnen und Journalisten berichten rund um die Uhr für Sie über das Geschehen in Deutschland und der Welt.

Impfung gegen Corona: Für einige kann ein dritter Piks nötig werden.
Impfung gegen Corona: Für einige kann ein dritter Piks nötig werden. (Quelle: picture alliance / dpa Themendienst | Christin Klose)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Symbolbild für einen TextEx-DFB-Stars reagieren auf Bierhoff-AusSymbolbild für einen TextNach 27 Jahren: ARD-Sendung eingestelltSymbolbild für einen TextÖlpreise steigen starkSymbolbild für einen Text"Promi Big Brother": Dieser Star ist rausSymbolbild für einen TextKonzertabsage: Sorge um Steven TylerSymbolbild für einen TextMultimillionär gewinnt im Lotto – HerzanfallSymbolbild für einen TextDésirée Nick teilt Nacktfoto mit MessageSymbolbild für einen TextMonaco-Royals: Babybauchfoto im BikiniSymbolbild für einen TextMassenschlägerei in KinderparadiesSymbolbild für einen TextDroht jetzt eine Sprit-Knappheit?Symbolbild für einen TextDiebe in Luxus-SUV werden geblitztSymbolbild für einen Watson TeaserWWM: Promi versagt gleich doppeltSymbolbild für einen TextDiese drei Krankheiten drohen "Best Agern"
Anzeige
Loading...
Loading...
Loading...

Noch steckt Deutschland mitten in der Impfkampagne. Doch mit dem Szenario einer vierten Welle werden jetzt schon Drittimpfungen ins Spiel gebracht. Für wen könnten sie nötig werden?

Das Wichtigste im Überblick


  • Wie funktioniert das Immunsystem?
  • Was passiert nach der ersten Impfung?
  • Was bewirkt die zweite Impfung?
  • Bietet der Einmalimpfstoff von Johnson & Johnson den gleichen Schutz?
  • Wer braucht eine Booster-Impfung?
  • Wie können Risikogruppen ermittelt werden?

Es bleibt eine der großen Fragen in der Pandemie: Wie lange schützen die Impfstoffe vor einer Infektion mit dem Coronavirus? Müssen wir im Herbst oder Winter alle nachgeimpft werden? Nun kommen gute Nachrichten aus den USA. Forschungsergebnisse an der Washington University in St. Louis legen nahe: Die Wirkung könnte jahrelang anhalten. Die im Fachmagazin "Nature" veröffentlichte Studie zeigt, dass zumindest die mRNA-Impfstoffe (Biontech und Moderna) eine anhaltende Immunreaktion auslösen.


Die gefährlichsten Viren im 21. Jahrhundert

Marburg-Virus: Der Erreger gehört zu den gefährlichsten bekannten Krankheitsviren. Er trat 1967 zum ersten Mal in der Universitätsstadt auf.
MERS-Coronavirus: MERS steht für das 2012 erstmals identifizierte Middle East Respiratory Syndrome und bezeichnet eine schwere bis tödliche Infektion der Atemwege.
+5

Das Team um den Studienleiter, den Immunologen Dr. Ali Ellebedy, untersuchte die Quelle der sogenannten B-Gedächtniszellen. Nach einer Impfung liegt diese in den Lymphknoten in der Achselhöhle. Dort bilden sich jene Zellen, die nach einem erneuten Kontakt mit einem Antigen (in diesem Fall das durch die Impfung verabreichte Fremdeiweiß des Virus-Spike-Proteins) mit der Bildung von Antikörpern reagieren. Somit verhindern sie eine erneute Infektion.

"Ein sehr, sehr gutes Zeichen"

Die Forscher entnahmen bei 14 Probanden, die doppelt mit Biontech geimpft waren, Proben aus den Achselhöhlen. Und zwar im Abstand von drei, vier, fünf, sieben und 15 Wochen nach der ersten Impfdosis. Dabei fanden sie heraus, dass die Quelle zur Bildung von B-Gedächtniszellen (das sogenannte Keimzentrum) auch nach 15 Wochen immer noch hoch aktiv war. Die Zahl der Gedächtniszellen, die das Coronavirus erkennen, war nicht zurückgegangen.

Das ist ungewöhnlich, denn in der Regel erreichen Keimzentren ein bis zwei Wochen nach der Impfung ihren Höhepunkt und nehmen danach wieder ab. "Normalerweise ist nach vier bis sechs Wochen nicht mehr viel übrig", sagte Deepta Bhattacharya, Immunologin an der University of Arizona, in der "New York Times".

"Die Tatsache, dass die Reaktionen fast vier Monate nach der Impfung anhielten, ist ein sehr, sehr gutes Zeichen", erklärte ihr Kollege Dr. Ellebedy in der Zeitung. Eine Auffrischungsimpfung sei laut Studie zunächst nicht notwendig. Voraussetzung sei aber, dass sich das Coronavirus durch Mutationen nicht grundlegend in seiner Struktur verändert.

Jahrzehntelanger Impfschutz?

Forscher der Universität Oxford, die den Impfstoff Astrazeneca entwickelt haben, bilanzieren, dass auch bei diesem Vakzin nach neuen Studien eine dritte Impfung bislang nicht nötig ist.

Das bestätigt auch Dr. Andreas Radbruch, Immunologe und Wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Rheuma-Forschungszentrum Berlin. "Ich gehe davon aus, dass der Immunschutz, den die Covid-19-Impfungen erzeugen, jahrzehntelang anhalten wird", erklärt er im Gespräch mit t-online. "Das Virus ist nicht sehr mutationsfreudig und bislang ist es auch immer so mutiert, dass der Mechanismus, mit dem das Virus in die Zelle eindringt, erhalten bleibt. Und genau dagegen wird ja geimpft."

Für bestimmte Gruppen kommt jedoch eine Dritt- oder Booster-Impfung infrage. Vor allem Ältere und Menschen, die unter einem geschwächten Immunsystem leiden (zum Beispiel bei einer Therapie mit sogenannten Immunsuppressiva) könnten eine schlechte Immunantwort auf die Impfung bilden. Der Schlüssel dazu liegt in den Prozessen, die zwischen der ersten und zweiten Impfung und nach der zweiten Dosis ablaufen.

Wie funktioniert das Immunsystem?

Dr. Stephan Borte, Immunologe am Leipziger St. Georg Klinikum erklärt: "Das Immunsystem überprüft ständig, ob Eindringlinge in den Körper gefährlich sein könnten oder nicht. Dabei handelt es sich nicht nur um Viren, sondern zum Beispiel auch um Pilze oder Bakterien. Es reagiert entweder mit einer Tolerierung dieser Eindringlinge oder mit einer spezifischen Immunantwort, um gefährliche Eindringlinge unschädlich zu machen."

Doch dafür brauche es Wiederholung, also mehrmalige Konfrontation mit dem Gegner. "Hat diese aber stattgefunden, wie zum Beispiel bei den Grundimmunisierungen gegen Masern, gegen die ja im Kindesalter zweimal geimpft wird, ist die Immunantwort sehr langlebig und hält 20 bis 30 Jahre. Nach dem gleichen Prinzip funktioniert die Corona-Impfung."

Meistgelesen
Der Tatort in Illerkirchberg. Zwei Mädchen wurden auf ihrem Schulweg angegriffen und schwer verletzt. Eines von ihnen starb später.
Symbolbild für ein Video
Attacke auf Schulmädchen – Polizei fasst Verdächtigen
Anzeige
Loading...
Loading...
Loading...

Was passiert nach der ersten Impfung?

Radbruch erklärt: "Immunologisch betrachtet ist es so, dass bei einer ersten Impfung Gedächtnis-B- und T-Lymphozyten gebildet werden. Dazu Millionen von Plasmazellen, die nach einem Kontakt mit dem Bestandteil des Virus, wie er in der Impfung verabreicht wird, Antikörper bilden. Und zwar in enormen Größenordnungen: Produziert werden mehrere Tausend pro Sekunde. Und dazu noch sehr unterschiedliche Arten, die die Viren attackieren und sie ausschalten."

Doch die erste Immunantwort ist meist sehr unspezifisch. Borte: "Über 90 Prozent der produzierten Antikörper sind für die Virusbekämpfung nicht brauchbar. Wichtig sind die neutralisierenden Antikörper, die die Bindung des Virus an die Zelle verhindern. Diese machen jedoch nur zwei bis fünf Prozent der gebildeten Abwehrstoffe aus."

Der hohe Antikörperspiegel flaut mit der Zeit also ab, die meisten Plasmazellen sterben nach der Immunreaktion.

Was bewirkt die zweite Impfung?

Sie boostet gewissermaßen die Produktion der Antikörper, die für den Eindringling – den verabreichten Virusbestandteil – maßgeschneidert sind. Radbruch ergänzt: "Nach einer zweiten Impfung werden noch mehr Gedächtnislymphozyten gebildet, jetzt auch viele Gedächtnis-Plasmazellen, die im Knochenmark jahrzehntelang überleben und uns mit ihren Antikörpern schützen." Die Menge dieser maßgeschneiderten Antikörper reicht meist aus, um uns vor normalen Viruskontakten zu schützen. Diese zweite Impfung ist also dringend nötig, um den Prozess abzuschließen. "Ohne eine Erinnerung an den Eindringling entwickelt das Immunsystem keine oder nur wenige schützende Antikörper, da es eine erneute Konfrontation ausschließt", so Borte.

Bietet der Einmalimpfstoff von Johnson & Johnson den gleichen Schutz?

Unter den Experten ist das Vakzin von Janssen umstritten. "Bei einer Einfachimpfung wie bei Johnson & Johnson ist es anzuzweifeln, dass ein ausreichender, anhaltender Schutz aus Antikörpern und Abwehrzellen aufgebaut wird. Es würde mich überraschen, wenn nach dieser Einmalimpfung tatsächlich ein dauerhafter Schutz aufgebaut wird", so Borte.

Der Impfstoff von Janssen: Experten sehen die Einmalimpfung kritisch.
Der Impfstoff von Janssen: Experten sehen die Einmalimpfung kritisch. (Quelle: picture alliance/dpa | Wolfgang Kumm)

Wer braucht eine Booster-Impfung?

Vor allem bei Älteren oder immungeschwächten Menschen könnte sie nötig werden. Im Alter nimmt die Leistungsfähigkeit des Immunsystems ab (Fachbegriff: Immunoseneszenz), das heißt, die oben beschriebenen Prozesse laufen langsamer oder weniger intensiv ab. Leif Erik Sander, Infektionsimmunologe an der Berliner Charité erklärt: "Ich gehe davon aus, dass wir bei älteren Menschen, die zu Beginn dieses Jahres ihre Erst- und Zweitimpfung erhalten haben, eine nachlassende Immunantwort sehen werden."

Loading...
Loading...
Loading...

Sander vermutet, dass es ohne Auffrischungsimpfung im Winterhalbjahr zum Beispiel in Alten- und Pflegeheimen zu zusätzlichen Infektionen kommen könnte, "einem gewissen Jo-Jo-Effekt". Eine solche Auffrischung beziehungsweise "Booster" sollte dann nicht nur Senioren, sondern auch Menschen mit einem geschwächten Immunsystem angeboten werden, etwa zum Zeitpunkt der Grippeschutzimpfung im Oktober.

Eine generalisierte Drittimpfung wird es vermutlich also nicht geben. Auch Radbruch findet das richtig: "Die beiden Dosen der Erst- und Zweitimpfung zeigen eine sehr gute Wirksamkeit auch gegen alle bekannten Mutanten. Statt generell zur Booster-Impfung in Deutschland aufzurufen, sollten wir uns lieber darum kümmern, dass auch andere, ärmere Länder mit Impfstoff versorgt werden. Denn sonst müssten wir unsere Grenzen dauerhaft schließen, um uns vor immer neuen Varianten zu schützen."

Wie können Risikogruppen ermittelt werden?

Radbruchs Vorschlag sind exemplarische Antikörpermessungen, also etwa Antikörpertests bei Älteren. Von diesen Stichproben könnte dann abgeleitet werden, wer eine Drittimpfung braucht. "Fallen da besondere Gruppen auf, die bislang eine schlechte Immunantwort entwickelt haben, sollten diese Menschen nachgeimpft werden."

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Verwendete Quellen
  • Studie zur mRNA-Wirksamkeit
  • Interview mit Andreas Radbruch (29. Juni 2021)
  • Interview mit Stephan Borte (29. Juni 2021)
  • Nachrichtenagentur dpa
  • Eigene Recherche
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingAnzeigen

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Von Laura Stresing, Cem Özer, Sandra Simonsen
Von Christiane Braunsdorf
COVID-19CoronavirusImpfstoffNew York TimesUSA
Beliebte Themen

t-online - Nachrichten für Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagramYouTubeSpotify

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlängerung FestnetzVertragsverlängerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website