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Studie: Grippeimpfung verhindert offenbar schwere Covid-19-Verläufe


Grippeimpfung verhindert offenbar schwere Covid-19-Verläufe

Von Christiane Braunsdorf

Aktualisiert am 13.10.2021Lesedauer: 3 Min.
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Grippeschutzimpfung: Der Piks soll auch vor einer Corona-Infektion schützen.
Grippeschutzimpfung: Der Piks soll auch vor einer Corona-Infektion schützen. (Quelle: Choreograp/ iStock / Getty Images Plus/getty-images-bilder)
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Auch wenn derzeit die Corona-Impfung in aller Munde ist: Der Piks gegen Grippe kann sich wohl auch auf eine Covid-19-Erkrankung auswirken. Er könnte schwere Krankheitsverläufe abwenden.

Die Ständige Impfkommission empfiehlt die Grippeschutzimpfung jedes Jahr Menschen über 60 Jahren, chronisch Kranken oder auch zum Beispiel dem Gesundheits- und Pflegepersonal. Diese Personengruppen wurde auch beim Start der Impfkampagne gegen das Coronavirus priorisiert.


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70 Millionen Daten analysiert

Nun zeigt sich: Der Anti-Grippe-Piks könnte auch Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf nach einer Corona-Infektion haben. Forscher der University of Miami analysierten dazu die die anonymisierten Krankendaten von über 70 Millionen Patienten und filterten 37.000 Personen aus den USA, Großbritannien, Deutschland, Israel, Italien und Singapur heraus. Alle waren an Covid-19 erkrankt.

Gefiltert wurde nach Merkmalen wie ähnliches Alter, ähnlicher sozialer Status, Geschlecht und Vorerkrankungen. Bei den Vorerkrankungen ist bekannt, dass zum Beispiel Diabetes, Übergewicht oder die Lungenerkrankung COPD Einfluss auf die Schwere des Krankheitsverlaufes nehmen und diese Patienten ein höheres Risiko für eine Hospitalisierung (Einweisung ins Krankenhaus) haben.

Risiko für Noteinweisung um 58 Prozent reduziert

Es wurde in zwei Gruppen unterschieden: Die eine hatte mindestens zwei Wochen bis sechs Monate vor der Diagnose einer Corona-Infektion eine Grippeschutzimpfung erhalten. Die andere nicht.

Die Ergebnisse waren eindeutig: Wer gegen Grippe geimpft war, hatte in den ersten 120 Tagen nach der Corona-Infektion ein geringeres Risiko für schwere Krankheitsverläufe. Das Risiko, in die Notaufnahme gebracht werden zu müssen, war um 58 Prozent niedriger als bei Ungeimpften. Die Wahrscheinlichkeit, auf der Intensivstation zu landen, war um 20 Prozent gesenkt.

Und auch andere Komplikationen einer Covid-19-Erkrankung waren bei Ungeimpften deutlich häufiger. Das Risiko von Herzinfarkten und Schlaganfällen im Zusammenhang mit Corona sank bei den Geimpften ebenfalls um 58 Prozent, das für eine Blutvergiftung um 45 Prozent. Das Risiko einer tiefen Venenthrombosen war bei Ungeimpften um 45 Prozent höher.

Andere Studien mit ähnlichen Ergebnissen

Der Zusammenhang zwischen einer Grippeimpfung und einer Auswirkung auf den Covid-19-Krankheitsverlauf wurde schon in anderen Studien nachgewiesen. Eine Analyse der Universität Michigan aus dem Februar kam bereits zu dem Schluss, dass eine Grippeschutzimpfung auch bereits vor der Corona-Infektion schützen kann.

Hier wurden erneut Daten von mehr als 27.000 Patienten gefiltert. Sie waren zwischen März und Juli 2020 auf das Coronavirus getestet worden. 13.000 von ihnen hatten im Vorjahr eine Influenza-Impfung erhalten. 14.000 waren ungeimpft. In der geimpften Gruppe infizierten sich vier Prozent mit dem Coronavirus, bei den Ungeimpften waren es fünf Prozent.

Zu ähnlichen Ergebnissen kamen auch niederländische Forscher und Wissenschaftler der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Auch bei der Michigan-Studie konnte ein positiver Effekt der Grippeschutzimpfung auf die Schwere des Covid-Krankheitsverlaufes nachgewiesen werden.

Der genaue Zusammenhang ist noch unerforscht. Die britische Zeitung "The Guardian" zitiert den Infektionsforscher Peter Openshaw mit den Worten: "Eine Erklärung dafür könnte sein, dass die Grippeimpfung das Immunsystem insgesamt anregt und diese positiven Effekte mit sich bringen kann."

Hoffnung für die armen Länder?

Und noch unter einem anderen Aspekt könnten die Erkenntnisse wichtig sein. Der Grippeschutz könnte in Ländern, in denen bislang kaum Corona-Impfstoff angekommen ist, zu einer Verminderung der schweren Verläufe beitragen.

"Nur ein kleiner Bruchteil der Welt wurde bisher vollständig gegen Covid-19 geimpft", erklärt Dr. Devinder Singh, leitender Autor der Studie aus Miami. Sein Team habe einen Zusammenhang zwischen dem Grippeimpfstoff und einer geringeren Morbidität bei Covid-19-Patienten beobachten können.

"Dieser Befund ist besonders bedeutsam, weil die Pandemie in vielen Teilen der Welt die Ressourcen strapaziert. Daher hat unsere Forschung – wenn sie durch prospektive randomisierte klinische Studien validiert wird – das Potenzial, die weltweite Krankheitslast zu reduzieren."

Kein Ersatz für Corona-Impfung

Seine Kollegin Susan Taghioff ergänzt jedoch: "Trotzdem ist der Grippeimpfstoff kein Ersatz für den Covid-19-Impfstoff und wir setzen uns dafür ein, dass jeder seinen Covid-19-Impfstoff erhält, wenn dies möglich ist."

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Verwendete Quellen
  • Studie der University of Miami
  • Studie der Universität Michigan
  • Eigene Recherche
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