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Impfdurchbrüche unter Delta-Variante: Wie infektiös sind Geimpfte?

Impfdurchbrüche unter Delta  

Wie infektiös sind Geimpfte noch?

Von Christiane Braunsdorf

17.08.2021, 09:08 Uhr
Impfdurchbrüche unter Delta-Variante: Wie infektiös sind Geimpfte?. Anti-Corona-Piks: Welche Rolle spielen Geimpfte für die Virusübertragung? (Quelle: Getty Images/MonikaBatich)

Anti-Corona-Piks: Welche Rolle spielen Geimpfte für die Virusübertragung? (Quelle: MonikaBatich/Getty Images)

Impfungen sollen vor einem schweren Krankheitsverlauf nach einer Corona-Infektion schützen. Doch zunehmend werden Durchbruchinfektionen beobachtet. Tragen Geimpfte die Infektion weiter?

Dass auch doppelt Geimpfte sich mit dem Coronavirus infizieren können, ist bekannt und sorgt für viel Verunsicherung. Klar ist: Mit einer vollständigen Impfung sinkt das Risiko für schwere Krankheitsverläufe oder gar Todesfälle massiv. Doch die Vakzine schützen weniger gut vor einer Infektion

So gab das israelische Gesundheitsministerium kürzlich bekannt, dass die Effektivität der in Israel verwendeten Biontech/Pfizer-Impfung seit Anfang Juni stark nachgelassen habe. Nach Angaben des Ministeriums verhindert die Impfung eine Corona-Infektion nur noch zu 39 Prozent und schwere Erkrankungen zu 91 Prozent. Gleichzeitig verbreite sich im Land die ansteckendere Delta-Variante.  

Daten von Mitte Juli dieses Jahres legten außerdem nahe, dass die Wirksamkeit der Impfstoffe nach einiger Zeit zurückgeht. Seit Anfang August impft Israel alle über 60-jährigen Impfwilligen, deren zweite Impfung mindestens fünf Monate zurückliegt, zum dritten Mal.

Ob dann die Infektionsrate unter Geimpften zurückgeht, ist nicht klar. Dass auch Menschen mit doppelter Impfdosis das Virus weitertragen und somit auch andere gefährden können, erschwert die Pandemiebekämpfung, zumal unter der ansteckenderen Delta-Variante.

Wie häufig sind Impfdurchbrüche?

Menschen entwickeln unterschiedliche Immunantworten auf eine Impfung. Vor allem Ältere oder Vorerkrankte bilden oft keinen ausreichenden Immunschutz. Einen 100-prozentigen Schutz gibt es bei den Impfungen nicht. Damit ist klar: Je mehr Menschen geimpft sind, desto mehr Durchbruchinfektionen sind relativ zu verzeichnen.

Das Robert Koch-Institut (RKI) listet seit Februar 2021 insgesamt 8.715 Impfdurchbrüche auf (Stand: 5.8.2021). Da viele Infektionen asymptomatisch verlaufen, ist von einer höheren Dunkelziffer auszugehen.

Die Behörde nimmt zudem an, dass die Effektivität der Impfstoffe durch die ansteckendere Delta-Variante vermindert ist. Sie soll bei den über 60-Jährigen bei etwa 87 Prozent, bei den 18- bis 59-Jährigen bei 88 Prozent liegen.

Wie sind die Krankheitsverläufe?

Von den über 8.700 gemeldeten und bestätigten Durchbruchinfektionen mussten 808 Betroffene im Krankenhaus behandelt werden. Es ist davon auszugehen, dass es sich dabei um Menschen handelt, die aufgrund eines hohen Alters oder bestimmter Vorerkrankungen keinen ausreichenden Immunschutz entwickeln konnten.

Dramatischer sind die Zahlen in Großbritannien: Von über 300.000 Infektionen, die hier mit der Delta-Variante des Virus ermittelt wurden, waren 47.000 Menschen doppelt geimpft. 670 Menschen starben, 402 von ihnen hatten beide Impfdosen. 389 von ihnen waren über 60 Jahre alt.

Auch andere, kleinere Studien zum Beispiel in Israel sind dem Phänomen auf der Spur. Die Forscher aus Aschdod untersuchten zum Stichtag 20. Mai 2021 die Daten von 152 Covid-19-Patienten, die ins Krankenhaus eingeliefert werden mussten. Die Impfkampagne im Land startete etwa sechs Monate vorher, bis zu diesem Zeitpunkt waren 5,4 Millionen Israelis bereits doppelt geimpft. Die Studie untersuchte lediglich die Daten von 17 Kliniken. Wie häufig Impfdurchbrüche tatsächlich vorkommen, bleibt damit unklar. 

Die Analyse ergab: Nur sechs Prozent der Patienten mit schweren Impfdurchbrüchen waren vorher gesund. Alle anderen (146) hatten mit mindestens einer Vorerkrankungen zu kämpfen. 71 Prozent litten unter Bluthochdruck, 48 Prozent unter Diabetes, 32 Prozent wiesen ein chronisches Nierenversagen auf. Herzinsuffizienz, Lungenerkrankungen, Krebs oder Demenz waren ebenfalls unter den diagnostizierten Vorerkrankungen.

Wie infektiös sind Geimpfte?

Die bisher zugelassenen Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 erzeugen keine sogenannte sterile Immunität. Das heißt: Auch Geimpfte können das Virus weitertragen. Bislang galt allerdings die These, sie würden keine so hohe Viruslast entwickeln wie Ungeimpfte, wären also wesentlich weniger ansteckend. Doch neuere Daten deuten etwas anderes an.

Die britische Gesundheitsbehörde "Public Health England" (PHE) veröffentlichte ein Statement, das nahelegt, dass Menschen, die sich mit der Delta-Variante infizierten, sehr ansteckend sind – und zwar unabhängig davon, ob sie geimpft sind oder nicht. Der Meldung nach ist die Viruslast bei Geimpften, die nach einer Durchbruchinfektion positiv getestet wurden, genauso hoch wie bei Ungeimpften. Damit sind sie in den ersten Tagen nach der Infektion hochansteckend.

Das geht auch aus den Analysen der US-Seuchenschutzbehörde "Centers for Disease Control and Prevention" (CDC) hervor. Dort wurde ein Virusausbruch am Nationalfeiertag des 4. Juli in Massachusetts untersucht. Von den 469 Infektionen, die auf der Halbinsel Cape Cod ausgemacht wurden, waren drei Viertel vollständig geimpft. Die Forscher folgerten aus der Verteilung der Fälle offenbar, dass Geimpfte, die sich infizieren, ähnlich infektiös sind wie Ungeimpfte. Sie können eine ähnlich hohe Viruslast tragen.

Dies gilt aber offenbar nur für die ersten Tage nach einer Infektion. Das legen zumindest Analysen des National Centre of Infectious Diseases in Singapur nahe. Danach geht die Viruslast bei Geimpften deutlich schneller zurück als bei Ungeimpften.

Was raten Experten?

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, sprach sich vor dem Hintergrund der Impfdurchbrüche am vergangenen Wochenende für eine Testpflicht für sämtliche Reiserückkehrer aus dem Ausland aus. Alle Einreisenden müssten ausnahmslos einen negativen Corona-Test vorlegen, "auch Geimpfte und Genesene", sagte Montgomery den Zeitungen der "Funke Mediengruppe".

Auch der Epidemiologe Markus Scholz von der Universität Leipzig hält eine Testung von Geimpften auch außerhalb der Reisesaison für sinnvoll: "Die Impfung schützt zu 90 Prozent vor einem schweren Krankheitsverlauf, aber nur zu 60 bis 80 Prozent vor einer Infektion", erklärt er im Gespräch mit t-online. "Damit können Geimpfte auch Virusüberträger sein. Das heißt auch: Je mehr Durchseuchung zugelassen wird, desto mehr werden auch geimpfte Personen und damit Risikogruppen betroffen sein."

Und Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, hält Tests von Geimpften in bestimmten Situationen für sinnvoll: "Mit der Zahl der Impfungen steigt auch die Zahl der Durchbruchsinfektionen", so Watzl gegenüber dpa. "Diese ist zwar reduziert, aber je nachdem, wie die Impfung bei mir gewirkt hat und je nachdem, welche Viruslast mein Gegenüber in sich trägt, kann es schon dazu kommen, dass ich mich als Geimpfter anstecke." Gerade für ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen könne es dann gefährlich werden.

Impfung via Nasenspray: Ist das die neue Hoffnung? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)Impfung via Nasenspray: Ist das die neue Hoffnung? (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Sein Ratschlag: Wenn sich Geimpfte und Ungeimpfte privat gemeinsam treffen wollen, wie auf einer Gartenparty, sollten sie sich vor so einem Treffen testen lassen. Denn immer, wenn sich Geimpfte und Nichtgeimpfte treffen, steige das Ansteckungsrisiko auch für die Geimpften. "Da nicht immer klar ist, wer etwa welche Vorerkrankung hat, ist es am einfachsten, wenn sich vorher alle testen lassen." Dabei seien Bürgerschnelltests etwas sorgfältiger als der Selbsttest für zu Hause, ausreichend seien aber beide.

Dr. Ulrich Lauer vom Universitätsklinikum Tübingen fordert die Entwicklung neuer Impfstoffe: "Gegenwärtig verfügen wir ausschließlich über Impfstoffe der ersten Generation", erklärte er im Gespräch mit t-online. "Diese wurden unter der Prämisse entwickelt, so schnell als irgend möglich zugelassen werden zu können und hatten dementsprechend zunächst 'lediglich' die Vorgabe zu erfüllen, vor schweren Krankheits­verläufen und vor dem Tod im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung zu schützen. Dieses Ziel erreichen sie in aller Regel auch sehr gut, denn auch Menschen, die sich trotz vollständiger Impfung infizieren, erkranken in der Regel nicht schwer und sterben nur sehr selten. Was wir jetzt aber brauchen, sind Impfstoffe einer neuen Generation, die zusätzlich auch die Infektionen, die gegenwärtig noch von doppelt Geimpften ausgehen, in effizienter Weise ausbremsen."

Er forscht an einer Nasenspray-Impfung. Erste klinische Studien sind im nächsten Jahr geplant.

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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